12 von 12 im März 2020

Monsieur weckt sich und mich mit einem Aufschrei „Wir haben vergessen den Sperrmüll rauszustellen!“ Es ist Donnerstag und 6 Uhr morgens. Der Sperrmüll wird erst heute Abend rausgestellt, ich sinke zurück ins Kissen, döse, kann aber nicht mehr schlafen. Als ich endlich aufstehe und das Fenster öffne, sehe ich milchiges Wetter und den Sperrmüll. Gestern wäre fototechnisch ein spannenderer Tag gewesen, wir haben anderen Müll zur Mülldeponie gebracht.

Erstmal Frühstück. Warmes Porridge hat sich bewährt. Heute mit Apfel, Banane, Mango und Granatapfel. Kein Kaffee sondern Mutlivitaminsaft, bin etwas angeschlagen, versuche das mit Aspirin in Schach zu halten. Wir glauben erstmal nicht an den Virus, sind aber wachsam und ich gehe nirgendwohin heute und in den nächsten Tagen.

Ich verbringe den Tag auf dem Sofa und im Bett mit Filmen und Vorträgen. Ich hatte mich zur  „flow-summit 2020“ eingeschrieben und wurde elf Tage lang mit Vorträgen zugeworfen, mit denen ich kaum etwas anfangen konnte. Erst heute, am Zusatztag, finde ich einen Film und einen Vortrag, die mich ansprechen. Für Sie vielleicht schon ein alter Hut, für mich neu und erhellend.

Gerald Hüther, Neurobiologe, wurde für den Film awake2paradise zum Thema „Lernen“ interviewt; Teile des Interviews sind im Film zu sehen, aber er es gibt dazu auch einen längeren ausgekoppelten Vortrag. Großartig!

Ich bin so begeistert von dem Vortrag, dass ich Monsieur damit zusabbel und weder vom Kochen noch vom Essen Fotos anfertige. Es gab rohe Artischocke mit Vinaigrette zum Entrée, danach Buchweizen und Fenchel, und für Monsieur ein Stück Lammfleisch. Danach Käse, Obst, Kaffee (Monsieur) ein fertiger amerikanischer Cheesecake (zum Teil, für mich). Hier zwei Danach-Fotos.

Sieste, ohne Foto.

Dafür ein Foto von gestern (der interessantere Tag, wie so oft). Wir wissen seit gestern, dass wir im weiteren Bekanntenkreis einen Virusfall haben: Ein älteres Ehepaar (Mitte 80). Er wird mit Sauerstoffflasche vermutlich am Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen. Die Informationslage war schlecht. Er konnte weder telefonieren noch SMS’en schicken, letzteres, weil er nicht wusste, wie es geht; das KH-Personal hatte schon genug zu tun, man wollte es nicht mit zusätzlichen Anrufen belästigen. Sie ist seit knapp vierzehn Tagen zu Hause in Quarantäne. Niemand darf zu ihr. Die Nachbarn stellen die Einkäufe vor die Tür. Das ist das Tragische, dass man die Personen, egal wie alt und krank sie sind, nicht besuchen darf. Zusätzliche Maßnahmen: Man darf grundsätzlich nicht mehr seine Angehörigen in den Alters- und Pflegeheimen besuchen, selbst die, die im Sterben liegen, bleiben jetzt allein. Tragisch. Ich nehme die Lage nun auch etwas ernster und war gestern noch einmal einkaufen. Ich habe ja die letzten Wochen, Monate gar, nur inhäusig und vor dem PC verbracht, insofern lebte ich wie in einer Seifenblase und das echte Leben mit Virus und ÖPNV und leergekauften Supermärkten bekam ich nicht mit. Von meinem Fenster sah die Welt ganz in Ordnung aus. Nur, wenn ich Nachrichten sehe, werde ich nervös. Ich fuhr gestern also mit gemischten Gefühlen einkaufen, aber die Situation im Supermarkt dann wieder total beruhigend. Alle Regale sind wieder voll. Klopapier, Nudeln, Mehl, alles da. Keine Hamsterkäufe. Ich finde sogar Desinfektionstüchlein. Selten liebte ich die überdimensionierten französischen Supermärkte mehr als gestern. 

