Sommer in den Bergen

Nein, liebe Leute, ich bin dieses Jahr nicht da oben, ich sitze am Schreibtisch und schwitze … in jedem denkbaren Sinn … aber heute morgen kamen über das famose FB zwei Filmchen von „da oben“ in meine laute und heiße Stadtwelt geflattert, die mir Tränchen in die Augen trieben und ich mache daher etwas Blog-Recycling angereichert mit zwei Filmchen von Jean-Pierre Champoussin,

dem ehemaligen Besitzer eines kleinen Lädchens in Guillaumes, das seither vor sich hindümpelt und (ein bisschen wie „meine“ Auberge) von einem Besitzer zum anderen wechselt, keiner hatte je wieder die Lust und Energie, sich dort so einzubringen wie das Ehepaar Champoussin. Monsieur Champoussin hat als Rentner begonnen, das Tal, die Dörfer und seine Menschen zu dokumentieren. Auf seiner Site finden sich jede Menge Fotos und Filmchen aus den Bergen, wie ich sie erlebte und auch immer noch erlebe – hin und wieder zumindest; falls Sie mal stöbern wollen… klicknSie hier. Ich stelle mal zwei Filmchen von Monsieur Champoussin ein, eines von der Transhumance, dem Auftrieb der Schafe auf die Sommerweide und eines von einer Messe in St. Elisabeth, der kleinen Kirche von Barels, dem verlassenen Dorf, von dem ich vor zwei Jahren berichtete. Der Pfarrer, der das gesamte obere Vartal betreut, wandert im Sommer jeden Montag mit denen, die zu Wanderung, Picknick im Grünen und Messe Lust haben, zu einem anderen kleinen verlassenen Ort (zu dem es keine Straße gibt) und hält dort die Messe ab. Monsieur Champoussin interviewte dazu auch Monsieur Léa, einen ehemaligen Postboten, der sich an seine Kindheit und Jugend erinnert. Als Waisenjunge wuchs er hier auf einem Hof in Barels auf. Die Schule war nur an sechs Monaten im Jahr geöffnet, es gab 16 Schulkinder und 60 Einwohner zu dieser Zeit. Es gab die kleine Kirche und der Pfarrer betreute damals schon mehrere Gemeinden (M. Léa sagt, le curé faisait la navette entre Châteauneuf et les Tourres) Und im Juli zum Patronatsfest St. Elisabeth sammelten die Mädchen am Vorabend Blumen in den Wiesen und kamen mit Körben voller Blumen(köpfe) zum Fest und man neckte sich, in dem man sich mit Blumen bewarf „la bataille des fleurs“– so wie es hier zum Beispiel in Nizza zum Karneval noch üblich ist.

Meinen Text, den ich über Barels geschrieben habe finden Sie (klick) hier.

Und hier noch das Filmchen zur Transhumance:

Verstehen Sie, warum ich Tränen in den Augen habe? Merci, Monsieur Champoussin!

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7 Antworten auf Sommer in den Bergen

  1. Angela sagt:

    Liebe Frau Dreher,
    da wird es mir wirklich warm ums Herz! Können sie noch etwas zur Begleitmusik sagen, die Monsieur Champoissin ausgesucht hat? Ist der mehrstimmige Gesang vor dem Marienlied, welches ja international bekannt ist, typisch für die Region?
    Danke für musikalische Aufklärung nach Köln
    Angela

    • dreher sagt:

      Liebe Angela, ich freue mich, dass es Sie berührt – zur Musik kann ich aber leider gar nichts sagen, für mich klingt es wie ein polyphoner korsischer Gesang, ein „lamenti“ – ich wüsste nicht, dass es diese Art Gesang auch in dieser Bergregion gäbe; ich habe nur mal ein Konzert korsischer Gesänge dort oben gehört, aber eben korsisch … viele Grüße nach Köln aus Cannes!

  2. dreher sagt:

    Nachtrag zur Musik: M. Champoussin schrieb mir, die Musik sei entnommen aus: Christine Pluhar „Suda Sangue“; soweit ich das eben ermitteln konnte ist Christine Pluhar eine österr. Harfenistin und Lautenistin, spezialisiert auf alte Musik, sie lebt in Frankreich; Suda Sangue ist ein Teil des traditionnel auf Korsika (und auf korsisch) gesungenen Kreuzwegs, hier ein 30 Sek. Ausschnitt:
    http://www.deezer.com/track/5594032

  3. Marion sagt:

    Ach wie wunderbar! Kann verstehen, dass Dich da wieder die Sehnsucht packt, Christiane.
    Bei dem mehrstimmigen Gesang würde ich auch auf polyphone korsische Gesänge tippen (mir bekannt „I Muvrini“ und „A Filetta“).
    Liebe Grüße ans Mittelmeer und bis hoffentlich bald,
    Marion

  4. Sunni sagt:

    Ach wie wunderschön und herzerwärmend! Ich musste gleich an unseren mehrmaligen Aufenthalt in dem wunderschönen kleinen Bergdorf Rougon in der Haute Provence denken. Dort trafen wir Monsieur M., den freundlichen und warmherzigen Schäfer, der uns alles erklärte, das Wetter exakt vorhersagte, die Blumen zeigte, die Berge erläuterte. Als ich ihn um eine Unterschrift auf einem Foto bat, wurde er verlegen….Madamme, ich habe nicht gelernt zu schreiben, ich gehe, seit ich 10 bin, mit den Schafen auf die Weide. Sie haben mich nie um eine Unterschrift gebeten…Es gibt Gegenden, an denen unser Herz hängt. Und das ist gut so. Liebe Grüße, Sunni

    • dreher sagt:

      merci, Sunni, wie schön! Tatsächlich sind viele Schäfer nur kurz (oder gar nicht) zur Schule gegangen. Als ich in der Mairie gearbeitet habe, kamen oft rührend liebe Briefe in kinderkrakeliger Schrift, die um Zuteilung des Weidegebietes X oder Y baten, immer verbunden mit den besten Wünschen für die Gesundheit des Bürgermeisters. Und als ich auf dem Hof gelebt habe, kam immer mal der eine oder andere Schäfer und bat darum, dass meine Hofleute ihm bei all dem administrativen Schriftkram helfen möge, der heute nötig ist für dieses Metier.