Cannes zu Fuß – La Croix des Gardes

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Gut, ich habe gestern Abend mal die Pflicht und die Kür verbunden, damit das mit den Cannes-Spaziergängen noch was wird. Doch, doch, ich laufe. Ich laufe aber vor allem, um mein Knie zu trainieren. Entweder morgens früh am Strand und dann schwimme ich auch ein Stück oder abends im nahen Stadtwäldchen La Croix des Gardes, das sich in Laufnähe auf dem Hügel über Cannes erstreckt.

In der Regel ist es aber ein zügiges Laufen, ein Training eben und kein gemütliches Spazierenlaufen, allein mit dem Ziel Kleinigkeiten am Wegrand zu entdecken. Gestern habe ich dann aber doch mal den Fotoapparat mitgenommen und versucht, alles an Farben, Geräuschen, Gerüchen, an Flora und Fauna aufzunehmen.

K800_DSCN3587Als erstes ist mir aufgefallen wie wahnsinnig laut man Autoverkehr man hört, auch wenn man ihn gar nicht sieht und ich habe begriffen, dass ich mich oberhalb des von mir schon abgelaufenen Boulevard du Riou befinde, auf der anderen Seite sehe ich den Friedhof, um den ich damals auch gelaufen bin und dazwischen gräbt sich die Schnellstraße ihren Weg. Ich habe meinen (zugegeben nicht sehr detailreichen) Stadtplan wiedergefunden und Ihnen zumindest die Zugangsstraße den Boulevard Lord Brougham eingezeichnet, von dem ein Weglein abgeht. Lord Brougham ist der, der das verschlafene Dorf Cannes als angenehmen Winterferienort entdeckte und es leichtsinnigerweise überall K800_DSCN3589in der reichen Society herumerzählte. Das haben wir jetzt davon. Auf dem Plan sind nur die Straßen eingezeichnet, die durch das Gebiet führen, nicht die Waldwege, aber ich lief so im östlichen Drittel herum, also im Grünen rechts, wenn sie drauf sehen ;) Ich laufe also das Weglein in den geschützten Naturpark hinein und sehe sofort etwa 50 shades of green : Hier wachsen vor allem viele Mimosen, aber auch Eichen, Pinien, Oliven- und Eukalyptusbäume, und ich höre Autoverkehr.

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An manchen Stellen sieht man den Friedhof auf der anderen Talseite oder ein paar Häuser, die es am Rand des Naturschutzgebietes noch gibt und weiter weg den weißen Koloss des neuen Krankenhauses von Cannes. Je weiter man in den Park läuft desto geringer werden die Autogeräusche und jetzt hört man Vögel zwitschern, Hunde bellen, Kinder lachen … La Croix des Gardes ist ein Naturschutz- und Naherholungsgebiet in einem. Man darf, wenn auch nicht überall, sogar Hunde frei laufen lassen, was an manchen Stellen zu einem richtigen Hunde-Auflauf führt : Jogger mit (und ohne) Hund(en), Familien mit Kindern und Hund(en), Gruppen von Männern oder Frauen mit vielen Hunden und Paare alt, jung, dick und dünn mit entsprechendem Hund … Hunde überall. Gestern gab es dort eine Art Apéro mit Hund. Viele Hunde sind da, ein Kätzchen aber wird vermisst. Was mir auffällt: trotz Cannes, trotz Stadt, hier im Wäldchen sagt man sich wieder guten Tag, atemlose Jogger nicken nur freundlich und verschwitzt, aber sie grüßen! Nur Touristen, die sich wer weiß warum hierher verirren, grüßen nicht.

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Die Police Municipal hat in der Croix des Gardes ihre Pferde mit Stall und großem Terrain und Übungsgelände. Es gibt einen Trimm-Pfad und einen Sentier Nature, der die hier vorkommenden Bäume, Vögel, Schmetterlinge und Käfer erklärt.

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Es gibt übrigens gerade viele Ameisen, die lange Schneisen ins Unterholz gelaufen haben, und zwar die großen, die heimischen, wie mir Monsieur zufrieden erklärt, die guten also, nicht die bösen kleinen aus Argentinien eingewanderten Ameisen, die verdächtigt wurden die heimischen Ameisen auszurotten. Anscheinend ist es ihnen nicht gelungen. (Nein, kein Kommentar zur politischen Lage an dieser Stelle!) Kürzlich lief ich an einem Arboretum vorbei, einem angelegten Baumpark, den ich gestern aber nicht wieder gefunden habe, bislang verlaufe ich mich immer und finde den Weg zurück meist nur über die Straße. Wobei, einmal (vor ein paar Jahren) kam ich trotz Straße, die ich glaubte wieder zu erkennen, an einem mir völlig unbekannten Ort raus und musste Monsieur anrufen, der mich am anderen Ende in Cannes-La Bocca wieder einsammelte.

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Ganz oben auf dem waldigen Hügel steht es dann das Kreuz, das über Cannes wacht und dem Wäldchen den Namen gab: La Croix des Gardes und von dort hat man einen Blick aufs Meer – nicht so richtig klasse, weil Bäume und Büsche die Sicht versperren. Aber wenn man an den Fuß des Kreuzes hochklettert, sieht man ein bisschen was.

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Bei der Befreiung von Frankreich durch die Alliierten zerschellte nicht weit davon ein amerikanisches Flugzeug, eine Skulptur und ein Gedenkstein erinnern an die Besatzung, die hier 1944 ihr Leben verlor.

La Croix des Gardes gilt als unbebaubares und naturgeschütztes Gebiet, abgesehen von den bestehenden Häusern aus früherer Zeit, die dürfen dort sein. Man darf nicht mehr überall herumlaufen, wie zu Monsieurs Kinderzeit, sondern muss schön auf den eingezäunten Wegen bleiben, was Monsieur nicht aufhört zu beklagen „früher bin ich da einfach geradeaus gelaufen“…  Aber siehe da, in schönster Lage steht da jetzt plötzlich doch ein neuer Rohbau, irgendjemand hat dem Bürgermeister dann doch eine Baugenehmigung abgeschwatzt, vermutlich mit überzeugenden Argumenten. Mir scheint, als habe man mit vielen grünen Heckenpflanzen in Kübeln, die dort auf den nackten Betonterrassen bereits stehen, den Rohbau tarnen wollen, so dass man ihn von weitem nicht so richtig sieht. Aber ich kann mich auch täuschen und es ist nur ein Naturliebhaber, was ja auch erklären würde, warum er mitten im Naturschutzgebiet gebaut hat.

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