WMDEDGT 02/2016

Heute ist Tagebuchtag, „was machst du eigentlich den ganzen Tag“ heißt dieses kryptische WMDEDGT, zu dem Frau Brüllen allmonatlich ausruft:

Ich bin aufgewacht und schreibe seither in Gedanken schon an diesem Text. Das ist toll, aber eigentlich müsste ich an einem anderen Text arbeiten. Alles geht verquer in meinem Kopf. Vielleicht sollte ich Christine Cazon einen Gastbeitrag schreiben lassen, denn ich bin in der Transformationsphase. Nun, versuchen wir es kurz zu machen. Viertel vor Acht aufgewacht, es ist ein bisschen zu spät, denn wir haben Handwerker, die vor und hinter dem Haus werkeln, seit Dienstag genaugenommen. Angekündigt waren sie schonmal für vor Weihnachten und dann für Anfang Januar, jetzt sind sie also gekommen. Zwar nicht am Montag, wie uns treuherzig versichert wurde und auch letzten Donnerstag, wo sie schonmal Material bringen wollten, kamen sie nicht, aber am Dienstag waren sie dann überraschend da. Pünktlich um Acht klopfte es energisch an der Tür. Ich war noch im Nachthemd und es war mir peinlich. Es ist mir immer peinlich, wenn Postboten oder Handwerker früh und schon voller Elan klopfen und ich bin noch nicht angezogen. Aber ich bleibe manchmal bis kurz vor Zwölf so, wenn ich auf die eine oder andere Art in den PC vertieft bin. Wenn ich etwas gelernt habe in meinen zehn Jahre Frankreich dann, dass Handwerker einen eigenen Rhythmus haben. Sie haben sicher alle irgendwann Peter Mayle gelesen, Mein Jahr in der Provence, ich müsste es mal wieder lesen, um zu sehen, wie ich es heute finde. Ich fand ihn immer ein bisschen spöttisch mit den Franzosen. Dies ist ein anderes Land, es hat andere Gesetze. Und die Handwerker kommen oder auch nicht. So ist das. Voilà, halb neun, es rummst auf der Terrasse, die Handwerker sind da. Sie haben jetzt einen eigenen Schlüssel und können, sagen wir mal, durch die Hintertür kommen, natürlich haben wir so etwas nicht, aber auf jeden Fall haben sie jetzt einen eigenen Zugang direkt zur Terrasse und müssen nicht immer mit Sand und Zement durch die Wohnung stapfen. Mein Job ist, neben dem Begrüßen, mehrmals täglich freundlich Kaffee anzubieten. Allein das stresst mich schon. Wann macht man das? Und soll ich Kekse dazustellen? Bietet die französische Hausfrau dem Handwerker Selbstgebackenes an? Eine algerische Hausfrau verköstigt Monsieur immer mit allerhand Spezereien, wenn er im anderen Haus etwas werkelt. Einfach so, auch ohne, dass er speziell etwas für sie tut. Sollte ich das also auch? Einer der Handwerker ist Algerier. Mich verwirren solche Situationen immer noch. Ich habe daher vorgestern schon einen Teig für eine Apfeltarte gemacht und mich dann dagegen entschieden. Wenn ich das anfange, muss ich es vermutlich jeden Tag machen. Ich habe also nur Datteln und kandierten Ingwer dazugestellt und die Apfeltarte gestern für uns gebacken. Monsieur war glücklich, denn aus diätetischen Gründen gibts bei uns seit Wochen nur gedünsteten Apfel und halbfettes Naturjoghurt als Dessert. Ich schweife ab, ich weiß. Ich habe in Windeseile im Stehen gefrühstückt, trockenes Weißbrot im Toaster reaktiviert mit Butter und selbstgemachtem Johannisbeergelee, dazu gabs der Schnelligkeit halber einen Kapselkaffee. Seit ein paar Tagen versuche ich mich aus allerhand Gründen wieder vom Kapselkaffee zu entwöhnen und habe jetzt drei angefangene Tüten mit unterschiedlichem Kaffee herumstehen und mehrere Kaffeezubereitungsmaschinen. Ich habe mir geschworen, wenn ich einen Kaffee und eine Art Kaffee zu machen finde, mit der ich genauso guten Kaffee hinkriege wie mit der Kapselmaschine, dann höre ich mit dem Kapselkaffe auf. Noch bin ich nicht so weit. Der leckere Kapselkaffee wurde mit haltbarer Milch versetzt, weil  ich gestern vergessen habe frische zu kaufen. Ich wusste nicht, dass ich mich geschmacksmäßig schon so weit von haltbarer Milch entfernt habe, der leckere Kaffee schmeckt bäh, bitter metallisch irgendwie. Zweimal prüfe ich, ob die Milch noch frisch ist. Ist sie wohl, sie schmeckt einfach komisch. Ein Tag, der mit schlechtem Kaffee anfängt …

Jetzt sitze ich im Bett und schreibe schnell alles, was mir in den Kopf kommt, runter.

