Axel, Claude und Dominique

„Persönlich, aber nicht privat“, wäre eine gute Art zu bloggen, hat mir kürzlich Kiki geraten. Ich weiß gar nicht so richtig, wie das gehen soll, ich bin vermutlich schon immer viel zu privat. „Nicht intim“ sagte hingegen Micha. Gut, das verstehe ich. Aber Kiki hat auch ihre Zeichnungen und Designs und ihren Bären anzubieten, Micha hat ihre leckeren Rezepte, aber ich nur mein Gelaber. Über Cannes und Frankreich vorzugsweise, aber nicht nur. Bleibt aber doch immer meine Geschichte, mein Leben. Wie sollte ich denn da nicht privat sein? Aber „ich habe es wohl gehört“, wie man hier sagt, und ich bewege das alles in meinem Herzen.

Deswegen kommt heute eine ganz intime Geschichte, hehe. Jetzt klicken bitte alle, die das nicht lesen wollen, weg. Dankeschön. Intimes Frauenthema. Hier klicken jetzt meine drei männlichen Leser auch weg. So. Ich warte noch einen Moment …….. soooodele …… ich schiebe die Bleistifte auf dem Tisch hin und her, hole mir noch einen Kaffee  …….. Noch jemand da? Gut. Nur Sie und ich. Prima, dann sind wir ja jetzt ganz unter uns. Tatsächlich ist es ja ein interessantes Phänomen, dass man sich Fremden viel leichter anvertraut als der eigenen Familie oder Freunden. Das nimmt manchmal auch ganz komische Auswüchse an: Es gab mal einen Sendung, war das „Nur die Liebe zählt?“ oder doch noch etwas anderes, ich weiß es nicht mehr, aber da gab es verklemmte Jungs, die sich nicht getraut haben, dem angehimmelten Mädchen aus der Clique ihre Liebe zu erklären, die haben es dann, dank der Sendung, vor laufender Kamera im vollbesetzten Fußballstadion in ein Mikro gestammelt. Dann gings plötzlich. Ganz intim. So. Langes Vorgeplänkel. Sind Sie noch da? Sie können noch wegklicken.

Ich war heute früh beim Gynäkologen. Nach gefühlten Ewigkeiten mal wieder. Ich gehe nicht gerne zum Gynäkologen. Zu intim irgendwie. Ja, lachen Sie nur. Ich war schon in Deutschland ungern beim Gynäkologen, das fing schon mit dem allerersten an. Eine Frau. Wenig einfühlsam. Brutal könnte man auch sagen. In jeder Hinsicht. Warum wird man Gynäkologe? Gynäkologin? Um es den Frauen mal so richtig heimzuzahlen? Leider bin ich ja so oft umgezogen in meinem Leben, so dass ich, selbst wenn ich mal zufällig eine gute Gynäkologin oder einen guten Gynäkologen hatte, nicht sehr lange bei ihr/ihm geblieben bin. Aber viel häufiger gab es wenig freundliche ÄrztInnen und unwürdige Situationen, wo man zwischen Wartezimmer und Sprechzimmer nackt in einem Kabuff hockte und alles, drinnen wie draußen, mitbekam. Schrecklich. Nein, das war nicht kurz nach dem Krieg, wenn auch im bereits vergangenen Jahrhundert, aber noch in den Neunzigern in Göttingen war das so. In Frankreich bin ich zunächst zu einem Gynäkologen nach Nizza gefahren, eine junge Frau aus dem Bergdorf hatte ihn mir empfohlen, er hat ihre beiden Kinder auf die Welt gebracht. Das hat mich überzeugt. Zunächst bekomme ich einen Termin noch in derselben Woche, was mich, an Wartezeiten zwischen drei und sechs Monaten gewöhnt, schon einmal umhaut. Es ist eine Gemeinschaftspraxis, drei Ärzte, eine Handvoll Arzthelferinnen, ein riesiges Design-Wartezimmer mit Skulpturen und großformatigen, wildbunten Gemälden und wulstigen Sofalandschaften. Es ist allerdings voll. Wenn ich den Termin auch schnell bekommen habe, hier warte ich (auch zukünftig jedes Mal) stundenlang. Dann der Arzt. Mittelalt, kräftig, braungebrannt, am Hals offenes, rosafarbenes Hemd, kein Kittel, Goldschmuck, singend und mit den Arzthelferinnen scherzend. Ich, völlig verschüchtert, erinnere mich an kein einziges französisches Wort mehr. Insofern denke ich, wenn er mich duzt, dann ist das, um mich etwas aus der Schockstarre zu lösen. Er pfeift fröhlich bei allem, was er tut und fragt dann gutgelaunt „on va faire un p’tit frotti ?“ Mir wird heiß. Un p’tit frotti, in meinen Ohren klingt das irgendwie unanständig, se frotter heißt, sich an etwas oder jemandem reiben und klingt für mich wie ein Vorschlag zu, verzeihen Sie, fickificki. Meint er aber nicht. Un frotti ist das offizielle Wort für Abstrich, ich nicke dann auch ergeben, aber ich bin doch durcheinander. Später macht er mir Komplimente zu meiner Jungmädchenbrust, und zum Abschied küsst er mich. Diese Wangenküsschen, Sie wissen schon. Bei den schnodderigen und kurzangebundenen Arzthelferinnen stelle ich einen Scheck über 60 Euro aus für den Docteur und nochmal 40 Euro für den frotti, nein, natürlich fürs Labor, und wanke hinaus. Alles ist mir fremd. Die Küsserei, das Scheckausstellen und überhaupt. Ist das so in Südfrankreich?

