Grün, grün, grün sind alle meine Kleider …

… grün, grün, grün ist alles, was ich hab. Zumindest alles, was ich an weißer Unterwäsche besitze. Ich bin überlastet. Ich kann es mir nicht anders erklären, warum ich, als ich meine Unterwäsche in die Waschmaschine werfe, kurzentschlossen auch das neue grellrote Synthetiksportshirt von Monsieur mit hineinstecke, das er gestern zum Radfahren trug. Weil ich in absehbarer Zeit nichts anderes in hellem Rot zu waschen habe, die Maschine mit meiner Unterwäsche nicht voll ist und ich dieses Sportteil nicht per Hand waschen will, vermutlich. Nein, Monsieur wäscht seine Wäsche nicht selbst, weder von Hand noch in der Maschine. Bei Feinwäsche und 30 Grad wird schon nichts passieren denke ich und stecke dennoch eines dieser Tüchlein hinein, die die Farbe aufsaugen. Ich bin eigentlich eine Wäsche-Farbtrennerin der ersten Stunde und hatte früher auch Waschmittel für Buntwäsche und schwarze Wäsche neben dem für Weißwäsche. In der Zwischentzeit habe ich nur noch ein Waschmittel für alles und finde es ausreichend. Heute Morgen habe ich schon eine schwarze Maschine gewaschen und nun eben schnell noch meine zarten Höschen und BH’s, die ich bei meinem letzten Besuch in Deutschland erworben habe. Und als ich sie aus der Waschmaschine hole, ist alles grün. Ein zartes Anisgrün. GRÜN! Nicht etwa tomatenrot, was es auch nicht besser gemacht hätte, mir aber versttändlicher gewesen wäre, nein, G.R.Ü.N. !!! Das Farbtüchlein ist auch grün. Immerhin. Neulich habe ich alte weiße Handtücher anisgrün gefärbt. Ist gelungen, ich mag dieses Grün. Bei den Handtüchern zumindest. Aber meine Höschen und die BH’s sind ebenso grün und die Spitze daran ist gelb. Ich hasse es. Anisgrün. Der Anisgeruch der zerbrochenen Flasche Pastis, hängt auch immer noch in der Luft. „Warum hast du denn auch ausgerechnet dieses rote Teil mitgewaschen?“, fragt der in Haushaltsdingen gut bewanderte Monsieur vorwurfsvoll. Und jetzt passierts. Ich raste aus. „DEINE KOMMENTARE BRAUCHE ICH NUN WIRKLICH GAR NICHT, WENN DU DEINE WÄSCHE MAL SELBST WASCHEN WÜRDEST UND WENN DU ÜBERHAUPT MAL ETWAS IM HAUSHALT MACHEN WÜRDEST“, lege ich los. Ich bin etwas ungerecht, gerade hat er nämlich eingekauft, aber eigentlich hatte ich ihm nur sechs Eier und Fleisch zusätzlich auf die Liste der Einkäufe für seine Mutter geschrieben. Er kam mit zwei vollen Taschen zurück. Ich packe alles aus und knalle die Einkäufe auf den Tisch. „Was ist das denn bitte? Ein Kilo spanische Erdbeeren! HA! Wieso müssen wir spanische Erdbeeren kaufen, wenn es schon französische gibt?“, empöre ich mich. „Noch einen Salat! Wir haben schon zwei! Und wieso hast du denn DREIMAL sechs Eier gekauft?“, frage ich mürrisch und versuche die Eier zusätzlich zu dem Salat im Kühlschrank unterzubringen.

