Einer geht noch …

Ich bin ziemlich stolz, dieses Bild gestern gemacht zu haben. Man sieht es (nicht meines, aber das Motiv) seit gestern Abend im Fernsehen und heute überall in der Presse, weil nämlich, ich hatte es leider komplett vergessen, es wurde mir erst bewusst, als ich gestern Abend Pierre Lescure, Präsident des Filmfestivals, mit schwarzem Anzug und Fliege in einer Sendung sah: Gestern wäre der Start des 73. Filmfestivals in Cannes gewesen! Alle Augen richteten sich gestern auf Cannes, normalerweise wäre auf diesen Stufen der rote Teppich gelegen und all das Trallala drumherum und jetzt eben hängt dort dieses Affiche, dass stattdessen in großen Lettern DANKE sagt: den Pflegekräften, allen, die das Alltagsleben aufrechterhalten haben und auch uns allen für unseren civisme, ich übersetze das mal mit „unserer Disziplin, mit der wir den staatsbürgerlichen Pflichten nachgekommen sind“. Ich fühle mich nun doch zuständig, als Cannes-Botschafterin, Sie wenigstens mit zwei Links zu versorgen. Auf der offiziellen Seite des Festivals finden Sie alles Wissenswerte, aber natürlich in Französisch (Sie können aber auch Englisch, Spanisch oder Chinesisch ganz oben rechts bei Sprache einstellen). Hier gäbe es Infos auf Deutsch zur Frage, wie es generell mit der Filmbranche und den Festivals weitergehen wird. Kein Roter Teppich in Cannes dieses Jahr, keine Stars, kein Glamour, aber man hat sich entschieden, wenigstens den Marché du Film, also die Business-Seite des Filmgeschäfts, stattfinden zu lassen – im Internet allerdings. Man hofft ein bisschen, dass wenigstens das 77. Filmfestival in Venedig im September stattfinden wird und Cannes dort in irgendeiner Form mitwirken kann. Zurück zu den Wurzeln, sozusagen. Das Filmfestival in Cannes wurde ja 1939 als Gegenfilmfestival zur Venezianischen Mostra im damals faschistischen Italien gegründet, konnte dann aber wegen des Kriegsbeginns nicht mehr stattfinden. Das erste Filmfestival in Cannes gab es dann erst 1946.

Das erste Filmplakat wurde vom Maler Jean-Gabriel Domergue entworfen. Domergue, ein Cousin von Toulouse-Lautrec, sagt von sich, er sei der Erfinder des französischen Pin-up’s. Sein Lieblingssujet war La Parisienne. Er malte alle Frauen mit einem etwas überlangen Hals, einer Wespentaille und einem sehr niedlichen Gesichtchen. Wirkt heute alles sehr gestrig, es gab Zeiten, da war es sehr schick sich von ihm malen zu lassen und die Damen standen Schlange, um ihm Modell zu stehen.

Kleiner Ausschnitt vom Festival Cannes 1946.

Und die zweite Neuigkeit: Frankreich und Deutschland haben sich wegen der Lockerung an den deutsch-französischen Grenzen angenähert. Ab Samstag soll es zumindest für Berufspendler einfacher werden, nur noch Stichprobenartige Kontrollen werden dann durchgeführt. Abhängig vom Infektionsgeschehen wird „ab Mitte Juni ein freier Reiseverkehr in Europa angestrebt“. Angestrebt, das heißt noch nichts, aber immerhin. Ausführlich nachzulesen bei der Tagesschau oder wie immer auf Hilke Maunders Seite Mein Frankreich.

à bientôt!

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3 Kommentare zu Einer geht noch …

  1. Croco sagt:

    Ach, danke für die schöne Cannes-Festival-Erinnerung. Dieses Plakat kam im Fernsehen, und ich habe an Dich gedacht. Ich kann ja jetzt zuhause immer genau berichten, wie es gerade in Cannes zugeht.
    Genießt Eure neue Freiheit. A bientôt 😊🇫🇷

  2. Ursula Weber sagt:

    🍀🌷😘

  3. Tina sagt:

    …danke dir christiane , dass ich durch ein bissi france feeling erlebe und so auch immer am aktuellen stand bin. Also, durch dich bin zu einer, quasi, cannesbotschafterin für meine freundinnen hier geworden. Sie schätzen es sehr! und freuen sich mit mir. MERCI DIR, GLGtina
    ps: hier nach fast sommer-jetzt spätherbst.brrrrr.