Corona Tagebuch – Tag 36

Heute geht alles ums Essen. In der heutigen Augabe von Nice Matin flehen die Restaurateure, dass man sie ihre Lokale wieder öffnen lässt. Essen zum Mitnehmen, um die Krisenzeit zu überstehen, wie es sogar in der deutschen Provinz üblich geworden ist, gibt es hier nicht. Oder nur hin und wieder. Ein Restaurant in Nizza bietet das wohl an. Warum manche das hier dürfen und dort nicht, ist wohl von den jeweiligen Gemeinden abhängig. In einer kleinen Bäckerei in einem Ort im Hinterland, wo man, das ist in Frankreich häufig üblich, seinen Kaffee zum Mitnehmen bekam, darf das Sandwich zum Mitnehmen zwar gekauft, der Kaffee aber nicht mehr verkauft werden.

Für die Restaurants machen sich jetzt auch die Chefs der Gastronomieführer stark, der Guide Gantie und Gault Millau. Sie fordern nicht nur eine schnelle Wiedereröffnung der Restaurants und Cafés, sondern auch Steuerbefreiung. Essen hat in Frankreich quasi religiösen Stellenwert, ich hätte auch vermutet, man die Restaurants relativ bald wieder öffnet. Aber die Lage in Frankreich ist noch weit von Lockerung entfernt, wir robben uns gerade, was die Todesfälle angeht, weltweit an die dritte Stelle vor. Über 20.000 Tote heute. Uns trennt nur noch ein sehr wenig von Italien und Spanien, wobei Mumbai gerade Spanien als stärkstes betroffenes Land erwähnte. Das erklärt vielleicht auch das coole Ambiente in Deutschland, wo es nur etwa 4000 Tote gab, bei über 145.000 positiv getesteten Fällen. Also Zahlen sind Schall und Rauch, ich will auch gar nicht im Einzelnen darauf herumreiten, aber so in etwa.

Der Chef des Gastro-Führers Gault Millau bittet die Franzosen darum, dass sie nach der Wiedereröffnung, so gut sie finanziell können, die Restaurants unterstützen mögen, um sie zu erhalten. Eigentlich muss man das den Franzosen nicht sagen, Essen gehen ist ein Nationalsport. Aber nun ja, alle sind von der Krise geschüttelt und das Budget ist knapp.

Alain Claude Sulzer gibt weiterhin kulinarische Lebenszeichen, diesmal geht es um die Aubergine, und das werde ich demnächst testen, mit der schwammigen Aubergine, dem Lieblingsgemüse des Gatten, wurde ich noch nie richtig warm. Es ist das einzige Gemüse, das ich wissentlich im Kühlschrank vergammeln lasse, wenn Monsieur es mir mitbringt, in der Hoffnung, das sich ihm etwas daraus zaubere. Niemals. Aber möglicherweise kann sich das ändern. Bei uns gab es heute Ofenspargel (grün) und ja, den gibt es hier schon, er ist regional und nicht holzig. Ich habe das schlichte und ultimative Spargel-schmoren-in-Papillote-und-im-Ofen-Rezept von Arthurs Tochter, der ich dafür auf ewig Dank schulde. Astrid peppt ihre Spargelrezepte immer weiter auf, brauchts für mich nicht, ich, wir lieben es schlicht. Aber selbstverständlich mit Vinaigrette, wie man es hier isst. Nix Béchamel. On est en France, wie meine Schwiegermutter, Gotthabsieselig, in dieser Frage spitz anmerkte.

Dazu gabs nochmal die köstlichen Lammkoteletts mit etwas Knobi und Rosmarin, und da die Kartoffeln verkocht waren, zerdrückte ich sie spontan zu Püree. Und da außerdem noch ein Rest Teig von neulich im Kühlschrank herumlungerte, gabs zum Nachtisch eine kleine Apfeltarte.

Und wenn Google Photos wieder arbeiten will, bekommen Sie davon auch ein Foto.

Und gleich gibts von den restlichen Spargel ein Spargelrisotto. Es muss aber noch gemacht werden, deshalb lasse ich Sie jetzt … 

Hier regnet es immer noch, vielleicht hilft dieses Lied.

Und wir werden uns wiedersehen. I don’t know when, I don’t know where, but we’ll meet again. Gefunden via Jens Rosteck.

Bonne soirée! Bis morgen. So gesund wie möglich und so zuhause wie möglich.

