12 von 12 im Mai 2020

Einen Beitrag kriegen Sie auf jeden Fall noch, heute sammeln sich auf dem Blog von der lieben Frau Kännchen die 12 von 12er.  Sie wissen schon, 12 Bilder vom 12. des Monats. Und weil ich lieb bin, kriegen Sie auch noch Text dazu.

So ein Wetter heute! Monsieur springt aus dem Bett, er freut sich, endlich etwas tun zu dürfen und bringt früh das Auto zum Ölwechsel. Er wollte auf das Auto warten und in der Zwischenzeit allerhand erledigen, setzte sich dann aber mit einem Buch auf eine Treppe am Meer und genoss die Wellen, die Sonne und das Draußen-Sein. Leider kein Foto. Zu mir sagte er: „Du solltest auch rausgehen, du sitzt zu viel am PC.“ Recht hat er. Außerdem soll es morgen schon wieder regnen.

Es ist komisch: ich überlege tatsächlich, welche Route ich wähle und was ich in einer Stunde machen könnte, dabei kann ich ja jetzt wieder rumlaufen, wo ich will und so lange ich will! Ich laufe aber da rum, wo ich sowieso immer rumlaufe, allerdings weniger gehetzt. Ich bin schon um kurz nach Acht unterwegs, die Stadt ist lauter geworden, hier und da höre ich noch empörtes Vogelgezwitscher, viele Autos, Busse, Lieferwagen, aber noch nicht so viele, wie es normalerweise um Acht Uhr morgens sind. Es zieht mich ans Meer.

Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer sind hier unterwegs, ein paar Autos. Eine Bar mit Tabac und Zeitungsverkauf hat wieder geöffnet. Sonst ist alles noch geschlossen. Die Kioske dürfen jetzt „to go“ verkaufen, sind so früh aber noch geschlossen. Lohnt sich vielleicht auch noch nicht. Am Hafen sind jetzt Männer auf den Yachten zu sehen und putzen das gestrige Gewitter weg, einer fährt gerade mit einem kleinen Schlauchboot raus. Ich will Pfützenfotos machen, meine neue Leidenschaft, und renne von Pfütze zu Pfütze, um zu sehen, was möglich ist.

Am Palais des Festivals haben sie gerade ein großes Banner aufgehängt. Ganz oben läuft noch ein Mann herum, der die Falten gerade ziehen soll.

Ich laufe über die Rue d’Antibes zurück. Die Läden bereiten sich auf Öffnung vor, überall stehen Kartons auf der Straße und man klebt Abstandssignale und Ein- und Ausgangspfeile.

Manche Schaufenster sind noch leer andere sind schon besser vorbereitet und begrüßen uns, und bieten uns Schnäppchen bis 60% Ermäßigung an. Es ist noch früh, hier macht nichts (außer den Apotheken) vor zehn Uhr auf. Aber es sind schon Passantinnen unterwegs, auch ein paar Autos.

Ich mache einen Schlenker zum Markt und sehe eine Frau mit Pfingstrosen im Arm. Ich MUSS SOFORT Pfingstrosen in Korallenfarbe kaufen! Sie sind nicht gefüllt, aber die Farbe ist so toll. Ich nehme für Monsieurs Tochter auch einen Strauß mit. Ich bin so glücklich! Die ersten Blumen seit zwei Monaten. Ich nehme auch noch Erdbeeren mit (sie sehen gut aus, sind aber voller Wasser, ich hätte es mir denken können) und klitzekleine frische Zucchini. Ich höre ein paar Sätze einer Unterhaltung.

Des miracles!

-…-

Pourquoi pas des miracles?!

Ouais.

Moi, je prie pour des miracles!


Übersetzung: Wunder! / -…-/ Warum denn kein(e) Wunder? / Jo. / Also ich bete für ein Wunder! 

Im Supermarkt an der Ecke kaufe ich Saft und Schokopudding, den ich anderswo nicht bekomme. Ich muss mich erst an die Abstandspunkte überall gewöhnen.

Um halb elf bin ich wieder zuhause. Monsieur ist noch nicht zurück. Die Blumen kommen in die Vase und ich bereite eine Zucchinitarte zu.


Monsieur kommt und ist erfüllt von seinem Ausflug ans Meer. Er hat auch Fleisch „chez l’arabe“ wie man hier sagt, in einer arabischen Metzgerei, gekauft. Ich packe das Fleisch aus, das Einwickelpapier hat eine Aufschrift und ein Design in „bleu-blanc-rouge“. In der Tat, sagt Monsieur, als ich ihn darauf hinweise, es waren nicht mehr diesselben Männer in der Metzgerei. Auch der Mann an der Kasse war ein anderer. Das Fleischangebot und die Preise aber waren dieselben.

Die Tarte ist fertig. Wir essen. Die Tarte ist nur die Vorspeise, das denken Sie sich. Danach gibts ein Entrecôte und nouilles, als Nachtisch die Erdbeeren mit Zucker und Sauerrahm.

