Corona Tagebuch – Tag 43

Viel Regen heute. Immer wieder schüttet es. Am Ende überall hübsche Pfützen.

Ich bin eine schlechte neue Französin, ich habe heute Nachmittag nicht brav dem Premierminister gelauscht, sondern war in der einen Stunde, in der es nicht geregnet hatte, spazieren. Den Kommentaren im Fernsehen entnehme ich, dass noch kein Startschuss für den fröhlichen Wiederanfang am 11. Mai gegeben wurde. Die Geschäfte dürfen wieder öffnen, es herrscht Maskenpflicht, aber alles bleibt streng und wird nur bedingt lockerer, und das alles auch nur und immer vorausgesetzt, dass wir weiterhin brav sind und die Zahlen weiter sinken. Sie können das Neueste zu Corona in Frankreich immer sofort und verlässlich bei Hilke Maunder lesen.

Heute Morgen viel Regen, bizarrerweise aber wurden heute auch die Wasserspiele im Park nebenan wieder angeworfen. Ein eigentlich friedliches Geräusch, aber doch sehr laut. Und das bei Regen? Und mit geschlossenen Parks? Vielleicht ist es auch nur ein Test. Ich bekam noch mehr Arbeit und es wird hier definitiv weniger in der nächsten Zeit, einen Beitrag jeden Tag will ich weiterhin versuchen, aber es wird bestimmt weniger Inhalt. Ich habe das zwar schonmal gesagt, und dann kaum geändert, aber jetzt wird es ernst.

Etwas Amüsantes auf Facebook passiert gerade bei den Improbables bibliothèques, den „unwahrscheinlichen Bibliotheken“, les tranches poétiques heißt das „Projekt“, das gerade so explodiert, dass sie dafür eine neue Seite aufgemacht haben. Man erzählt mit Buchtiteln Geschichten. Hier ein Artikel außerhalb von Facebook. Ich habe das mal gemacht – weniger poetisch als die Franzosen, fürchte ich.

Ich plauderte heute mailend mit Alain Claude Sulzer, den ich neulich verlinkt hatte, Sie erinnern sich vielleicht; ich kannte ihn gar nicht und hatte auch noch nichts von ihm gelesen (haha, ich glaubte sogar, er schriebe Kochbücher, aber pssst!). Das wird sich jetzt ändern. Und das darf hier gern als Leseanregung verstanden werden. Das wünschte sich ja zumindest eine Dame hier ;-)

Ich war unterwegs, wir starteten zu zweit, aber der Gatte gab nach nicht mal 50 Metern auf, die Muskelzerrung von neulich, die er in der Wohnung nicht spürt, machte sich bemerkbar. Ich änderte mehrfach die Richtung, lief am äußersten Rand des erlaubten Radius entlang, traf Polizisten, die mich aber nicht anhielten und nicht kontrollierten. Ich weiß auch nicht, warum sie mancherorts gehäuft auftreten und mancherorts gar nicht. Ein Freund, der mit seiner Familie seit drei Jahren in Villefranche lebt, ist scheinbar Zielscheibe von Denunziation geworden. Er musste schon nachweisen, dass er dort seinen Hauptwohnsitz hat, so ungewöhnlich ist es, dass man in einem Ferienort ganzjährig lebt, und kaum setzt er mit seinen Kindern den Fuß vor die Tür, rückt die Polizei an. Ballspielen auf der Straße geht nicht. Radfahren geht nicht. Man könnte heulen. Ich fand heute bei Herrn Buddenbohm diese Kinderfotos aus Spanien. Die bringen mich auch zum Heulen. Der Freund, ein Architekt, fuhr aber unkontrolliert 130 Kilomter zu einer Baustelle in die Berge und genauso unkontrolliert wieder zurück. Muss man vermutlich nicht verstehen.

Das Wetter wechselte zwischen Sonnenschein (Osten) und drohenden Wolken (Westen). Auf den letzten Metern wieder Tropfen.

