Frohes Fest

Ein frohes Fest wünsche ich (jetzt schon, ich weiß nicht, ob ich später noch dazu komme) und außerdem happy Chanuka! Das jüdische Lichterfest beginnt dieses Jahr am 22. Dezember und wird bis zum 30. Dezember gefeiert. Der hineinfotografierte Text, der aus meinem anderen-advents-kalender stammt und dort eigentlich für den 23. Dezember vorgesehen ist, hat mich gerührt.

aus: der andere advent

Gerade bin ich noch einmal sehr gerührt: Meine Mutter sollte heute Abend mit dem Flugzeug nach Nizza kommen. Ich hatte alles geplant, Begleitservice reserviert, damit sie, die nicht mehr allzugut zu Fuß unterwegs ist, nicht alleine mit ihren Koffern durch diesen riesigen Flughafen in Frankfurt irren muss. Es gab einen Shuttle-Bus bis zum Flughafen, alles schon vor Monaten reserviert. Der Shuttle-Bus blieb wegen eines schlimmen Unfalls drei Stunden auf der Autobahn blockiert, meine Mutter kam am Flughafen an und der Flieger hob gerade ab in den dämmrigen Abendhimmel. Ohne sie. Der Fahrer des Shuttle-Busses begleitete meine Mutter immerhin bis zum Schalter und erklärte die Situation. Aber dort war man recht schnipppisch: der Begleitservice sei nicht mehr zuständig. Sie sei gecancelled, sagte man ihr. Sie war zu spät. Man kann nichts mehr für sie tun. Punkt aus. Basta. Das war der Moment, an dem ich meine Mutter zum ersten Mal am Telefon hatte. „Ich bin gecancelled„, sagt sie, und bemüht tapfer „Ich weiß jetzt nicht, wie es weitergeht“, dann unterbricht sie mitten im Satz das Gespräch. Ich rufe zurück. Sie nimmt nicht ab. Vermutlich hört sie es nicht, oder was weiß ich. Ich beginne die Fluggesellschaft zu verfluchen. Ich meine, das sieht man doch, dass meine Mutter eine ältere Dame ist und, zumindest in gewissem Maße, Hilfe braucht. Deswegen habe ich den Begleitservice doch gebucht, Himmel nochmal! Sie braucht schon im Normalfall Hilfe beim Koffer aufgeben und um sich nicht zu verlaufen und vor allem um diese endlos langen Wege bis zum Gate XY zu laufen, bzw. eben gerade nicht zu laufen, sondern zu fahren, in einem Rollstuhl oder Elektroauto. Man kann sie doch gerade dann, wenn es noch zusätzlich Schwierigkeiten gibt, bitte nicht einfach so stehen lassen. Gerade jetzt braucht sie Hilfe, um zu schauen, ob und wie man den Flug umbuchen kann, und wo sie dazu hinlaufen muss in diesem Flughafenlabyrinth! Meine Mutter ruft wieder an. Immerhin hat sie erfahren, dass sie „hoch“ und irgendwo „warten“ muss, „bis ihre Nummer aufgerufen wird“. Und da geht sie jetzt hin, aber sie ist immer noch allein mit den beiden Koffern. Ich seufze. Ich kann nur ahnen, um was es geht. Anscheinend versucht man sie umzubuchen. „Ich weiß noch nichts“, ruft sie zwischendurch an, „ich muss noch warten!“ Lange ist es nicht sicher, ob sie heute noch einen Platz im späteren Flieger bekommen kann und wenn ja, zu welchem Aufpreis, oder ob sie am Flughafen übernachten muss. Ich suche schon mal vorsorglich die Hotels am Flughafen, aber auch das wäre alles zusätzlich verwirrend und kompliziert. Gerade eben rief sie erneut an. Sie hat einen Platz im späteren Flieger, hurrah!, und sie unterbricht schon wieder das Gespräch, diesmal aber, weil schon „die junge Frau“ kommt, die sie dahin begleitet. Im Elektroauto. Uff. Später ruft sie noch einmal an: Die nette junge Frau habe mit ihr den Koffer aufgegeben, sie ist mit ihr durch die Kontrolle und eine andere hat sie zum Gate gefahren (das jetzt hoffentlich nicht mehr geändert wird), alles ist gut. Sie hat drei Stunden Zeit und trinkt jetzt erstmal einen Kaffee. Ich bin sehr erleichtert. „Musstest du etwas aufzahlen?“, frage ich. Aber nein! Ihr Flug wurde kostenlos umgebucht. „Es ist Weihnachten“, habe der junge Mann am Schalter zu ihr gesagt, als er ihr das neue Ticket ausgestellt hat. Oh Mann, ich heule hier. Danke! Danke Fluggesellschaft! Danke Universum! Es ist Weihnachten! Ja! Frohe Tage, egal ob Sie glauben oder nicht, und egal, an welchen Gott Sie glauben. Frohe Tage! Seien Sie gut zu sich und zu anderen! Haben Sie es gut und seien Sie froh miteinander! 

Dies ist kein Weihnachts- sondern ein Abendlied, aber ich finde es gerade so friedlich und wohltuend. Den Hinweis auf das wundervolle Vokalensemble Sjaella aus Leipzig verdanke ich Asja G. aus Biestow. Vielen Dank!

