Filter im März

Gleich ist übrigens Weltschlaftag, wussten Sie das? Nein? Dann liestu hier: schade, klappt nicht mit dem pdf… seufz…ich kopier Ihnen den Text meiner Kolumne eben so rein :)

Mehr Schlaf! oder Im Märzen der Bauer…

Sie sind ein bisschen müde? Keine Sorge, völlig normal, wir nähern uns nämlich dem Welttag des Schlafes! „Schlaf ist wichtig für Wohlbefinden und Leistung“, sagt die Weltgesellschaft für Schlafmedizin. „Schlaf ist ebenso wichtig wie Essen und Trinken“. Mir kommt dieser Tag gerade recht, gähn, und da es schwierig werden dürfte, dem Chef zu erklären, dass der Kopf auf der Tastatur grundsätzlich mit Leistungssteigerung zu tun hat, gehen wir besser zurück ins Bett und schlafen noch ’ne Runde. Misstrauisch stimmt mich jedoch, dass der „Welttag des Schlafes“ exakt einen Tag vor dem „Welttag der Hauswirtschaft“ liegt, der gleichzeitig Frühlingsbeginn ist. Vermutlich wurde der Tag so gewählt, damit wir den Frühjahrsgroßputz ganz ausgeruht angehen sollen. Was mich persönlich ein bisschen enttäuscht, nachdem doch gerade erst der „Internationale Frauentag“ war; kaum haben wir ein bisschen für unserer Rechte demonstriert, schon werden wir wieder in unsere Schranken verwiesen: „Ruh‘ dich heute mal schön aus Schatzi, morgen ist dein Welthauswirtschaftstag“. Warum nur habe ich den Eindruck, dass diese Gedenktage von Männern erfunden wurden?!

Obacht! Es ist auch „Welttag der Rückengesundheit“. Lehnen Sie sich daher während der Weltfensterputztage nicht zu weit hinaus! Und gehen Sie’s locker an: mit einem flotten Fünfzeiler auf den Lippen, geht uns die Hausarbeit geradezu spielerisch von der Hand: „Welttag der Poesie“ ist nämlich auch noch, quasi als moralische Unterstützung. Die Herren haben einfach an alles gedacht.

Anderen Gedenktags-Listen nach, ist der „Welttag des Schlafes“ jetzt auf den Sommeranfang umgelegt worden, was ich auch viel logischer finde, da sind die Tage schon so lang und die Abende lau, da vergisst man leicht vor lauter draußen herumsitzen und noch ein Bierchen trinken, dass auch hier der Schlaf nicht vergessen werden sollte, denn „Alkohol, Kaffee und Genussmittel beeinträchtigen den erholsamen Schlaf und damit die Leistungsfähigkeit“. Mir scheint, die Schlafgesellschaft arbeitet eng mit der Arbeitgeberorganisation zusammen. Da sind natürlich die Café- und Kneipenbesitzer gekränkt und haben den „Welttag des Bieres“ im Frühjahr und den „Weltag des Kaffees“ im Herbst dazwischen geschaltet.

Ich bin sicher, es wäre grundsätzlich leistungssteigernd, wenn es den „Welttag des Schlafes“ mehrfach im Jahr gäbe. Der könnte dann gern auch „Welttag des Kopfkissens“ heißen, oder „Welttag des Mittagsschlafes“.  In Südfrankreich ist die mittagliche Sieste ungeschrieben im Gesetz verankert. Ein schöner Zug der Franzosen finde ich. Wer täglich ein Mittagsschläfchen machen darf, ist insgesamt viel weniger müde. Frühjahrsmüdigkeit ist dann auch logischerweise in Frankreich völlig unbekannt. Forderungen nach dem Mittagsschlaf in Deutschland werden jedoch seit Jahrhunderten untergraben. Die letzten Worte Goethes waren angeblich „mehr Licht“, wobei er nach gut unterrichteten Kreisen vielmehr auf die Qualität seiner Liegestatt während des Mittagschlafes verweisen wollte und in seinem mainfränkischen Dialekt eigentlich nur „mer liescht … hier so schlecht“ sagte. In volkskundlichen Archiven fand man kürzlich die Ur-Version des bekannten Volksliedes Im Märzen der Bauer… Ha! Von wegen sich regen und Rösslein einspannen … sich mittags entspannt lautet die Fortsetzung des Textes, der in seiner ursprünglichen Version geradezu eine militante Forderung nach dem Mittagsschlaf ist! In diesem Sinne: Zurück ins Bett oder wahlweise aufs Sofa, und entspannen Sie sich noch ein Viertelstündchen… dient alles der Leistungssteigerung!

veröffentlicht im Filter Stadtmagazin Regensburg,  Heft 110 vom März 2012

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3 Kommentare zu Filter im März

  1. Barbara sagt:

    Sehr schön. Dem kann ich mich nur anschließen. Schlaf wird generell unterbewertet.
    (Am eigenen Leib erfahren, seit das Söhnchen auf der Welt ist.)

  2. Olaf (Hamburg) sagt:

    Sehr schön.
    Vor etlichen Jahren schon hatte ich die Idee, eine Liga für den Winterschlaf zu gründen. Mit einer Dauer von jeweils Ende Oktober bis Mitte März des Folgejahres. Der Mensch mümmelt sich unter Fortzahlung von 50% der Bezüge/ des Gehaltes in einer Höhle ein, bestellt für diesen Zeitraum alles mögliche (Telefon, Abos etc.) ab. Die anderen 50% bekommt dann der, der den Job vertretungshalber übernimmt. Da bestimmt sehr viele in den Winterschlaf gehen würden, wäre der Arbeitsaufwand dann nicht übermäßig groß und alle wären glücklich. Ärzte könnten das umfassende Programm „Betreutes Schlafen“ betreuen, könnten vorher im Herbst ein besonderes Ernährungsprogramm begleiten (Winterspeckbildung) und heutzutage könnte man das ganze ohnehin rationell online über Sensoren sichern. Mein Arzt guckt dann einmal am Tag nach, wie es um meinen Blutdruck etc. bestellt ist.
    Und im März ginge es dann mit neuen Kräften frisch zur Sache. Allerdings fiele Weihnachten dann wohl aus, was dem einzelnen auch noch Geld sparte.
    Leider habe ich nur wenig Leute gefunden, die für die zu gründende Liga Beiträge tatsächlich hätten zahlen wollen… Ansonsten fanden viele die Idee im Prinzip gut.
    Aber das Angebot steht nach wie vor.
    Na ? ;-)

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