Jacques Ferrandez

Letzten Samstag war ich bei einer Signierstunde. Jacques Ferrandez, mein Lieblings-BD-Zeichner und Autor war in Cannes in der wundervollen inhabergeführten (!!!) Buchhandlung autour d’un livre zu Gast.

autour d’un livre

Als ich in Frankreich ankam, ich sage es ja immer wieder, war es nicht so weit her mit meinem Französisch. Dass ich nach vier Wochen fließend spräche und selbstredend auch französische Literatur läse, glaubte ich vorher zwar, aber dem war nicht so. Ich starrte auf die Bücher in der klitzekleinen Gemeindebibliothek und blätterte lust- weil verständnislos durch die Seiten. Kleinkinderbücher, auch wenn sie sprachlich meinem Niveau entsprachen, wollte ich nun auch nicht gerade lesen. Und dann entdeckte ich die BD’s, des Bandes dessinées. Mit Comics wie Micky Maus, Donald oder Lucky Luke hatte das wenig zu tun. Erwachsenencomics, Graphic Novels heißen sie heute auch, erzählen richtig anspruchsvolle Geschichten, manchmal Literatur und/oder Geschichte. Nicht alle Zeichner sprechen mich an. Aber die Carnets d’Orient von Jacques Ferrandez (gezeichnet und geschrieben) haben mich sofort angezogen. Auch weil er in dieser zehnbändigen Serie von Algerien erzählte, und von Algerien als französischer Kolonie und dem nachfolgenden Unabhängigkeitskrieg wusste ich wirklich gar nichts. Ich begann also mit Jacques Ferrandez BD’s französisch zu lesen und etwas über französische Geschichte zu lernen. Danach las ich alles, was ich von ihm kriegen konnte.

„Richtige“ Bücher, also Literatur in französischer Sprache, lese ich immer noch sehr zögerlich. Als ich vor ein paar Jahren
Meursault, contre enquête von Kamel Daoud, einem algerischen Autor, in französischer Sprache lesen wollte, das sich auf Camus‘ Der Fremde bezieht, wusste ich, dass ich zunächst Camus lesen müsste, um Kamel Daoud zu verstehen. Uff. Glücklicherweise hatte Jacques Ferrandez gerade angefangen Camus Werke als BD zu zeichnen, das hat mir das Lesen (und das Leben ;-) ) ziemlich erleichtert.

Jetzt hat uns Jacques Ferrandez viel aus seinem Leben erzählt (seine Familie stammt ursprünglich auch aus Algerien, sie hatte ein Schuhgeschäft gegenüber des Hauses, in dem Camus gelebt hatte) und von seiner Art zu arbeiten. Und dann hat er mir vier neue Bücher ganz reizend signiert :)

ps: Kamel Daouds Meursault … ist in der Zwischenzeit bei Kiepenheuer & Witsch unter dem Titel „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ auch auf Deutsch erschienen.

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7 Kommentare zu Jacques Ferrandez

  1. Marion sagt:

    Von dem Autor hattest Du ja mal berichtet. Deine Liebe zu den BDs hat sich leider nicht auf mich übertragen, dabei gibt es da sicher viel zu entdecken. Und wie Du sagst, zum Sprache lernen super…
    Es macht wirklich Spaß, einem Autor zu treffen, den man sehr schätzt, und sich ein Buch signieren zu lassen. Bei der LitCologne kann man ja oft das Vergnügen haben, aber normalerweise bin ich zu faul, mich noch in die lange Schlange einzureihen. Dieses Jahr war ich übrigens bei Annie Ernaux.
    Einmal jedoch vor vielen Jahren, bei einer (auch noch kostenlosen) Lesung von Lily Brett in der Agneskirche, habe ich mich überwunden…

    • dreher sagt:

      Bei Lilly Brett war ich auch mal, das war bei einer der ersten LitCologne Veranstaltungen irgendwo in Sülz; hatte aber keinen Nerv auf das Anstehen fürs Signieren. Wie war Annie Ernaux? Was hat sie gelesen?

  2. Gabriele sagt:

    Ich habe auch gern die Bandes dessinées zum Französisch lernen genutzt, allerdings eher die einfachen Kinderbücher wie Bill et Boule und Gaston. Monsieur Jean fand ich auch großartig, das sind aber eher so Beziehungsgeschichten. Es ist toll, wenn man verehrten Autoren live begegnet, man kriegt dann noch eine andere Beziehung zu ihnen. Ich wünsche Ihnen, liebe Christiane und Ihrer Familie, ein wunderschönes Weihnachtsfest- lassen Sie sich nicht zu sehr stressen! Herzliche Grüße Gabriele

    • dreher sagt:

      Lieben Dank Gabriele! Es war toll, weil ich zuerst alleine mit ihm war :D und ich ihm „meine“ Geschichte erzählt habe. Hat ihn gefreut :) Und er ist total sympathisch! Wir blieben eine kleine Gruppe, das war schön für uns, aber ich hätte ihm natürlich mehr Ansturm gewünscht.
      Frohe Tage auch Ihnen und Ihrer Familie!
      EASE murmelnd grüßt
      Christiane

  3. Sunni sagt:

    Ease – murmelnde Grüße aus Thüringen! Ich suche noch immer etwas, womit ich im stillen Kämmerlein mein Französisch aufbessern könnte, das sehr, sehr fragmentarisch ist. Ob es mit dieser Art Bücher ginge, weiß ich nicht, da ich absolut kein Comicfan bin. Aber bisher finde ich nichts Brauchbares.
    Wunderbar auch die Schilderung des Weihnachtsmarktes, grandioser Höhepunkt die Ankunft des Nikolaus`. Ich dachte erst, er kommt mit einem Kamel :-)))! Herzliche Grüße und Wünsche zum Fest! EASE! Sunni

    • dreher sagt:

      :D Danke Sunni! Na, ich mag auch nicht alle Zeichner, da gehen mir bestimmt manchmal gute Geschichten flöten. Mich muss beides ansprechen Geschichte und Zeichnung. Mein erster selbst gekaufter Band war übrigens von Joan Sfar „Le chat du rabbin“. Total kritzeliger Stil (ganz anders als der klare saubere STil von Ferrandez) der über das Judentum erzählt (aus der Sicht dieser respektlosen Katze). Hat mich total gepackt! Bin auch totaler Sfar Fan! Was ich zur Zeit auch gerne lese ist „L’arabe du futur“ von Riad Sattouf. Meine Enkelin liest gerne die „Cahiers d’Esther“ (die genauso alt ist wie sie, sehr passend als Geschenk immer) gibts alles auch auf Deutsch denke ich, falls Sie mal einen Blick reinwerfen wollen … Asterix ginge auch – das ist ein bisschen einfacher aber sehr französisch – mit den Dialekten der diversen Regionen zum Beispiel.
      Jetzt wird gebügelt. EASE! Frohe Tage!

      ps: écoute fällt mir dazu noch ein: https://www.ecoute.de/ und ich war eine Zeitlang auf Babbel https://de.babbel.com/franzoesisch-lernen-kostenlos eingeschrieben. Vorteil, man hört die Aussprache und kann diese auch trainieren!

      • Sunni sagt:

        Lieben Dank nach Frankreich! Ich werde mir das der Reihe nach ansehen ( und hören) Bon Noel pour vous!Bises, Sunni