WMDEDGT Juni 2021

Es ist der 5. und Frau Brüllen ruft an jedem 5. des Monats auf zum allgemeinen Tagebuchbloggen: WMDEDGT kurz für Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Es ist Samstag. Pepita weckt mich: sie scharrt an der Tür und miaut herzzerreißend. Ich blicke aufs Telefon: 7.30Uhr. Ich drehe mich noch einmal hin und her, dann wird Pepitas Verzweiflung unerträglich und ich stehe ich auf und öffne die Tür zum Schlafzimmer. Große Erleichterung bei der Katze. Sie begleitet mich ins Bad. Während ich Pipi mache, trinkt sie in der Badewanne Wasser.

Ich begrüße Monsieur, mache mir Kaffee, die Katze umschnurrt mich miauend und behauptet, sie habe nichts zum Frühstück bekommen. Monsieur behauptet das Gegenteil. Ich glaube in diesem Fall Monsieur. Dann setze ich mich mit Kaffee aufs Sofa und die Katze springt auf meine Knie und lässt sich genussvoll das Winterfell auskämmen. Zumindest fünf Minuten lang schnurrt sie. Dann will sie in Ruhe gelassen werden. Schwupps ist es 8.30 Uhr. Ich schubse sie sanft von meinen Knien.

Ich beginne eine Liste für den Blogeintrag, entschließe mich, es stattdessen sofort in den Blog zu schreiben, sonst wird es mir zu viel abends. Habe eine Mail, die ich lese und dann in Zusammenarbeit mit Monsieur beantworte. Nein, höfliches Schrift-Französisch kann ich immer noch nicht alleine.

8.50 Uhr ich gehe ins Bad. Als ich wieder rauskomme, ist die Samstags-Nathalie schon da. Wir trinken erstmal einen Kaffee zusammen, wie man das hier so macht, und sie erzählt mir ihr Leben. Sie hat viel auf dem Herzen, sie ist aber multitache, sie kann beim Sprechen saubermachen. Ich kann das nicht so gut, stecke aber trotzdem zwischendurch Wäsche in die Waschmaschine und beginne die Morue zu entsalzen. Dann räume ich den Tisch im Eingangsbereich leer. Seit dem Entrümpel-Seminar lasse ich es nicht mehr zum großen Chaos kommen. Anschließend ist die Wäsche dran: Bügelwäsche, Handtücher zusammenlegen, Klamotten aufhängen. Das Bügeln breche ich ab, weil Nathalie das Wohnzimmer saugen und durchwischen will. Wir machen das Bett zusammen (das Dilemma des riesen Deckbetts mit den riesen Bettbezügen, sie erinnern sich). Wir drehen gleichzeitig die Matratze um 180 Grad. So etwas geht nur zu zweit.

11 Uhr, ich gehe in die Küche, tausche das Wasser der Morue zum zweiten Mal aus und mache zunächst die Knoblauchmayonnaise, Aïoli genannt. Das ist eigentlich einfach, gelingt mir aber nicht immer, und ich habe es gern hinter mir, um den Kopf freizuhaben. Auch wenn das Essen, Aïoli, ziemlich simpel ist. Ich glaube, wir hatten es im letzten Monat um dieselbe Zeit auch schonmal. Mayonnaise ist gelungen. Ich hänge die Wäsche auf und bereite das Gemüse, die Kartoffeln und die Eier vor. Das Telefon klingelt, es ist für Monsieur, den ich vom Heimwerken aus meinem Büro (ich habe es zurück, hurrah!) hole. Dort sind feuchte Stellen an den Wänden, die bearbeitet werden wollen. Der Charme des Altbaus, immer bröckelt was ab. Monsieur spachtelt die Wände mit seinem Lieblingswerkstoff PF3. Der muss dann, wenn er abgetrocknet ist, mehrfach abgeschleift werden und staubt dabei alles ein. Ich freue mich schon.

12.15 Uhr Nathalie ist gegangen, Pepita wurde gefüttert. Gefühlt wimmerte sie seit Stunden (vergeblich) die Morue an, deren Wasser ich nochmal wechsele und sie dann dampfgare. Wir essen auf der Terrasse: Aïoli. Köstlich. Die Morue hätte einen vierten Wasserwechsel vertragen, sie ist sehr salzig. Wir trinken etwas mehr. Monsieur trinkt einen Weißwein, der dringend weggetrunken werden muss. Zum Nachtisch gibts die restlichen Erdbeeren von gestern.