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5 Kommentare zu Corona Tagebuch – Tag 36

  1. Gabriele sagt:

    Auberginen sind immer schwierig, wenn sie nicht richtig gekocht sind, schmecken sie wie alte Pappe. Hier mein Lieblingsrezept damit http://derrezeptblock.blogspot.com/2018/06/turkische-auberginen-hackfleisch-pfanne.html?m=1 – ich bin ja großer Hackfleisch-Fan (genetisch bedingt, meine Thüringer Gene 😁). Ich wünschte, hier würde es mal regnen… Berlin ist staubtrocken. Haltet weiter tapfer durch (ich habe Nizza im September noch nicht komplett aufgegeben…) herzliche Grüße Gabriele

    • dreher sagt:

      Danke! Klingt lecker! Wird ausprobiert, das freut den Gatten!
      Bis September ist ja noch was hin … das kann noch klappen!
      Liebe Grüße!

  2. Mumbai sagt:

    Immer wenn ich das Lied „we’ll meet again“ hoere, kommt mir Gaensehaut. Es ist ein Kriegslied (Monsieur wird es in seinen Kinder- Jahren vielleicht gehoert haben und sich daran erinnern…meine Mutter hat es jedesmal mitgesungen wenn es im Radio gespielt wurde. )Original gesungen von Vera Lynn und viel leidenschaftlicher als Cleo. Man muss diese Zeit mitgemacht haben um es so singen zu koennen. Aber genug zu diesem song….
    Als Gourment plaediere ich auch fuer eine rasche Oeffnung der Restaurants, aber nicht nur aus meinen egoistischen Gruenden sondern weil ich weiss, welche harte Arbeit mit nicht viel Gewinn, wenn ueberhaupt, dahintersteckt. Bitte lasst uns wieder die Kunst der Koeche geniessen….Arthur’s Tochter Rezepte und besonders ihren witzigen Schreibstil mag ich ebenfalls gerne. Hab schon einiges von ihr nachgekocht, doch verwendet sie manchmal sehr sophisticated Zutaten, die man nicht leicht kaufen kann.

  3. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Hallo Christiane, was Auberginen angeht, bin ich ganz deiner Meinung. Ich mag sie nicht. Es gibt aber eine Vorspeise, die ich doch esse. In Scheiben gebraten in Olivenöl und gefüllt mit Mozzarella, Tomaten und Kräuter und dann aufgerollt. Schmecken auch kalt sehr gut.
    Hier in Niedersachsen dürfen die Restaurants ausser Haus verkaufen und die Cafés verkaufen Kaffee to go. Wenigstens etwas,
    Schöne Grüße nach Cannes, Elli

  4. Sunni sagt:

    Ach, die Zahlen….Dazu gebe es so viel zu sagen, aber lieber nicht. Lieber Essen und sonstige Umstände. Hier staubt der Boden und rieselt durch die Hand, das große Gießen beginnt, allerdings sehr begrenzt, denn das kann man nie durchhalten. Es bieten 90% aller Gaststätten einen Abholservice, allerdings nur Freitag-Sonntag. Warum sich andere Tage bei der Zuhause-Orgie nicht lohnen sollten, ich weiß es nicht. Einer hat einer Gulaschkanone aufgebaut an einer viel befahrenen Straße und macht dort mit 2 Suppensorten plus Burger und Thüringer Bratwurst wohl ein einigermaßen einträgliches Geschäft. Deutschland schimpft über Maskenpflicht (es gibt sie ja nicht, man muss sie aus Vitamin B – also Beziehungen – beschaffen oder nähen, Köln hatte einen „verkaufsoffenen Sonntag“ quasi als Karnevalsnachschub als Knallbonbon überlegt, sich aber dann doch noch besonnen, während Ikea wohl mal testet, wie schnell die berühmten Zahlen wieder eine Änderung erfahren, wenn man endlich die Massen wieder und auch sonntags hereinströmen lässt, um endlich, endlich den Kaufzwang wieder erfüllen zu können.Jedes Bundesland öffnet Schulen unterschiedlich, was schon zu Einsprüchen bei Gerichten führt. 60% aller Lehrer in NRW (nur als Beispiel, unterscheidet sich wohl kaum) sind Risikogruppe, machen also fernerhin erstmal keinen Präsenzunterricht, solange wir das Virus haben (ich sah persönlich noch keines verschwinden, es wird eine lange Zeit werden, eventuell dann mal mit Impfstoff, aber ohne Erprobungsphase oder mit einer direkt am Menschen, who knows…) Alles nicht sehr schön, vor allem das ewige Genörgel über alles und jedes. Zum Glück gibt es (abgesehen vom Garten-Feldbodenzustand) ein wunderschönes Frühjahr, und man darf ja spazieren gehen und auch im privaten Raum Sport treiben, wie man immer es mag. Ich entschied mich für Lesen und wechsele die Beinstellung, das ist ein guter Anfang. Herzlich, Sunni