12 von 12 im Juli 2021

Blick aus dem Fenster.

Vermutlich das erste Mal, dass ich im Juli an 12 von 12 teilnehme. Schon am Morgen dachte ich, dass es zumindest farblich ein doofes 12 von 12 werden wird, es sah zumindest sehr nach Gewitter aus, hat sich im Laufe des Tages dann aber zu einem schwülwarmen halbbedeckten Tag entwickelt. Es hat schon zweimal geregnet im Juli, absolut ungewöhnlich, auch die sonnige Côte d’Azur hat einen „Schlechtwetter-Sommer“. Hat vielleicht auch mit dem Filmfestival zu tun, denn es regnet immer (!) während des Filmfestivals, darauf kann man wetten. Da kann man es verschieben so viel man will, Mai oder Juli, vollkommen egal.

Frühstück. Manche Dinge ändern sich nicht. Pepita wartet vor dem Küchenunterschrank.

Am Mittwoch ist Nationalfeiertag, ich bekomme heute außerdem vermutlich Spritzen in die Knie und weiß nicht, wie es mir danach gehen wird, deswegen machen wir heute früh umfassende Einkäufe. Da ich auch starke Schmerzen in der Schulter habe, bitte ich den Gatten, mich zu begleiten, ich kann fast nix mehr mit dem Arm machen, schon gar nichts Schweres (2 x 6 Flaschen Perrier zu Beispiel) heben. Seit dem Beginn von Corona vor anderthalb Jahren ist Monsieur nicht mehr im großen Supermarkt am Rande der Stadt gewesen. Er hat alle möglichen Veränderungen verpasst und versteht schonmal nicht, dass man nur noch zu zweit im Aufzug sein darf. Er starrt auch das dünne Papiertütchen verständnislos an, das ich ihm am Obststand reiche. Was ist das? Das ist eine Papiertüte, erkläre ich ihm, die haben die komischen Maisfasertüten abgelöst. Die gibt es jetzt hier für Obst und Gemüse. Aha.

Mit dem Gatten einzukaufen ist für mich ein doppeltes Logistikproblem. Zunächst muss ich eine zweite Einkaufsliste für ihn machen. Eindeutige und leicht auffindbare Dinge soll er in seinen Wagen werfen, den Rest nehme ich. Wir haben zwei Wagen, denken Sie sich schon. Die sind auch beide voll am Ende, das erstaunt mich immer wieder. Vor allem erstaunt mich, dass zwei Wochen später alles aufgegessen und aufgebraucht ist und wir von vorne beginnen. Erschwerend kommt hinzu, dass unser Metzger eine schlimme Bandscheibengeschichte hat und die Metzgerei bis auf Weiteres geschlossen ist. Der Kühl-Lieferwagen meiner Gemüsekisten-Mädels ist ebenso zusammengebrochen, sie können nicht mehr liefern. Ich komme also zeitgleich weder an gutes Fleisch noch an frisches Gemüse – zumindest in meinem derzeitig eingeschränkten Bewegungsradius. Der Gatte hat wenig Ambitionen meinen aufwändigen Markt (Gemüse, Obst, Fisch, Käse, Eier) – Supermarkt (Kaffee, Nudeln, Waschmittel, Katzenstreu, Klopapier, Rosé uvm.) – Metzger – Bäcker – Einkaufsmarathon zu übernehmen. Also wird heute ganz pragmatisch etwas mehr im Supermarkt eingekauft. Monsieur findet aber vieles nicht, der Supermarkt hat in der Zwischenzeit mehrfach umgeräumt, dafür nimmt er, wie von der Umräumaktion beabsichtigt, anderes mit. So haben wir am Ende doppelt Schinken, doppelt Melone, doppelt Desserts (nicht schlimm, wird aufgegessen) aber auch Dinge, die sich mir nicht erschließen: Mülltüten (wir haben Mülltüten bis Ende des Jahres) Dosenaprikosen (in Zeiten, in denen es frische Aprikosen gibt), salziges Popkorn, Chips, Kapern. Ich muss mich mit meiner Einkaufsliste und dem, was er nicht gefunden hat, beeilen, denn Monsieur geht schon zielstrebig zur Kasse. Ich schärfe ihm ein, dass er VOR der Kasse auf mich WARTEN soll! Sie lachen? Ich sags Ihnen, ich lache da nicht mehr.

