WMDEDGT 02/2020

War in der Nacht mehrfach wach, schlafe aber gegen Morgen tief ein. Werde wach, weil sich die Katze energisch zwischen meine Unterschenkel drängt. Ich mache mir Frühstück: warme Haferflocken mit Obst (köstlich!), dazu Kaffee, und frühstücke gegen halb neun,  jetzt mit der Katze auf den Knien, und Monsieur und ich besprechen den Tag. Unsere aggressive Miteigentümerin in dem Haus, in dem wir bereits einen (von ihr angezettelten) Prozess verloren haben, hat veranlasst, dass das Amt für Hygiene das Haus inspiziert. Es sei in einem unhygienischen Zustand. Außerdem haben wir eine Aufforderung der Stadt Cannes erhalten, unverzüglich die Fassade desselben Hauses zu renovieren. Madame C., im Stadtrat und gute Freundin des Bürgermeisters, macht von ihren Beziehungen Gebrauch. Ich schicke immer mal wieder Stoßgebete in den Himmel, dass uns das Universum von ihr erlösen möge. Monsieur bricht gegen 9 Uhr auf, um die Leute von der Hygiene zu empfangen, kommt unverzüglich zurück, weil er seine Sonnenbrille sucht. Es ist heute allerwunderbarstes Frühlingswetter. Wir suchen vergeblich die Jacke von gestern, in der die Sonnenbrille steckt. Schließlich geht er mit einer anderen Sonnenbrille los.

Ich gehe ins Bad. Stopfe Wäsche in die Waschmaschine. Setzte mich an den Schreibtisch, beantworte gefühlt nur zwei, drei Mails, schon ist Monsieur zurück (er hat Jacke und Sonnenbrille im Auto gefunden). RAS: Rien à signaler. Das Hygieneamt hat im und am Haus nichts zu beanstanden (noch sind nicht alle korrupt!), allerdings halten sie den synthetischen Rasen, den die Miteigentümerin in ihrem neuerdings „privaten“ Garten hinter dem Haus verlegt hat, für problematisch. Tant mieux. Synthetischer Rasen und synthetische Hecken sind hier der letzte Schrei: sie ziehen keine Schädlinge an, müssen nicht beschnitten und vor allem nicht (mit dem immer teurer werdenden Leitungswasser) gegossen werden, sind dennoch quasi immergrün. Super praktisch! Und super zum K***. Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich den Kahlschlag sah, den der Garten erlitten hat. Früher eine verwilderte Oase, jetzt kahl und 100% Synthetik.

„Die Mieter haben jetzt endlich eine Aussicht auf einen sauberen Garten“ hat sie uns wissen lassen. Es ist die trübsinnigste Aussicht, die man sich vorstellen kann. Der „Garten“ ist nun auch eingezäunt und abgesperrt. Dort hinein dürfen die Mieter jetzt nicht mehr. Wozu auch. Das Hygieneamt allerdings ist von dem Synthetikrasen nicht angetan. Das Wasser fließe nicht richtig ab und würde so zur Bruststätte für Stechmücken. Bleibt zu beobachten.

Monsieur hat auch eingekauft und geht jetzt noch Brot holen. Er bringt zusätzlich Schmalzgebäck mit, ganses oder bugnes heißen die hier. Wir nähern uns auch in Südfrankreich dem Karneval. In der Post war heute ein Buch, ich lese kurz hinein, nehme mir vor, es heute Abend beim #Lesemittwoch anzufangen. Ich antworte noch auf eine Mail, dann ist es schon Zeit für das Mittagessen. Hacksteak, Tagliatelle mit Pilzsoße, grüner Salat, Käse und zum Dessert Schmalzgebäck für Monsieur, Schokopudding für mich. Ich werfe die Wäsche in den Trockner. Es folgt die Sieste. Danach gehen wir eine halbe Stunde in la Croix des Gardes spazieren, noch immer blühen die Mimosen, von Ferne sieht man Schnee auf den Alpengipfeln, es ist heute frühlingswarm, sonnig und blauhimmelig. Es soll schlechter werden, also wollten wir das ausnutzen.