Ich beruhige mich, aber irgendwann gefiel mir die Duzerei und das Geküsstwerden nicht mehr, und ich ging nicht mehr zu ihm und auch zu niemand anderem. Jetzt musste es aber doch mal sein. Seit einem Jahr schiebe ich das schon vor mir her und suchte nach einem Gynäkologen, besser einer Gynäkologin, in der Hoffnung, dass sie mich nicht küssen wird und meine Brüste etwas sachlicher betastet. Ich frage im Bekanntenkreis herum. Niemand ist mit seinem Gynäkologen wirklich zufrieden. Ich fange also an, wie alle Expat-Deutschen, in den „Deutsche in Südfrankreich-Foren“ nach deutschen Ärzten zu suchen. Eigentlich wollte ich das nie, ich finde das snobistisch. So erfahre ich aber, dass es in der Nähe von Monaco einen guten deutschen Gynäkologen geben soll. Einen Mann. Ich hätte, wie gesagt, lieber wieder eine Frau. Er wird mir aber mehrfach empfohlen. Ich zögere dennoch. In der Nähe von Monaco, das bedeutet schon für die einfache Fahrt mindestens eine Stunde Autobahn. Und dann hat er im Zweifelsfall Belegbetten in Monaco. Das ist mir alles zu weit und zu kompliziert. Ich suche letztlich in der Privatklinik im benachbarten Mougins, die einen guten Ruf hat, und finde auch hier eine Gynäkologen-Gemeinschaftspraxis. Ich entscheide mich für eine der Ärztinnen, Dominique L. Nach drei Monaten Wartezeit, stehe ich heute einer wirklich reizenden Sekretärin gegenüber, verbringe knapp zehn Minuten im hellen, aber eher nüchternen Wartezimmer. Dann bittet mich ein kleiner Mann ins Sprechzimmer: Madame Dreher? Oui?! Dominique ist ein Mann.

Wieso ist denn bitte Dominique ein Mann? Wieso heißt ein Mann nicht Dominic? Diese französischen Vornamen machen mich ganz krank. Wir haben in den Bergen einen Bekannten, der heißt André. Eine Freundin, ebenfalls dort oben, heißt Andrée. Spricht sich gleich, und oft genug kommt es zu Missverständnissen. André-e wird dann immer betont, wenn man von ihr spricht. Dort oben waren wir zu einer Hochzeit eingeladen. Eine Patchworkfamilie. Er hat zwei Kinder aus erster Ehe, Emma und Jules, sie hat eine Tochter, und die heißt: Axel. Ein Mädchen heißt Axel? Ich krieg mich kaum wieder ein und denke an meinen deutschen Wanderfreund Axel, das muss ich ihm erzählen beim nächsten Mal. Natürlich heißt das Mädchen nicht Axel, es heißt Axelle, das wird betont wie etwa Michelle, ma belle. Männer können auch Michelle heißen, dann schreibt es sich aber Michel, und führt entsprechend zu Missverständnissen, wenn man, was nicht unwahrscheinlich ist, etwa Michel UND Michelle kennt. So. Angelique, Frédérique, Veronique sind alles Frauennamen. Dominique ebenso. Aber wie ich seit heute weiß,  ist Dominique auch ein Männername. Claude hingegen ist überraschend auch ein weiblicher Vorname. Ob Claude Mann oder Frau ist, muss aus dem Kontext erschlossen werden.

