Ein französisches Mittagessen – Dienstag

Ich dachte, ich zeige Ihnen mal ein normales französisches Mittagessen, damit Sie sich das nicht zu glamourös vorstellen. Dreigängig heißt ja nur, dass das Essen in mehrere Häppchen zerlegt wird und bedeutet nicht zwingend einen festlich gedeckten Tisch. Heute, im Zuge der Plastikdiskussion, zeige ich auch die Details.

Wir essen früh heute, Monsieur muss „aux Impots“, zum Finanzamt, da war heute Morgen eine zwei Kilometer lange Schlange, er versucht es also um die Mittagszeit nochmal. Ich wähle die Spargel als Vorspeise, weiß, dass es knapp wird, will sie aber auf jeden Fall machen, weil sie schon seit Samstag im Kühlschrank liegen. Sie kommen vom Discounter (Monsieur) und sind in Plastik eingepackt gewesen. Ich hatte das Plastik geöffnet und ein feuchtes Küchentuch um die Spargel gewickelt.

Ich schneide die unteren Enden großzügig ab und schäle ebenso großzügig. Backofen ist schon an, ich werde sie nach dem Rezept von Arthurs Tochter in Papilloten im Backofen machen. Bestes Rezept ever für Spargel. Hier werden Spargel als Entrée mit Vinaigrette gegessen und sollen bissfest sein, man muss sie zum Einstippen in die Vinaigrette „stabil“ in die Hand nehmen können! Die Backofen-Gar-Methode ist dafür idealst!

Ich rühre die Vinaigrette an mit Olivenöl (nicht bio, aus Spanien, aber in Glasflasche), einer Art weißem Balsamicoessig (Glas), Senf (Glas) und Pfeffer und Salz.

Monsieur deckt den Küchentisch, ich achte darauf, dass alles, was wir brauchen schon auf dem Tisch steht, dann muss ich nicht noch x-Mal aufstehen: Joghurt (Plastik), Zucker (brauner Rohrzucker in Karton), ein Stück Käse (Reblochon aus dem Supermarkt, ehemals in Plastik), Wein (Rosé, Glas), Mineralwasser (Plastik), Zitronensaft (Glas). Und noch handgerüttelter Himbeeressig für die Artischockenvinaigrette (Bio, lokal, Glas).

Ich teste die Spargel, sie sind noch etwas al dente und Monsieur isst daher schonmal eine Artischocke.

Ich stelle Wasser für die Nudeln (in Plastik) auf und heize die Pfanne für das Kalbsschnitzel (vom Metzger, in Papier) vor. Ich mache mal Werbung für meinen Metzger, der mir gerade sagte, dass jemand, der meinen Blog gelesen habe, bei ihm eingekauft habe. Also bitte, wenn Sie hingehen wollen, nur zu, sagen Sie ihm, dass Sie über mich kommen, das freut ihn (und mich dann auch).

Die Spargel sind gar. Super!

Sie schmecken so köstlich. Ich will es gar nicht glauben und hole das Plastik aus der Tonne, um zu sehen, wo sie herstammen: Les Landes, aus den sandigen Böden des Südwesten Frankreichs, immer noch regional. Wir diskutieren über meine Discounter-Gemüse-Vorurteile.

 

Die Nudeln sprudeln im Wasser, sie brauchen sieben Minuten. Ich muss das Fleich so braten, dass beides gleichzeitig fertig ist, deswegen hüpfe ich zwischen Herd und Tisch hin und her und esse die Spargel stehend.

Die Nudeln sind fertig, werden abgeschüttet, bekommen ein kleines Stück Butter und kommen zurück in den Topf und so auf den Tisch. Das Fleisch ist gar. Wir teilen das Schnitzel in zwei Drittel (Monsieur) und ein Drittel (ich).

Danach esse ich ein Joghurt mit Zucker. Monsieur nimmt den Käse mit Brot (in Papiertüte). Er knabbert danach noch ein paar Haselnüsse.

 

 

 

 

 

 

Kaffee aus der Kaffeemaschine wird in das leere Weinglas serviert (nur Monsieur, nicht dokumentiert). Fertig. Sieste bzw.  heute auf zum Finanzamt.

Alles in allem, vom Beginn des Spargelschälens bis zum Kaffee (vergessen zu dokumentieren) hat es eine Stunde gedauert. Ich stand allerdings noch am Herd, während Monsieur schon die Artischocke und dann die Spargel aß. Ich aß meine Spargel halb stehend. Erst wenn das Fleisch gar ist, kann ich mich auch setzen. Das schockiert deutsche Freundinnen immer, dass ich so überkommene Lebensweisen lebe. Das ist in diesem Land nicht so ungewöhnlich, und, zumindest in unserer kultur- und altersübergreifenden Beziehung, letztlich der Status quo. Da könnte ich lange drüber diskutieren. Es wurde hier auch schon lange diskutiert. Letztlich läuft es auf „do it like the Frenchies“ hinaus.

Tatsächlich höre ich sofort auf zu kochen, wenn Monsieur, was selten vorkommt, abwesend ist. Dann gibt es mittags tagelang Nudeln mit Pesto und abends Brot mit irgendwas drauf. Ich weiß, dass ich mich besser ernähre, wenn ich für uns koche :D

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