WmdedgT Mai 2021

Ich nutze das heutige Tagebuchbloggen, um alles zu erzählen, was so los ist, damit ich Ihnen dann im näxten Artikel das Cheesecake-Rezept geben kann – das schulde ich Ihnen tatsächlich noch, ich hatte es total vergessen. Danke für die freundliche Erinnerung! Kommt, versprochen, gleich als nächstes. Heute aber ist Tagebuchbloggen dran.

Gegen 7 Uhr werde ich wach, beschließe, dass ich heute zur Blutabnahme gehe. Nüchtern ist das Wort der Stunde. Heute schaffe ich es ohne Kaffee. An anderen Tagen ist das schwieriger. Auf dem Weg zum Labor tagträume ich von einem Café crème in dickwandiger Kaffeetasse und einem pain au raisin und das alles am liebsten sitzend in einem Straßencafé. Bei uns ist seit dieser Woche eine leichte Öffnung erfolgt. Wir haben die famosen Inzidenzzahlen, die denen in Deutschland nicht unähnlich sind, nur kommen wir von dramatischen 700 und machen bei niedrigen 200 jetzt auf, während Deutschland wieder alles schließt. Ich merke mir das aber alles nicht mehr, wer was und ab wann darf. Ich hoffe daher naiv auf geöffnte Straßencafés, denn gestern waren Bilder von geöffneten Cafés und Restaurants in der Zeitung zu sehen. War aber in Italien.** Ich finde dann bei uns auch keines, laufe extra die Rue Hoche [sprich: Rüüh ‚osch] entlang, die „Fressgasse“ von Cannes, hier reiht sich ein Café und ein angesagtes Restau ans andere. Ist aber so gut wie alles geschlossen.

Es ist auch erst kurz nach Acht, aber es sieht nicht so aus, als würden sie heute noch öffnen. Stattdessen wird viel gehandwerkt und es ist laut. Ganz hinten sieht ein Laden mit einem to-go-Angebot ganz einladend aus. Ich sage den Namen nicht, aber ich habe gestern morgen einen Becher dieses, unter jungen Menschen angesagten, Ladens am Strand gefunden.

Strandfund

Ich beschließe, dieses to-go-Angebot anzunehmen, denn in der Zwischenzeit habe ich richtigen Hunger und will endlich Kaffee. Etwas hat sich in den letzten Monaten geändert, wenn ich Hunger habe, dann will ich etwas Richtiges essen. Kein Cookie und auch keinen Muffin. Pain au raisin gibt es hier in diesem coolen Laden ohnehin nicht. Ich bestelle also einen Lachs-Cremecheese-Avocado-Bagel. Ich muss draußen am Stehtisch darauf warten. Zunächst bekomme ich den Kaffee – in diesem freundlichen Pappbecher – und verbrenne mir gleichmal die Zunge, so heiß ist der Kaffee. Vom Bagel schaffe ich später nur die Hälfte. Die andere Hälfte wird vermutlich mein Abendessen. Ich nippe immer Mal am Kaffee, er ist aber immer noch so heiß und meine Zunge ist jetzt so empfindlich und das bisschen, was ich an Geschmack mitkriege, ist nicht berauschend. Ich bräuchte mehr Zucker und/oder mehr Milch und trage also den halbvollen Becher und den halben Bagel in der Papiertüte herum und verstehe nun, wie es dieser Becher bis zum weit entfernten Strand am anderen Ende von Cannes geschafft hat.

Auf dem Heimweg kaufe ich im teilweise geöffneten Monoprix ein extrem überteuertes deutsches Körperöl und in der geöffneten Lebensmittelabteilung im ersten Stock Milch und Erbeeren. Beim dänischen Coffee-Shop nehme ich ein Vollkornbrot mit und denke, dass ich meinen Steh-Kaffee im Pappbecher besser hier getrunken hätte. Die Becher sind größer, die Milch ist schaumiger, der Kaffee vermutlich besser und das Ambiente freundlicher. Nun gut.

Gegen zehn Uhr bin ich wieder zu Hause und vermische den jetzt kalten Pappbecherkaffee mit etwas frischem homemade Kaffee, Milch und Zucker und trinke ihn, während ich hier anfange zu schreiben.