Dominique L., mein Gynäkologe, erweist sich aber als durchaus sachlich, siezt mich und statt mich zu küssen, drückt er mir schlaff die Hand. Und ich musste auch nicht nackt in irgendwelchen Kämmerlein herumsitzen. Alles gut.

 

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22 Antworten auf Axel, Claude und Dominique

  1. Micha sagt:

    Jipiehh – das könnte eine neue Ruprik werden: *Frauenthemen*. Ich liebe deine Art zu erzählen! Die *Frotti*-Geschichte habe ich direkt vorgelesen. WIE WITZIG!!!

    Bei dir bin ich eindeutig für *intim*. Du verstehst, dass ich – durch die Rezepte – natürlich auch immer auf die *Tischgespräch-Tauglichkeit* achten muss ;)

    Und meine eigenen Erfahrungen hatte ich bereits eingetippt – aber dann würde ich mir ja doch sehr selbst widersprechen (nachdem du mich oben verlinkt hast), wenn ich durch dich *angewärmt* jetzt mit unten blank ziehe, hihi, aber ich könnte Geschichten erzählen… (Fazit: ich gehe umständlich nach D in meine alt-vertraute Praxis)

    • dreher sagt:

      Hach, endlich lacht mal jemand, danke Micha! Ja, natürlich verstehe ich. Es passt überhaupt nicht, zwischen Bärlauch und Dinkel über Frauenthemen zu schreiben. Höchstens, wenn du ein Kräuterteechen gegen Menstruationsbeschwerden anzubieten hättest ;) Nein, keine Sorge, ich verstehe das und fordere das ja auch von niemandem ein.
      Aber echt, bis nach Deutschland reist du? Ich habe ja auch in D keine altvertraute Gyn-Praxis, insofern ist es egal. Aber meiner deutschen Hausärztin trauere ich wirklich nach.

      • Micha sagt:

        Ach, und jetzt trauen sich die Mädels hier nicht… Ich habe mich SO amüsiert und mich schon gefreut, was an Kommentaren zusammen kommt. Frauenarzt ist jetzt ZU real life, oder wie?

        Ich tippe zudem auf *zu anrüchig* für Deutsche. Ja, das gibt es einen deutlichen kulturellen Unterschied zwischen den Deutschen und den Fränzis. Fränzis LIEBEN alles Zweideutige, Deutsche müssen dafür schon sehr betrunken sein. Ein Beispiel aus der Lebenserfahrung des Habibs: bei seinem Diavortrag über die Tuareg, den er sowohl in D wie in F gehalten hat, ging ein jedes Mal ein Kichern durch die Reihen der Fränzis bei einer busenähnlichen Düne, die in D von den Zuschauern noch nicht einmal registriert wurde…

        Komm, was solls, und ich hänge noch die Gyn-Kurzfassung an: das einzige Mal, das ich hier den Gyn aufsuchte, war direkt mein letztes, nachdem sich der Herr Doktor (mit dem sehr öligen Teint) mit mir im Behandlungsszimmer eingeschlossen hatte (Horror!). Bon, das war im Krankenhaus, vermutlich damit niemand reinplatzen kann, wenn ich unten ohne bin. Und dann missfiel mir meine eigene glambefreite Peep-Show doch sehr mangels einer Auskleidekabine. Oder ein Doktor, der mir wenigsten zwischenzeitlich würdevoll den Rücken zugekehrt hätte… Non, merci, mais non – meine frottis hole ich mir wieder in D ab :)

        • dreher sagt:

          Voilà, jetzt aber: Danke Micha! Auch für deine Geschichte, ich weiß das zu schätzen!

          Na, ich weiß nicht, es gibt sicher mehrere Gründe.

          A) die Frenchys sind zwar ganz groß in Zweideutigkeiten, aber nackte Tatsachen, z. B. Duschen ohne im Hallenbad, mögen sie nicht. Und Sauna erwähne ich hier gar nicht mehr, Sauna, dieses nackte Schwitzen von Mann und Frau, gilt als anrüchig bis eklig. Die Deutschen hingegen mögen keine Anspielungen, haben dafür auch weder Auge noch Ohr, ziehen sich aber ratzfatz voreinander aus. Das war mir im Sommer, in einem deutschen Freibad, schon richtig unangenehm. Soweit isses schon mit mir. Insofern ist dein französischer peeping-Doktor echt schlimm. Erneut die Frage: Wieso werden Männer Gynäkologen?

