Bonne année !

WunderkerzenAufgrund der vergangenen Anschläge in Paris und anderswo sieht man das Silvesterfeuerwerk vielerorts mit gemischten Gefühlen. In Brüssel wurde es ganz verboten, ebenso in Paris. Dank eines riesigen Sicherheitsaufgebots wird zumindest das mitternächtliche Flanieren auf den Champs Elysées gewährleistet. In Cannes findet das Feuerwerk wohl statt. Falls wir nach dem langen Essen noch wach sein sollten und ausreichend motiviert, werden wir vielleicht noch einmal rausgehen, um einen Blick darauf zu werfen.
Es gibt aber nur ein großes, von der Stadt organisiertes Feuerwerk, das allgemeine Geknalle, privat abgefackelte Raketen und Böller kennt man hier so gut wie gar nicht. Mir persönlich fehlt es nicht, ich bin ehrlich gesagt ziemlich ängstlich und hatte schon immer Haustiere, die das tagelange Geknalle auch nicht lustig fanden. Als Kind warf ich maximal ein paar Knallerbsen auf den Boden, später konnte ich mich allerhöchstens für Wunderkerzen erwärmen.

Einmal war ich an Silvester in Paris, wo wir uns bei einem Freund meines damaligen Freundes ein bisschen selbst eingeladen hatten; man ruft ein paar Tage vor Silvester an und fragt leutselig „was macht Ihr eigentlich so an Silvester“ und wartet darauf, dass der Freund großzügig sagt, „wenn Euch die Fahrt nicht schreckt, könnt Ihr gern kommen“. So fuhren wir also nach Paris. Silvester in Paris! Wow! Ich hatte eine ganze Ladung Wunderkerzen im Gepäck, als Silvestermitbringsel. Man sah mich irritiert an, vermutlich hatte man eher einen kulinarisch-deutschen Beitrag zum üppigen Silvesterbuffet erwartet oder wenigstens ein paar Flaschen Champagner, aber wir hatten nur eine Flasche Sekt dabei und wie gesagt Wunderkerzen. Und dann wurde gegessen. Denn das machen die Franzosen an Silvester: sie essen. Wie immer eigentlich, nur eben noch aufwändiger. Aber das wusste ich damals nicht und fand es ziemlich anstrengend und außerdem ziemlich langweilig. Ich wartete diesmal sehnsüchtig auf das Feuerwerk und darauf, dass alle auf die Straße zum Knallen gehen würden und sah nervös auf die Uhr. Endlich! Um Mitternacht wurde der Champagner geöffnet und man stieß an und wünschte sich Bonne année! Aber niemand machte Anstalten auf die Straße zu gehen. Na, dann mache ich mal den Anfang, dachte ich, suchte die Wunderkerzen und ein Feuerzeug und begann die Wunderkerzen anzuzünden. Ich hielt ein ganzes Bündel davon in der Hand und wollte sie nun gern an die Anwesenden verteilen, die sahen mich aber nur mit großen Augen furchtsam an, und niemand nahm mir eine Wunderkerze ab. Ich stand da mit meinen fünfzig Wunderkerzen, die wild spritzten und sich nun in meiner Hand gegenseitig entzündeten und dabei zu einem großen Klumpen verschmolzen, der dann irgendwann schwer herunterfiel und ein großes Loch in den Teppichboden brannte. Ich schämte mich, aber ich verstand nichts. „Warum habt ihr mir denn keine Wunderkerzen abgenommen?“, fragte ich fassungslos. Die Franzosen aber verstanden mich nicht und sahen mich nur böse an. Was hatten sie da für eine Verrückte eingeladen, die nicht mal etwas zu Essen mitgebracht hatte und stattdessen ein Feuerwerk in der Wohnung abfackelt? So richtig ausgelassen wurde die Silvesterstimmung nicht mehr. Wir sind dann auch noch mitten in der Nacht zurückgefahren. Silvester in Paris. Ganz toll.

So, jetzt muss ich zurück in die Küche und versuche gleich noch einmal Mayonnaise zu machen (die erste ist nichts geworden), denn zu den Bulots, die Monsieur erstanden hat, gehört einfach Mayonnaise. Austern gibts natürlich auch und allerhand Meeresgetier. Abgesehen vom Essen passiert hier nicht viel. Ich habe aber ein Päckchen Wunderkerzen aus Deutschland gesendet bekommen. Die könnte ich vielleicht abfackeln ;-) Schönen Abend Ihnen! Kommen Sie gut rein! Und Bonne année! 

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6 Antworten auf Bonne année !

  1. Gerd Ziegler sagt:

    Einen lieben Gruß nach Cannes, verbunden mit den besten Wünschen für 2016 :-)

    (Hihihihi… auch wenn es für Dich peinlich war, das mit den Wunderkerzen und dem Loch im Teppich meine ich, aber ich stelle mir die Situation sehr drollig vor…..)

    • dreher sagt:

      Danke Gerd, für dich und deine Lieben auch hier noch einmal beste Wûnsche! Naja, an dem Abend fand das glaube ich niemand drollig – die Franzosen waren sauer und ich schämte mich in Grund und Boden oder zumindest unter den Teppichboden – und selbst heute ist mir das noch unangenehm in Erinnerung, aber ich weiss schon auch, dass es heute eine witzige Geschichte ist, zumindest für ale anderen *augenroll*

  2. Marion sagt:

    Dir auch nochmals Bonne Année 2016 Christjann! Habe auch einmal ganz spontan Silvester in Paris verbracht, bei Freunden einer Studienkollegin, und kann mich ebenfalls daran erinnern, wie irritiert ich über das nicht stattfindende Feuerwerk war. Dass wir lange gegessen haben, weiß ich auch noch, aber nicht mehr, was. Oja, Wunderkerzen liebe ich auch, aber diese Nacht hat mir das Feuerwerk am Himmel so gut gefallen, dass ich es glatt verpasst habe, welche anzuzünden.
    A +, Marion

  3. Dieter sagt:

    Hallo Christjann,
    unsere Tochter hat mir das Buch „Zwischen Boule und Bettenmachen“ zu Weihnachten geschenkt, das sehr schön das Alltagsleben in Südfrankreich beschreibt. Ich selbst war das letzte Mal 2011 in Paris mit unserem VHS-Französisch-Kurs. Ich werde sicherlich noch öfter auf Deinem Blog herum stöbern. Grüße und viele Bises (bin gerade auf Seite 69) Dieter Wimmers (obschon es von Männern eher unerwünscht ist)

    • dreher sagt:

      Hallo Dieter, zumindest von unbekannten Männern nehme ich gar keine bises mehr an ;-) Freut mich aber, wenn Ihnen Buch und Blog gefallen. Viel Vergnügen beim Lesen und Stöbern. (Ist schon ein bisschen her, das Leben im Dorf, und wie es dann weiterging, findet man hier auch, aber eins nach dem andern.)