Der Himmel über Paris … Teil 1

der blaue Himmel über Paris… war blau! Wie jetzt? Das sollte Smog sein? Anscheinend, denn die Metro war gratis, damit der Anreiz, das Auto stehenzulassen, größer war. Uns kam das alles nur entgegen. Gratis Metro und blauer Himmel, aber es war doch deutlich kälter als im Süden und ich war auch sofort richtig doll erkältet und fünf Tage lang angematscht, stopfte mich abwechselnd mit Aspirin und Dolipran voll, löffelte Honig und lutschte Halspastillen gegen den entzündeten Hals. Raus ging ich natürlich trotzdem. Das wär ja noch schöner gewesen, den Parisaufenthalt im Bett zu verbringen. Einmeterzwanzig übrigens, das Bett. Das erzähle ich ja gern klischeemäßig so herum, wenn ich von französischen Betten rede, diesmal war es wirklich so. Zwei normalproportionierte erwachsene Menschen unter einer Decke auf Einsszwanzig. Sehr sportlich, geht nur in der Löffelchenstellung mit gleichzeitigem Rumdreh-Rhythmus. Ich bin in knapp zwölf Jahren aber schon so französisch geworden, dass das jetzt tatsächlich geht. Bisschen Rücken hat man dann aber schon. Nach fünf Nächten auf engstem Raum, kommt uns unser einssechzigbreites Bett zuhause geradezu Kingsizemäßig vor. Man braucht ja so wenig zum Glücklichsein.

Paris war toll! Na klar, sagen Sie, und haben das natürlich schon vorher gewusst. Ich war da diesmal nicht so sicher. Aber tatsächlich, und trotz Erkältung, hat mich dieser Stadtaufenthalt eher geboostet. Ich habe aber vielleicht auch weniger gemacht, mir mehr Pausen gegönnt, und oft bin ich nicht „nur mal eben schnell“ noch eine Ecke weiter gelaufen, sondern dachte „reicht für heute“.

Was mir auch wirklich sehr schnell reichte, war das Schlangestehen. Vor allem das vor der Kunst. Für das renovierte Picassomuseum hatten wir zwar extra „an-der-Schlange-vorbei-geh-Karten“ im Internet erstanden, aber schon für die Eingangskontrollen (wie am Flughafen) und den Audio-Guide stand man trotzdem an. Und dann stand man gleich wieder vor der Kunst an. Es war so voll, man hatte kein Bild für sich alleine, und kaum ging man einen Millimeter zurück, um das Bild mit etwas Abstand zu sehen, standen sofort wieder Menschen davor und hielten zusätzlich ihr Handy hoch. Das nervte mich ja ziemlich schnell. Ich ließ also die Sonderausstellung (was eint oder trennt) Giacometti und Picasso ziemlich schnell links, meint im Erdgeschoss, liegen,

Giacomettiund gab mir den Rest von Picasso auf mehreren Etagen. Picasso ist Picasso ist Picasso. Und vieles kennt man einfach schon. Ich mochte es aber dennoch.

Dora MaarsitzendJaqueline?MademoiselleImmerhin gab es ein großformatiges Gemälde von Cannes, das ich noch nie gesehen habe,

Cannesund ich mochte auch die Fotos von seinem Atelier der Villa in Cannes sehr.

AtelierUnd die Collagen. Picasso war, wie wir heute sagen würden, ein unermüdlicher Mixed-Media-Artist. Er hat sich einfach mit allem amüsiert, was ihm in die Finger kam, und etwa Collagen aus am Strand gefundenen Müll gebastelt, und selbst eine Fischgräte, des gerade verspeisten Fisches in ein Kunst-Objekt verwandelt.

FischgrätenkunstDie Fragen, was überhaupt Kunst ist und wann und warum aus dieser Fischgräte Kunst geworden ist, und warum man für einen Fischgrätenabdruck in Lehm von Picasso heute vermutlich Millionen zahlen muss, andere Künstler, die großartige Sachen machen, dafür aber nicht mal 250 Euro bekommen würden, wenn überhaupt, diese Fragen stellen sich natürlich immer wieder. (Vielleicht mögen Sie zu diesem Thema nochmal den Film Basquiat ansehen. Spielt nicht in Paris, sondern in New York, passt aber ganz gut, finde ich. Die Filmmusik ist auch toll und: David Bowie spielt Andy Warhol! Hier der komplette Film, aber in der englischen Originalversion:)

Danach hatten wir Hunger und aßen, wie schon bein letzten Mal, im kleinen Eckrestaurant am wundervollen Place des Vosges und ich schlenderte danach ein bisschen durch den Marais.Restau