          B) Ich habe die 50 schon überschritten (bloggen über 50, hey!) und ebenso, vermute ich jetzt mal, die meisten meiner Leserinnen. In dieser Generation tut man sich schwer mit sowas „raus zu gehen“. Das geht erst wieder, wenn die Kaltmamsell oder meinetwegen Journelle was dazu sagen. Wie neulich mit dem Menopausentext. Dann geht es ab …

          C) Ich hätte den Artikel wohl „Intim-Bloggen“ nennen sollen, so einen Aufwind wie bei „Die Seele bloggen“ hatte ich nie wieder.

  2. Sunni sagt:

    Hach, ihr seid beide so herrlich, dass ich jetzt überlege doch im hohen Alter noch nach Frankreich zu gehen, notfalls vielleicht mit meiner netten Gynäkolgin…“Also wir haben da immer ein Globuli, für dies oder das…“! Diese Kämmerchenanekdoten mit zittrigen, nackten Knien und immer kälter werdendem Untereil, weil kalt und immer etwas ängstlich und dem Gerede von drinnen (Ja, Frau XYZ, alles ok, wir machen jetzt noch —frotti—-(hört sich ja schon etwas besser an als die deutsche Übersetzung), Sie hören dann von uns…) und von draußen (Also bei meiner Urgroßmutter war das so…und so…). Ich habe mich köstlich amüsiert. Merci! Merci! You made my day!

    • dreher sagt:

      Ah jetzt doch :) Danke Sunni! Ja, Jahre später kann man über die komischen Schleusenkämmerchen, in denen man zitternd saß, schon lachen. Aber wie unwürdig, oder? Da kommt man dann „unten ohne“ raus und steht verschämt da wie ein Kind, dass sich in die Hosen gemacht hat und sagt „guten Tag Frau Doktor“ und weiß außerdem, dass die nächste Patientin im Kämmerchen auch alles mithört *Augenroll“

      • Sunni sagt:

        Genau so! Irgendwie entwürdigend und gleichzeitig lächerlich, nur dass man selbst erst später lachen kann. Aber das ist ja oft so im Leben. Hach, schön ist, wenn man gemeinsam lacht! Ich lese so, so gern hier und bei Micha. Es sind die Lichter meiner Tage, lasst euch das mal sagen. Herzlich, Sunni

  3. Kiki sagt:

    Was hab’ ich da nur angerichtet? :D

    Sehr anschaulich erzählt, ich glaube, ich bin gerade sehr froh, dass kein entsprechender Termin anliegt.

  4. Eva sagt:

    Also, jetzt spricht hier mal die Fachfrau!
    Ich habe als Arzthelferin bei Gynäkologen gelernt (Ehepaar), das fand ich zum Arbeiten sehr schön. Später wechselte ich die Praxis, weil ich nicht länger in der Pampa leben wollte und bin in einer Gyn-Praxis gelandet, in der ich dann die Patientinnen ins Zimmer bitten durfte mit der Ansage “ machen Sie sich schon mal untenrum frei und nehmen Sie auf dem Stuhl Platz. Der Doktor kommt dann gleich“. Dort war ich nur kurz. Das geht gar nicht!!!
    Warum können die Ärzte/Helferinnen sich nicht so verhalten, wie sie in so einer Situation selbst gerne behandelt werden würden? Die meisten fühlen sich in so einer ungewohnten Situation ausgeliefert.
    Warum können viele Praxen nicht eine freundlich zugewandte vertrauensvolle Atmosphäre schaffen? Ich rede ja gerade gar nicht von fachlichem Können (das ist ja nochmal eine ganz andere Schiene).
    Heutzutage arbeite ich in der Endoskopie (Magen- und Darmspiegelungen). Das ist für die Patienten nicht schöner. Fast alle haben Angst und es ist ihnen unangenehm – logisch. Ich bin sehr zufrieden, wenn die Patienten hinterher rausgehen und sagen, dass sie sich sehr gut aufgehoben gefühlt haben und alles ganz harmlos war und überhaupt nicht so schlimm wie befürchtet.
    Mein Tipp: suchen, suchen, suchen. Und Freunde und Bekannte, die auf einer ähnlichen Welle schwimmen freundlich um Hilfe bei der Suche bitten. Und wenn es nicht passt, wechseln.
    Nicht zum Arzt gehen ist auch keine Lösung.
    Gebt nicht auf. Irgendwo gibt es die Praxen, die für Euch passen!
    Herzliche Grüße,
    Eva