Monsieur siestet schon, ich beantworte noch eine lange Mail (ebenso lang), sieste dann auch. Kein Foto davon. Später beantworte ich Ihre Kommentare und wähle die Fotos für „12 von 12“ aus und schreibe hier.

So viel für heute. Vielleicht gibts die anderen Pfützenfotos morgen. Oder an einem anderen Tag. Schönen Abend! Danke fürs Schauen und Lesen! à bientôt!

Und eine Zugabe: Gestern, als ich Peter Fox wieder entdeckte, hörte ich auch wieder „Haus am See“ und ich wollte schon immer gesagt haben, dass der Satz „Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg“ völlig herbeiphantasiert ist. Orangenbäume verlieren nicht ein Blatt im Laufe ihrer Jahre. Alles liegt hier auf dem Weg, vor allem ganzjährig viele Blätter des Pittosporum, eigentlich ein Zierbusch, der bei uns ein ausgewachsener Baum geworden ist, aber nicht ein Orangenbaumblatt, ich muss es wissen, wir hatten mal drei Orangenbäume, jetzt nur noch einen. Kein Blatt fällt. Das nimmt dem Lied natürlich trotzdem nichts. Ich weiß noch genau, wann ich Peter Fox entdeckt habe, im Winter 2009/2010. Eine junge Redakteurin, die mir zu meinem ersten bezahlten Schreibjob verholfen hat, hat mir von ihm erzählt oder ein Video geschickt, so genau weiß ich das nicht mehr. Aber ich war sofort total angefixt. In meinem südfranzösischen Bergdorf mitten im Winter hörte ich wieder Berliner Großstadttöne, nachdem ich monatelang überhaupt gar nichts gehört hatte. Es ging einfach nicht.

Die anderen 12 von 12er gibts wie immer bei Frau Kännchen. Viel Spaß!

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7 Responses to 12 von 12 im Mai 2020

  1. Was für ein schöner Tag. Und das Pfützenbild – génial
    Vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag und bitte nicht drängen lassen. Es war nicht so gemeint, dass ich jeden Tag einen erwarte. Es war/ist allerdings eine schöne Zeit gewesen, jeden Tag zu lesen. Ich lese regelmäßig zwei Blogs und bin/war erstaunt, dass man jeden Tag berichten kann. Ich habe meinen irgendwann auf Eis gelegt. Nicht mehr so viel Zeit, da der Mann meine Hilfe braucht und ich viele Dinge nun selbst erledigen muss, zum anderen ist bestimmt auch das Smartphone schuld. Ich erledige so viel damit. Emails, WhattsApps, Statusmeldungen und geskypt wird auch damit. Man hat es meistens dabei oder zumindest in der Nähe.
    Das Buch „Boule und Bettenmachen“ bekam ich vor 8 Jahren von einer Arbeitskollegin ausgeliehen. Da begann unsere Zeit, regelmäßig unsere Familie in France zu besuchen. Als Wolfram das Buch sah, machte er mich auf das Blog aufmerksam. Seit dieser Zeit bin ich, manchmal auch nur stille Leserin. Ich wünsche Ihnen und Monsieur eine entspannte Zeit der wiedererlangten Freiheit. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund. Liebe Grüße aus dem Rhein-Main-Gebiet

  2. Ursula Weber sagt:

    Vielen Dank, liebe Christiane, dass wir auch heute wieder einen Beitrag von dir lesen konnten👍.
    Danke für viele interessante Fotos, eine wunderschöne Tarte und hübsche Pfingstrosen🤗
    Liebe Grüße und bleibt gesund ❣️🍀🌷

  3. Patricia Schmidt sagt:

    Vielleicht hat Peter Fox ja Orangenblütenblätter gemeint, das wäre aber mit dem Versmaß nicht hingekommen?

    Vielen Dank für die schönen Fotos und liebe Grüße aus Berlin!

    Patty

    • dreher sagt:

      😊 Schöne Idee, man müsste ihn mal fragen… Danke fürs Lesen! Liebe Grüße nach Berlin 🙋

  4. Karin sagt:

    Lustig, ich hab genau die gleichen Pfingstrosen hier stehen! Eine der grössten Ungerechtigkeiten während dem confinement war, dass es keine Blumen zu kaufen gab (ausser für sehr teuer Geld per Fleurop). Da sitzt man eingesperrt zu Hause und braucht so dringend etwas Aufmunterung – und keine Blume weit und breit. Alkohol dagegen konnte man die ganze Zeit kaufen, ja sollen wir uns denn die Zeit schönsaufen? ;)
    Ich freue mich schon auf Dein neues Buch, das mit dem Kochen interessiert mich wirklich brennend… Bis dahin hole ich nochmal „Boule und Bettenmachen“ aus dem Regal.
    Liebe Grüsse,
    Karin