Eingekauft

Zurück, räume ich alles dahin, wo es hingehört und freue mich wieder einmal über den neuen geräumigen Kühlschrank. Schon mache ich Mittagessen, früh heute, den ich habe zu bester Mittagspausenzeit mein (kurzfristig früheres) Rendezvous mit der Rhumatologue. Es gibt rohe Artischocken als Vorspeise für den Gatten, ich aß zwei Scheiben Wassermelone, dann von gestern aufgewärmtes Ofengemüse und frische Lammleber. Kein Käse, wir haben gerade einen anspruchsvollen (geschmacklich und olfaktorisch) Reblochon beendet. Als Nachtisch gibts Eis. Foto etwas spät aufgenommen.

Dann warte ich vor dem Haus; Monsieur fährt mich in die Innenstadt und parkt das Auto.

Ich gehe ein paar Schritte durch die belebte Rue d’Antibes und sehe Filmküsse im nur noch leicht bedeckten Himmel. Hier Simone Signoret und Yves Montand.

Wartezimmerromantik. Ich bekam erneut Kortison in die schmerzende Schulter/Oberarm, außerdem das Rezept für zweimal drei Hyaluronspritzen, die es in wöchentlichen Abständen demnächst in beide (!) Knie geben wird. Aber eben noch nicht heute.

Monsieur holt das Rezept für mich und dann das Auto, ich trinke, während ich auf halbem Weg auf ihn warte, einen Espresso, das Foto ist leider verschwommen, auch sehr unspektakulär, aber wer weiß wie lange das noch möglich ist, es wird ja alles schon wieder schlimmer. Kein Wunder eigentlich.

Wieder zuhause, beantworte ich ein paar Mails, daddel mit dem Telefon herum, klaue dieses schöne Foto meiner Kunst-Cousine @petrapan, die bereits das neue Frankreichmagazin liest!

Kümmere mich um die Katze, die einen 17 Uhr Snack einklagt, Wasser trinken will und außerdem Streicheleinheiten braucht.

Kleines Telefonat, schon gibts Abendessen. Wir bekamen Leisa-Nudeln von der Alb auf Linsenbasis geschenkt, die probiere ich heute Abend aus; ich esse sie mit selbstgemachtem Pesto und finde sie toll! Monsieur isst ein Stück Lammleber von heute Mittag und kaut unzufrieden auf den Nudeln herum, sie können ihn nicht überzeugen. Nichts geht über Nouilles (komische kurze Bandnudeln).

Monsieur schaut bereits einen alten Western, ich setze mich vielleicht dazu; später habe ich diese Nachtlektüre zu beenden.

So viel für heute. Danke fürs Anschauen und Lesen. Die anderen 12von12er wie immer hier!

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18 Responses to 12 von 12 im Juli 2021

  1. Ute sagt:

    😁 oh wie hat mich Deine Einkaufsgeschichte lachen lassen… könnte glatt bei uns beobachtet worden sein… Ute sucht für die guten Sachen zig Geschäfte und Stände auf, Milch am besten noch von der Milchzapfsäule beim Bauern, und wenn er dann mal einkaufen geht, am besten alles aus dem Supermarkt 😂 okeh, das Käseangebot ist da wirklich am besten… 🤩
    Vielen Dank für Deine 12 von 12 und gute Besserung für Knie und Schulter… 🌞
    😘
    Ute

    • dreher sagt:

      Es ist auch wirklich kompliziert: Oliven nur an diesem Stand, Käse dort, Gemüse bei der Dame da vorne, aber trotzdem mal einen Blick bei dem Herrn da hinten riskieren, vielleicht gibt es dort noch etwas anderes. Obst nur ganz hinten bei dem großen Stand … Neulich schickte ich den Gatten auf den Markt zum Einkauf, er kam mit sage und schreibe 5, in Worten FÜNF, Aprikosen zurück, die müssen wir uns einteilen, sagte er, weil sie so teuer waren! Ich war sehr froh über die Gemüselieferung! Das hat vieles vereinfacht.
      Danke für deine Wünsche! Liebe Grüße!

