La Liberté …

na gut, fast, aber für uns war es heute unverhofft ein Feiertag mit all den Freiheiten, die man uns ab Dienstag wieder zugesteht. Der Premierminister, dessen Bart stellenweise weiß geworden ist durch den Stress der letzten Wochen,  war selbst beinahe überrascht von allem, was er uns ankündigen durfte. Wir sind ab kommenden Dienstag in der zweiten, drei Wochen dauernden, Lockerungsphase, nur in Paris und auf der Insel Mayotte, die noch in der „orange-Phase“ sind, wird es noch nicht ganz so locker zugehen dürfen. Aber im Rest von Frankreich dürfen ab 2. Juni Restaurants, Bars und Cafés wieder öffnen! Mit Hygieneregeln und einer Höchstzahl an Gästen pro Tisch, und man darf nicht stehend an der Bar konsumieren. Discos, Clubs, Konzerthallen und Stadien bleiben voraussichtlich noch drei Wochen gesperrt, aber Theater, Museen können wieder öffnen (Masken sind obligatorisch), Parks und öffentliche Gärten, Seen und Strände dürfen wieder genutzt werden … wir dürfen ab Dienstag auch wieder weiter als 100 km fahren, und Sie dürfen voraussichtlich ab 15. Juni wieder einreisen. Campingplätze werden wieder geöffnet, Hotels können mit gewissen Auflagen auch wieder Gäste empfangen und der Weg zu ihrem Ferienhaus steht Ihnen auf jeden Fall wieder offen. Genauer und immer tagesaktuell können Sie die neuen Regeln wie gehabt bei Hilke Maunder lesen.

Schule beginnt auch wieder ganz vorsichtig, aber Examen fallen weg und der große Enkel jubelte, weil das Abi-Examen für Französisch ausfällt und er mit den sehr guten Noten der vergangenen Monate sein Französisch-Abi schon locker in der Tasche hat. Er macht das Abi erst nächstes Jahr, aber das Französisch-Examen wäre noch in diesem Schuljahr gewesen. Fragen Sie mich nicht, wie französische Schule funktioniert, ich habe es nie verstanden, die Stundenpläne wechselten ständig und waren in der geraden Woche so und in der ungeraden anders.

Wir hatten diese Woche überraschend unseren ersten Besuch seit … knapp drei Monaten! Ein Cousin von Monsieur und seine Frau haben den ersten erlaubten aber in Seemeilen sehr eingeschränkten Ausflug genutzt, um von Toulon bis nach Cannes zu segeln. Wir nahmen unseren Apéro auf dem Boot ein und aßen später bei uns im Innenhof. Kein Händeschütteln, keine Küsschen. Als ich vom Steg aufs Boot hüpfte und dazu eine Hand brauchte, konnte mir nur Monsieur seine Hand anbieten. Man sagt jetzt „pas de bises“ und macht ein bedauerndes Gesicht. Und zum Abschied, nach einem wirklich sehr netten Abend, da sagt man es nochmal bedauernder „pas de bises“. Eine ältere Dame, eine Freundin der Schwiegermutter, die wir diese Woche spontan ebenso besucht haben, führte uns sofort in den Garten und wir saßen dort weit auseinander zusammen. Sie machte zum Abschied einen Luftkuss, diese Geste, mit der man manchmal große Gruppen begrüßt: man führt seine Hand an die Lippen, küsst sie und schickt den Kuss davon. Das immerhin ist möglich.

Anfang der Woche waren wir an einem anderen Strand zum Schwimmen, der Strand lag in der Nähe der Autowerkstatt und wir warteten darauf, dass das Auto in der Werkstatt fertig würde. Der Strand hatte mich schon immer mal gereizt, mehrere kleine Buchten hintereinander, von der Straße aus sieht es dort immer sehr nett aus. Der Strand ist aus natürlichem Sand und er ist ganz weich unter den Füßen. Die Buchten sind kleine Badewannen, es geht lange ganz flach ins Wasser, es gibt kaum Wellen und die Buchten sind zusätzlich mit Steindämmen gegen das Meer „draußen“ geschützt. Außerdem riecht es dort etwas nach verwesenden Algen. Alles eher langweilig, aber sehr sicher für Kinder und Senioren, sagen wir so. Der Strand wurde brav überwiegend dynamisch genutzt: Senioren liefen mit einem Aqua-Sport-Coach durchs Wasser.

Monsieur und ich schwammen, später machte ich Fotos. Der Strand war noch sehr schmutzig, ich fand allerhand komische Dinge und unter anderem einen Backenzahn! Ich habe alles nur fotografiert, Monsieur hat aber unverzagt Müll gesammelt. Bravo!

