Corona Tagebuch – Tag 35

Fünfunddreißig! Ich schreibe jeden Tag und die Zeit rast trotzdem davon. Wir haben noch drei Wochen Ausgangssperre vor uns, bis es ein bisschen lockerer wird. Sie haben mir gestern zahlreich geschrieben, dass es bei Ihnen in Deutschland noch gar nicht wirklich losginge heute, fake news, und in jedem Bundesland sei es anders, aber irgendwie ist das Öffnen des Einzelhandels und der Buchhandlungen doch ein Signal, auch wenn man nur einzeln in einen Laden darf (es heißt ja nicht umsonst Einzelhandel, kleiner Scherz, haha) und Abstand gehalten werden muss. Und Ikea zögert noch, ist aber schon im Gespräch. Eisdielen dürfen den Straßenverkauf öffnen. Restaurants bieten zumindest Essen zum Mitnehmen an. Ich sah irgendwo Fotos von (vielen) Leuten, die sich an der Isar in der Sonne aalten. Ich lese von einem Draußen-Leben in Köln, Küsschen rechts links wie früher, gemeinsames Spielen von Kindern, gemeinsames Bier von jungen Erwachsenen, ach komm, alles nicht so schlimm. Und bei Croco las ich, es kämen schon wieder Staumeldungen im Radio, und Leute mit Maske würden beim Einkaufen komisch angeschaut. Also aus meiner festen Ausgangssperren-Sicht, meine Lieben in Deutschland, sieht das alles schon sehr locker aus.

Hier wird noch überlegt wegen der zukünftigen Schulöffnung, bislang gibt es mehrere Hypothesen, wie es ablaufen könnte, sicher sei noch gar nichts, sagt der Premierminister; vielleicht soll es erst nur dort losgehen, wo die Corona-Situation weniger dramatisch ist, vielleicht werden die Klassen geteilt und bekommen nur ein über die andere Woche Unterricht in der Schule, vielleicht sollen andere Räume (Sporthallen) miteinbezogen werden und die Bürgermeister sollen ein Mitentscheidungsrecht bekommen, aber klar ist, man will die Schulen öffnen, weil 5-10% der Schüler ohne Internetzugang und ohne PC und damit komplett abgeschnitten vom Unterricht sind.

Maskentragen wird aber vermutlich Pflicht, zumindest in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Ab heute gibt es ein Besuchsrecht bei sterbenden Angehörigen.

Restaurants und Cafés bleiben weiterhin, auch nach dem 11. Mai, geschlossen, genau wie Hotels und andere Unterkünfte. Der Tourismus wird damit fast komplett runtergefahren. Un crève-coeur sei das, etwas, was einem das Herz brechen lässt, bedauert der Premierminister. Ich fand heute (via Tina E.) diesen Reiseblogger, der sich Gedanken über zukünftiges Reisen macht. Alles nicht lustig, zumindest für die, die beruflich damit zu tun haben.   

Aber blicken wir auf das Positive, die Buchhandlungen haben in Deutschland seit heute wieder auf! Das ist doch wundervoll! Und wissen Sie was? Heute kamen meine lang erwarteten Bücher an!

Man sieht ihnen den langen beschwerlichen Weg an, vermutlich mussten sie zwei Wochen Corona-Quarantäne an einem finsteren Ort ausharren, und sie haben auch ein bisschen geweint unterwegs, aber jetzt sind sie da! Großes Merci an den Verlag! Heute kann ich Ihnen natürlich kein Vollmondbild mehr damit basteln, der Mond hat schon wieder stark abgenommen und außerdem regnet es schon seit gestern, der Mond verbirgt sich abends und nachts hinter einer dicken Wolkendecke. Aber genauso ist es ja, das Wetter im April, und in diesem Kriminalroman. Im besten Sinne wechselhaft!

Aber etwas anderes, wundervolles ist, trotz Corona und trotz bislang geschlossener Buchhandlungen, passiert: „Vollmond über der Côte d’Azur“ hat es auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft! Platz 27, wenn das nichts ist! Ich freue mich unbeschreiblich, das hätte ich dieses Jahr nicht erwartet. Großartig! Und das verdanke ich Ihnen, meine lieben Leserinnen und Leser! Ganz herzlichen Dank, dass Sie mein Buch auch unter diesen widrigen Umständen gekauft haben! Danke! Danke! Danke!

Aber: Ein Satz und ein Link noch zum Thema, darauf hatte mich Caro gestern schon aufmerksam gemacht, gesehen habe ich es eben erst. Nur weil es bei mir gerade ganz gut läuft und ich, so wie es aussieht, auch weiterhin Arbeit habe, bedeutet das nicht, dass der Buchhandel, die Verlage und alle, die daran hängen (AutorInnen, ÜbersetzerInnen, GrafikerInnen, DruckerInnen …) unbeschadet durch die Krise kommen werden.

Ich schaffe es derzeit nicht, alle Ihre Kommentare oder Mails einzeln, zeitnah und würdigend zu beantworten, aber ich lese jeden! Und freue mich auch über jeden! Und wenn ich X antworte und Y nicht, so will das nichts heißen, bitte glauben Sie mir, es ist alles ein Zeitproblem. Hier wird auch gearbeitet und telefoniert und auf allen Kanälen geschrieben und getippt und gekocht und gegessen und abends mache ich dann mal alle Konten zu.

Anbei Nizza und Aix-en-Provence „en confinement“. 

Damit lasse ich es für heute. Passen Sie weiterhin gut auf sich auf! Bis morgen! Drin und so gesund wie möglich.

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15 Responses to Corona Tagebuch – Tag 35

  1. Mumbai sagt:

    Auf der Bestsellerliste zu stehen ist schon eine grosse Ehre….herzlichen Glueckwunsch.
    Ich will gar nicht mehr kommentieren, wie sehr mich diese unterschiedlichen und
    teils verantwortungslosen Beschraenkungen aergern. Wenn wir wirklich eine so dramatische Situation haben, dann muessen doch die Beschraenkungen fuer alle gelten.
    Zu den Masken….habe vorgestern fuer 1 Packung mit 20 gewoehnlichen Masken EU 90!!
    bezahlt. Unverschaemt wie man diese Situation ausnuetzt. Dennoch war ich froh, ueberhaupt welche, nach 5 Wochen, kaufen zu koennen, denn es wird noch 3 Wochen
    dauern, bis vielleicht!!! eine Lockerung eintritt. Spanien ist das am aergsten betroffene Land in Europa und steht an 2. Stelle weltweit nach USA.

  2. Eleonore Braun-Folta sagt:

    An Mumbai, die Beschränkungen sind so unterschiedlich, weil auch Erkrankungen unterschiedlich verlaufen. Bayern, Baden Württemberg und Nordrhein Westfalen haben die meisten Erkrankungen und die meisten Toten. In Niedersachsen lief es glimpflicher ab, deshalb hier auch nicht so strenge Massnahmen.