… zur Aktualität

Ich wollte eigentlich bis zur erfolgten Stichwahl nächsten Sonntag warten, bis ich noch einmal etwas zur aktuellen Politik Frankreichs sage, ich bin nicht sicher, ob Sie das wirklich so interessiert?! Aber ich kann nicht anders, es passiert einfach zu viel …

In der Nachbereitung der vergangenen Wahl wurden nicht nur die Zahlen der Wählerstimmen möglicherweise gefälscht, sondern auch gemunkelt, dass einer der Präsidentschaftskandidaten, Vincent Peillon, ein guter Freund des amtierenden Präsidenten, sich nur zu dem Zweck habe aufstellen lassen, um Manuel Valls (entscheidende) Wählerstimmen wegzunehmen. Kleiner Racheakt vom scheidenden Präsidenten an seinem Ex-Premier? Möglich ist das, aber es ist nur ein Gerücht. Kein Gerücht, sondern Tatsache ist, dass der bisher so wahnsinnig „aufrichtige“ Präsidentschaftskandidat François Fillon heute einen Wutanfall bekommen hat, weil die satirische  Zeitung le Canard enchainé aufgedeckt hat, dass er seiner Gattin Penelope jahrelang für eine eher fiktive Tätigkeit als attaché parlemantaire jeden Monat tausende von Euro hat zukommen lassen. Das ist keine unübliche Praktik der französischen Politiker und wäre vermutlich auch weniger skandalös, wenn Fillon nicht so sehr den aufrichtigen Katholiken hätte heraushängen lassen. Das schwächt die Position Fillons erheblich. Und schon reibt sich Marine erneut die Hände. Verzeihen Sie, aber es ist zum Kotzen!

Ich hatte ursprünglich geplant, letztes Jahr die französische Staatsbürgerschaft anzunehmen (bzw. die doppelte Staatsbürgerschaft), vor allem, um bei dieser Präsidentschaftswahl wählen zu dürfen. Ich hatte dann aber keine Energie, mich für die diversen Sprach- und Staatsbürgerprüfungen vorzubereiten und mir all die Napoleons und die Lebensdaten von Victor Hugo einzubläuen. Insofern bin ich immer noch Ausländerin und darf zumindest den zukünftigen Präsidenten nicht mitwählen. Letzen Endes auch egal, ich hätte nämlich vermutlich „Blanc“ wählen müssen, bei all dem Gemauschel und all den eitlen Kinderspielchen dieser Herren und Damen, die im Prinzip alle aus dem gleichen Stall, sprich der ENA, der École nationale d’administration, einer Verwaltungshochschule, die die Elite der französischen Verwaltungsbeamten ausbildet, stammen.

… à suivre …

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19 Kommentare zu … zur Aktualität

  1. Marion sagt:

    Ja, die frz. Politikerkaste ist leider so homogen. In D freue ich mich gerade über Martin Schulz als frischgebackenen Kanzlerkandidaten der SPD. Mal ein Lichtblick und irgendwie erfrischend.

    • dreher sagt:

      Ja, von Martin Schulz hat mir gestern schon jemand geschrieben, aber ich kenne den gar nicht und kann ihn nicht einschätzen. Kürzlich hat mir eine Freundin die Dresdner Rede von Norbert Lammert geschickt – die Rede ist gut, aber ich wusste gar nicht, wer Lammert ist … insofern verstehe ich, wenn hier wenig Resonanz auf die französischen Verhältnisse kommt, man kennt die alle gar nicht in Dtld. Ist aber nicht schlimm, ich liefere meinen Teil zur Aufklärung trotzdem :D

  2. Mumbai sagt:

    Ich verfolge regelmaessig die internationalen Nachrichten und las selbstverstaendlich
    von den franz. Vorfaellen. Betone die Mehrzahl, denn erst die macht die Lage
    skandaloes . Zum Fall Fillon….ebenso skandaloes , dass diese „keine un-uebliche Praktik“ noch erlaubt ist und Frau Penelope haette zumindest ihre Leistung dafuer erbringen
    muessen Wenn sich Frau Le Pen und ihre Anhaenger in die Faeuste lachen….wen
    wundert es.