    • dreher sagt:

      Danke, liebe Eva für deine energischen Worte!
      Ich glaube, krank zu sein und/oder einen Arzt in einem „fremden“ Land zu brauchen, ist ein ganz fragiles Unterfangen. Nie ist die Unsicherheit größer, auch das kulturelle Anderssein wird einem nochmal deutlich bewusst. Französische Ärzte sind anders, französische Patienten auch. Eine Zugewandtheit, wie ich sie in Deutschland letztes Jahr mal wieder erleben konnte, gibt es hier nicht. Wird auch nicht erwartet oder gewünscht. Mein Mann ist pensionierter Apotheker und ging sein Leben lang zu „Freunden“ aus dem medizinischen Bereich, oder zu Ärzten, die von Freunden empfohlen wurden. Leider sind die alle nun im Ruhestand oder bereits verstorben (auch Ärzte sind sterblich). Ich habe ein paar davon noch kennenlernen können, nicht immer (trotz Vertrauensvorschuss) war ich angetan. Andere Generation, anderes Auftreten, ob kompetent sei nochmal dahingestellt. Mein Mann versteht gar nicht, was ich will. Was hilft denn all das Gesäusel?, fragt er. Er will Fakten und Kompetenz (schon schwierig genug) und möglichst auch Effizienz. Seine Tochter (fast logisch) ist genauso und geht mit ihren Kindern zu knallharten Schulmedizinern. Alles andere ist Quatsch, nebulös, Scharlatanerie. Ich war bei einem französischen Homöopathen – auch nicht viel besser, außer, dass klassische Musik im Hintergrund läuft.

  5. Eva sagt:

    Hey,
    und der Beitrag war sehr lustig!
    Eva

      • Eva sagt:

        Liebe Christiane,
        soll ich Dir ein Geheimnis verraten? Ich stehe zur „knallharten“ Schulmedizin und kann trotzdem empathisch sein. Das ist zum Glück nicht das Vorrecht der Homöopathie sondern des, hm, ich nenne es mal menschlichen Miteinanders.
        Aber ich höre ja auch, z. B. von Herrn Diehl, dass das System in F völlig anders funktioniert. Mal davon abgesehen ist der Preis, den Du oben für ein Frotti (ja, das klingt auch in meinen Ohren sehr lustig) nennst, nicht überkanditelt.
        Aber was sicherlich bei der Verunsicherung mit hineinschwingt, ist die andere Sprache, also nicht die muttersprachliche. Ihr sprecht bestimmt alle supergut, aber so Zwischentöne, auf die man halt im Krankheits- bzw. Unsicherheitsfall hört, klingen da ganz anders durch.
        Und das mit der Sterblichkeit für alle ist auch klar. Es gibt keinen Arzt, der das ganze Leben für einen da ist. Irgendwann sind die auch alt und man selber wird älter und dann kommen die Jungen… Und eventuell die Zweifel, ob die auch was können, wenn die noch so jung sind und man fühlt sich gleich noch viel älter und unsicherer. Mal davon abgesehen hatte man, als man selbst in dem Alter war, den Anspruch, für Voll genommen zu werden (eigentlich meist auch zu recht!).
        Aber, wir sind alle auch nur Menschen. Vielleicht hilft manchmal auch tief durchatmen und gut ist. Es sind (immer noch) keine Halbgötter sondern eben halt Mitmenschen mit besseren und schlechteren Tagen. Vielleicht hat ja der nette Dr. Diehl einen Vorschlag, wo man hingehen kann und das wäre jetzt im Vergleich zu anderen Möglichkeiten keine halbe Weltreise!
        Ich wünsche Dir, dass Du wieder jemanden findest, dem Du vertrauen kannst und bei dem Du Dich gut aufgehoben fühlst, egal wie er/sie praktiziert, denn Vertrauen und Glaube sind ganz wesentliche Pfeiler der Heilkunst.
        Herzliche Grüße,
        Eva

        • dreher sagt:

