Corona Tagebuch Tag 5

Man will es ja nicht glauben, aber in Deutschland hat das Hamstern von Klopapier noch nicht aufgehört. Da ruft man sich schon gegenseitig an, um zu sagen, man habe aus sicherer Quelle gehört, beim Aldi sei wieder Klopapier angeliefert worden. Aber dann ist es doch schon wieder aus. Bitte seien Sie solidarisch! Ein Paket pro Haushalt! Ich möchte in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, dass es Kulturen gibt, da geht es ganz ohne Papier! Igitt, sagen Sie vielleicht. Igitt, sagen diese Menschen ebenfalls, wenn sie an unsere Art Exkremente abzuwischen denken. So unsauber. Nur Wasser reinigt wirklich. In Japan gibt es schon diese hochkomplizierten Toiletten mit körperwarmen Duschstrahl, das ist der neueste Hype in der Sanitärbranche, ich sags Ihnen!

Hier noch ein reizender Selbstversuch einer Deutschen in Japan. Ich frage mich zwar, was sie die sieben Tage vorher gemacht hat, ging sie da nicht aufs Klo? Und ganz blickt sie es auch heute nicht, trotz der englischen Beschriftung. Amüsant ist es trotzdem.

Geht aber auch billiger. Denn ja, es gibt Kulturelle Unterschiede auf dem stillen Örtchen und die Frage, ob Klopapier abgeschafft werden soll, stellt sich auch. Und falls Sie sich wie die junge Dame auf dem Japanischen High-Tech Klo gefragt haben, was ist eigentlich ein Bidet, kommt hier ein hilfreicher Beitrag von Arte Karambolage. Bidets gibts in Frankreich nämlich immer noch und die jüngere „ich-dusche-täglich“-Generation weiß nicht mehr, dass man damit früher Intimhygiene und die Damen vor allem Scheidenspülungen gemacht haben, um nicht schwanger zu werden. „Is it to wash the Baby in?“ soll ein Engländer in einem französischen Badezimmer vor dem Bidet stehend gefragt haben. „No, it’s to wash the Baby OUT“ lautete die französische Antwort. Haha. (habs leider außerhalb FBs nur in Französischer Sprache gefunden)

Sie können nicht sagen, dass Sie hier nichts lernen.

Zurück zum Virus. Er/es kommt näher. In unserer Familie ist er jetzt auch angekommen, nicht hier im Haus, aber Monsieurs Sohn hat ihn und hohes Fieber und Husten, und sein Lebensgefährte wartet darauf, dass es auch bei ihm losgeht. Gesunde junge Männer, sie bleiben jetzt zwei Wochen zu Hause, wir machen uns um ihre Gesundheit nicht wirklich Sorgen, aber man bleibt auch als junger Mensch nicht verschont. Bei Eva H. habe ich dieses Physik-Video gefunden, das zeigt, wie sich beim Husten die Atemwellen mit und ohne Maske ausbreiten. Bitte halten Sie Abstand!

In Nizza, wo der Bürgermeister den Virus nun auch hat (wir berichteten) gibt es jetzt die verstärkte Ausgangssperre, nach dem confinement folgt jetzt das nächtliche couvre-feu (das ich so nur aus Kriegsfilmen kenne, nach 20 Uhr darf niemand raus!) das verhindern soll, dass weiterhin Parties gefeiert werden. Wir lernen neue Vokabeln. Im Deutschen heißt beides nur Ausgangssperre.

In Cannes wurde in einem Saal des Palais des Festivals jetzt ein zusätzliches vorübergehendes Heim für Obdachlose eingerichtet, ein anderer Saal wird als Lazarett vorbereitet für den Fall dass … „On s’adapte“, sagte der Bürgermeister, wir passen uns (an die jeweilige Situation) an. Ich finde den Bürgermeister gerade erfrischend pragmatisch. Das Filmfestival wurde jetzt offiziell abgesagt, man spricht noch von Verschieben, bislang drang das alles nur halb offiziell durch.

Es gibt kein neues Video von Herrn Bonelli, Wochenende auch für den Psychiater, dafür gerne diesen Podcast des Deutschlandfunks von gestern, möglicherweise was die Corona Situation angeht schon wieder veraltet, aber es ist voller positiver Impulse und ich mochte besonders das Interview mit der Buchhändlerin in Köln Nippes, die alles versucht, um mit den Kunden und Nachbarn in einem mehr als geschäftlichen Kontakt zu bleiben.

Anderer positiver Text, der gerade kursiert, von Zukunftsforscher Mathias Horx, Die Welt nach Corona.

Croco schreibt auch ein Corona-Tagebuch. Sehr zu empfehlen. Ich forste bei Gelegenheit mal die anderen Blogs durch, Sie können sich aber auch gern hier melden, wenn Sie einen angenehm zu lesenden (informativ, freundlich, positiv) Blog schreiben oder kennen. Danke Ihnen!

Aus unserem Alltag: Der Enkel war gestern unterwegs und wurde von der Polizei verwarnt (zu weit weg von seinem Wohnort); der Schwiegersohn, ein leidenschaftlicher Marathonläufer ist frustriert über den einen Kilometer Auslauf, den man ihm zusteht. Vierzig mal dieselbe Runde ist fad. Monsieur hat aus dem Keller das alte Rudergerät hochgeholt und säubert und ölt es. Wenn schon nicht Laufen im Meer, dann eben Rudern im Hinterhof. Ich wollte gestern nur schnell an den Briefkasten, aber der ist „momentanément indisponible“.

Daher bin ich heute früh mit Ausgangsschein die 500 Meter bis zur kleinen Bar Tabac, die gleichzeitig Poststelle ist, gelaufen. Ich finde, es sind doch ganz schön viele Autos unterwegs, aber immerhin kann ich noch mitten auf der Straße stehend die Türen fotografieren.  