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10 Kommentare zu Frohes Fest

  1. Mumbai sagt:

    liebe Christine, die Geschichte Ihrer Mutter hat mich mehr erschuettert als der vorige
    Text. Wie kann man nur so gefuehllos sein, wie die Flughafenangestellte sich Ihrer
    Mutter gegenueber benommen hat!? Aber es ist alles gut gegangen obwohl der Weg ein sehr langer und anstrengender fuer sie war. Mit der Anreise, der Wartezeit und dem Flug war sie sicher viele Stunden unterwegs. Umsomehr freuen Sie sich die Feiertage gemeinsam verbringen zu koennen. Fuer 2020 alles Gute und Gratulation fuer die neue
    Autorenschaft im Magazin France.

  2. Ursula Weber sagt:

    Liebe Christiane,
    das tut mir so leid, daß deine Mutter eine so mühsame und aufregende Anreise hatte. Und du Arme hast zu Hause gezittert und mitgelitten. Dabei hattest du alles so gut organisiert 😞
    Ich wünsche euch sehr, daß ihr nun die gemeinsame Zeit so richtig genießen könnt❣️Frohe Weihnachten 🕯️🎄🌟🥂 und herzliche Grüße 🙋🏼‍♀️😘

  3. Trulla sagt:

    Oh wie schön, dass sich dann doch alles so gut löste. Auch mir kamen die Tränen beim Lesen. Geniessen Sie nun die Zeit mit Ihrer Mutter, Ihrer Familie und feiern ein schönes Weihnachtsfest miteinander.
    Ich selbst denke so gern zurück an die Zeit, als wir Weihnachten noch mit den Eltern feiern konnten. Jetzt sind mein Mann und ich die Alten und die Kinder kommen zu uns.
    Möge auch das Neue Jahr Ihnen Freude und Erfolg bescheren

  4. Caroline Bahri sagt:

    Umgedreht ging es nicht so gut aus. Wir wollten am Freitag vor Weihnachten von Nizza nach London zum Sohn fliegen. Hier war Unwetterwarnung, Regen und Sturm. Und nicht zu vergessen seit Wochen Streik. Der Flieger ging um 16 Uhr also nahmen wir vorsichtshalber schon um 10 Uhr morgens den Flughafenbus in Antibes. Und er fuhr tatsächlich pünktlich. Im Airport war unser Flug noch nicht einmal angezeigt. Um 14 Uhr wurde er als pünktlich annonciert. Um 15 Uhr als 20 Minuten verspätet. Um 16 Uhr als 2 Stunden verspätet. Um 18 Uhr erschien „cancelled“. Von der Fluggesellschaft erschien niemand. Unser Flug war nicht der einzige, der nicht starten konnte. Passagiere für viele Flüge in alle Richtungen der Welt stauten sich. Ein unbeschreibliches Chaos! Um 20 Uhr bekamen wir einen Taxischein in die Hand von einer überforderten Angestellten. Wir verzichteten nicht nur auf ein Hotelzimmer sondern auch auf unseren Flug zum Fest und nahmen den letzten Bus nach Hause. Um 21 Uhr waren wir, an Leib und Seele erschöpft, wieder da, wo wir morgens voller Vorfreude aufgebrochen waren. Und der Sohn musste Weihnachten allein verbringen – wir auch. Im nächsten Jahr sollte alles besser werden wünscht Caro

    • dreher sagt:

      Oh, das tut mir sehr leid, Caro! Meine Mutter wäre lieber mit dem Zug gekommen, aber angesichts der Streiks, die es ja immer um diese Jahreszeit gibt, dachte ich fliegen wäre sicherer. Nicht in jedem Fall… 😕
      Liebe Grüße!

  5. Sunni sagt:

    Oh, hoffentlich ist Ihre Mutter gut angekommen nach dieser Aufregung! Und Sie hatten ein gutes Fest. Allein schon, dass man zusammen ist, sollte uns Anlass sein, froh und glücklich die Zeit zu verbringen. Ihre Geschichte zeigt: Es gibt immer irgendwo einen guten Menschen, immer. Haben Sie eine gute Zeit alle zusammen und für 2020 Ihnen und den Ihren alles, alles Gute, vor allem Gesundheit, denn wer sie nicht mehr hat, bemerkt, wie wirklich wichtig sie ist. Groses bises, Sunni

  6. Ich habe es gerade erst gelesen und musste die Tränen zurückhalten. Es hört sich sehr unfein an. Es gibt immer wieder Vorfälle, die man nicht verstehen kann. Zum Glück hat sich für ihre Mutter alles zum Guten gewendet. Ich hoffe, sie hatten bzw. haben eine schöne Zeit zusammen in Frankreich. Unsere Familie ist am 1. Weihnachtstag gesund und munter in Deutschland eingetroffen. Sie fahren 12 Stunden Auto mit 2 Kindern (9 und 7) wahrlich auch kein Vergnügen. Wir genießen nun jede Minute zusammen, bevor sie sich am Samstag wieder auf den Weg an die Atlantikküste machen. Einen guten Rutsch ins neue Jahr und weiterhin viel Erfolg.

  7. Justina sagt:

    Kleiner Tipp an alle in solchen Situationen: sich bei der Flughafenseelsorge melden, https://seelsorge-flughafen-frankfurt.de/
    liegt sehr zentral
    sehr nettes Team, auch von Ehrenamtlichen, die auch in solchen Situationen ansprechbar sind (Freundin von mir arbeitet dort).
    Bonne année

  8. Marion sagt:

    Liebe Christiane,
    ich hoffe, Ihr seid alle zusammen gut ins neue Jahr gekommen!
    Möchte mich für den Musik- Tipp bedanken! Zufällig tritt das Vokalensemble morgen im Kloster Knechtstedten auf und ich habe mir gleich eine Karte besorgt. Freue mich schon sehr. Ein schöner Jahresauftakt. Einen solchen wünsche ich Dir ebenfalls! Bonne soiree! Marion