Zwischendurch gucke ich immer mal ins neue Telefon; das alte wollte (vermutlich Spätfolgen des Sturzes ins WC) die Akkuladung nicht mehr halten und brauchte außerdem Stunden, um sich wieder aufzuladen; weshalb ich jetzt doch das neue Telefon, das ich ja eh gekauft hatte, aktiviert habe: ganz alleine übrigens! Hat mich nur etwa zwei Tage gekostet, bis alle Konten wieder miteinander sprachen, aber ich hab es hingekriegt ohne die Hilfe des angeheirateten Enkels, der sowieso nicht mehr lang da sein wird, um bei solchen Dingen zu helfen. Ich hatte meine liebe Mühe, denn ich bin mit dem Chinesen-Handy in den wirtschaftlichen Konflikt zwischen China und die USA geraten: Google hat für die chinesischen Handys nämlich den Zugang zu ihren Diensten gesperrt und das Handy wollte mir nun stets die chinesischen Konten und Dienste einrichten. Ich war ein bisschen verzweifelt und ärgerte mich, dass ich kein anderes, etwa ein gebrauchtes koreanisches Handy gekauft hatte (neu ist mir das alles zu teuer), ich wollte es schon wieder zurückschicken, sah aber auf der Verpackung den Hinweis, dass der Zugang zu Google möglich sei (es ist ein Handy für den Export). Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich es letztlich geschafft habe, aber es ging, und hat, wie gesagt, nur zwei Tage gedauert, bis ich alles soweit verstanden habe *ächz*

Schon ist es halb Zwölf. Wir warten eigentlich auf Handwerker, die, obwohl gestern noch vollmundig zugesagt, nicht kamen. Wir telefonieren deshalb ein bisschen hin und her. Ich beginne in der Küche mit den Vorbereitungen fürs Mittagessen, schwupps, sagen sich die Handwerker an, sie seien gleich da, heißt es. Also lasse ich die Töpfe sein. Nur die Katze bekommt schon Futter, damit sie aufhört vor dem Schrank zu jammern. Ich würde gerne im Hof essen, die Sonne scheint, aber es ist zu windig.

12.24 Uhr kommen die Handwerker. Um diese Uhrzeit? Essen die nicht? frage ich verständnislos. Corona verändert alles, sogar die heilige Mittagspause von französischen Handwerkern. Monsieur verständigt sich mit den Herren, ich gehe wieder in die die Küche.

13.00 Uhr können wir essen. Monsieur isst eine Artischocke (roh mit Vinaigrette) als Vorspeise. Ich habe immer noch keinen richtigen Hunger (Milchkaffee um halb elf ist lange sättigend!) und esse keine Vorspeise. Dann gibts ein Stück Bavette (langfaseriges Rindfleisch, Flanksteak), geteilt für zwei, mit Gnocchi. Danach Erdbeeren mit Zucker und Creme fraîche. Die Handwerker machen Lärm. Das Telefon klingelt. Wir haben die Wohnung der Schwiegermutter (dem Himmel sei Dank, so gut wie) verkauft, aber jetzt müssen alle „diagnostics“ neu gemacht werden, also man muss nachweisen, dass Gas- und Stromleitungen normgerecht sind und funktionieren, dass kein Asbest verbaut wurde und solche Scherze; das haben wir vor zwei Jahren schon einmal gemacht, das Ganze ist aber nur sechs Monate gültig und muss jetzt wiederholt werden; ganz neu dabei ist jetzt, dass wir nachweisen müssen, dass das WC ordnungsgemäß über Rohre an die Abwasserkanalisation angeschlossen ist. Dafür brauchen wir einen weiteren Termin mit einem zuständigen Experten. Kosten: 160 Euro.

13.35 Uhr Monsieur macht trotz der lärmenden Handwerker seine Sieste. Ich schreibe hier.

14 Uhr bekomme ich eine SMS, dass Monsieur anderswo anwesend sein soll, weil dort die verstopften Abwasserleitungen gereinigt werden. Ich wecke ihn und er bricht umgehend auf. Durch die geöffnete Haustür höre ich das Radio des verbleibenden Handwerkers, anscheinend hört er Radio Nostalgie. Dalida singt Bambino (ich nehme vorweg, dass mir das den ganzen restlichen Tag im Kopf bleibt). Ich lege mich kurz hin.

„Kurz“, glaube ich. Um 14.55 Uhr weckt mich das Telefon. Es ist einer der Immobilienmakler, der es gar nicht glauben kann, dass wir es ohne ihn und seine KollegInnen geschafft haben, die Wohnung zu verkaufen. Immerhin beglückwünscht er uns. Ich mache mir einen Kaffee und setze mich an den PC. Arbeiten kann ich immer nur, wenn niemand etwas von mir will. Mal sehen, wie lange es geht.

15.25 Uhr Monsieur ist zurück und berichtet. Das Telefon klingelt schon wieder. Ein anderer Immobilienmakler. Same same but different.