Um 13.10 Uhr legt Monsieur sich schon zur Sieste hin. Ich entdecke einen Umschlag mit Fotos (ein Kellerfund) aus dem Eingangstisch und schaue französische Familienfotos von vor meiner Zeit an. Dann lese ich ein bisschen im Telefon herum.

Um 13.40 lege ich mich zur Sieste hin. Ich bin gerade eingenickt, als das Telefon klingelt. 14 Uhr. Frechheit. Ein älterer Herr hat sich verwählt, entschuldigt sich vielmals. Na gut. Ich lege mich wieder hin, aber döse nur noch.

14.25 Uhr stehe ich auf, trinke einen Espresso und mache aus einem Teigrest und vier Aprikosen eine kleine Tarte.

15.20 Die Tarte ist fertig, ist aber noch so heiß, dass sie blubbert. Der Gatte steht auf und sieht von nun an Tennis.

15.30 Uhr ich beschließe, in der kleinen Wohnung einer Freundin, in die ich manchmal geflüchtet bin, um in Ruhe zu arbeiten, meine Sachen abzuholen und den Schlüssel zurückzugeben (ich habe ja jetzt „das Büro“ wieder). Ich finde (ein Dank in den Himmel) einen Parkplatz direkt vor dem Haus (mein linkes Knie ist derzeit quasi außer Kraft, ich laufe nur mühsam). In der Wohnung (mit Balkon und Meerblick) kann ich nicht widerstehen und setze mich einen Moment in die Sonne und lese („Athen, Paradiesstraße“; war eine Empfehlung einer Leserin, nimmt mich, nach anfänglichem Fremdeln, total gefangen). So sitze ich dort auch länger, als ich vorhatte. Zurück fahre ich am Meer entlang, es ist so toll sonnig und blau heute! Und viele Menschen sind unterwegs, auf der Straße genauso wie am Strand. Auf der Straße ist stop and go wie im Hochsommer. Weniger prickelnd.

18.30 Uhr. Ich finde keinen Parkplatz und drehe im Viertel meine Runden (all das erinnert mich an einen Grönemeyer-Song), kaufe erstmal ein Brot und drehe erneut, und siehe da, nicht weit vom Haus ist ein Platz frei geworden. Ich schicke meinen Dank in den Himmel.

18.45 Uhr. Ich esse etwas von der säuerlichen Tarte, beantworte eine Mail, schaue Tennis mit Monsieur und kämme wieder das Fell von Pepita aus, die schon wieder auf meinen Knien liegt.

gegen 20 Uhr klingelt es. Der große Enkel erzählt ein bisschen die Neuigkeiten. Er hat noch eine Prüfung, dann hat er sein Abi, wenn er die Prüfung nicht vermasselt, hat er „mention très bien“, also eine Eins mit Sternchen. Er ist daher auch von zwei Prépa-Schulen angenommen worden (zwei Jahre Pauken für die Vorbereitung auf „grandes écoles“ ; das ist Teil des sehr eigenartigen französischen Ausbildungs-Systems) – und hat sich für die „Prépa“ in Nizza entschieden, weil sie den Weg zu „besseren“ Universitäten „grandes écoles“ öffnet (ich versuche es für Deutsche normalerweise mit dem Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen zu erklären, aber es ist eigentlich nicht vergleichbar). In Nizza hat er sich heute für ein Zimmer in einem Wohnheim eingeschrieben. Also, er bekommt sicher ein Zimmer, er weiß nur noch nicht welches.

20.30 Uhr wie essen Reste von heute Mittag, dazu Baguette mit Schinken und Käse, und zum Nachtisch etwas von der Tarte.

21 Uhr. Wir sehen (mit der Katze auf den Knien) einen Film von Yann Arthus Bertrand: Legacy. Kennen Sie vielleicht schon. Wenn nicht, schauen Sie ihn an. So schön und so schrecklich, obwohl wir das eigentlich alles schon wissen. Mich hat am meisten erschüttert, dass die kilometerlangen Mandelbaumplantagen in Kalifornien mit aus Australien eingeflogenen Bienen, bestäubt werden, weil es nicht genug Bienen in Kalifornien gibt. Was für ein Wahnsinn. Leider sterben ganz viele Bienen bei dem Transport. Macht nix. Nächstes Jahr nehmen wir frische.

Und hier der Grönemeyer-Song, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht.