15.30 Uhr: Monsieur besucht eine Freundin seiner Mutter und sucht dort in alten Unterlagen nach einem Dokument, ich mache mir einen Tee, gehe an den Schreibtisch zurück und suche ebenso, allerdings etwas weniger alte Unterlagen und verliere mich zusätzlich in alten Texten. Wie gut, dass ich auch zehn Jahre alte Mails aufgehoben habe, sie erhellen den Sachverhalt, an den ich mich nicht mehr erinnere. Ich schreibe dazu eine Mail.

Schwupps ist es 18 Uhr. Monsieur ist zurück, mit dem Dokument, und schaut fern. Monsieurs Tochter kommt. Auch sie wühlte in alten Papieren und es wird diskutiert. Es geht immer noch um die Erbschaftsangelegenheiten der Schwiegermutter. Ich backe Rosenkohl mit Datteln und Mandeln im Backofen. Wir essen. Ich hole die Wäsche aus dem Trockner, werde heute aber nicht mehr bügeln. Ich schreibe diesen Text zu Ende. 20.30 Uhr: Feierabend. Jetzt wird gelesen.

Dieser Text gehört in die von mir unregelmäßig geführte Tagebuchbloggen-Serie „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ kurz WMDEDGT, die sehr regelmäßig von Frau Brüllen geführt wird. Die anderen Teilnehmer dieser Blogparade finden Sie ebenfalls dort. Danke, wenn Sie meinem Tag bis hierhin gefolgt sind.




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16 Kommentare zu WMDEDGT 02/2020

  1. Ursula Weber sagt:

    Danke dir, liebe Christiane, daß du uns daran teilnehmen lässt. Es freut mich immer, deine interessanten Berichte zu lesen.
    Die Unannehmlichkeiten mit der aggressiven Miteigentümerin sind ja wirklich ärgerlich und nervenaufreibend.
    Alles Gute für euch und liebe Grüße🙋‍♀️😘

  2. Croco sagt:

    Bei den blühenden Mimosen geht mir jedes Jahr das Herz auf.
    Und ich glaube, solche Gebete mit „Herr, hol sie!“ wirken schon irgendwann.
    Dieser Synthetikrasen ist ja ein Graus. Hier sind es die Steingärten, die verschandeln.
    Menschen wollen keine Pflanzen mehr um sich haben. Was für eine Welt.
    Kürzlich habe ich gelesen, wenn man von Ahornsamen die Flügelchen abmacht und sie dann zufällig zwischen die Steine fallen, wird man danach den sprießenden Bäumchen mit den langen Wurzeln kaum mehr Herr.

    • dreher sagt:

      Ach, ich bin gar nicht so explizit im Wünschen. Ich meine, sie muss nicht gleich sterben, vielleicht reicht eine sie anderweitig beschäftigende Krankheit… Ich überlasse die Wahl gerne dem Universum…

      Ahornwaelder auf Steingaerten zu pflanzen ist doch eine schöne Idee. Geht das auch auf Plastikrasen?!

      Und ja, die Mimosen sind toll!

    • Croco sagt:

      Eigentlich ist der Wunsch schon in Erfüllung gegangen: der Rasen wird beobachtet ;).
      Ahorn eignet sich sicher nicht so im mediterranen Bereich. Da sind eher Pflanzen geeignet, die an unwirtlichen Orten wie Strassenrändern, Schutthalden und Eisenbahnschienen leben können. Man kann beim Spazierengehen Samen sammeln und mal ausprobieren, ob was geht. Quecke, Vogelmiere, Essigbaum, die fallen mir so ein. Richtung guerilla gardening halt;). Ein bißchen Erde brauchen die Samen aber schon für den Anfang.

      • dreher sagt:

        Sorry für das späte Freischalten!
        Und wegen der Pflanzensamen wird hier nachgedacht… I ll keep you informed.

  3. Claudia Pollmann sagt:

    Hallo Christiane,
    Miteigentümer können die Hölle sein. Wir hatte das auch 18 Jahre lang und haben dann verkauft. Der gute Mensch mochte keine Ausländer – wir haben an eine kinderreiche, robuste Familie aus Südamerika verkauft. Nicht ohne sie zu warnen. Die haben das super in den Griff bekommen :-) und wir unsere Ruhe. Als dann noch eine 5 köpfige muslimische Familie ins Haus gezogen ist hat ihn wahrscheinlich der Schlag getroffen… sein Lieblingsspruch „Hier ziehen keine Türken ein“ .

