Corona Tagebuch – J-1

55. Letzter Tag der Ausgangssperre. Es ist windig, kühl und grau. Es gab andernorts schon heftige Gewitter und nach der Sorge um Corona haben wir jetzt schon wieder Sorge wegen Überschwemmungen, und sind wir mit Corona gerade erst in der grünen Zone angekommen, so sind wir gewittermäßig schon wieder in der Gefahrenzone Orange. Ganz offensichtlich bereiten wir uns nicht nur auf die Lockerung sondern auch auf die Eisheiligen vor: Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss oder Die kalte Sophie macht alles hie, heißt es in einer langen Liste der Wetterregeln zu den Eisheiligen. Das wissen Sie alles. 

Gerade bekamen wir einen automatisierten Anruf der Mairie in dem uns lange das Prozedere der Lockerung erklärt wurde. Masken überall übrigens. Zumindest für uns Senioren.

In der Zwischenzeit haben wir nicht nur gegessen, sondern es regnet auch. Ich hatte im Tiefkühlfach noch ein Magret de Canard entdeckt, dazu gibt es Kartoffelbrei und Pois mange-tout, „Alles-Ess-Erbsen“, oder Zuckerschoten. Zum Nachtisch mache ich aus einem Rest Teig, zwei Äpfeln und Zucker meine allererste Tarte Tatin, Frau braucht ja Herausforderungen. Eine Tarte Tatin, wissen Sie vielleicht, wird umgekehrt gebacken und am Ende gestürzt. Eigentlich hat es aber wohl mal mit einem Unfall begonnen, die Apfeltarte soll der Demoiselle Tatin nämlich aus der Hand gefallen sein und sie habe die Äpfel zurück in die Form geworfen und einen neuen Teigboden darübergelegt. Jetzt ist es also an uns, diesen Umstand kompliziert wieder herbeizuführen. Ich mag Tarte Tatin sehr gerne, gemacht habe ich sie aber noch nie. Ich folge dem Rezept von Aurelie. Es wird geschmacklich gar köstlich, optisch eher weniger und der Karamell wird bedauerlicherweise teilweise zu fest und teilweise zu flüssig, so dass ich jetzt hier ein faustgroßes hartes Salzkaramellbonbon übrig habe, der Tarteboden ist vom restlichen zu flüssigen Karamell durchtränkt. Sehr lecker trotzdem, lauwarm am besten. Monsieur nahm nichtmal Schlagsahne, er meinte, es sei eine Sünde, diesen Geschmack mit etwas zu überdecken. Ich nehme das als Kompliment.

Auf Facebook ging neulich ein lustiges Video rund (Danke an Christianne M.) in dem die französische Aussprache auf die Schippe genommen wurde. Leider kann ich es nicht hierherkopieren. Aber ich gebe Ihnen eine Kostprobe: Der englische (zugegeben sinnfreie) Satz : dein Onkel mäht deinen Thunfisch heißt auf Französisch: ton tonton tond ton thon. Klingt etwa so: „tontontontontonton“ :D Ich dachte nur daran, weil ich auf der Suche nach einer besseren Anleitung für die Cremigkeit des Karamells auf einen jungen (deutschen) Mann gestoßen bin, der die Tarte Tatin „tatatäh“ aussprach. Aber die Tarte wird Tarrrte ausgesprochen, mit einem Rachenlaut-R, das so ein bisschen wie „ach“ klingt, so ähnlich wie der Kölner das R spricht übrigens. Kölner können Tarte vermutlich perfekt aussprechen. Tatin muss dann so ein bisschen genäselt werden „tahtäähn“. Ein anderes Rezept, das ich beim nächsten Mal ausprobieren werde (vor allem, weil dort das Problem des suppigen Karamells erklärt wird) habe ich bei graindesel gefunden.

Jetzt aber zu etwas komplett anderem. Ich weiß es schon seit Freitag, aber ich fand, es ist eine Sonntagsmeldung und habe deshalb bis heute gewartet. Trommelwirbel, tatatataaa we proudly present:

Von hier bis ans Meer! Das neue Buch! Auslieferung am 20. August! Ist das nicht toll?! Ich freu‘ mich so! Es ist wirklich schön geworden! UND, da es die Fortsetzung von Zwischen Boule und Bettenmachen ist, wird das Büchlein, das kurze Zeit vergriffen war, in einem neuen Kleid und unter dem Autorinnennamen auch wieder erscheinen. Ist das nicht alles ganz wundervoll?! Hier ein Auszug aus der Verlagsvorschau.

Und wenn Sie in der neuen Taschenbuchvorschau richtig blättern wollen, bitteschön!

Mit dem vermutlich letzten Quarantäne-Chor lasse ich Sie. We have been her for the longest time. Byebye 55 Tage Quarantäne!

Der Sonntag ist schon fortgeschritten, und ich hoffe, Sie konnten ihn genießen. Wir wünschen einen gesunden Start in eine neue, freiere Woche. Möge sie auch schmerzfreier werden für den einen oder die andere. Wir denken an alle, die, die uns verlassen haben, an die, die krank sind und Schmerzen haben, und an die, die diese Woche operiert werden! Und alle alle: Seien Sie drinnen und draußen behütet (und bemaskt ;) ) und Prenez soin de vous!

