Cannes zu Fuß: Le Canal de la Siagne – Super Cannes

Nun, ich will Sie ja nicht ständig mit erschütternden Nachrichten übefrachten, auch wenn mein Seelenfrieden nachhaltig gestört wurde durch die Ereignisse um Charlie Hebdo. Ich kann nicht mehr wegsehen und weghören, wie ich es all die Jahre machte, nach dem Motto derer, die hier Ferien machen: „wir nehmen aus (Süd-)Frankreich nur das Schöne mit“. Auch das Dunkle und Hässliche dieses Landes geht mich jetzt etwas an. Dass vor einer jüdischen Grundschule nicht mehr nur zu Schulanfang und -ende zwei Beamte von der Police Municipale stehen, die neben einer gewissen Aufmerksamkeit gegenüber potentiellen Angreifern vor allem versuchen den Verkehr zu regeln, wenn all die Mütter und Großmütter ihre quirlig herumspringenden Kinder in die Schule bringen oder wieder abholen, und dazu kurzzeitig mit ihren wahllos abgestellten Autos die Straße verstopfen, so wie das an allen Schulen hier der Fall ist, sondern nun Tag und Nacht auch mehrere schwer bewaffnete Militärs vor der Schule wachen, sehe ich mit schwerem Herzen. Und gestern habe ich endlich den Film Timbuktu angeschaut (ich verlinke hier mal eine Filmbesprechung der Kino-Zeit und mehrere Trailer), der hier letztes Jahr beim Festival viel Aufsehen erregte. Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse, hätte er vielleicht sogar die Palme verdient. Ich ging tief erschüttert aus dem Kino und verstehe nun, dass Frankreich vor ziemlich genau zwei Jahren Soldaten nach Mali geschickt hat (hier ein link, der jetzt hoffentlich funktioniert, zu einem meiner Beiträge im Januar 2013) um dem Terror (dort) ein Ende zu machen. Sie sehen, mir ist es schwer ums Herz – aber es muss doch auch weitergelebt werden, und man muss auch anderes sehen, das türkisblaue Meer oder andernorts vielleicht den unberührten Schnee, sonst wird es gar zu unerträglich.

K800_DSCN5576Insofern kommt hier ein, wie mir         K800_DSCN5577      scheinen will,  schon vor sehr langer Zeit  abgelaufener Weg, ich war dort bereits an einem der letzten Tage im vergangenen Jahr: Es ist der letzte Zipfel des Spazierwegs über dem Canal de la Siagne in Cannes. Ich habe mir übrigens für das Projekt „Cannes zu Fuß“ endlich einen richtigen Stadtplan zugelegt und habe eben sehr zufrieden gesehen, dass dieses Weglein darauf tatsächlich eingezeichnet ist. Sie sehen, wir befinden uns in den Hügeln von Cannes im edlen Villenviertel La Californie oder auch Super-Cannes gennant. Super, nicht weil es da super ist, sondern weil es „oben“ liegt ;)

Das letzte Restchen des Spazierwegs geht nicht besonders spektakulär los, man hat aber gleich einen wundervollen Blick auf die Bucht von Cannes, der einen ermuntert, auch graue Betonwände zeitweise zu ertragen.

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Er verwandelt sich aber gleich in einen netten, breiten Spazierweg, man kommt dabei (wie auch schon beim letzten Mal, klickstu –> hier) vorbei an Villen, die hinter hohen Mauern gut geschützt liegen, und hat immer mal wieder Aussichten auf Cannes.

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Und plötzlich unterquert man Le funiculaire, die ehemalige Bergbahn, von der ich schon so oft sprechen hörte, die ein ganz eigenartiges Schicksal erlitten hat und deren Anlage nun vor sich hin verrottet. Ich kletterte natürlich hinauf, das musste ich mir ansehen und schon bin ich bei einem anderen Thema … Le funiculaire wird mein nächster Beitrag! Der Spazierweg des überbauten Canal de la Siagne endet, hurrah! an einem Wasserbecken, das noch nicht ganz fertig gestellt ist. Aber hier plätschert das Kanälchen sichtbar vor sich hin, bevor es wieder unterirdisch wird und irgendwo unten in Cannes herauskommt. Am Ende des Weges hat man einen wirklich wundervollen Blick auf Cannes und das Cap Croisette.

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Eine Antwort auf Cannes zu Fuß: Le Canal de la Siagne – Super Cannes

  1. Birgit sagt:

    Liebe Christiane, schöne Bilder und ein nachdenklicher Text. Was du über die jüdischen Schulen schreibst macht mich sehr nachdenklich und betroffen! Lernen die Menschen nie?! Z.Z. ist Dresden auch sehr unruhig durch die Demos, das ist natürlich nicht zu vergleichen. Viel sind an allen Unsicherheiten auch die Medien Schuld und die Politiker in der Pflicht. Was wird aus der europäischen Idee? Es gibt z.Z. so viele Probleme in der Welt. Manchmal muss man dann einfach in die Natur gehen um den Kopf freizubekommen. LG Birgit