Ich arbeite etwa anderthalb Stunden halbwegs konzentriert. Schreibe ein paar Sätze und suche zum x-ten Mal Informationen über Handfeuerwaffen. Schießen ist mir so fern, dass ich mir nichts merken kann und es mir bei Bedarf immer wieder anlesen muss.

17.10 Uhr ploppen meine Blut-Ergebnisse auf. Die muss ich natürlich sofort ansehen. Ich koche uns einen Tee, die Katze bekommt ein paar Brekkies in ihren Ball gesteckt, und dann versuche ich zu verstehen, was da alles steht. Am eklatantesten ist ein Vitamin D-Mangel, was mir beim besten Willen nicht in den Kopf will, noch nie habe ich so viel Sonne gehabt. Nun gut, dafür gibt es Präparate.

17.30 Uhr Monsieurs Tochter kommt und will dieses und jenes wissen. Hier wird ein runder Geburtstag (nein, nicht meiner und nein, auch nicht der von Monsieur) geplant. Es soll ein Überraschungsfest werden.

Als sie geht, setzt Monsieur sich an seinen PC und spielt Bridge, ich lese und schreibe bis kurz nach Sieben. Schon wieder kommen die Tochter und jetzt auch der Schwiegersohn. Es geht um eine schlecht durchgeführte Heizungsinstallation in einer Wohnung. Es wird technisch und ähm, sagen wir lebhaft.

Ok. Schluss für heute. Abendessen: Ich esse meine zweite Bagelhälfte, leicht erwärmt immer noch lecker. Für Monsieur gibts schnell angebratene ganz junge Zucchini mit etwas von gestern übrig gebliebenem Reis, Baguette, Käse und einen Apfel.

Bügelwäsche liegt auch herum. Das wird wohl meine Abendbeschäftigung vor dem TV. Es gibt eine Komödie mit Fanny Ardant: Les Beaux Jours. (Ich hoffe, Sie haben nicht so eine bescheuerte Werbung vor dem Trailer wie ich hier, man kann sie aber nach 5 Sekunden auch überspringen.)

** Nachgeschaut: In Frankreich entfällt seit Vorgestern die 10 bzw. 30 km Regel, wir dürfen jetzt also wieder überall hinfahren, müssen aber um 19 zu Hause oder zumindest „drin“ sein! Sperrstunde zwischen 19 Uhr und 6 Uhr bleibt! Die Außengastronomie wird voraussichtlich erst am 19. Mai wieder geöffnet.

Keine Außengastronomie

Danke fürs Lesen. So war der Tag. Ich werde ihn bei Frau Brüllen verlinken, der treuen Verwalterin des WmdedgT-Dings. Dort finden Sie auch alle anderen TagebuchbloggerInnen.

Als Zugabe bekommen Sie ein bisschen aktuellen People-Klatsch: George Clooney nebst Gattin und Kindern will sich bei Brignoles im Département Var ein Haus kaufen. Nein, natürlich nicht nur ein Haus. Ein Anwesen. Mal sehen, ob sie es anders machen als Brad Pitt und Angelina Jolie, die samt ihrer Kinder wieder verschwunden sind. Sie wohnten auch ein paar Jahre lang im Var (nicht weit davon lebten übrigens auch Johnny Depp und Vanessa Paradis mit ihren Kindern); wenn Sie aber glauben, dass Angelina und Brad sich für Frankreich oder für ihre Gemeinde interessiert hätten oder sich von den umliegenden Erzeugern hätten beliefern lassen oder gar, dass Angelina ihren Ziegenkäse und die Tomaten für ihre reizende Kinderschar auf dem Markt selbst eingekauft hätte, dann haben sie sich getäuscht. Man lebte den american way of life, und Frankreich liegt einfach nur in der Mitte von Europa und ist daher ein zentraler Wohnort, um schnell mal hierhin oder dorthin zu jetten. Möglicherweise lag es an zu viel leckerem Rosé, den Brad Pitt und Angelina Jolie übrigens trotz Scheidung noch immer gemeinsam (mit-)produzieren, dass die Ehe in die Brüche ging. Angeblich hatte man George Clooney und Quentin Tarantino seinerzeit nicht zur Hochzeit Pitt-Jolie eingeladen, weil beide zu viel Alkohol konsumierten und sie einen schlechten Einfluss auf Herrn Pitt hatten. Hat aber nix gebracht. Die Bäckersfrau in Brignoles bekommt leuchtende Augen hinter ihrer Maske, bei der Vorstellung George Clooney ein Baguette zu verkaufen, und der Bürgermeister hofft, dass die Neubürger den amerikanischen Tourismus wieder ankurbeln mögen. Bei Clooneys gibt es wohl auch ein paar Hektar Weinanbaugebiet. On verra.

