Ans Meer

Da ist es schon wieder das Meer. Heute früh kurz nach Acht Uhr. Das Wasser war klar, nicht besonders kalt und plätscherte ganz entspannt und friedlich an den Strand. Wir waren wirklich, wirklich die meiste Zeit zu zweit alleine und liefen dynamisch aber gemütlich (Füße im Wasser) am Strand entlang. Später sah ich einen dynamischen Schwimmer, und als wir gingen (gegen 9 Uhr) tauchte diese sehr dynamische Spaziergängerin mit Hund auf. Als ich die verlassenen Strandrestaurants fotografierte, tauchte aus dem Nichts ein weniger dynamisch wirkender Herr auf, den ich zunächst für einen Strandrestaurantbesitzer hielt, aber er war wohl nur ein vorübergehender Strandrestaurantbesetzer.

Ich hatte den Hauptteil des Tages damit verbracht, etwas zum Reisen nach Südfrankreich zu schreiben (ein unvernünftiges Unterfangen, Prokrastination heißt das hübsche Wort dazu). Darf man? Kann man? Es gab gestern eine Diskussion in einer Facebook-Gruppe dazu. Die Franzosen wirken gerade nicht besonders einladend. „Bleibt zuhause!“ knurrt man den zukünftigen Urlaubern zu. Ok, aus Gründen, die wir nicht verstehen, wurde dieser wundervoll ausgewogene Text nicht abgespeichert und ich kann ihn nicht erneut erstellen. Nun, Sie werden ohne meine große Weisheit dazu weiterleben müssen. Die Quintessenz lautete: Kommen Sie, aber seien Sie respekt- und rücksichtsvoll, denn Frankreich kommt mir gerade vor wie ein kleiner Bruder, der von der Krise sehr zerzaust und gebeutelt wurde, viel mehr als der große Bruder Deutschland, und Ihr Bedürfnis, jetzt sofort und „endlich“ wieder bei ihm Ferien zu machen, kommt ihm vielleicht exotisch und unpassend vor. Aber … wir leben in einer touristischen Gegend, man lebt hier von den Urlaubern, wir werden Lösungen finden, wie wir das alles meistern können. Doch vielleicht brauchen wir noch einen Moment … aber in einem Monat kann noch viel passieren.

Und vielleicht müssen wir über das Reisen generell neu nachdenken? Genau darum ging es auch im letzten Podcast von Agnes trifft: Agnes trifft … auf Reisepläne. Wo können wir noch hingehen, wenn sogar der Tourismusverband Eifel sagt „kommt nicht!“ ?! Welche Alternativen gibt es, wenn wir „nirgends“ hinfahren können, sondern die Ferien in der Stadt verbringen „müssen“?! Sehr interessante Ansätze und sehr viele schöne Links zur Kulturgeschichte des Urlaubs und zum Wandern (nicht nur) rund um Köln. Das folgende Video stammt auch von dort.

Und: letzte Meldung: Michel Piccoli ist gestorben.

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6 Kommentare zu Ans Meer

  1. Wibke sagt:

    Liebe Christiane,

    ich freue mich sehr, dass Du unseren Podcast hörst. Ja, das Thema bewegt momentan … Wir haben uns von unseren Plänen für eine 3-wöchige Radreise durch Frankreich in diesem Jahr indes verabschiedet. Zumal mit Zelt und möglicherweise von Tag zu Tag woanders. Nächstes Jahr dann. Es ist uns doch alles zu unwägbar. Allerdings stimme ich Dir zu: Wer weiß, wie die Lage in einem Monat ist. So oder so.

    Die Geschichte des Reisens und des Erholungsurlaubs finde ich auf jeden Fall so interessant, dass ich mich darin noch vertiefen werde. Ich empfinde das Leben an sich bereits als Reise, jeden Tag, jeden Schritt aus der Tür. Und so ist auch mein nahezu täglicher Blick in Dein Blog und in Deinen Alltag eine Art Reise. Was für großartige Bilder, wieder! Danke fürs Mitnehmen und Teilhaben lassen.

