Zwischenruf

Ich fasse mal zusammen, was seit dem letzten Eintrag passiert ist:

Penelope Fillon ist nun auch der Mittäterschaft angeklagt. Immer noch die alte Geschichte. Bei der Hausdurchsuchung bei den Fillons wurden Unterlagen gefunden, die eine Arbeit Penelopes beweisen (sollen). Die Untersuchungsrichter glauben allerdings, dass man diese Beweise nachträglich angefertigt, also gefälscht hat, um nicht das neue Wort „gefaked“ zu benutzen.

Fillon selbst wetterte wütend gegen den amtierenden Präsidenten Hollande, das alles ginge von ihm aus, er habe mit einem cabinet noir gegen ihn komplottiert. Ein cabinet noir meint, ein paar Menschen arbeiteten „im Dunklen“ daran, den politischen Gegnern zu schaden. Das wurde natürlich von Hollande empört zurückgewiesen.

Fillon avant apresVorher-Nachher:

Fast hätte ich das Amüsanteste in diesem Trauerspiel vergessen: Fillon hat seine Plakate und seinen Slogan geändert: Le Courage et de la Verité, also „Mut und Wahrheit“ passten ja nun nicht mehr so richtig.

Daraus wurde Une Volonté pour la France! Das heißt so viel wie „Ein starker Wille!“ oder „Einsatzbereitschaft für Frankreich!“

volonté pour la fraudeAuf Twitter gab es natürlich sofort Varianten:

Sehr hübsch war etwa:  Une Volonté pour la Fraude! (in etwa „Bereitschaft für den Betrug!“)

 

 

In Zusammenhang „Scheinbeschäftigung“: der noch relativ neue Innenminister Hollandes, Bruno Le Roux, ein Mitglied der Parti Socialiste, hatte seine Töchter als attaché parlemantaire angestellt, zu Zeiten als diese sogar noch minderjährig waren und zur Schule gingen. Sommerjobs seien das gewesen, widerspricht der Minister, alles legal und die Mädchen hätten wirklich gearbeitet. Er wies jegliche Ähnlichkeit mit dem Fall Fillon zurück. Zurückgetreten ist er trotzdem. Etwas ausführlicher können Sie das hier nachlesen.

Noch ein Clash bei den Linken: Manuel Valls hat öffentlich bekannt gegeben, dass er nicht seinen Parteikollegen Benoît Hamon unterstützen werde, sondern Emmanuel Macron. Das ist unausgesprochen ein Zeichen für seine Anhänger, es ihm nachzutun. Es sei eine „taktische“ Entscheidung, sagt er, mit der er verhindern wolle, dass Marine Le Pen, die vermutlich im zweiten Wahldurchgang auf Macron trifft, die Wahl gewinne. Indirekt sagt er damit auch, dass Benoît Hamon keine Chancen hat in den zweiten Wahldurchgang zu kommen. Benoît Hamon ist natürlich nicht erfreut und nennt Valls einen „Verräter“. Macron hat Valls nur sehr nüchtern für diese „Unterstützung“ gedankt. Es wird befürchtet, dass aus seiner schwungvollen, parteilosen  Bewegung nur die Fortsetzung der Politik Hollandes wird, wenn sämtliche Politiker der konservativeren Linken zu ihm überlaufen.

Etwas anderes:  Heute hat in Frankreich die Wahl der Gewerkschaften stattgefunden und zum ersten Mal in der Geschichte der Gewerkschaften überhaupt hat die reformierende CFDT die radikale CGT überflügelt. Das ist eine große Veränderung für die zukünftigen Sozialverhandlungen in den Betrieben (Video ist französisch) Die CFDT steht eher für Kooperation (ohne den Streik auszuschließen) während die CGT stets auf Konfrontationskurs ging. Letztes Jahr gab es wochenlang, gewalttätige Streiks gegen die Arbeitsmarktreformen, die das Land stellenweise lahmgelegt haben und erst mit Beginn der Fußball-Europameisterschaft zu Ende gingen. Die unbeliebten Reformen wurden dann mit einem Ausnahmeparagraphen durchgesetzt.

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4 Antworten auf Zwischenruf

  1. Marion sagt:

    Merci, sehr informativ! „La volonté pour la fraude“: you made my day… In einem Leserkommentar in einem verlinkten Artikel fand ich „ENA“ = Ecole Nationale d’Arrogance. Ich werf‘ mich weg…

  2. ….Etwas Amüsantes dazu hat der frz.Comedystar Emmanuel Peterfalvi alias Alfons (und Gäste, heißt seine Sendung), auch bekannt mit seinen charmanten Umfragen mit Puschelmikrofon, dazu im Radio abgegeben: „Oh, nein, er würde nicht sagen, dass jeder zweite Politiker in Frankreich koruppt ist, er sagt nur, Jeder Zweite Politiker in Frankreich ist nicht korrupt, das ist ein Unterschied“. Und zur Affäre Fillon: „Der Knopf an der Hose (von den geschenkten Anzügen) ist so teuer, da gehen andere Leute 14 Tage in Urlaub“.
    Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man sich ja amüsieren.
    Hier eine kleine Kostprobe von Alfons zum Thema Multikulti:
    https://youtu.be/1avZCw3jrU4

    • dreher sagt:

      Ja, den Alfons mag ich – es ist lustig und auch wieder nicht, wenn man die Antworten hört, seufz …

      • Marion sagt:

        Oh Mensch MERCI, den Alfons kannte ich noch nicht, génial, und ich lache ohne schlechtes Gewissen, ist doch schön, wenn man heutzutage überhaupt noch was zu lachen hat…