    • dreher sagt:

      Ich erlaube mir, ein „un“ in Ihren Kommentar einzufügen: „keine un-übliche Praktik“ – nein, ist es nicht, auch Juppé (bspw.) hat das seinerzeit so ähnlich gemacht, ist dafür 2004 verurteilt worden und hat sich eine Zeitlang aus der Politik zurückgezogen.
      Penelope hat bislang vor der Kamera immer sehr schüchtern gesagt (nachdem ihr Mannn zum Präsidentschaftskandidaten gewählt worden war, hat man sie befragt, wie das für sie sei in das politische Rampenlicht geworfen zu werden), sie habe in all den Jahren nichts mit der Politik ihres Mannes zu tun gehabt. Wenn sie, wie es nun heißt, seit über zehn Jahren seine „Mitarbeiterin“ gewesen ist, und dafür mit immerhin 5000 bis 7000 Euro aus öffentlichen Geldern jeden Monat entlohnt worden ist, ist diese Aussage doch eigenartig.
      Genau, wenn alle, die im System sind (rechts wie links), sich im Gefühl völliger Straffreiheit in erster Linie selbst bereichern, wundert es nicht, dass es einem „Außenseiter-Kandidaten“ zum Aufschwung verhilft.
      Anbei ein Video via Nouvel Observateur/FB weiß nicht, ob es hier läuft?!
      https://www.facebook.com/lenouvelobservateur/videos/10158230281015037/

  3. Eva sagt:

    Ach doch, ich höre in D doch einiges über französische Politik. Vielleicht liegt es aber daran, dass ich Deutschlandradio Kultur oder Deutschlandfunk höre und ARD, ZDF und Arte gerne schaue. Da wird eigentlich viel darüber berichtet.
    Und ja, auch ich freue mich, wie Marion, über „den Chef“ Martin Schulz https://www.youtube.com/watch?v=kfAc_ratkM4 als Kanzlerkandidaten – eine echte Alternative zum dicken Siggi (das ist böse, ich weiß, aber der geht mir so auf den Senkel!). Schulz ist humorvoll und trotzdem jemand, den ich ernst nehmen kann!
    Ich hoffe, unsere deutschen Politiker bleiben möglichst sauber und wählbar. Da wäre ich doch sehr glücklich darüber. Alles, was man ihnen anlasten kann, geht, wie oben erwähnt, halt als Bonus zu den Rechten. Das wollen wir bitte nicht.
    Viele Grüße,
    Eva
    PS. Und ja, es ist gut, auch mal wieder über europäische Politik zu reden. Alles ist gerade durch das hohle Rumgetwittere des neuen amerikanischen Präsidenten überlagert. Das finde ich nicht gut. Dauernd wird darüber berichtet, sozusagen über jeden Furz, den er lässt. Kann man ihn nicht mit Missachtung strafen? Das wäre sicherlich die größte Strafe!

    • dreher sagt:

      Monsieur sagt immer, wenn ich glaube sagen zu müssen „in Deutschland ist das nicht so“, in Deutschland ist es genauso, nur diskreter. Wer weiß?!

      • Eva sagt:

        Ja, ich befürchte auch.
        Und das mit über 5000€ sind ja wahrlich keine „Peanuts“. Da kriege ich für die Arbeit (und ich arbeite voll mit in unserem kleinen Betrieb) deutlich weniger…
        Es wäre doch schön, wenn Monsieur unrecht hätte – gell, die Hoffnung stirbt zuletzt. Das hat man davon, wenn man selbst ehrlich ist: man traut es keinem anderen zu, weil man sich das gar nicht vorstellen kann!
        Nun denn, schau´n wir mal!

  4. Caroline Bahri sagt:

    Ich bin begeisterter Anhänger von Martin Schulz. Ist aber nicht verwunderlich, bin ich doch mit ihm in die selbe Schule in Würselen gegangen – lang ist’s her