Zeichnung : F. K. Waechter

Im Kühlschrank ist nicht so viel Platz, weil ich heute früh schon einen Käsekuchen gebacken habe, der mich Nerven gekostet hat und der vielleicht nicht lange genug gebacken ist und jetzt im Kühlschrank hoffentlich fest werden will. Wir haben heute Abend Gäste und morgen gehen wir zur Schwiegermutter essen, da bringe ich nun immer alles vorgekocht und vorgebacken mit. Auch etwas Käsekuchen, so er gelungen und noch nicht aufgegessen ist. Wenn Sie wüssten, was das für ein Problem ist, mit dem Käsekuchen in Frankreich. Schon allein der Quark! Wissen Sie, wie schwierig es ist, guten Quark zu bekommen? Nicht dieses labberige, dünne Zeug, das sie einem hier als fromage blanc verkaufen. Ich könnte einen ganzen Eintrag über Käsekuchen schreiben. Sechs Eier kamen in den Kuchen. Sonst brauche ich wochenlang kein einziges Ei. Ich mag keine Eier eigentlich. Außer im Kuchen.  Jetzt habe ich 18. Achtzehn! Monsieurs Mutter hatte 12 Eier auf die Liste geschrieben und beim Auspacken festgestellt, dass sie noch sage und schreibe exakt 12 Eier im Kühlschrank hat. Was macht eine alte Dame überhaupt mit zwölf Eiern? „Und diese angebrochene Schachtel mit Nudeln?“, frage ich und halte sie hoch. „Die habe ich neulich für sie gekauft, es ist aber nicht die richtige Sorte“, seufzt Monsieur, „jetzt hat sie sie mir zurückgegeben.“ Das kann ich verstehen, es sind komische kurze und feine Nudeln, die ich weder als Suppennudeln noch für Pastagerichte verwenden würde. Was soll ich also damit machen? Ich bekomme noch eine angebrochene Packung mit Tiefkühlerbsen. Sie war meiner Schwiegermutter zu groß. Vermutlich ist es, weil die Erbsen so grün sind, und mich ungut an meine Unterwäsche erinnern, denn mir reißt jetzt die Hutschnur. „WER BIN ICH DENN?“, brülle ich vor dem Tiefkühlfach und versuche die Erbsen hineinzustopfen. „WER BIN ICH DENN, DASS ICH DIE GANZEN DÄMLICHEN RESTE DEINER MUTTER NEHMEN MUSS? MIR REICHTS!“. Und: „ICH KANN NICHT MEHR! ALLES MUSS ICH MACHEN. DU MUSST MEHR IM HAUSHALT HELFEN, OHNE DASS ICH ES IMMER WIEDER SAGEN MUSS! NICHT MAL DEN MÜLL BRINGST DU VON ALLEINE RUNTER! UND WENN ICH DICH BITTE, BIST DU ZU MÜDE! ICH BIN AUCH MÜDE!“ Monsieur holt Luft, wird aber mit der berechtigten Frage „WER HAT DEN EIMER MIT DER ZERBROCHENEN PASTISFLASCHE RUNTERGETRAGEN HEUTE MORGEN, DER SEIT GESTERN IN DER KÜCHE RUMSTEHT, HÄ?“ zum Schweigen gebracht. „DU MACHSt NICHTS! NICHTS! SO GEHTS NICHT MEHR WEITER! ALL DIESE BLÖDE KOCHEREI MITTAGS UND ABENDS UND ALL DIE LEUTE, DIE IM FRÜHJAHR IN WUNDERVOLLER FERIENLAUNE HEREINSCHNEIEN, Coucou, wir sinds! UND FÜR DIE ICH MAL EBEN KOCHEN SOLL UND MICH FREUEN, DASS SIE DA SIND! ICH MUSS SCHREIBEN! WANN SOLL ICH DAS DENN TUN DEINER MEINUNG NACH?  Und weil ich gerade so schön im Rausch bin, geht es weiter „DU BIST MAL STILL!“, brülle ich die Katze an, die an der Schranktür kratzt und nach ihrem Futter maunzt. Erschrocken schaut sie mich an. Tatsächlich maunzt sie nicht weiter. Monsieur ist still geworden und füttert jetzt die Katze. Immerhin etwas. Außerdem nimmt er das Fleisch und steckt es ganz eigenmächtig in Gefriertüten und räumt es ins Gefrierfach. Geht doch. Eine Premiere. Herrjeh. Muss ich dafür immer so brüllen?