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34 Responses to Corona Tagebuch – J-1

  1. Sunni sagt:

    Oh, wie habe ich darauf gewartet und gehofft! Wunderschön, gleich dreimal gekauft(vorbestellt) und dabei gedacht „Vielleicht kommt es ja sogar etwas eher…“ Glückwunsch! Einfach toll. Durch “ Zwischen Boule und Bettenmachen“ hat mich ja erst auf Ihre Fährte gebracht. Hach, ich freue mich sooo sehr! Herzlich, Sunni

    • dreher sagt:

      Uiiii, dreimal gleich! Danke! Danke! Danke! Ich freue mich auch sehr :D

      • Sunni sagt:

        Ja, klar, für meine beiden Töchter und mich. Wir sind doch alle frankophile Frauen, die nach jedem Hauch Frankreich gieren :-) GlG
        P.S. Passen Sie weiter gut auf sich und Monsieur auf, meine jüngere Tochter, die Ärztin mit den beiden halb-französisch-italienischen Kindern, die nun 7 Wochen zuhause saß, ließ Freitag einen Antikörpertest machen, alle positiv. Resultat? Sie sitzen wieder in Quarantäne, schließlich wisse man ja nicht, ob die AK nicht im Moment produziert würden oder schon lange da sind, also noch einmal Hals-Nasenabstrich und wenn der positiv ist, sind wir auch dran, denn gestern waren sie nun nach 4,5 Monaten uns einmal besuchen (ohne auch nur den geringsten Anlass an sowas zu denken, denn sie ist selbst Labormediziner und Onoklogin, kennt sich also aus und wußte sehr gut, dass eben keine Gefahr bestehen konnte…theoretisch!), darf man ja jetzt…ist ja alles so locker und wenn es nach bestimmten Menschen geht, noch viel, viel lockerer ab sofort…Bon courage!

        • dreher sagt:

          Danke danke! Aber oh Gott, wie schrecklich – dass ausgerechnet Ihre Familie (die Arzt-Tochter!) so einen Verdruss mit diesem Virus hat. Ich drücke die Daumen! Bon courage für Sie!

          • Sunni sagt:

            Sie sind erlöst, endlich. Alle negativ. Nun denn, bis zum nächsten Mal bei aller herrschenden Unvernunft. GlG

  2. Eva sagt:

    Liebe Christiane,
    da kann ich mich meinen Vorgängerinnen ja nur anschließen: herzlichen Glückwunsch!
    Gerade habe ich nachgeforscht, dass ich bei dir seit 2007 oder 2008 bereits mitlese, unglaublich!
    Alles Gute für jetzt und die Zukunft,
    Eva

  3. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Liebe Christiane, Gratulation zum neuen Buch. Als alte Brigitte Blog Leserin habe ich das 1. Buch schon geliebt. Was sage ich da. Ich liebe alle deine Bücher. Deinen Blog etwarte ich abends fieberhaft. Aber du wirst mit anderen Dingen jetzt genug zu tun haben. Da müssen wir wohl auf den einen oder anderen Blog verzichten. Bei uns im Rheinland ißt man übrigens auch Tarte. In Rheinbach hieß sie appeltaat. Auch andere Kuchen werden Taat genannt. Hört sich doch sehr französisch an. Mein Mann macht sie auch oft. Er meint es kommt sehr auf die Äpfel an, er nimmt am Liebsten Boskop. Und auf die Form. Wir haben eine gusseiserne von Le Creuset. Schöne Grüße Elli

    • dreher sagt:

      Danke Elli! Ich weiß, dass du auch eine langjährige Begleiterin bist, danke auch dafür!
      Ja, die Apfelsorte ist entscheidend, Golden Delicious, die hier nur „Golden“ heißen, finde ich total fad, aber in dieser Zeit nimmt man eben, was man hat. Es müssen säuerliche charaktervolle Äpfel sein, finde ich. Das gilt auch für die Tourte aux Blettes, die ich neulich machte! Sie heben den Geschmack des Mangolds hervor. Aber nun ja.
      Die Forme von Le Creuset sehe ich mir mal an.
      Schöne Grüße auch an den kochenden Mann!

      • Eleonore Braun-Folta sagt:

        Nein, golden Delicious geht nicht. Der Apfel muss mürbe sein werde meinen Mann grüssen, das Einzige was mir beim Kochen gelingt ist die rheinische Küche. Ansonsten ist mein Mann zuständig. Elli

  4. Andrea Stock sagt:

    Liebe Christiane,

    ich bin vor zwei Wochen über einen anderen Blog auf Ihren gekommen, Habenichts festgelesen, dann zum Glück noch über booklooker Ihr erstes Buch ergattern können und verschlungen. Der erste Band mit Kommisar Duval ist ebenfalls „inhaliert“ und ich freue mich auf die weiteren genauso wie auf Ihr neues Buch und Ihren Blog.

    Herzliche Grüße und alles Gute

    Andrea Stock

  5. Die Tarte Tatin ist der Lieblingskuchen meines Mannes, d.h. den macht er am Liebsten und er gelingt immer sehr gut. Und geschmacklich eine Sensation, unübertroffen. Wir haben dafür bei einer nicht zu teuren Teflonpfanne einfach den Griff abgemacht.