Endzeitstimmung

Wird sie bald noch mal was schreiben, diese Christjann?, fragen Sie sich vielleicht. Ja, nein, doch. Heute. Aber nein, nein, dies ist nicht der ultimative amüsante Text zum Weltuntergang, den habe ich schon an anderer Stelle verbraten. Dieser Blog leidet bedauerlicherweise darunter, dass ich das Schreiben zum Beruf gemacht habe.

Jede Woche und bislang zusätzlich einmal monatlich ein amüsantes Textchen zum deutsch-französischen Alltag liefern, ist in Ordnung, aber wenn ich früher dachte „da schreib‘ ich was im Blog“, denke ich jetzt, „oh, prima, ein Thema für die Kolumne“. Damit ist mein Bedarf an heiterer Schreibe gedeckt und Mehrfachverwertung ist zumindest in einem Fall ausgeschlossen. Das heißt, ich verkaufe meine Texte, sie gehören mir danach nicht mehr. Nun sind zusätzlich gleich zwei Bücher in Sicht: an einem werde ich mitwirken, ein anderes wird „mein“ neues Buch. Super, werden Sie sagen, und ja, ich stimme Ihnen zu, ich bin stolz und froh darüber. Und auch, wenn „mein“ Buch etwas ganz anderes werden wird (viel darf ich noch nicht sagen), es wird viel von dem einfließen, was ich hier erlebe und lebe. Ich werde mich in den kommenden Monaten ganz darauf konzentrieren und es wird, eine Zeitang zumindest, vermutlich (noch) ruhiger auf dem Blog werden. Nur, damit Sie das schon mal wissen.

Ich denke aber ganz viel an den Blog. Will auch immer mal was veröffentlichen, aber dann kommen andere Dinge dazwischen, die keinen Aufschub dulden, und wenn ich frei habe, dann backe ich in dieser Jahreszeit Christstollen, was eine Ganztagesangelegenheit ist, hüte hin und wieder zwei Kinder, was eine auspowernde Angelegenheit ist, zum Entspannen gehe ich zum Yoga, und um ein kreatives Gegenwicht zum Worte schmieden zu haben, gehe ich zum Malen. Ich mag gern große Flächen mit viel Farbe füllen. Ist toll! Früher saß ich dann gern abends noch spät am Rechner und schrieb Blog, aber jetzt, wo ich eh‘ schon so viel schreibe, ist das Bedürfnis mich noch spät an den PC zu setzen, um mich schreibend der Welt mitzuteilen ehrlich gesagt weniger dringend. Und so stricke ich jetzt abends lieber. Sie wissen gar nicht, wie bedeutungsvoll dieser Satz ist. Ich und stricken! Aber vor drei Jahren habe ich mir in Deutschland zwei Wollsets gekauft, einfach so, sie sprangen mir geradezu in den Einkaufswagen, keine Ahnung, was ich mir dabei dachte, in Deutschland habe ich manchmal so komische nostalgische Anwandlungen. Und siehe da, schon drei Jahre später, fange ich an zu stricken. Es wird natürlich nur eine ärmellose Weste, das einfachste Modell, da sich finden konnte. Man darf mein Strickwerk auch nicht so genau ansehen, Fehler, Löcher en masse, aber ich bin ganz stolz, ich mache das alleine! Ich muss mir dazu alles wieder im Internet zusammen suchen: Maschen zunehmen, abnehmen, abketten und ganz wichtig, und was ich noch nie konnte: runtergefallene Maschen hoch holen. By the way, falls Sie ein lukratives Geschäft anleiern wollen: Rundstricknadeln sind in Frankreich noch unbekannt! Die Familie hier staunte Bauklötze. Das mache ich also, während ich mit halbem Ohr und Auge irgendwelchen Krimiserien folge. Gibt es in Deutschland eigentlich auch nur noch Krimiserien im Fernsehen?

So geht’s. Und siehe da, schwupps ist eine Woche rum, das Thema über das ich schreiben wollte, nicht mehr aktuell und ich muss schon wieder einen Text (für Geld) liefern.