          Liebe Eva,

          vielen Dank für deinen langen Kommentar, so ungefähr ist es, aber sei gewiss, es ist schon alles gut hier. Ich schlage mich seit zwölf Jahren ja schon tapfer in der französischen Ärztelandschaft durch, habe meine Ansprüche in der Zwischenzeit entsprechend runtergeschraubt. Der nette Dr. Diehl bietet mir zwar an, mir eine Spritze in den schmerzenden Ellenbogen zu jagen (er ist ein Anhänger der sofortwirkenden Medizin), ansonsten haben wir, fürchte ich, nur medizinisch gesehen natürlich, nicht hundertprozentig die gleiche Wellenlänge. Lies mal das, das war eine Antwort auf meine Frage seinerzeit http://diehl.fr/agnes/
          Liebe Grüße, einen schönen Adventssonntag!
          Christiane

  6. Marion sagt:

    Sagte ein flapsiger Vertretungs-Gyn., als ich zur jährlichen Routine-Vorsorgeuntersuchung kam: „Na, kommen Sie zum TÜV?“
    Ansonsten hatte ich eigentlich immer Glück mit meinen Frauenärzt(inn)en, ob hier oder im Ausland. Keine besonderen Vorkommnisse.

  7. Karin sagt:

    Ja, ja, die Romandie ist ja in der Beziehung wohl auch sehr französisch. Monatelanges Warten auf einen Termin oder man wird als Patient erst gar nicht angenommen (und sowas ist mir in Deutschland noch nie passiert). Aerzte meines Vertrauens habe ich auch immer noch nicht gefunden, zu schnell wird mir da der Rezeptblock für allerlei Zeug gezückt, wo man mich dann in Deutschland fragt, warum um Himmelswillen ich denn das verschrieben bekommen hätte, hätte ich vielleicht ein Immunschwächeproblem?
    Der Hammer allerdings ist, dass viele Aerzte sich medizinisches Personal sparen. Sie gehen also selbst ans Telefon (!!!) und erledigen auch den gesamten Schreibkram selbst. Ich hatte mal ein Problem mit ähm, Pardon, Hämorrhoiden. Komme also beim entsprechenden Doc an – und keine Arzthelferin weit und breit. Stattdessen ein Schild an der Tür mit der Bitte, man möge sich gedulden und im Flur vor dem Aufzug (!!!) Platz zu nehmen. Der Doc dann einigermassen schmierig und macht schlüpfrige Witzchen. Ich muss mich vor ihm ausziehen, kein Kabuff oder so, nicht mal eine Ablage für die Kleider. Das Licht ist an und ich kann durch die Gardinen hinaussehen. Nein, nein, Madame, lacht der Doc, keine Angst, HEREINsehen kann man nicht! Dann macht er mit dem Handy ein Photo des Schadens. Könnt ihr euch vorstellen, was mir da alles durch den Kopf ging? Sah schon Abbbilder meines Allerwertesten im Netz kursieren. NATüRLICH muss das gleich operiert werden und er schlägt einen Termin vor. Ich bin total überrumpelt und stimme zu. Tage später sage ich wieder ab. Heute weiss ich, dass ich zwar Hämorrhoiden habe, die aber nicht so schlimm sind und das was ich hatte eine Analthrombose war (ich neige krankheitsbedingt zu Thrombosen), die zwar sehr schmerzhaft ist, aber von alleine weggeht. Ich kann Euch sagen, ich fühlte mich dermassen ausgeliefert, ich hätte heulen können.

    Nie wieder zu so einem Arzt. Ich müsste dringend mal zum Gyn, aber die Suche danach ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

    On this happy note, einen schönen Montag!
    Karin aus Genf

    • dreher sagt:

      Oh Gott, Karin, das klingt schrecklich, das Erlebnis mit diesem Arzt. Aber ja, hier ist das auch so, die meisten Ärzte machen hier alles selbst, ohne Sekretärin. Das war mir anfangs auch komisch, dass manche ans Telefon gehen, während ich gerade erzähle, was mir fehlt. Das unterbricht den kleinen Moment der ohnehin nicht wirklich vorhandenen Zugewandtheit. Ganz zu schweigen von der Einrichtung der Sprech/Behandlungszimmer. Das hat oft wenig zu tun mit dem, was wir aus Deutschland kennen.
      Genau, guten Montag, gute Woche, kann nur besser werden! :D