Daraus mache ich Ihnen aber einen neuen Eintrag. Themenspaziergänge. Ich verweise da gerne noch einmal auf die Spaziergänge, die ich, lang ists her, in Cannes gemacht hatte. Am Ende der Ausgangssperre ist mir nichts mehr fremd in meinem Viertel :)

Bis später! Bleiben Sie zu Hause und vor allem gesund!


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18 Kommentare zu Corona Tagebuch Tag 5

  1. Eleonore Braun-Folta sagt:

    So eine Highlight tech Toilette haben wir auch, aus Korea. Angeschafft, als mein Schwager ein Pflegefall wurde. Hat mir viel Arbeit erspart. Meine ehemalige koreanische Kollegin freut sich immer, wenn sie zu uns kommt. 😊endlich ein ordentliches Klo. Mein Mann war heute im Supermarkt. Security bewachte den Eingang. Es durften immer nur 10 Personen rein. Die Leute haben sich total aufgeregt. Viele Deutsche scheinen es immer noch nicht zu kapieren.
    Wünsche deinen Angehörigen gute Besserung
    Elli

    • Michael Chevalier sagt:

      Interessant, auf welche Themen man jetzt so kommt. Aber hier muss ich sagen, die Dusch-WCs, ob von Geberit, Grohe oder Duravit, sind einfach genial. Wir haben so etwas seit unserem Bad-/WC-Umbau vor zwei Jahren und sind nach wie vor begeistert! Und das Thema Klopapier lässt uns nur schmunzeln.
      Alles Gute!!

      • dreher sagt:

        Ich hätte auch gerne so eine Toilette, wir haben noch ein Bidet, ich finde das manchmal ein bisschen Doppel-Gemoppel ;)

    • dreher sagt:

      Ich hätte auch gern so eine Toilette, sagte ich in einem anderen Kommentar schon. Wir haben ein Bidet, ich mag es gerne, finde aber, das ist ein bisschen Doppelgemoppel ;)

  2. Ursula Weber sagt:

    Liebe Christiane,
    vielen Dank, daß du uns täglich so herzerfrischend an deinem Leben teilnehmen lässt ❣️
    Sehr kreativ von Mons., nun im Hinterhof zu rudern👍.
    Gute Besserung für seinen Sohn!
    Liebe Grüße – und bleibt gesund ❣️❣️❣️😘
    U.

  3. Mumbai sagt:

    da ich 6 J. in Thailand lebte und viel im asiat. Raum, auch Japan, herumreiste, sind mir diese Toiletten und Bidets vertraut und ich finde sie so angenehm und praktisch. Habe auch hier eines und benuetze es, allerdings momentan noch nach dem Papiergebrauch.
    Haha, so genau will es wohl niemand wissen. Also, keine Hamsterkaeufe in diesem Sortiment wo es ausserdem immer wieder Nachschub gibt. Die Fotos der Tueren erinnern an Adventkalender. Doch wuerde man jeden Tage eine andere oeffnen, waeren die Ueberraschungen wohl nicht so erfreulich. Bleiben Sie gesund und alles Gute auch fuer Monsieur’s Sohn.

  4. Christiane Haas sagt:

    liebe Christine

    was habe ich über den Film vom Bidet gelacht, ganz, ganz großartig , und wie das immer im feinsten Vokabular umschrieben wird ;-))))
    Als Kind habe ich meine Puppen darin gebadet oder auch Papierschiffchen darin schwimmen lassen, bei laufendem Wasser natürlich und bei geschlossenem Abfluss. Mein Josy ( Joseph) musste immer lange baden, mehrmals war ich zwischendurch im Garten, spielte dort ganz versunken was anderes bis ich mich wunderte, dass meine so außer sich war und so laut nach mir rief.
    gute Besserung für den Sohn deines Mannes und
    “ Bleift doheem a passt gudd op iech op“
    Léiwen Bonjour
    Christiane

  5. Rosalinde sagt:

    Liebe Frau Dreher, vielen lieben Dank für ihre genialen Berichte, die mein Leben im Moment unglaublich bereichern. Bleiben Sie gesund.

  6. Beate Zinke sagt:

    Liebe Christiane,
    doch, Raphael Bonelli hat auch gestern ein neues Video gebracht: „Das Virus und die Meinungsfreiheit“. Sehr beachtenswerte Sicht der Situation. Seine Videos kommen wohl immer erst abends. Es freut mich, dass Sie ihn erwähnen.

    Mit besten Grüßen an Sie, ich bin eine langjährige begeisterte, allerdings meist stille Leserin Ihres Blogs,

    Beate

    • dreher sagt:

      Ich habe es gesehen und werde es auch bringen – muss nur erst noch nachdenken :) Danke fürs Lesen und den Tipp! Ich finde Bonelli großartig!

  7. Claudia Pollmann sagt:

    Hallo Christine, bei uns im Allgäu sind jetzt alle hinter Hefe her – Klopapier ist out – nach Spülmaschinensalz jetzt Frisch- und Trockenhefe… ;-)

    • dreher sagt:

      😂 OK, Spuelmaschinensalz brauchen wir nicht, wir spuelen mit Hand, Hefe brauch ich nicht, der Bäcker ist nebenan. Hier gibt’s keine Eier mehr…

      • Claudia Pollmann sagt:

        Bin seit 3 Jahren glücklicher Besitzer von 11 Wachteldamen und damit hab ich genug Eier und sind ja auch noch so viel gesünder wie Hühnereier. Aber eigentlich mag ich vor allem die Tiere – die sind echt niedlich…

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