Ich war fremd – die Blogparade

Voilà, hier kommt also das Ergebnis der Blogparade, die Friederike vom Landlebenblog ausgerufen hatte. Ich verlinke den Artikel –> HIER. Darin finden Sie wiederum links zu 30 Menschen, die auf ihren Blogs erzählen, dass sie sich fremd fühlen, sei es in der Familie, in der Stadt, im Land oder in der Welt. Meinen Text finden Sie auch noch einmal, es ist vielleicht nicht der stärkste zum Thema, es brannte mir wohl gerade nicht so auf der Seele das Fremdsein, ich habe es irgendwie integriert in mein Leben, meistens zumindest. Dabei begleitet mich das Anderssein, das Fremdsein schon immer, das Gefühl nur am Rand zu stehen und zuzuschauen bei dem, was alle tun und das für alle anderen so selbstverständlich scheint. „Bereust du es nicht, keine Kinder zu haben?“, wurde ich neulich gefragt. Nein, antwortete ich, ich bereue es nicht. Ich weiß nicht mal, wie es ist Kinder haben zu wollen, ich kenne dieses Gefühl, dieses Bedürfnis nicht, das für die meisten Frauen (und Männer?) so normal zu sein scheint. Ich wollte keine Kinder. Heute kann ich es so sagen, aber ich wusste es lange selbst nicht und wartete immer darauf, dass sich der Wunsch nach einem Kind einstellen möge, aber er kam nicht. Eine Familie wollte ich auch nicht. Aber ich wollte einen Partner, einen echten Seelen-Partner, oder wollte ich eine Partnerin? War das vielleicht die Antwort auf mein Fremdsein? Aber nirgends fand ich, wen oder was ich suchte, I still haven’t found what I’m looking for, war lange meine Hymne. Fremd, fremd immer und immer wieder. Immer stand ich als aufmerksame Beobachterin dabei, versuchte alles genau so zu machen wie die anderen, aber ich dachte „es fühlt sich nicht richtig an, das ist es nicht“. Als ich beruflich da war, wo ich sein wollte, stand ich fremd auf den damals so beliebten Gartenparties herum, alle schienen sich so gut zu amüsieren und ich konnte am nächsten Tag lesen, dass es ein rauschendes Fest gewesen war, aber ich hatte mich den ganzen Abend gefragt, was mache ich hier? Vielleicht kann man gut weggehen, wenn es so ist. Immer wieder weg und weiter weg. Fremd bin ich sowieso. So zu tun als ob, habe ich gelernt. Anpassen tue ich mich schon mein ganzes Leben. Vielleicht ist dann das Ausland auch nur eine weitere Station, unvermeidbar geradezu. Aber es war dann schon ein Schock, das habe ich ja schon mehrfach erzählt. Und die Einsamkeit und das Fremde waren so präsent wie nie zuvor. Und warum es ausgerechnet dieses Bergdorf geworden ist, in dem ich mich endlich hinsetzen konnte, Ruhe fand und bleiben wollte, das verstehe ich manchmal auch nicht. Der Film Out of Rosenheim oder Bagdad Café mit Marianne Sägebrecht fällt mir gerade wieder ein.

Vielleicht erklärt der Film mein Leben, denke ich gerade: An dem so verlassenen und absurden Ort, an den es einen verschlagen hat, einfach zu bleiben und dort anzufangen zu leben. Und sich dabei selbst finden. Vielleicht ist es das, was mir passiert ist. Fremd bin ich deshalb nicht weniger, aber das kenne ich ja schon. Das gehört wohl zu meinem Leben und es drückt mal mehr, mal weniger, und immerhin ist es weniger befremdlich sich im Ausland fremd zu fühlen als in Deutschland. Und wie tröstlich, dass ich mit meinem Fremdeln nicht alleine bin. Sehr oft habe ich beim Lesen der anderen „Ich war fremd-Texte“ genickt und gedacht „Ja, genau! Das hätte ich auch noch sagen sollen!“ oder „Kenne ich!“ und „So ist es bei mir auch!“ Vielleicht geht es Ihnen beim Lesen ähnlich?

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Ein Kommentar zu Ich war fremd – die Blogparade

  1. Marion sagt:

    Ach Christiane, Du sprichst mir mal wieder aus der Seele. Es ging mir wie Dir mit dem nicht vorhandenen Wunsch nach Familie und Kindern. Das „Danebenstehen“ kenne ich auch gut. Was das Fremdsein im Ausland angeht, so erinnere ich mich an die Worte einer frz. Kollegin „Wir (also wir, die für den Job ausgewandert waren) fliehen doch alle vor etwas“.
    Das ist ein kluger Gedanke von Dir, dass das Fremdsein im Ausland weniger befremdlich ist, weil man ja sowieso fremd ist. Besonders unter Gleichgesinnten habe ich das damals stark so empfunden, vor allem auch den positiven Aspekt, die Freude am Fremdsein.
    Seit meiner Rückkehr nach D spüre ich das Fremdsein jedoch umso mehr und es ist ein negatives Gefühl und eine Last, noch mehr nicht dazuzugehören, und das im eigenen Land, wie vor dem Weggehen. Das hat sich in den ganzen Jahren auch nicht wesentlich geändert, obwohl ich mich ja in Köln wohl fühle…
    Kompliziert und wie dem auch sei „Out of Rosenheim“ wäre es auf jeden Fall wert, nochmal gesehen zu werden…
    Nun denn, heute zumindest viele patriotische Grüße aus der Heimat zum Tag der deutschen Einheit von
    Marion

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