So viel von hier. Der 5. ist gleich rum. Danke fürs Lesen. Die anderen Tagebuchblogger finden Sie wie immer bei Frau Brüllen.

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14 Responses to WMDEDGT Juni 2021

  1. Maren sagt:

    Liebe Christiane,
    Ich lese deine WMDEDGT Beiträge schrecklich gern, denn auf irgendeine Weise fühle ich mich mit dir und deinem Leben mit Monsieur verbunden. Unseres fühlt sich, obwohl hoch oben im Norden, ein bisschen ähnlich an. Ich mag deine unprätentiösen Schilderungen sehr!
    Leider sind unsere Katzen mittlerweile nicht mehr unter uns, aber wir lieben Katzen über alles und freuen uns, dass uns wenigstens eine Nachbarkatze regelmäßig besucht.

    Den Film Legacy haben wir auch übrigens schon gesehen und wir sind gleichermaßen erschüttert und empört über diesen gewissenlosen und nur auf Profit ausgerichteten Anbau! Es treibt einem die Tränen in die Augen.

    Ich wünsche dir und deinem Monsieur ( und natürlich auch Pepita ;-))
    noch einen erholsamen Sonntag
    Liebe Grüße Maren

  2. Roswitha sagt:

    danke fürs mitnehmen durch den tag, ein mit leben ausgefüllter tag über den ich gerne nachdenke. ich lese gerade deinen letzten krimi und bin wieder bewegt über das, was deutschland über europa brachte.
    hab einen angenehmen sonntag, gruß roswitha

    • dreher sagt:

      Danke, liebe Roswitha! Fürs Lesen und Mögen meines Alltags ebenso wie fürs Lesen meines Krimis!
      Schönen Sonntag zurück!

  3. Kapa sagt:

    Hallo und liebe Grüße zu Ihnen. Mir geht es wie den Vorgängerinnen der geschrieben Zeilen, ich lese Ihre Nachrichten auch sehr gern. Ihr Tag ist immer gut ausgefüllt. Mir ist zwar nicht langweilig, aber im Moment passiert nicht viel. Langsam machen sich Lockerungen breit und man kann über einen Urlaub nachdenken. Am Wochenende fahren wir Mal wieder nach München, unsere Tochter wird 50!
    Liebe Grüße aus dem verregneten Schwabenländle.

    • dreher sagt:

      Lieben Dank! Ich freue mich, wenn mein All-Tag gern gelesen wird (Mein Mann findet das immer erstaunlich, dass sich Menschen dafür interessieren, was wir tun ;-) )
      Gute Zeit in München, das ist doch ein netter Ausflug!
      Liebe Grüße! Hier heute ein Mix aus Wind, Sonne und Wolken.

  4. Marion sagt:

    Wie geht es eigentlich Deiner Schulter und der Hand, ganz abgesehen vom Knie? Haben die Spritzen geholfen? Ich laufe ja seit einem Jahr mit der sehr schmerzhaften Achillessehnenentzündung rum, hatte jetzt 2 Sitzungen Stoßwellentherapie, nächsten Do. die dritte, aber auch das scheint nicht viel zu helfen. Diese ewigen Schmerzen können einen schon mürbe machen.
    Ich glaube, ich schaffe nur die Hälfte von dem, was Du an einem Tag so leistet. Auch die Bügelwäsche lasse ich gern konsequent links liegen. Selbst Lesen tue ich langsam, aber ich bin dran an Deinem Buch und genieße es.
    Gut, dass Du Dein Büro wieder bekommst!!!
    Hier ist das Wetter jetzt wieder Grau in Grau und kühler, am Freitagabend gab es sintflutartige Regenfälle und Gewitter. Eine Impfung ist noch nicht in Sicht, es gibt keine Termine, und obwohl mein Schwimmbad nun öffnet, brauche ich auch dort einen Negativtest (war letztes Jahr nicht so). So wird man dann gegenüber den Geimpften/Genesenen diskriminiert, dabei brauche ich die Schwimmerei für meine Gesundheit. Bist Du eigentlich mittlerweile geimpft?
    Bon dimanche!!