  4. Mumbai sagt:

    ..“es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem boesen Nachbar nicht gefaellt.“
    Manche haben eben einen sehr zerstoererischen Zeitvertreib…ekelhaft.
    Plastik als Dosen aber schon gar nicht als Rasen und Pflanzen sind so unappetitlich und haesslich. Aber auch hier hat jeder einen anderen Geschmack.
    Mein persoenl.Tagesablauf ist natuerlich unterschiedlich und haengt von den jeweiligen Verpflichtungen ab, allerdings beginnt der Tag ebenfalls mit Porredge und frischen Fruechten, allen voran Beeren und Kaffee. Der lunch ist in Spanien sehr spaet (2.30 h bis 3.00 h) und nach der Muehe aber auch dem Vergnuegen (bin leidenschaftl.Koechin) des Kochens wird er bei uns ausgiebig genossen (so wir nicht aufgehalten durch Erledigungen auswaerts essen). Wutsch und schon ist es 4/4.30 h . Dann Espresso , eine
    kurze Siesta, Spaziergang od. Sport (2-3x woechentl.), Erledigen von mails oder sonstigen Aufgaben, lesen oder new gucken und um 11 h bed time.
    Ist doch sehr abwechslungsreich/oder? Wir geniessen jeden Tag ob Sonne oder Regen
    und sind dankbar hier in dieser schoenen Gegend leben zu koennen.

    • dreher sagt:

      Danke! Porridge habe ich gerade erst entdeckt, bekommt mir so viel besser als das kalte Müsli!
      Schönen, genussvollen Sonntag!

      • Ute sagt:

        Hast Du schonmal versucht, auch das Obst (vllt nicht gerade Beeren) vorher zu dünsten bzw. in ein wenig Fett zu schwenken? Dann wenn mans mag Zimt o.ä. drauf, danach Körner oder Flocken und dann Milch oder andere Flüssigkeit…hmm, das ist so rundumwohltuendwärmend…:)

        • dreher sagt:

          Merci Ute 😋 ich gebe feine Flocken mit einem halben kleingeschnitten Apfel und etwas Milch in die Mikrowelle. Nach zwei Minuten ist der Apfel schön weich und die Flocken sind aufgequollen. Danach gebe ich gerade gerne Banane und Datteln dazu. Und einen kleinen Löffel braunen Zucker. Un délice!

          • Ute sagt:

            Hmmm… 😋… das klingt gut…
            Schon das zweite Mal in zwei Tagen, dass ich mir eine Mikrowelle ganz praktisch vorstelle… Ich hatte noch nie eine und habe sie auch nie vermisst…😁 Trotz aktueller Porridge Verlockung bleibe ich mal dabei.
            Liebe Grüße aus dem Rheinland
            Ute

          • dreher sagt:

            :D als ich das erste Mal bei Freunden auf eine Mikrowelle stieß und man mir sagte „es sei so toll zum Kakao aufwärmen“, dachte ich, die haben einen an der Waffel! Jetzt wärme ich mir selbst Kaffee mit Milch damit auf und der Porridge geht auch superfix – es geht aber auch alles ohne!

  5. Dirk Franke sagt:

    jetzt musste ich doch herzlich lachen. Dies ist der erste der ganzen WMDEGDGT-Beiträge bei dem ich dachte, „Oh wow. Das zubereitete Essen klingt so richtig lecker. Nicht fancy, Alltagsküchemit den richtigen Zutaten in der richtigen Zusammensetzung. Ich will das auch auch!“ Und Voila, natürlich habe ich den Gedanken wenn ich das Blog aus Frankreich lese.. Gruß vom Leser mit der südbadischen Verwandtschaft.

    • dreher sagt:

      Oh! Danke! Da freue ich mich! Heute gibt es Lauchstangen mit Vinaigrette als Vorspeise, ein Hähnchen gefüllt mit Echalottes, das ich aber beim Metzger meines Vertrauens schon fertig erstehe, so lecker und knusprig und saftig kriege ich es gar nicht hin. Dazu wieder Tagliatelle (mit dem Hähnchenbratensaft vermischt), danach vermutlich ein Stück Käse für den Gatten und schon wieder sehr leckeren super schokoladigen Schokopudding für mich :-)
      Schöne Grüße nach Berlin!

      ps: Ich komme allerdings ursprünglich aus Nordbaden, Kurpfalz, groß geworden aber im Südhessischen.