Ca va? Tranquille?, fragte Handwerker 1, als ich meinen Kopf aus der Tür strecke und einen Kaffee anbiete. Genau. Vous êtes bien tranquille? Das ist die Frage, die mir auch die neue Ex-Friseurin gestellt hat, die mir am Mittwoch neue gelbe Balkensträhnchen in die Haare geschmiert hat. Ich war jetzt zweimal bei einer jeweils anderen Friseurin, sie erinnern sich an das Dilemma, seither habe ich mich weder zum alten und lange nicht zu einem neuen Friseur getraut. Zweimal also war  ich in der Zwischenzeit bei einem anderen Friseur. Zweimal mit einem „naja“ Ergebnis, teuer wars auch jedes Mal und jetzt bin ich wieder gelb. Ich hasse es. Sie merken schon, jeder andere Tag wäre interessanter gewesen in dieser Woche als heute. Ich war versucht, den gestrigen Tag als den 5. auszugeben. aber ich will ja korrekt sein. Tranquille also? Das heißt so viel wie „haste nix zu tun und machst dir einen schönen Tag?!“ Pfft. Was soll ich Friseuren und Maurern vom Schreiben erzählen? Also sage ich jaja, tranquille, sollen sie doch glauben, was sie wollen. Ich habe bis gestern spät einen Film auf einem Streamingkanal gesehen, zu Recherchezwecken, jaja, würde der Handwerker sagen und vielleicht ein mon oeuil! hinzufügen. Glaub ich nicht, oder du kannst mir viel erzählen, heißt das. Filme schauen, toller Job. Ja, der Film hat mich aufgewühlt. Ich habe danach schlecht geschlafen und wild geträumt.

9.17 Uhr. Ich wollte eigentlich noch zwei andere Texte hier auf dem Blog veröffentlicht haben, aber wie das so ist, Christine Cazon drängt sich mehr und mehr in mein Leben. Wie schreiben sie denn? fragte mich neulich ein Herr wissbegierig. Eigentlich fragte er das ja Christine Cazon und nicht mich. „Je näher der Abgabtermin rückt desto intensiver und desto mehr“ antwortete ich lakonisch. Ebendas sagte mir ein Kollege, als ich ihn vor ein paar Jahren, immer auf der Suche nach einer Schreibregel, das gleiche fragte. Toll, das will kein Mensch hören, alle wollen hören, dass man diszipliniert morgens dies macht, und nachmittags das. Ich wollte das auch hören, aber so ist es nicht. Vor allem nicht, wenn man auch noch liebende Gattin und Haufrau und Putzfrau und Köchin ist und reizende Gästebewirterin und nebenbei auch was für sich und vor allem wieder etwas Sport machen will und überhaupt. Aber was erzähle ich Ihnen, das wissen Sie alles.

9.31 Uhr. Der Postbote bringt ein Päckchen, aber es ist nicht das, auf das ich seit gestern warte. Es sollte gestern vor 20 Uhr geliefert werden, noch ist es nicht da. Man kann das im Internet auf einem schönen grünen Strahl verfolgen, wo das Päckchen jetzt ist, es ist quasi schon da, dem Strahl  fehlt nur noch ein Zentimeter vor dem Ziel aber seit gestern morgen um 8.33 Uhr gibt es kein update mehr.

9.42 Uhr ich hätte Lust auf einen zweiten Kaffee, aber nicht mit haltbarer Milch. Ich könnte jetzt wegrennen und frische Milch und frisches Brot kaufen. Aber ich will diszipliniert schreiben, Herrgottnochmal. Also mache ich mir einen Tee. Grüntee, um genau zu sein. Manchmal will ich mir Kaffee ja komplett abgewöhnen, (immerhin nähert sich die Fastenzeit, wäre das nicht ein Anlass?) und kaufe dann extrem teuren Tee, aber auf lange Sicht schaffe ich es nie, ich hänge zu sehr am Kaffee.