  2. Kapa sagt:

    Guten Abend
    Habe wieder gerne Ihren Tag verfolgt. Gute Besserung für die Knie und Schulter
    Liebe Grüße!

  3. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Einkaufen macht Gott sei Dank mein Mann. Als Koch war er es ja gewohnt im Großmarkt die Waren fürs Restaurant, bzw für die Schulküche zu kaufen. Er hat da so seine eigene Methode seinen Einkaufsschein zu schreiben. Bei mir dauert es auch viel zu lange, weil ich mir oft die Inhaltsstoffe auf den Produkten durchlese.alles was Palmöl enthält kommt schon mal nicht in den Einkaufswagen.😏hattest du denn ein MRT der Schulter und des Knies? Nur Spritzen bringen ja auf die Dauer nicht viel. Wünsche dir alles Gute. Und Schmerzen können einen zermürben. Schöne Grüße, Elli

    • dreher sagt:

      Wie toll, ein Mann, der einkauft und kocht!
      Danke! Ja, es gab das ganze Paket, Röntgen, Ultraschall und IRM/MRT. Wir fangen ja erst an mit den Spritzen, bis eben habe ich nur Schmerzen ausgehalten. Es ist in der Tat ermüdend und zermuerbend.

  4. Sunni sagt:

    Oh, viel Erfolg mit den Spritzen! Bei mir lässt er nach Nr. 36 nach, was Wunder…
    Der Einkauf…Ich musste so lachen. Ich habe da noch Erweiterungen: Mein Mann pflegt alles! noch einmal ordentlich (sooo wichtig) in meinem EInkaufswagen zu ordnen(mein BLutdruck steigt bei jedem Produkt), dann muss auf dem Kassenband gleiches nochmal passieren (RR schon bei 180/90) und danach, hier räumt keiner in Tüten, also nochmal die Show mit ordentlichem Einräumen in den Wagen, während andere Kunden schon schnaufen, sehr laut schnaufen und mein RR…nun ja, über 200 ist. Am Auto dann die Frage: Warum wirfst du das alles so schnell in die Taschen…WEIL ich es hinter mir haben will und hier weg will! Und darum kaufe ich sooo gern allein ein. Wenn es irgend geht! Alles Gute für Schulter und Knie!Sunni
    P.S. Ja, das Magazin ist seit gestern da und die Kolumne wunderbar.

    • dreher sagt:

      Ach je, 36 Spritzen. Wenn ich das dividiere durch zwei Knie und jeweils Séancen von drei, dann komme ich nur auf sechs Jahre pro Knie. Das ist so hoffentlich nicht gemeint? Darf ich wenigstens auf 18 Jahre hoffen? Dann wäre ich 76 und könnte mir vielleicht zwei neue Knie kaufen.

      Bei uns bin ja ich diejenige, die bedächtig einpackt (man bekommt an französischen Kassen auch keinen Druck! Alle Zeit der Welt! Was deutsche Urlauber in der Regel verrückt macht) – der Gatte wirft die Melone auf die Aprikosen (die frischen, nicht die in der Dose) und auf die Eier und zerquetscht die Tomaten und die Bananen mit dem Flüssigwaschmittel. Das macht MICH wahnsinnig. Ich kaufe auch gern allein ein, es dauert aber zugegebenermaßen deutlich länger und derzeit geht es einfach nicht.
      Schön, dass das Magazin schon da ist! Dann kommt meines auch bald!

      • Egon B. sagt:

        Oh, geht’s nicht flotter? Gute und schnellere Besserung jedenfalls! Tatsächlich, ich gehe in den französischen und – besonders – in den belgischen Supermärkten beim Einkauf auch auf meine ganz hohe „deutsche“ Palme ungewollt oft hoch! :-)) Die alle kaufen nicht ein, die leben im Supermarkt einfach. Hatte mal in einem F-Kommerzzentrum direkt nach der Kassenreihe eine gut ausgestattete „Ausruhecke“ mit den Mikrowellen gesehen – zum Aufwärmen… dachte – die spinnen – die Gallier! :-)

        • dreher sagt:

          Das war vielleicht bei Picard? Das gibt es nämlich in Gewerbegebieten, wo es keine Restaurants gibt. Picard ist der Tiefkuehlsupermarkt, man kauft dort ein und kann es in der Mikrowelle aufwärmen und dort auch essen. Hat mich auch verwirrt, als ich das zum ersten Mal gesehen habe.
          Danke für die Wünsche!