  5. „Fin de règne – wer kommt nach Hollande?“
    Das titelt der Tagesspiegel heute. Ganz heiß wird jedoch Emmanuel Macron gehandelt, sozusagen als Shooting-Star.
    Und in der Frankfurter Allgemeinen steht über ihn: “
    Emmanuel Macron: Jung, liberal, ehrgeizig
    Die Ankündigung des französischen Ex-Finanzminister Emmanuel Macron, bei der Präsidentenwahl im April anzutreten, sorgt für Unruhe bei Linken wie bei Rechten. Der 38-Jährige gilt als ehrgeizig, liberal und schlagfertig. Mit seiner Bewegung „En Marche“ wildert er in allen politischen Lagern.“
    Und in der Zeitschrift Brigitte steht: „Er sagt, er sei weder links noch rechts, sondern fortschrittlich.Emmanuel Macron könnte Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl gefährlich werden. Besonders junge Franzosen setzen auf den Polit-Star.“
    Na das hört sich doch auf den ersten Blick gut an- aber wer ist er? Mir und ich denke in Deutschland noch ziemlich unbekannt.
    Und wir in D: Martin Schulz gefällt mir gut, denn er zeigte in vielen heißen Phasen der EU mit Griechenland und Varoufakis eine klare Kante. Auch an Herrn Erdogan richtete er mehrmals und mit Nachdruck deutliche Worte und zeigte ihm auf, wo die Grenzen sind. Mal sehen, was aus alldem wird. Ich hoffe, es wird gut.

    • dreher sagt:

      Stimmt alles. Emmanuel Macron, jung (Jahrgang 1977), liberal, ehrgeizig. Genau. Gutaussehend, charmant und mit einer deutlich älteren Frau verheiratet. So viel zum Tratsch. Viel mehr wissen wir auch nicht. War nach der Eliteverwaltungshochschule ENA zunächst Inspekteur beim Finanzamt, hat aber noch eine Karriere als Bankier bei Rothschild & Cie. draufgesetzt. Wurde bei einer der vielen Kabinettsumgestaltungen Hollandes plötzlich aus dem Nichts zum Wirtschaftsminister katapultiert: ein Ex-Rothschild-Bankier wird Wirtschafstminister in einer sozialistischen Regierung! Ging aber nicht lange gut, nicht links genug. Bankier eben. Scheint ein brilliantes Köpfchen zu sein und hat noch nichts falsch gemacht. Wurde bislang eher als aussichtsreicher Kandidat für die nächste Präsidentschaftswahl 2022 gehandelt. Aber da Fillon sich gerade selbst abgeschossen hat, Hamon und Valls sich wohl gegenseitig abschießen, bleiben nicht so viele Kandidaten im Rennen. Er könnte also tatsächlich in der Stichwahl der Gegenkandidat für Marine Le Pen werden. Aber vielleicht wird alles noch ganz anders, wie wir ja gerade mit Fillon gesehen haben. Und vielleicht taucht François Bayrou nochmal auf, ewiger Verlierer der Mitte. Würde ich persönlich mir wünschen.

      • Marion sagt:

        Das mit der deutlich älteren Frau finde ich erstmal am interessantesten. Oweia, was bin ich oberflächlich geworden…arrggh…

        • dreher sagt:

          :D ja, seine ehemalige Französischlehrerin … ich gebe zu, das bleibt bei mir auch leichter hängen als das „loi Macron“ (zur Lockerung des Arbeitsrechts), das Valls mit dem umstrittenen Paragraphen 49-3 durchgesetzt hat …

  6. Um dem Tratsch bodenständige Fakten zu liefern: Seine Frau ist gerade mal 16 Jahre älter und sie haben mehrere Kinder, Stiefkinder und bis jetzt 7 Enkel.
    Wurde bei uns im Fernsehen so berichtet.
    Ansonsten gibt es keine Auskünfte: „Voilà pour une biographie plus intime.“ so steht es auf der Internetseite: https://en-marche.fr/
    Also mir gefällt dieser smarte, junge Mann sehr gut , , nicht nur das Äußere.

    • dreher sagt:

      „Gerade mal 16 Jahre“ – ja, angesichts seines Alters war sie aber auch schon mal doppelt so alt ;)

      • Marion sagt:

        Nee, sie ist 24 Jahre älter. Sie hat 3 Kinder aus 1. Ehe, er hat keine Kinder. Wenn er Präsident werden soll, dann bitte jetzt und nicht erst in 5 Jahren „à cause de ma geule“, haha, die Frau hat immerhin Humor… Ja, und als er 24 war, war sie doppelt so alt wie er… Hach, das ist doch romantisch…