10.56 Uhr Seit einer Stunde habe ich also die Persönlichkeit und das Thema gewechselt, dazu kann ich Ihnen natürlich gar nichts sagen, aber Sie sehen, es wird hier schon wieder fleißig gearbeitet, der dritte Band ist noch nicht erschienen und wir sind gedanklich schon beim vierten. Das Schreiben geht da aber viel weniger schnell, und schon klickt man im Netz herum, und achja in Köln ist Karneval und andernorts ist Fastnacht, davon merkt man hier in Cannes natürlich nichts, und in Nizza sind aus Sicherheitsgründen die Umzüge in den Stadttvierteln abgesagt worden. Es gibt nur die großen offiziellen Paraden unter ziemlich viel Sicherheitsaufgebot. Nicht sehr lustig. Karneval in Nizza hat mich aber noch nie wirklich gereizt und mich nervt jedes Jahr aufs Neue, dass er überhaupt erst nach Aschermittwoch beginnt. Weiß der Geier warum, vermutlich, damit es für die Touristen schon ein bisschen wärmer ist. Dieses Jahr bin ich doch auch schon ziemlich weit weg von alledem merke ich, und wenn man nicht inmitten dieses kölschen Gefühls mitschwingt, ist es wohl schwer angesichts der Weltlage ins Schunkeln zu kommen. Aber wenn Sie einen Karnevalstext wollen, dann kann ich einen von früher anbieten, hier bitteschön. Ich weiß, dass ich in den letzten Jahren hier und da mal etwas über den Karneval in Nizza geschrieben habe, aber anscheinend habe ich es schlecht verschlagwortet, so etwas merkt man ja erst später, wenn man nichts mehr findet. Ich sehe, dass jemand in Berlin meinen Blog seit einiger Zeit komplett durchliest, falls der oder die zufällig über die Karnevalstexte stolpern sollte, würden Sie es mir mitteilen? Danke!

11.10 Uhr Monsieur ist gerade türenknallend aus der Wohnung und in mein Büro verschwunden, in dem er gerade werkelt, weshalb ich, wie gesagt, nicht dort schreibe, sondern mich mit Katze, Tee und PC auf dem Bett halbwegs eingerichtet habe. Die Tür knallte er auch nicht aus Wut, sondern weil man sie nicht anders zumachen kann, wenn man in beiden Händen etwas trägt. Rumms. Auf der Terrasse schabt es variantenreich, wie stellt man so ein Geräusch lautmalerisch dar, frage ich mich, ich höre diverse Geräusche wie die von Metallspachteln, die in Zementmasse im Schubkarren herumkratzen und dann rau schrrrab Zement an die Wand schmieren.

11.18 Uhr schon fange ich an mir über das Mittagessen Gedanken zu machen. Überfliege stattdessen die Tagesezeitung. Nice Matin ist immer gut als Inspirationsquelle für den Krimi.

11.32 Uhr die Post kam. Ich überprüfe im Internet, wo mein Päckchen bleibt und siehe da, der grüne Strich ist jetzt durchgehend, und welche Überraschung, das Päckchen ist seit gestern angeblich schon da. Im Briefkasten soll es sein. Das erscheint mir unlogisch, da die Briefkästen viel zu klein und außerdem im Hausflur innen angebracht sind, und um 20.52 Uhr, als das Päckchen angeblich geliefert worden sein sollte, war die Haustür bestimmt geschlossen. Ich würde trotzdem gern nachsehen, finde aber den Briefkastenschlüssel nicht und rufe nach Monsieur. Seine Stimme klingt nach weit weg und als ich mich in die entsprechende Richtung bewege, sehe ich, dass er nicht unten Büro sondern oben auf dem Dach steht und dort das Moos von den Dachziegeln kratzt. Ich bekomme fast einen Herzschlag und frage weder nach dem Schlüssel noch nach etwas anderem, ich will ihn jetzt vor allem nicht ablenken. Gut, es ist nur das halbhohe Dach, aber dennoch, Monsieur ist nicht mehr so schrecklich jung und gelenkig, aber vermutlich kann er die Situation mit den körperlich arbeitenden Handwerkern nicht richtig gut aushalten und muss daher auch etwas Handfestes tun. Früher hätte er das, was die Handwerker tun, nämlich selbst gemacht. Ich fange also stattdessen an Essen zuzubereiten und taue zwei Hacksteaks auf und putze Lauch und schneide ihn in kurze Stangen und werfe ihn in den Dampfkochtopf. Da Monsieur noch auf dem Dach steht, gehe ich schnell selbst Brot und einen Liter Frischmilch kaufen. Beim Bäcker stehen vier Engländer vor mir und können sich nicht entscheiden welches Brot und welchen Kuchen sie kaufen sollen und ich befürchte, dass der Lauch schon zu weich ist, bis ich wieder zuhause bin, aber es geht noch. Lauch wird hier nämlich nicht als weichgekochtes Gemüse sondern in knackigen Stangen als Vorspeise mit Vinaigrette gegessen.