Das Lied zum Thema :-)

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8 Responses to WmdedgT Mai 2021

  1. Mumbai sagt:

    immer wieder amuesant und informativ ihre WMDEDGT zu lesen. Ihr Leben ist ja doch ziemlich abwechslungsreich und stressig wenn man liest was sie so in einen Tag packen
    und bewaeltigen. Liebe Gruesse , bleiben Sie gesund, nehmen Sie mehr Vit.D und weniger Zucker.

    • dreher sagt:

      Dankeschön 😁 ich habe da gar nicht so viel reingepackt, der Tag füllte sich von ganz alleine. Gebügelt habe ich dann auch nicht mehr🤷
      Danke für Ihre Wünsche!

      • Mumbai sagt:

        ach ja, ich habe vergessen, obwohl es sehr lobenswert ist, Sie zu
        bewundern, wie Sie das mit der handy Installation geschafft haben. Fuer mich unvorstellbar, daher haenge ich immer noch
        an meinem alten Nokia, denn jede Beruehrung mit den smart/
        i-phones …sie moegen mich nicht und stellen ab.

  2. Marion sagt:

    Immobilienverwaltung ist schon viel Arbeit. Ich frage mich, wie Du überhaupt bei Deinem nicht vorhersehbarem Alltag noch zu Deiner eigenen Arbeit kommst? Du stehst doch wohl nicht so wie früher um 5 Uhr auf 😉? Bravo für die Eigen-Installation des Handys! „Les Beaux Jours“ habe ich gestern auch zum 2. oder 3. Mal gesehen. Ach Fanny, diese Augenweide. Wenn die Frankreich-Nostalgie aufkommt, muss ich immer aufpassen, nicht in Selbstmitleid zu verfallen (Du weißt schon). Ich schleppe mich hier so durch die Tage, wird es jemals wieder normal? Ich staubsage hier und taue den Kühlschrank ab da, koche was, gehe mal raus spazieren und einkaufen, aber die Perspektive ist irgendwie (noch mehr) abhandengekommen. Es ist ein bisschen wie ab 2008, same same but different 😒. Geimpft bin ich auch noch lange nicht. Ein Freund meinte, leg‘ Dich in Chorweiler auf eine Bank und warte, bis ein mobiles Impfteam vorbeikommt 🤣 (dort haben sie eine große Impfaktion gestartet). Gib‘ doch mal Rückmeldung, wenn Du das „Trümmermädchen“ gelesen hast! Ich bin gestern fertig geworden und habe dann doch ein paar Tränchen verdrückt 😢 …

    • dreher sagt:

      Ich frage mich das auch und das 5 Uhr Aufstehen habe ich schon wieder erwogen.
      Es ist viel Arbeit mit den Wohnungen, und wenn man auf mittelmäßige und lustlose Handwerker angewiesen ist, wird es mühsam.
      Danke, ich bin auch stolz, mein Handy alleine eingerichtet zu haben. Es gibt ja für alles Tutorials, manche sind doof, aber manche sind hilfreich.
      Es ist ja hier oft nicht gut organisiert, aber das mit dem Impfen haben sie hier gut im Griff, finde ich. Hier sind jetzt schon die 40+ dran, wenn sie wollen.
      Das „Trümmermädchen“ habe ich angefangen (hätte ich sicher nicht gelesen, wenn du es mir nicht empfohlen hättest) und bin sehr angetan! Und war auch auch an mancher Stelle schon zu Tränen gerührt. Dass es deine Familie (im weiteren Sinn) betrifft, macht es nochmal intensiver. Ich gebe später noch eine Rückmeldung, versprochen!

  3. Kapa sagt:

    Hallo und liebe Grüße nach Cannes
    Das war ja wirklich ein ereignisreicher Tag für Sie. Da wird einem schon nicht langweilig in diesen Zeiten. Ja, es fehlt schon das Kaffeetrinken ausserhalb und ein spontaner Bummel durch die Geschäfte. Man muss ja nicht immer was kaufen. Wenigstens bessert sich das Wetter zum Wochenende. Alle Achtung, dass Sie das neue Handy selbst einrichten konnten! Die eingefügten Filmchen sind nett.
    Eine schöne Zeit für Sie, bis zum nächsten Mal – Kapa

    • dreher sagt:

      Dankeschön! Ich komme nicht oft in die Stadt und Stadtbummel ist zumindest in Cannes für mich eher kein Vergnügen, aber einen Kaffee irgendwo SITZEND trinken, das wäre mal wieder schön! Ich bin auch sehr stolz, dass ich das Handy alleine einrichten konnte! Danke, dass Sie das wertschätzen!
      Liebe Grüße!