Obwohl ich dort nicht mehr hin muss, fand ich es gut, einen anderen Strand zu entdecken mit anderen Menschen und anderen (noch geschlossenen) Strandrestaurants. Der Strand liegt auch gegenüber des Golfplatzes. Und dort habe ich auch diese üppig blühenden Kakteen entdeckt. Es hat etwas von „Stadt entdecken“, von „Reisen in der eigenen Stadt“. Ich will irgendwann nochmal einen Text zum „anders Reisen“ schreiben. Weiß nur leider nicht, ob ich dazukomme.

Am nächsten Tag (das Auto war nicht fertig geworden) erneut am Strand, diesmal an unserem, ich hatte nagelneue Schwimmflossen und verlor eine gleichmal bei der ersten eleganten Fußbewegung. Ich sah ihr nach, wie sie im klaren Wasser nach unten sank. Ich kann nicht tauchen und trug außerdem meine Brille. So kommt es also auch zu Plastikmüll im Meer. Manchmal fragt man sich das ja.

Die Kioske sind seit Montag wieder geöffnet und die Möwen und Tauben warten …

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11 Responses to La Liberté …

  1. Ursula Weber sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Bericht. Schön, von dir zu hören.
    Bei uns ist auch Vieles gelockert. Leider nehmen das manche Leute wieder zu locker und kommen z.B. ohne Maske – obwohl Vorschrift – in die Straßenbahn (da kann man ja leider nicht ausweichen) oder mißachten den Mindestabstand.
    Liebe Grüße 🍀🌺🍧🍓😘

  2. Mumbai sagt:

    sollen wir jetz „hurrah“ schreien? Ich bin noch sehr vorsichtig obwohl bei uns in Spanien auch schon einiges erlaubt ist. So wie sich hier die meisten Leute verhalten, kann man mit einer 2. Welle rechnen, erst recht wenn die Touristenmenge im Juli einfliegt.
    Also passen auch Sie weiterhin gut auf und bleiben Sie gesund.

    • dreher sagt:

      Nein, natürlich nicht. Wir bleiben weiterhin vorsichtig, aber es sind ja nicht alle so „alt“ und „fragil“ wie wir. Ich spürte das erleichterte Aufatmen der Generation nach uns und der noch Jüngeren. Ich denke auch an die, die ihre Existenzen bedroht sehen und wieder arbeiten wollen/müssen. Ich denke, die, die wie wir eine Risikogruppe bilden, werden (hoffentlich) vernünftig und zu Hause bleiben. In Cannes befürchtet man auch, dass die Parisien uns überrollen und unsere Virusfreie Luft einamten wollen und uns im Gegenzug den Virus wieder bringen. In Cannes wird aber (vermutlich wegen der deutlich älteren Bevölkerungsstruktur UND wegen der zukünftigen Touristen) das Maskentragen wirklich durchgeführt. (Der Besuch, der gerade da war, war erstaunt, wieviele Menschen hier Maske tragen; dort, wo sie vorher waren – St. Tropez, Hyères war es deutlich weniger). Der Bürgermeister ist da auch sehr hinterher und er (und seine Maßnahmen) werden von der Bevölkerung geschätzt.
      Wir gehen am Dienstag aber zum ersten Mal Essen!

      • Mumbai sagt:

        Essengehen …haben wir auch mal wieder fuer naechste Woche vor. Hoffen, es wird so gemuetlich wie frueher. ….Maskentragen wird zumind. in Suedspanien fast nicht kontrolliert. Habe in der ganzen Pandemiezeit keine Polizei gesehen . Aber da wir auch zur „Risikogruppe“ (schrecklich diese willkuerliche Beurteilung ueber aeltere Menschen) gehoeren werden wir schon im eigenen Interesse weiterhin eine Maske, wenn noetig, (mehrere Menschen auf einem Platz etc.) tragen. Ein sonniges Pfingstfest !

  3. Gabriele sagt:

    Das klingt alles wunderbar, die Bilder sind wunderschön und das Fernweh wächst. Ihr habt ja auch wirklich eine harte Lockdown-Zeit hinter Euch, so schlimm war es hier in Berlin ja nie. Hoffen wir, dass alles gut geht. Juli/ August bleiben wir noch zu Hause, Elsass und Kleinwalsertal haben wir gecancelt, zu unsicher… aber Nizza bleibt, auch wenn im Moment die Vorstellung, ein Flugzeug zu besteigen, kein gutes Gefühl auslöst. Lasst es Euch gut gehen, genieße die neue Freiheit und pass weiter schön auf Dich auf! Alles Liebe Gabriele

    • dreher sagt:

      Danke, liebe Gabriele! Es sind ja noch drei Monate bis eventuell dahin… Wer weiß, was dann ist, muss man kurzfristig entscheiden, denke ich.
      Frohe Pfingsten! Liebe Grüße und passt ebenfalls gut auf Euch auf!

  4. Croco sagt:

    Der Backenzahn ist der Knaller! Ist aber vom Rind, oder?
    Ach, das Meer!
    Danke für die Fotos.