    • dreher sagt:

      Danke dir Wibke! Ich höre euren Podcast wirklich gerne, ich finde ihn freundlich, unaufgeregt, informativ und jedes Thema löst etwas bei mir aus, gerade diese Episode und die Links dazu fand ich besonders toll, vermutlich weil ich in dem „Reiseland schlechthin“ lebe. Danke, dass du bei mir reinschaust. Ich hingegen ergötze mich an den grünen (Wald-)wegen, die ich bei dir finde!

  2. Mumbai sagt:

    Das Reiseverhalten wird sich auf jeden Fall aendern, zumal ja viele dafuer kein Geld mehr haben werden. Spanien ruft „kommt“ aber der Billigtourismus der in den letzten Jahren die Schoenheit des Landes in den Hintergrund stellte….gut wenn das aufhoert. Michel Piccoli, ein toller Schauspieler, ein interessanter Mann. Habe fast alle Filme mit ihm gesehen und hoffe, dass wegen seines Ablebens einige davon wieder im TV gezeigt werden.

  3. Ursula Weber sagt:

    Vielen Dank für die vielen interessanten Bilder.
    Schön, dass ihr heute das herrlich blaue – menschenleere – Meer bei strahlend blauem Himmel genießen konntet.
    Alles Gute für euch und liebe Grüße 🍀😘

  4. N. Aunyn sagt:

    Danke für den Hinweis auf den Podcast. Das Reiseverhalten wird sich ändern. Wenn es so weiter läuft wie vor Corona, dann ist es ein Beitrag zur ökologischen Katastrophe. In einer interkulturellen Gemeinschaft lebend, habe ich in den letzten Jahren mit Menschen aus mehr als vierzig Ländern zusammengelebt. Außerdem haben wir viele Gäste aus nah und fern. Ich habe nur noch sehr wenig „Reisebedürfnis“.
    Ich finde die gute Luft hier und den klaren Himmel mitten in Kreuzberg als einen Gewinn.

  5. Sunni sagt:

    Danke für die Fotos und Eindrücke. Mir selbst ist es unbegreiflich, warum es ein so unerträglicher Vorgang sein sollte, für eine Zeit auf Reisen in andere Länder zu verzichten. Ja, ich vermisse das Reisen auch, aber aus völlig anderen Gründen, die hier nichts zur Sache tun. Aber ich empfinde es inzwischen als eine Art Gemeinschaftssucht, unbedingt mehrfach möglichst weit – und wenn es denn geht – auch kostenintensiv zu verreisen, um danach möglichst vielen auf allen Kanälen davon zu erzählen. Ganz nebenbei stelle ich dann immer wieder fest, dass man das eigene Land nicht kennt und dementsprechend schon gar nicht schätzt. Das betrübt mich. Gerade angesichts unser aller Situation, ob nun mehr oder weniger Infizierte (bis jetzt!) oder gar Tote (gleicher Einwurf!), wäre es doch nicht nur menschlich geboten, sondern eine Form sachlicher Abwägung, einmal zu bedenken, wie ich mich selbst plus andere in möglichst wenig Gefahr bringe. Ich stelle fest (und lasse dabei alle Verschwörungspaniker außen vor) : Nein, das geht nicht. Man will auch nicht ein einziges Mal von geliebten Vorhaben, immer gegangenen Wegen, lassen. Wie schwer, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, wird es all denen fallen, wenn sie es aus völlig anderen Gründen müssen…Es ist eben nie genug, es reicht nie, es kann immer noch ein Stückchen mehr sein…von allem. Und als Ergänzung: Frankreich ist das Land meines Herzens, meiner Träume, auch in ganz schwierigen Stunden, immer. Es ist nicht so, dass es mir nicht intensiv und immer wieder fehlen würde…Herzliche Grüße, bleiben Sie gesund! Sunni