Zu Fuß – le Canal de la Siagne

Sie merken schon, ich habe soi-disant Ferien und bin unterwegs. Zu lange habe ich am Schreibtisch festgesessen. Der zweite Fall für Duval ist soweit fertig, wir warten auf die Korrekturfahnen, und ich muss endlich raus! Wenn ich schreibe, geht irgendwie nicht viel anderes. Ich hoffe, das ändert sich zukünftig mit etwas mehr Routine, denn mein Bewegungsradius ist monatelang sehr reduziert …

ich bin eingeklemmt zwischen Schreibtisch, Küchenherd, Bügelbrett und Fernsehgerät. Und zum Leidwesen von Monsieur bin ich noch ungeselliger als ich eh‘ schon bin. Dass ich in der Regel morgens zum Laufen und Schwimmen an den Strand gehe und zusätzlich zweimal in der Woche zum Muskeltraining liegt nur daran, dass mir mein Krankengymnast entsprechend Druck gemacht hat und mich regelmäßig anmaulte, wenn ich nicht genug Fortschritte machte. Und so kann ich tatsächlich (fast) wieder laufen, als sei nichts passiert. Neulich ertappte ich mich dabei, wie ich die Treppe runterrannte. Da war ich dann richtig erschrocken.

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Aber viel mehr habe ich nicht unternommen die letzten Monate. Jetzt aber! Wir waren also nochmal unterwegs – ein Sonntagsnachmittagsausflug bei weniger brilliantem Wetter, das haben wir ja auch hin und wieder. Wir sind ein paar Kilometer am Canal de la Siagne entlang gelaufen.

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Ende des 19. Jahrhunderts wurde er gebaut, um Grasse und vor allem Cannes regelmäßig mit Trinkwasser zu versorgen. Hier zeugen noch immer viele unförmige Zisternen in Gärten von der Zeit, in der die Wasserversorgung noch weniger organisiert war. Der Kanal ist über 40 Kilomter lang (die Angaben schwanken zwischen 43 und 47 km) und man kann ihn wohl neuerdings komplett ablaufen. Er beginnt bei St. Césaire sur Siagne und führt hinab bis nach Cannes. Wir sind irgendwo bei Mougins „eingestiegen“ und liefen Kanalaufwärts. Der Weg ist nicht sehr breit, aber man kann zu zweit nebeneinander laufen, manchmal muss man auch ein bisschen balancieren, und einmal überquerten wir eine Straße.

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Man läuft entlang des Kanals und vorbei an der Hinterseite von Privatgrundstücken, die in Mougins mehr oder weniger groß, luxuriös und entsprechend abgeschirmt sind, man erhascht Blicke auf Swimmingpools, Schaukeln und Wäscheständer. Und hin und wieder ist der Blick auch frei: Es ist Grasse, was da bei grauem Himmel unscharf in der Ferne zu sehen ist. Die Strecke entlang des Kanals ist manchmal waldreich, lichtlos und verwunschen, manchmal offener und leicht romantisch verwildert. Kleine Brückchen führen zu Grundstücken auf der anderen Kanalseite. Es ist noch ziemlich grün, es hat ja auch viel geregnet dieses Jahr, und es gibt nur wenige herbstliche Farben. Es blüht auch noch überall. Das Weiße, das man vor einem der Häuser sieht, ist auch kein Schnee sondern eine Gänseblümchenwiese. Den Kanal abzulaufen ist auch ein schönes Projekt, finde ich – das nächste Mal suche ich den Einstieg in Cannes.

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9 Kommentare zu Zu Fuß – le Canal de la Siagne

  1. Marion sagt:

    Oh ja, nett! Das Häuschen auf Bild 15 wär‘ doch was, oder?
    Dein Krimi lag neulich in der Mayerschen am Neumarkt auf einem zentralen Extra-Tisch nur mit französischen Krimis…
    Den Feed habe ich wieder gelöscht, weil ich mehr klicken muss als wenn ich direkt auf Deine Homepage gehe, dabei habe ich meines Erachtens alles richtig gemacht (habe es nochmal versucht). Na ja…
    Neueste amüsante Schlagzeile hier: Die frz. Kulturministerin hat seit 2 Jahren kein Buch mehr gelesen u. war nicht in der Lage, sich mit dem frz. Nobelpreisträger über dessen Werke auszutauschen. Lol…:-) Es geht bergab mit der Grande Nation.
    Ach, und schick‘ mal Deinen Krankengymnasten vorbei, so einen könnte ich gut gebrauchen…:-)
    A +, Marion

    • dreher sagt:

      Ah, Marion, das Häuschen ist nicht viel größer als eine Hundehütte, bisschen größer dürfte es schon sein – aber es hat mich auch angesprochen ;-)
      Der KG ist sehr old-fashioned, gammelige Sous-Terrain-Praxis, nicht sehr charmant, starker Raucher – alles nicht so prickelnd, ABER efficace! (ich gebe zu, wenn Monsieur mich nicht zu ihm verpflichtet hätte, wäre ich nicht hingegegangen)

      • dreher sagt:

        oups – kleines Missverständnis, ich dachte, du meintest das Hüttchen auf Bild 8 … das Haus mit der Gänseblümchenwiese ist mir hingegen schon wieder zu groß …

  2. Claudia Petroni sagt:

    Hallo,
    ich bin ein langjähriger „stiller“ Fan vom Bodensee. Bin immer wieder begeistert von den tollen Fotos und den vielen guten Tipps für Unternehmungen am Rande der Strecke. Auch an diesem Kanal würde ich gerne mal entlanglaufen, sieht toll aus. Leider sieht man auf dem ersten Foto gleich ein Hundeverbotsschild und das geht bei uns leider garnicht, weil unser Hund immer dabei ist. (Während die beiden Katzen leider zuhause bleiben müssen. :-(((( ) Ist das nun überall am Kanal so?

    Neblige Grüße vom schönen Bodensee

    Herzlich Claudia P.

    • dreher sagt:

      Ach, liebe langjährige stille Claudia, mit Verbotsschildern und Regeln nehmen es die Franzosen ja nicht so genau, Hunde haben sie aber alle ;-) Es gab nur ein einziges Schild auf zehn Kilometern Strecke und ich sah dort einige Spaziergänger mit Hunden (an der Leine) – vielleicht wird es in der Hauptsaison strenger gehalten – so ähnlich wie mit den Stränden – es ist nämlich verboten, seinen Hund mit an den Strand zu nehmen, aber außerhalb der Saison sagt keiner was – nur die Häufchen sollten entsorgt werden. Ich werde beim nächsten Spaziergang am Kanal drauf achten!
      Nur im Nationalpark Mercantour sind Hunde ABSOLUT nicht zugelassen. Und die Parkwächter sind dort sehr streng und unerbittlich.
      Liebe Grüße an den Bodensee!

  3. Eva sagt:

    Hallo, liebe Christjann,
    Da freu ich mich doch schon sehr auf „Nachschub“ von Monsieur le Commisaire! Für Frankreichfeeling in Deutschland.
    Kann es sein, dass Du Deine Profession gefunden hast oder trügt mich mein Eindruck?
    Herzliche Grüße aus dem Süden von D,
    Eva

    • dreher sagt:

      Liebe Eva,
      das freut mich, wenn du dich freust! Nachschub kommt aller Voraussicht nach im März. Und ja, ich glaube das Schreiben ist „meins“ :)
      südliche Grüße zurück!

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