    • dreher sagt:

      Liebe Marion – ja Schmerzen sind fies (Thierry hatte ein Problem mit der Achillessehne und trug einen speziellen Strumpf mit einer Einlage, aber ich habe keine Ahnung, ob das in deinem Fall hilfreich ist) – meine Knie sind ja schon lange „mürbe“, aber das linke Knie ist plötzlich instabil geworden und ich hatte von eben auf jetzt Schmerz“krisen“, die ich nicht aushalten kann. Am Dienstag bekomme ich ein MRT (IRM auf Französisch), weil Röntgen und Ultraschall nicht aussagekräftig genug waren. Im schlimmsten Fall gäbe es eine „kleine OP“ wurde mir schon angekündigt. On verra. Das rechte Handgelenk, für das ich ein MRT Ende nächster Woche bekommen habe, hat sich dank der Handgelenksschiene aber wieder beruhigt – vielleicht lasse ich das MRT nicht machen. Die Schulter bekam eine Kortisonspritze, die einen Schmerzherd ausgeschaltet hat. Jetzt spüre ich aber die zweite Entzündung – als ich bei der Rheumatologin war, konnte ich es nicht genau definieren, was mir exakt wo wehtat, es war ein dumpfer Schmerzbrei. Ich hätte gerne eine zweite Spritze, um den Rest loszuwerden, aber das Knie hat sich dazwischengeschoben.
      Ich bin tatsächlich schon zweimal geimpft, mit Astra, weil der gerade „billig zu kriegen“ war – Spaß beiseite, es gab Leute, die kurzfristig von der Impfung zurückgetreten sind und meine Hausärztin hat mich gefragt. Das Impfen klappt hier aber erstaunlich gut – ich kann ausnahmsweise nicht klagen über schlechte Organisation.
      Liebe Grüße! Bon dimanche auch dir!

  5. Ursula Weber sagt:

    Liebe Christiane, es war so schön, wieder von dir zu hören 🤗.
    Was für eine Erleichterung für dich, dass du dein Büro wieder hast👍
    Ich wünsche euch noch einen schönen restlichen Sonntag – und dem Knie gute Besserung ❣️ 🍀🍀🍀
    Herzliche Grüße Uschi 😘

    • dreher sagt:

      Danke, liebe Uschi!
      Ich bin auch froh, das Büro wieder zu haben! Danke für deine Wünsche!
      Liebe Grüße, einen guten Rest-Sonntag 🌿🌞🦋🌼🐝

  6. Sunni sagt:

    Was für ein ausgefüllter Tag mit den alltäglichen Dingen. Ich denke mich immer an die französische Küste dabei!
    Kaputte Gelenke und Knochen schmerzen widerlich. Bei mir ja seit Jahren die Knie, 36 Hyaloronspritzen haben lange weiter geholfen. Jetzt scheint bald das Ende erreicht. Dazu das widerliche Augen-Schilddrüsending,wo einzig Cortison hilft, das anderweitig Schaden anrichtet. Boah, älter werden ist echt nichts für Feiglinge, wie man so schön sagt. Alles Liebe und Gute und baldige Schmerzentlastung! Sunni

    • dreher sagt:

      Danke, liebe Sunni, das mit dem Älterwerden und den Feiglingen habe ich jetzt schon mehrfach gehört, scheint etwas dran zu sein 😂😅
      Ich lese mit Schaudern und Respekt von Ihrem Weg durch Schmerz und Beschwerden und wünsche Leichtigkeit und Mut, es weiterhin zu ertragen. Und vielleicht gibt es eine neue Therapie, man weiß ja nie 💙
      Alles Gute!

  7. Trulla sagt:

    Manche Spruchweisheiten haben ihre Berechtigung, oft erkennt man das erst, wenn man in der Situation drin steckt. Und da ich viel davon halte, möglichst nicht den Humor zu verlieren, nehme ich mir den einen oder anderen dieser Sprüche sogar zu Herzen, denn “ wer morgens ohne Beschwerden aufwacht ist tot“ wird so schnell zu „hurra, wir leben noch“!
    Natürlich klingt das etwas oberflächlich und soll nicht den individuellen Schmerz relativieren, der das Leben ziemlich erschweren kann und auch die Laune sinken lässt.
    Das habe ich auch schon erfahren und deshalb wünsche ich Ihnen, liebe Christiane, und allen Betroffenen gute Besserung und die Kraft, den Mut nicht zu verlieren.

    • dreher sagt:

      Danke für diese reizenden Sprüche, ich spüre sehr deutlich, dass ich noch nicht tot bin, hätte nur gedacht, dieses Zipperlein-Spüren-und-Gerede würde noch etwas auf sich warten lassen. Bin ich etwa schon dran? Nun ja, lieben Dank für Ihre Wünsche!
      Alles Gute auch zu Ihnen!

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