Komische Stimmung, vor allem mit dem komplett geschlossenen Italien in 50 km Entfernung und dem Aufruf von Matteo Renzi, nicht leichtsinnig zu sein. Die Einstellung „wir haben keine Angst, wir gehen ins Theater“ sei im Falle eines Terrorangriffs angemessen, sagt er, aber nicht bei einer pandemischen Krise, deren Ausbreitung zu verlangsamen sei. Am Wochenende werden in Frankreich die Kommunalwahlen stattfinden, es gibt Hygieneregeln, aber man befürchtet dennoch eine sehr niedrige Wahlbeteiligung.

So, ich sollte auch einen Live-Blog machen, das ist anscheinend im Trend und der Lage angemessen. Gerade war unser Präsident im Fernsehen. Wir schließen Frankreich jetzt auch. Also zu großen Teilen jedenfalls. Er bittet uns, so gut es geht, zuhause zu bleiben, und von zu Hause zu arbeiten, um die Epidemie zu verlangsamen.
Personen über 70 Jahren, les plus fragiles, sollten grundsätzlich zu Hause bleiben. Der arme Monsieur: Pas de nouilles, pas de Bridge. Wir werden ausgiebig zum Lesen kommen. Schulen, Kinderkrippen, Universitäten sind ab Montag geschlossen. Gut dass unsere „Kleinen“, schon so groß sind. Busse und Bahnen fahren eingeschränkt, damit eine Möglichkeit gegeben ist, Ärzte und Krankenhäuser aufzusuchen. Die Wahlen finden am Sonntag unter strengen Hygieneauflagen statt. I’ll keep you informed.

Und jetzt also stellen wir den der Sperrmüll raus, der morgen in aller Frühe abgeholt wird.

Und zum Abschluss noch etwas Erfreuliches. Zum ausführlichen Bloglesen komme ich jetzt endlich auch mit dem erzwungenen Hausarrest, hurrah! Zum Beispiel den von Maria Al-Mana, Unruhewerk heißt er. Ich habe ihn schon einmal verlinkt. Es lohnt sich, nicht nur weil Maria die Krimis von Christine Cazon besprochen hat. Das ist zwar schon einen Moment her, aber ich war mit anderem beschäftigt und habe es dann leider aus den Augen verloren. Mea culpa. Aber jetzt! Schöne Besprechung! Herzlichen Dank Maria!

Passen Sie auf sich auf! Bleiben Sie gesund und zu Hause, nicht nur wegen Ihnen, sondern wegen all der anderen. Wir gehören alle zusammen in dieser Gesellschaft und sogar in dieser Welt!

Danke fürs Lesen! Die anderen 12 von 12er finden Sie wie immer bei Frau Kännchen

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2 Kommentare zu 12 von 12 im März 2020

  1. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Ich War 2 Wochen erkältet und hab mir keine Sorgen gemacht. Aber jetzt, wo ich weiß, dass es in Neustadt einen Coronafall gibt und die Kinder auf die gleiche Schule gehen, wie mein Enkel beschäftigt es mich doch. Heute hat unser Minister und der Kultusminister bekannt gegeben, dass alle Schulen und Kindergärten in Niedersachsen bis nach den Osterferien geschlossen sind. In Bayern genau so. Jetzt kommen meine „Enkel „aus Bayern für 3 Wochen zu uns. Welche Mutter kann schon 5 Wochen zu Hause bleiben . Mein Enkel hier in Neustadt hat schon ab heute frei, er wohnt aber gott sei dank mit in unserem 3 Generationen Haushalt. Regale in den Geschäften sind gut gefüllt. Bleibt zu hoffen, dass durch diese Aktionen der Virus aufgehalten wird
    Bleib gesund, Elli

  2. Mumbai sagt:

    force majeure….Vorsicht aber nicht Panik ist meine Devise und ….alles wird gut. LG

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