Ich wollte eigentlich nämlich und eigentlich nämlich sogar noch vor Verlaines Herbstgedicht ganz viele Herbstbilder posten. Ich war nämlich kurz im Kloster auf der Insel zum Ausatmen und es war wunderbar schön dort. Sonnig und blauhimmelig und so was von Grün überall, Granatäpfel hingen prallreif an den Bäumen, Oliven wurden geerntet, Möwen kreischten und die Wellen klatschten an die steinigen Strände. Und das alles im November, für mich jedes Jahr ein Wunder, wie warm und hell es hier sein kann. Leider verschätze ich mich jedes Jahr aufs Neue mit dieser Wärme, die trügerisch ist, denn windig ist es auch, auf den Inseln nochmal mehr, und kaum ist die Sonne weg ist es sofort kalt, feucht und ungemütlich. Das Kloster war kurz vor der Jahreschließung und daher nicht geheizt und ich daher ratzfatz krank. Die Reste davon sind noch hörbar in stetem Röcheln und Räuspern.
In der Zwischenzeit haben wir dann auch ordentlich nasse und graue Tage gehabt, wie viel Regen hier so runterprasseln kann und das tagelang ist auch beeindruckend. Seit heute ist es jetzt auch hier temperaturmäßig im einstelligen Bereich, nur damit Sie nicht neidisch werden, wir haben heute, am ersten Dezember, rechtzeitig zum ersten Advent, auch Kälteeinbruch, jawoll! Soll ich da jetzt noch die Sonnenfotos von vor vier Wochen posten? Sehen Sie, so geht’s mir die ganze Zeit. In den Bergen fiel bereits viel Schnee, wie schön, denn nächstes Wochenende ist in Chateauneuf mal wieder Weihnachtsmarkt. Ich habe dafür schon zwei Fuhren Christstollen gebacken und habe mir jetzt alles haarklein aufgeschrieben, damit ich nächstes Jahr nicht wieder zwischen all den unterschiedlichen Notizen herumsuchen muss und dann im Internet, auf der Suche nach Erleuchtung noch zusätzlich verzeifle. Wissen Sie wie viele „originale“ Christstollenrezepte es gibt? Googlen Sie das mal. Der Hammer! … und dann geht der Teig dennoch nicht auf und der Christstollen sitzt schwer wie Blei auf dem Blech. Da die Franzosen aber sowieso immer alles eintunken, mache ich mir nun auch über den festen trockenen Stollen insgesamt weniger Sorgen, wird schon… Aber, dass ich angeblich Original Dresdener Christstollen beim Discounter für 2,49 € erwerben kann, hat mich dann doch kurzzeitig aus der Bahn geworfen. So viel kosten gerade die Mandeln, für einmal Backen …

Hier ist morgen große Geburtstagsfeier, in Frankreich hat man ja kein Problem, alle anfallenden Geburtstage auf einen Tag zu legen, damit es für alle Beteiligten praktischer ist und vorfeiern ist ja sowieso auch kein Problem, insofern werden morgen drei Geburtstage gefeiert (einer nach, zwei vor). Nein, nein, nicht ich, wenn Sie das meinen, ich komische Deutsche kann nicht vorfeiern, das bringt doch Unglück! Auch wenn ich konstatiere, dass bislang niemandem der Himmel auf den Kopf gefallen ist, trotz aller Geburtstags-Vorfeierei. Ich werde meinen Geburtstag sowieso gar nicht feiern, weder vor und auch nicht nach. Ich werde verreisen, juchuh!

So viel für eben. Vielleicht schaffe ich in den nächsten Tagen noch den Text, den ich eigentlich schreiben wollte, … den endzeitlichen nämlich, aber das hier musste auch gesagt werden… und jetzt wünsche ich Ihnen allen einen frohen ersten Advent!

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4 Antworten auf Endzeitstimmung

  1. Gerd Ziegler sagt:

    Dauergrins :-)

    Originalrezepte… Har har har…

    Da glaubt der Mensch, dass es DAS Originalrezept für Stollen, Spreewälder Gurken, Leipziger Allerlei, Kölsche Kaviar oder sonstigen Originaler Zubereitung für was auch immer gibt.

    Nur Mut. Wenn es schmeckt, ist es Original genug. Getunkt oder Ungetunkt :-)

    Habe mich köstlich amüsiert – eben Original Christiane Dreher :-D

    Und wenn man mal etwas länger nach einem Text lechzt, ist das auch Original :-)

  2. Ute Scheewe sagt:

    Ich bin kein Spam. Ich bin kein Spam. Ich bin kein…

    Liebe Frau Dreher,
    auch Ihnen einen schönen Advent.

    Die Überschrift Endzeitstimmung passt so gar nicht zu diesem Artikel (wie ich dann unten auch lesen konnte, kommt der ja erst noch… ), Sie sprühen ja vor Leben, wenn man das alles liest. Freu mich richtig. Und das mit dem Buch finde ich wirklich super, ist ehrlich gemeint. Eigentlich wieder ein Neuanfang…

    Im Kloster war ich auch schon mal, eine Zeit der Ruhe und den Weg neu bestimmen, so kann man es vielleicht nennen. Wird manchmal belächelt, aber wenn es einem gut tut, warum nicht ??

    Mit Backen habe ich nicht soviel am Hut , aber gutes Gelingen !!!

    Dann auf bald mal wieder, im Blog oder per Buch, herzliche Grüße aus Berlin, Ute

  3. TONI sagt:

    Wir finden Deine heruntergeplapperten Texte einfach köstlich.
    Du brauchst gar nicht über ein vorgegebenes Thema zu schreiben. Einfach loslegen und es liest sich toll.
    Weiter so.
    Angelika und TONI

  4. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Hallo Christiane, ich habe vor kurzem gesehen, dass Du bei Facebook online warst. Da habe ich gedacht“ Christiane hat lange nichts mehr geschrieben“ und kurze Zeit später schreibst Du was. Schön, einfach etwas von Dir zu hören. Und toll, dass der Weihnachtsmarkt in Chateauneuf sich etabliert hat. Nach vielen Jahren habe ich letztes Jahr das Stricken entdeckt. Und es macht Spaß. Habe mir ein Buch mit DVD dazu geholt. Und letztes Jahr eins zum Sockenstricken. Das war super. Jetzt bekomme ich schon Aufträge von Freunden und Familie. Es gibt nichts schöneres am Abend: Socken stricken und nebenbei einen Krimi sehen. Einen schönen Advent wünscht Elli