Cannes zu Fuß – Rue de la Croix, Rue Louis Blanc

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Als ich auf der Suche nach Heldenstraßen unterwegs war, sind mir noch zwei andere Straßen dazwischen gekommen – beide so im Umkreis der mittleren Avenue de Grasse, zu Ihrer ungefähren Orientierung. In der Rue Henri Paschke begnete mir ein Kätzchen, natürlich musste ich ein bisschen mit ihm plaudern, es räkelte sich dabei an einer vermutlich wohlriechenden Straßenecke behaglich auf dem Boden und ging mir dann immer ein paar Schritte voraus in die Rue de la Croix. So kam ich zu dieser kleinen Straße, die natürlich mal wieder an der Avenue de Grasse mit links einem Blick auf die Altstadt und rechts einem Blick auf eine der vielen gestutzten, weil kranken Palmen endet. Eine ruhige Wohnstraße mit mindestens einem verwunschenen Garten und einem, ich würde sagen, frühen Hochhaus. Das Zusammenleben scheint dort trotz der vermeintlichen Idylle nicht ganz reibungslos zu klappen: große Schilder am Eingang weisen in Großbuchstaben und strengem Ton darauf hin, dass Sauberkeit im Flur und auf dem Grundstück eine Aufgabe aller sei.

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Am Ende angekommen, wählte ich die einspurige Rue Louis Blanc, die leicht kurvig bergab zur Schnellstraße führt, aber auch jenseits der Schnellstraße noch weitergeht. Ist sie diesseits der Schnellstraße eine relativ ruhige und enge Wohnstraße mit ein paar leerstehenden Geschäften (ein Klempner und eine Drogerie) öffnet sie sich Richtung Schnellstraße weit und wird gesäumt von riesigen Appartementhäusern deren klangvolle Namen  Marie-Antoinette oder Le Président, zumindest mir unpassend vorkommen.

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Von dort sieht man jetzt auch das Meer und ein paar Schiffe. Jenseits der Schnellstraße führt sie steil bergab, es wird laut und wimmelt von Restaurants und Immobilienmaklern, zur Rechten geht es ein paar Stufen hinunter zum Markt (dort wo wir neulich mit dem Kreuzweg Halt gemacht haben), links, an der Ecke zur Fußgängerzone Rue Meynadier kommt eines der wenigen alten Cannoiser Geschäfte, ein Hutmacher, le Chappelier Tesi, der seine Schaufenster schon festivalmäßig dekoriert hat, gegenüber Ernest, DER Cannoiser Traiteur und Patissier, und Astoux & Brun breiten sich hier unten immer weiter aus. Während man früher seine zwei Dutzend Austern direkt im Meeresfrüchterestaurant kaufte und dort oftmals im Weg stand, wenn riesige Platten mit Austern auf Eis eilig hin- und hergetragen wurden, ersteht man nun Austern, Krabben, Muscheln oder Hummer für zu Hause, ungestört und ohne zu stören, aber in weniger charmantem Ambiente auf der anderen Straßenseite in einem neu eröffneten Laden. Das quirlige, laute untere Ende der Rue Louis Blanc habe ich vielleicht nicht ausreichend dokumentiert, was mir jetzt leid tut, aber zu oft bin ich hier, und eigentlich war ich auf der Suche von Heldenstraßen und habe zumindest dem unteren Ende der Straße nicht die Aufmerksamkeit gewidmet, die sie verdiente. Louis Blanc (1811-1882) war übrigens ein früher Sozialdemokrat, der nur seine allerletzten Lebensjahre in Cannes verbrachte.

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Ich habe ja jetzt eingeplant, dass mich Menschen ansprechen und hatte extra Visitenkarten dabei, für den Fall, dass … aber der ältere Herr, der mich ansprach, als ich den wundervollen Garten des großen Wohnhauses, in dem er im Souterrain lebt, fotografierte, war gar nicht böse, er hatte einfach nur Langeweile. Eilig kam er aus seiner Wohnung und redete auf mich ein, es war nicht so wahnsinnig interessant, er konnte nichts zu der Straße erzählen, er roch leicht nach Alkohol und hatte einige Schrammen und Pflaster im Gesicht. Nach einer Weile verabschiedete ich mich von ihm, und da er mir noch etwas nachlief, er hätte gern noch ein Weilchen geplauert, ging ich weiter, ohne den verblassten Schriftzug der verlassenen Drogerie fotografiert zu haben –

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2 Kommentare zu Cannes zu Fuß – Rue de la Croix, Rue Louis Blanc

  1. Marianne sagt:

    Bonjour Christjann,
    wir sind zurück aus Italien vom Lago d’Iseo- einfach wunderbar, obwohl das Wetter ganz tolle Kapriolen schlug. Aber ich hatte sowas von genug und musste mal ne Abwechslung haben.
    Danke für die alten Schätzchen- Michel freute sich sehr darüber und ich habe anhand eine Tel-Nummer, die als Werbung über einem Laden zu sehen war, herausgefunden, dass dieses Retro Festival in 83120 Plan-de-la-Tour stattfand. Nun denn, wir haben es uns als Nächstjähriges Urlaubsziel vorgenommen.
    Und: ooh nein, nicht schon wieder auf die Knie gefallen, tut mir sehr leid, aber es ist auch zu verflixt, wenn man mal angeschlagen ist. Weiterhin gute Besserung.
    Danke für die hübschen Wanderungen durch Cannes. Ich gehe weiterhin sehr gerne mit. Grüße an Alle.

    • dreher sagt:

      Liebe Marianne, ich war mal am Lago d’Idro – das war auch wunderbar, obwohl wir dann zum etwas quirligeren Gardasee weitergefahren sind – mein damaliger Freund fand es an dem kleinen verträumten See zu langweilig –
      genau, Le Plan de la Tour, eine kleine dreiviertelstunde entfernt von St. Tropez, sehr nett dort :) und Cannes ist nur etwa anderthalb Stunden entfernt !!!
      Ja, aufs Knie, bin mit dem Turnschuh im Saum hängengeblieben, den hats zwar gefetzt, aber es hat mich doch ordentlich aus dem Gleichgewicht gebracht – lauftechnisch etc. ein leichter Rückschlag :( die Straßen sind noch ein Nebenprodukt der Heldenstraßen, muss jetzt erst mal wieder langsamer machen, grummel … lieben Gruß!!!

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