Ein Versuch, die Hundehalter zu disziplinieren. Dieser Weg ist ein Trottoir und kein Crottoir (ein Fußweg und kein Hundescheißweg)

Ich laufe bei meinem Schneider vorbei, nicht wegen eventueller Masken, das hätte er bestimmt abgelehnt, Pedro versteht sich als Coutourier und macht Änderungsschneiderei etc. nur zum Überleben. Ich weiß, dass er den Winter in Indien verbringen wollte, er ist noch nicht zurück und ich frage mich, was auch ihm geworden ist. Später rufe ich bei der angegebenen Nummer an. Pedro ist gesund erfahre ich und er versucht seit einiger Zeit nach Frankreich zu kommen, aber es ist schwierig. Klar. Ich verspreche, demnächst nochmal vorbeizugehen und den Briefkasten zu leeren. Die Dame, die mir Auskunft gibt, wohnt in Antibes und ist derzeit dort blockiert.

Le Pont Carnot. Noch nie so leer gesehen. Ich stehe trotzdem auf der Verkehrsinsel zum Fotografieren. Die wenigen Autos sind speedy. Die Baustellen in der Stadt werden wieder in Angriff genommen, sagte gestern der Bürgermeister. Daraufhin hat sich auch unser Handwerker für den Kellerraum wieder gemeldet. Er kommt am Wochenende, sagt er.

Die Rue d’Antibes in beide Richtungen. DIE Einkaufsstraße von Cannes.

Die neue Fußgängerzone. Auf der linken Hälfte normalerweise die Restaurantterrassen. Wann Cafés und Restaurants wieder öffnen dürfen, wird Ende Mai mitgeteilt.

Ich bedaure, dass ich mich nicht traue, Menschen von vorne zu fotografieren. Dies war offensichtlich ein Zwillingspaar. Identisch aussehend: Schwarz violett gekleidet, gleicher Gang, gleiche Haltung, gleiche Handtasche. Erstaunlich.

So viel für heute! Bis morgen, gesund und trallala!


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu Corona Tagebuch – Tag 43

  1. Croco sagt:

    Du leist Josef Ortheil? Schön.Ich mag ihn sehr.

    • dreher sagt:

      Ich mag sehr die autobiographischen Romane. „Die Erfindung des Lebens“ hat mich sehr berührt.

  2. Ursula Weber sagt:

    Vielen Dank für die vielen interessanten Fotos.
    Liebe Christiane, ich bewundere dich, wie du dein Arbeitspensum schaffst. Und es wird ja auch täglich köstliches Essen erwartet. Nun hast du noch mehr Arbeit erhalten! Und trotzdem verwöhnst du uns täglich mit interessanten Berichten und schönen Fotos. Vielen Dank.
    Auf deine „neue Arbeit“ bin ich gespannt.
    Ich wollte gestern in der Buchhandlung Dein erstes Buch „Zwischen Boule und Bettenmachen“ bestellen. Ich finde es so toll und interessant geschrieben und wollte es verschenken. Leider ist es vergriffen. Aber mein eigenes Exemplar – mit deiner Widmung von der Signierstunde im Oktober 2009 in Heidelberg – gebe ich nicht aus der Hand!!! Verschenke ich eben den neuesten (7.) Duval.
    Der ist wieder spannend bis zur letzten Seite. Gratulation und viel Erfolg!
    Liebe Grüße und gute Besserung für Monsieur!

  3. Susanne sagt:

    Hallo Christine,
    ich lese Ihr Tagebuch sehr gerne, vielen Dank dafür. Für mich ist der Einblick in das Leben Frankreichs sehr interessant und aufschlussreich. Nun habe ich eine Frage zu den vielen Fotos: Obwohl das Wetter doch gerade schlecht ist, sieht man so viele geschlossene Fensterläden. Die Leute müssen aber ja zu Hause bleiben. Hocken die nun den ganzen Tag in den dunklen Wohnungen oder werden nur die Läden nach hinten raus geöffnet, die man von der Straße aus nicht sehen kann? Sorry für diese banale Frage, aber ich stelle sie mir tatsächlich immer wieder, wenn ich in Frankreich oder Italien unterwegs bin.
    Liebe Grüße und gute Wünsche von
    Susanne

  4. Vinni sagt:

    Hier hat es heute auch endlich – endlich – mal geregnet, es war viel zu trocken im April und ich meine, die Bäume den Regen dankbar aufschlürfen zu hören ;) Ich war auf Ihre Pfützen gestern schon neidisch. ;)