1. Deutsches Filmfestival Cannes

Hoho! Der Titel klingt wahrlich reißerisch! Schrauben Sie Ihre Erwartungen runter, alles wird ganz klein, es ist aber dennoch das erste Mal, dass hier mehrere aktuelle deutsche Filme gezeigt werden, und das immerhin feiern wir!

Zwischendurch war ich ein bisschen unglücklich, Sie haben sich alle so engagiert, mir hier und da und dort noch Filmvorschläge geschickt, vielen Dank! Ich habe wahnsinnig viele Filme gesehen und gab Besprechungen und Eindrücke weiter. „Wie weit seid ihr denn?“, wurde ich schon von Ihnen gefragt. „Wie läuft es denn ab?“ „Weiß ich auch nicht“, musste ich antworten. Denn, wie so oft in Frankreich, passierte nichts. Also scheinbar passierte nichts, sagen wir so. Und ich fühlte mich mal wieder so zwischen allen Stühlen. Wollte Ihnen dieses Filmfestival und das Interesse der Franzosen für Deutschland und deutsche Filme so gerne in schillernden Farben darstellen, Diskussionen und Themen wiedergeben und ich bedrängte den Präsidenten des Vereins mit Fragen und bat um Informationen, aber er antwortete mir einfach nicht. So ist das hier. Ich dachte, ich werde einmal mehr einen Text zu Organisation, Spontanität und dem französischen Verständnis von Freiheit schreiben. Liberté! rief  Jakob aus Schabbach in „Die andere Heimat!“, die ich so gerne hier vorgeführt gesehen hätte. Lange der (nicht nur von mir) favorisierte Film. Zwei Filme eigentlich, was die Vorführung erschwerte.

Gestern also bekam ich Nachricht. Pas trop tôt, wie man hier ironisch sagt, „nicht zu früh“, gemeint ist, „bisschen spät“. Denn das Filmfestival findet am kommenden Wochenende statt. Das ist Ihnen zu kurzfristig? Da haben Sie jetzt schon was anderes vor? Tant pis. Pech. Für Sie natürlich. Hier müssen Sie viel spontaner sein. Wenn Sie sich das Wochenende freigehalten hätten, hätte es auch genauso gut gar nicht stattfinden können. Mehr als ein Achselzucken als Entschuldigung hätten Sie nicht bekommen. Da hilft kein Aufregen. So ist das hier. Lange Rede, ich war nicht bei der Entscheidung beteiligt und es werden drei Filme gezeigt. Drei? Ja, nur drei! Die Kinos, mit denen wir zusammenarbeiten, hatten keine freien Säle. Aber das hatten Sie uns doch versprochen?! Eh beh, ja, aber jetzt ist es so. Es sind ja offizielle Kinovorführungen, die Kinochefs sind nett, aber sie sind nicht die Heilsarmee. Geld verdienen wollen Sie schon. Also, jetzt drei Filme, später im März kriegen wir vielleicht noch einen oder zwei andere Filme unter. Das 1. Deutsche Filmfestival in Cannes bekommt also einen eher zögerlichen Auftakt. Schade, oder auch nicht. Denn ich bin gar nicht da am Wochenende und komme so hoffentlich wenigstens in den Genuss der zwei später gezeigten Filme.

Tatatataaaa … Trommelwirbel – Cinécroisette proudly presents:

Das isses? Ja. Das isses. Ach.

Ich gebe zu, ich war zunächst super enttäuscht. Ein Thriller! Und kein Fatih Akin. Nicht Doris Dörrie. Nicht Heimat. Nicht Bella Martha. Nicht Sophie Scholl. Gut, nachdem ich die Enttäuschung etwas verdaut habe, kann ich den Erklärungen zustimmen:

„Wir wollen“, sagt Serge Basilewski, seines Zeichens Président de l’association, der Vereinsvorsitzende zu deutsch, „etwas Neues zeigen, also einen oder zwei in Frankreich komplett unveröffentlichte Filme oder eine Vorpremiere; wir wollen einmal nicht das ewig durchgekaute Zweite-Weltkriegsszenario, hingegen Filme, die den Osten (bzw. Deutschland in den 80er Jahren) zeigen, und drei unterschiedliche Genres sollten es sein. Einen Film von Petzold wollen wir dabeihaben“ und, füge ich hinzu, ein Film einer Filmemacherin sollte es auch sein. Das alles waren die Auswahlkriterien für zunächst drei Filme. Das haben wir hingekriegt. Immerhin. Und immerhin ist Barbara von Christian Petzold dabei. Für den habe ich mich sehr stark gemacht.

Später im Monat würden wir gerne noch Ballon zeigen und Werk ohne Autor, sobald die Versionen mit französischen Untertiteln verfügbar sind. Insbesondere Werk ohne Autor (ja, ich habe die Diskussion mit Gerhard Richter mitverfolgt) interessiert hier die Kinochefs. Dafür kriegen wir also bestimmt einen Saal. So siehts aus.

Kommen Sie zahlreich, möchte ich Ihnen zurufen, vom Interesse des Publikums und der Anzahl der verkauften Plätze hängt die Zukunft für weitere „deutsche Festivals“ ab! Für Mitglieder der Association sind die Vorführungen gratis, für alle anderen beträgt der Eintrittspreis 6.50€. Die Filme laufen in der VOST, version originale soustitré, deutsch mit französischen Untertiteln. Und leider bin ich selbst nicht dabei, es wird also kein inoffizielles Treffen mit der Autorin. Ein andermal.

Hier noch der offizielle Link zum Verein CinéCroisette.

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2 Kommentare zu 1. Deutsches Filmfestival Cannes

  1. Martina sagt:

    Was heißt schon „nur 3“ Filme? Was möchte man lieber: ein zähes Schnitzel, das über den Tellerrand hinaushängt oder ein kleines delikates Kalbsmedaillon? Qualität ist wichtiger als Quantität, denn es ist die Qualität von Filmen (und Essen) über die man noch länger spricht, nachdenkt und an die man sich erinnert. In diesem Sinne: Glückwunsch zu einem gelungenen Programm.

    Liebe Grüsse
    Martina

    • dreher sagt:

      Liebe Martina, Danke für den Trost! Ich war bis eben unterwegs und habe bislang nur von einer französischen Freundin eine sehr „gelangweilte“ Rückmeldungen bekommen- wie schade, wir sind wohl kulturell weiter auseinander als wir glauben. Ich werde mal den Organisator befragen, wie sein Eindruck war. LG!

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