Streitkultur, sagte Marion in einem Kommentar, wie schön, dass wir eine Streitkultur hätten. Ich musste erstmal nachlesen, was das eigentlich ist, ich war nicht so sicher, ob ich wirklich eine Streitkultur habe. Aber immerhin habe ich in den letzten Jahren gelernt, auszudrücken, was mir missfällt. Ich bin dabei, vermutlich weil ich es immer bis zum Äußersten kommen lasse, etwas heftig, aber, anders als in Deutschland haben die Menschen, mit denen ich mich hier herumstreite, keine Angst vor meinem Ausbruch. Meine Streitkultur ist wohl von südlandischem Temperament. Und tatsächlich ist, wenn ich Dampf abgelassen habe, alles wie weggeblasen. Nein, es bleibt nichts ungut quer stecken. Das ist klasse. Monsieur spült das Geschirr vom Mittagessen und gibt mir einen Kuss. Alles ist gut. Nur meine Unterwäsche, die ist immer noch grün.

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6 Kommentare zu Grün, grün, grün sind alle meine Kleider …

  1. Sunni sagt:

    Hach, kam genau am richtigen Tag! :-) Vielleicht die Unterwäsche entfärben? Und Käsekuchen ist in Italien noch viel schwieriger, dorthin brachten wir den Quark für die Tochter mit, über die glutheiße Autobahn, 1400km…der arme Quark! :-) Daumen sind gedrückt, für den Kuchen, mehr Zufassen und überhaupt! Sunni

  2. Ursula Weber sagt:

    Ach du Arme, was für ein Tag 😕. Aber die Hauptsache, daß er friedlich zu Ende ging 😘
    Grün ist die Hoffnung 😂. Ich wünsche euch einen schönen
    1. Mai mit friedlichem Essen bei der Schwiegermutter und Zeit, dich danach zu erholen 🍀🙋

  3. Zum Trost: So etwas passiert immer dann, wenn man einfach nicht mehr kann.
    Übrigens fällt mir da schwarz -weiß ein. Die lieben Tempotücher in schwarzer Wäsche…..
    Dieses Malheur lässt sich zum Glück allerdings noch abpiddeln.

    Danach braucht man wirklich einen lieben Monsieur, der sich die Predigt zu Herzen nimmt und einen für das verzweifelte Gebrüll in den Arm nimmt.

    Herzliche Grüße und einen lässigen Tag wünscht

    Angela

  4. Karin Pfeiffer sagt:

    Du Arme!
    Ist mir auch schon passiert. Und dann das Entfärben! Machte alles nur noch schlimmer. Habe jetzt erst erfahren: weiße Feinwäsche nur mit Fewa waschen, weil weiße Wäsche künstlich gebleicht wird und kein normales, scharfes Waschmittel verträgt, mit dem sie grau wird.
    Wegen dem Topfen: schau doch mal zu Lidl. Die haben deutsche Produkte. Meine Nachbarin kauft dort auch ihre deutschen Würste. Für Crèmedesserts ist der Fromage Blanc wunderbar, aber für die Topfentorte eben nicht.
    Trotzdem einen schönen Tag und bis auf bald.
    Karin

  5. Marion sagt:

    Habe auch schon mal bei vollem Bewusstsein einen roten Schal (meiner Mutter) zu der helleren Wäsche gesteckt und hatte danach den Salat. Hatte wohl auch keine Lust, ihn auf der Hand zu waschen und die dunkle Wäsche war noch nicht dran. Na ja, meine Unterwäsche war dann rosa (geht ja noch), aber einen Sweater habe ich weggeschmissen, der war so unregelmäßig verfärbt. Das war schon ärgerlich. Für eine Entfärbeaktion fehlte mir die Energie. Aber Du findest schon eine Lösung :-)

  6. pitdieerste sagt:

    ich habe meine rosa verfärbte Unterwäsche danach kurzerhand schwarz gefärbt

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