Trübe Aussichten – die zweite Ausgangssperre

Ausgerechnet in dem Moment, wo ich nicht mehr am Schreibtisch angebunden bin und mich gerne ein bisschen freier bewegt hätte, unter Berücksichtigung sämtlicher Hygieneregeln bien sûr und ohne Monsieur irgendwie zu gefährden, ausgerechnet jetzt rutschen wir in unsere zweite feste Ausgangssperre, ab Donnerstag um Mitternacht. Deuxième confinement. Präsident Macron hat es gerade verkündet. Wir haben es geahnt, die Zahlen sind katastrophal. Gut, wir sind weniger nervös, das Klopapier hat beim letzten Mal schon ausgereicht, wir werden es wieder nicht horten, wir horten auch keine Nudeln und kein Mehl. Es gibt Masken, Gel und Tests, wir haben uns ans Abstandhalten gewöhnt und ans Händewaschen und ans keine Küsschen geben. Wir kennen unseren 1-Kilometer-Radius, wir wissen, was wir in einer Stunde erledigen können. Wir haben kein Problem, unseren Ausgangsschein auszufüllen. Wir sind eingespielt. Vielleicht bleibt der Zugang zum Meer offen, das wäre schön. Die Märkte hoffentlich auch. Die Schulen bleiben dieses Mal geöffnet, auch die Crèches, die Senioren in den Altersheimen können (vorsichtig) besucht werden, die Friedhöfe und das Finanzamt auch (haha). Lebensmittelläden bleiben offen, alles andere wird wieder geschlossen: Universitäten, Hotels, Restaurants, die Bars, Klamottenläden, die Kinos …

Bizarrerweise haben wir trotz Sperrstunde und Versammlungsverbot ein Mini-Filmfestival in Cannes dieser Tage. Aber es ist selbst in der Tageszeitung nicht auf der Titelseite gelandet. Es ist sogar für das „grand public“ geöffnet, man hätte sich nur einschreiben müssen. Keine Ahnung, ob da viel läuft.

In Tübingen sind gerade auch französische Filmtage, deutschlandweit online und im Kino. Vielleicht interessiert das die oder den eine(n) von Ihnen. Danke für die Info und den Link an Jasmin R.

Il faut garder le moral heißt es hier. Den Kopf oben behalten. Werden wir sicher, aber ich gebe zu, ich bin ein bisschen müde, auch müde, hier zu tippen. Mal sehen, zu wieviel ich mich hier aufraffen kann. Vielleicht höre ich in den nächsten Wochen ein paar Podcasts, den Veedelspodcast aus Köln habe ich schon lange nicht mehr gehört und dieser hier interessiert mich auch, ich habe ihn über Herrn Buddenbohm gefunden.

Prenez soin de vous, wie es hier heißt. Passen Sie auf sich auf!

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7 Responses to Trübe Aussichten – die zweite Ausgangssperre

  1. Roswitha sagt:

    Prenez soin de vous – irgendwann ist es vorbei, bis dahin brauchen wir leider geduld.
    freundliche grüsse, roswitha

  2. Chevalier sagt:

    Damit ist auch meine schön Zeit hier erst einmal zu Ende. Jetzt muss ich den Kühlschrank leeren, Schiffchen einwintern, Wohnung einwintern und mich ausnahmsweise mal wieder mit Auto auf die Reise machen, via Lyon, Mulhouse. Ich wüsche dir trotz Allem eine gute Zeit, pass auf dich auf und bleib gesund. Ich möchte noch viel von dir lesen. Liebe Grüsse, Michael

  3. Sunni sagt:

    Alles wird gut…ist ein wenig abgenutzt in diesem Jahr, wenngleich man immer noch daran glauben sollte. Nun gut, beim ersten Mal hatte ich so hochfliegende Pläne wie „Alles Schränke durchsehen und aufräumen, alle Schubladen…“ Nun, Pläne eben. Die refreshen wir jetzt mal kurzzeitig wieder und hoffen, dass Lust, Laune, Energie und Zeit, die man nicht mit anderem vertrödelt, diesmal wirklich dafür reichen werden. Ich weiß ja nicht…Irgendwie komme ich mir vor, als hätte man vergessen mich mal wieder aufzuladen, so wie das Smartphone oder den Laptop. Aber das geht wohl fast allen so. Also: Bon Courage! Sunni

  4. Claudia Pollmann sagt:

    Hatte Tickets für die Baden-Württenbergischen Literaturtage – und habe Tickets für 2 Veranstaltungen – in eine riesigen Lokation. Bin absolut frustriert und mir tun vor allen die Künstler leid. Die Studenten verbringen jetzt schon das zweite Semester in Kempten nonstop zuhause. Der Frust ist dementsprechend groß und das trüber Herbstwetter verbessert die Situation auch nicht. Gefühlt habe meine Kollegen und Freunde eine große Frustwelle und keiner hat mehr so Lust sich an die Regeln zu halten oder sie zu akzeptieren. Schicke dir liebe Grüße aus dem Allgäu.
    Aktuell lese ich gerade dein Buch – wenigstens ein kleiner Lichtblick in dunklen Zeiten.

  5. Marion sagt:

    Der nächste Lockdown kann kommen, yeah: Als hätte ich es geahnt, war ich noch beim Friseur (wenn auch verschnitten), habe mir schnell einen neuen Wintermantel gekauft, und dieses Mal habe ich rechtzeitig auch genug Klopapier besorgt (so spießig das auch ist, es hat mich nämlich WIRKLICH genervt, als ich keins mehr bekam beim letzten Mal), nur Vorräte habe ich keine aufgefüllt… Oh, das mit dem Aufräumen, Ausräumen und Putzen nehme ich mir auch schon so lange vor, aber je weniger man insgesamt tut, desto weniger kriege ich auch das hin. Echt blöd. Aber Spaß beiseite – es nervt und geht an die Substanz.

    Gerade die neuesten Schreckensmeldungen aus Nizza gelesen. Es tut mir so leid für die Franzosen… Habe mich letzten Sonntag auf einer Designmesse (wie schön, dass sowas überhaupt noch stattfand) mit einem frz. Verkäufer (aus Toulon ursprünglich) unterhalten, der meinte, ihn zieht es nur noch zum Urlaub machen nach F, leben möchte er aufgrund dieser ganzen Entwicklungen dort nicht mehr.

  6. Croco sagt:

    Tübinger Kinoprogramm, wie schön. Danke dafür. Meine Lieblingskinos von damals. Als es dort noch französische Kasernen gab, war am Abend die Fußgängerzone voll von jungen, kahlrasierten Soldaten. Das Francophile ist geblieben.
    Das Cannes Filmfestival hat es gestern sogar in die Tagesschau geschafft.
    Und ich weiß jetzt, dass das Viertel auf dem Weg vom Bahnhof zum Zoo in Köln Agnesviertel heißt. Den gehe ich nämlich öfter. Ich bin der Meinung, dass man Städte nur mit den Füßen verstehen kann. Als die Mauer fiel, sind wir durch Ostberlin gegangen, Kilometer um Kilometer. In Paris und London haben wir es auch so gemacht.
    Danke für das Podcast.
    Euch alles Gute für die nächste Zeit.
    Liebe Grüße deoco