Bislang mein absolutes Lieblingsviertel. Wie lebendig ist es dort, wie jung, wieviele kleine alternative Cafés und Läden gibt es,

k800_dsc01179 Lädenund wieviel lustige und verrückte Street Art. Ich konnte nicht aufhören, das zu fotografieren. Für Sie in Berlin, Hamburg oder Stuttgart ist das sicher ein alter Hut, aber ich wohne in einem langweiligen und gesetzten Rentnerstädtchen, dort gibt es so etwas gar nicht. So ganz stimmt es nicht, es gibt ein paar dieser gekachelten Pixelkunstwerke, die ich jetzt in Paris wiedergefunden habe, und die mir daher jetzt, sagen wir, „wertvoller“ erscheinen. Und ja, ich frage mich, ist es jetzt „mehr“ Kunst, nur weil das auch an Pariser Hauswänden hängt? (Schauen Sie sich Basquiat an!)

PapillonsMarumk800_dsc01267 k800_dsc01101 k800_dsc01104 k800_dsc01105KunstreveManche Streetartisten machen sich auf einer Wand gegenseitig Konkurrenz und ich fragte mich erstmals, wer eigentlich dieser John Hamon ist, der da auch immer klebt. Viel erfährt man weder auf seiner Homepage noch in den spärlichen Interviews: ein Künstler, der ein Bild von sich als 19jährigen in allen möglichen Variationen produziert und alles auf den Satz „Die Werbung macht den Künstler oder Kunst auf dem Null-Level“ reduziert. (Sehen Sie sich Basquiat an!)

KonkurrenzDie Ausstellung für die Opfer des Bataclan, das nicht weit entfernt liegt (und zu dem ich nicht gegangen bin) in der Bar-Buchhandlung La Belle Hortense aber habe ich, wegen ihrer ungewöhnlichen Öffnungszeit (nachts!), leider nicht gesehen.
la belle HortenseBataclan                                                                                                                            … wird fortgesetzt …

 

 

 

 

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8 Antworten auf Der Himmel über Paris … Teil 1

  1. Uschi sagt:

    Liebe Christiane,
    vielen Dank für die interessanten Bilder und Deinen Bericht
    – wie immer sehr anschaulich – !!!
    Hoffentlich geht es Dir inzwischen besser. Herzliche Genesungswünsche und Grüße
    Uschi

  2. Micha sagt:

    Du machst mir ja zu meinem eigenen Erstaunen richtig Lust auf einen Paris-Urlaub! Ich freue mich für dich!
    Die Streetart dort ist wirklich beeindruckend (*Landei grüßt Landei*) . Und der Pablo dient mir ja gerne als Parade-Beispiel, dass manche Männer im Alter gewinnen – der sah als junger Kerl doch LANGE nicht so gut aus wie später… sonnige Grüße in den Süden

    • dreher sagt:

      ach, schön! Danke! Naja, Pablo war vermutlich ein schrecklicher Egozentriker und schwer auszuhalten, mein Beispiel für Männer, die mit zunehmendem Alter immer besser werden, ist eigentlich Sean Connery :)
      Micha, ich glaube, ich habe eben zum ersten Mal in meinem Leben eine Mousse au Chocolat hingekriegt, dank deinem Törtchenrezept! Allerdings habe ich den Boden nicht gemacht, nur die Mousse. Geschmacklich ein Volltreffer, kühlt jetzt gerade etwas vor sich hin, könnte auch von der Konsistenz geklappt haben. Gab nur einen kritischen Moment, als die Schokolade auf die Eigelbzuckermischung traf, entstand ein furchtbarer großer Klumpen, den ich nur mühsam wieder kleingerührt bekam. Gibts da einen Trick?
      Hier auch Sonne! Zurückgegrüßt!

  3. Marion sagt:

    Danke für den Filmtipp. Von Julian Schnabel kenne ich bisher nur „Schmetterling und Taucherglocke“, der ist schwer beeindruckend. Über die „Fischgräte in Lehm“ musste ich sehr lachen. Ach ja, das Leben ist ungerecht und soviel Potenzial bleibt unentdeckt oder wird nicht korrekt entlohnt.

    • dreher sagt:

      Ja, das ist auch ein toller Film! Ich habe Basquiat jetzt gar nicht mehr richtig angesehen, hoffe, er ist so gut, wie er sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat!

  4. Karin sagt:

    Ich habe mit meinem Ex vor gefühlten 100 Jahren im Centre George Pompidou eine Ausstellung besucht, in der auch Picassos „La Pisseuse“ zu sehen war … ich kann Dir nur sagen, dass er gar nicht beeindruckt war und schwer zweifelte, dass „sowas“ Kunst sein könne… ;) hihihi

    • dreher sagt:

      Oups, die musste ich erstmal googlen und da kam auch allerhand Schreckliches mit, aber immerhin auch die von Picasso. Ich sags ja, der war von allem inspriert, pralles Leben :)