          • Egon B. sagt:

            Das hat mich auch gewundert: Bei drei unterschiedlich guten Restos in dem Kommerzzentrum und ein paar anderen – noch besseren – extra draußen – noch diese Gelegenheit, sein Mittagessen zu „vermikrowellen“ :-) nur witzig, gerade in F…

          • dreher sagt:

            🤷

      • Sunni sagt:

        Ich kann nur von mir urteilen. Pro Knie jeweils 5 Spritzen Hyaloron im Abstand einer Woche, 6 Wochen davor je eine Cortison, nie gleichzeitig! Erfolg hielt zwischen 3 und 7 Monaten, die letzen Cortison nur 2-3 Tage. Es gibt neue Hyalorosnspritzen, sollen für ein Jahr halten und sind 2-Kammerspritzen, je eine pro Knie, also weniger Gefahr einer Infektion, die ja jeder Stich immer auch bedeutet. Muss ich ausprobieren, die hatte ich noch nicht, sind auch noch nicht so lange auf dem Markt, sind eine Kombi aus hochmolekularem und niedermolekularem Hyaloron. Ich werde berichten, wenn ich hingehumpelt-fahren bin. Dauert noch, Cortison zu frisch. LG u gute Besserung! Die Schmerzen sind oberfies! Sunni

        • dreher sagt:

          Danke für die Informationen! Die Einmal-Spritze hat sie mir vorgeschlagen, gleichzeitig aber gesagt, dass Sie dreimal eine Spritze bei mir bevorzugen würde, insofern mache ich das. Alles Gute für Sie. Ich drücke uns beiden die Daumen. Ja, die Schmerzen sind fies.

  5. Marion sagt:

    Dieses Buch von Julie Zeh steht auch auf meiner Lese-Liste, aber ich bin ja oft so unkonzentriert. Das Frankreich-Magazin liegt in meinem Supermarkt in einer versteckten Ecke, so dass ich schon mal heimlich Deine Kolumne lesen kann (schnell, schnell), aber manchmal kaufe ich es auch. Glaube, mit einer Haustier-Anschaffung warte ich zumindest bis zum Rentenalter – viel Verantwortung und Zeitaufwand. Das Gleiche scheint ja für die Ehegatten-Anschaffung zu gelten…😉. Aber na klar, man „bekommt auch was zurück“ 😁. Mach‘ doch mal ’ne Kur ganz allein, damit Du mal aus dem Stress rauskommst und Dich erholen kannst!? Linsen- und Erbsennudeln sind eine nette Abwechslung auf dem Speiseplan, finde ich auch. Bonne fête morgen!

    • dreher sagt:

      😂🤣😅 Dann eine Katze wählen, die kackt unverfroren in den Nachbargarten und muss nicht bei Wind und Wetter und mit lahmen Beinen Spazieren geführt werden!
      Die Wahl des Gatten sorgfältig erwägen!
      Nee, Spaß beiseite, man wird ja auch älter und will mit kaputten Knien und Übergewicht geliebt werden. Das hält sich schon die Waage. In etwa. 😅
      Danke!

      • Marion sagt:

        Du hast das falsch auf dich bezogen. Mit ‚high maintenance‘ meinte ich eigentlich Monsieur. So kommt es mir jedenfalls oft vor. Aber was weiß frau schon über fremde Beziehungen 😉. Und wir kennen seine Meinung ja nicht 😣.

      • Egon B. sagt:

        Bei uns im D-Westen entscheidet man in der letzten Zeit öfter eher für die neuen Hunde :-) Und wenn le Toutou lahm wird, wird der weggespritzt, so einfach wird es… Katzen sieht man immer weniger…