You want it darker

cohenSie wissen es sicher schon. Als ich beim Müslilöffeln ins Internet klickte, war es schon voll damit. Leonard Cohen ist tot. Vielleicht liegt es daran, dass die schlechten Nachrichten sich gerade häufen, vielleicht liegt es an den trauigen Novembergedenktagen, den sich jährenden Attentaten, ich weiß es nicht, aber, als ich las, dass Leonard Cohen gestorben ist, der gerade noch ein Album mit dem sprechenden Titel You want it darker veröffentlicht hat, kamen mir die Tränen.

Im Sommerhaus höre ich jedes Jahr eine kratzige Vinylplatte mit seinen alten Songs. Wenn Monsieur fragt, was soll ich denn mal auflegen, sage ich immer: Cohen. Ich will Suzanne hören. Es ist ein Ritual. Diese Platte hat er aufgelegt, als wir zum ersten Mal zusammen und alleine im Sommerhaus in den Bergen waren. Dieses Zusammenspiel von innerer und äußerer Ruhe, Stille, diese großartige Natur und dieses eigenartige, altmodische Haus mit den hohen Fenstern bis zum Himmel … Wir auf dem durchgesessenen Ledersofa, Monsieur sitzt, ich liege und habe meinen Kopf auf seinen Knien, und Leonard Cohen singt. Dieses Bild habe ich im Kopf und im Herzen, diese Stimmung, wenn mich jemand fragt, warum bist du überhaupt mit Monsieur zusammen, diesem schweigsamen, grauen Mann. Es ist diese Ruhe. Die Geborgenheit. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich ausatmen und wusste, ich darf mich ausruhen. Ich wusste, Monsieur ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist.

Als ich Monsieur vor zwei Jahren die vorletzte Platte Popular Problems von Cohen schenkte, mussten wir uns beide erst an diese dunkle Stimme gewöhnen. Diesen Sprechgesang. War das noch mein, unser Cohen? Aber je länger ich ihn hörte, desto mehr mochte ich ihn so. Erst kürzlich sah ich, dass er eine weitere Platte veröffentlich hat: You want it darker. 

I’m ready, my Lord, singt er in dem gleichlautenden Song.

Er war wohl soweit.

Heute ist der 11. November, in Frankreich großer Gedenktag für die Opfer des Ersten Weltkriegs. Trotz unglaublich blauem Himmel und Sonnenschein kommt mir die Welt ohne Leonard Cohen heute dunkler und düsterer vor.

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Ein Kommentar zu You want it darker

  1. Birgit sagt:

    Liebe Christiane,
    Du sprichst mir aus dem Herzen, ich bin auch sehr traurig. Seine wunderbaren Lieder und diese markante Stimme muss man lieben – adieu Leonard!
    LG Birgit

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