12.25 Uhr Die Handwerker verabschieden sich ins Wochenende. Sie kommen erst am Montag wieder. Ich sage jetzt nicht umgekehrt augenzwinkernd mon oeuil!, man will ja niemanden kränken. Ich werfe Teller und Besteck auf den Tisch und schon essen wir. Es bleibt schlicht und einfallslos, wie so oft, wenn ich schreibe und keine Hirnzellen für anderweitige Kreativität habe. Lauwarmer Lauch mit Vinagrette als Entrée, Hacksteak, frische Nudeln, Brot und Käse für Monsieur, und frische Mango für uns beide. Ich erzähle Monsieur von dem Film, den ich gestern spät gesehen habe und wir diskutieren über dies und das. Monsieur nimmt einen kleinen Caffé und macht anschließend eine kleine Sieste, während ich hier schreibe, damit ja nichts vergessen wird. Pepita hat mehrfach versucht sich zwischen mich und die Tastatur zu quetschen und liegt jetzt angekuschelt neben mir.

13.50 Uhr Was mache ich wegen dieses verschwundenen Päckchens? Ich hätte die darin befindlichen Bücher gerne gehabt, ein bisschen Hintergrundwissen für den Krimi war darin. „Abwarten“ ist das letzte, was Monsier mir noch zuraunt, bevor er die Augen schließt. Ich lege mich jetzt auch ein Momentelchen hin.

15.02 Uhr ich trinke einen Kaffee, den ich mit fair gehandeltem milden Kaffee zubereitet habe, aber er überzeugt mich trotz der nun frischen Milch auch nicht, vielleicht ist er nur zu dünn, ich weiß es nicht. Monsieur will wissen, was er „noch“ einkaufen soll, ich habe keine Ahnung und bin irritiert, weil ich nicht weiß, weshalb er überhaupt einkaufen geht. Irgendein spezielles Reinigunsgmittel fehlt ihm, ohne dass er keinesfalls weiter machen kann. Niemand ist so anfällig wie Monsieur für Spezialreiniger und Spezialschwämme und er schaut interessiert jede noch so idiotische Reinigerwerbung im Fernsehen an. Jetzt also ein spezielles Antifett-„Pssscht“ wie hier die Sprühreiniger heißen. Mir fällt auf die Schnelle nichts anderes ein, was er mitbringen könnte und er geht los. Gerade habe ich schon versucht, das fehlende Päckchen bei den Nachbarn links und rechts zu erfragen. Ich weiß ehrlich gesagt auch nach fünf Jahren nicht, wer alles links in dem verschachtelten  Gebäude mit Vorder- und Hinterhaus wohnt, kenne außer der Omi, die meine Katze fett füttert und die sich hin und wieder beschwert, dass die Palmwedel unserer Palme an ihre Fensterläden schlagen, niemanden. Und mit den Nachbarn rechts sind wir zerstritten, weil sie drei Meter tiefe Balkons vor unsere Seitenfenster gesetzt haben mit nur etwa zwanzig Zentimeter Abstand zu unserem Haus. Dass sie dafür eine Baugenehmigung bekommen haben und wir bei unserem Einspruch auch nichts daran ändern konnten, hat uns nicht gefallen. Bei einer sogenannten friedlichen Einigung wurde der Ton auf beiden Seiten schnell aggressiv und wir sagen uns seither nicht mehr guten Tag (immerhin haben Sie aber gewisse Zugeständnisse gemacht). Die Nachbarn haben aber einen großen Briefkasten an unserer gemeinsamen Gartenmauer, vielleicht ist das Päckchen dort gelandet. Ich habe eben mal hineingeschielt und konnte nichts erkennen. Zu Hause ist natürlich um diese Zeit noch niemand. Hätte ich mir denken können. Auch im anderen Haus rührte sich nichts. Muss ich heute abend nochmal probieren.

15.42 Uhr und wenn ich jetzt nicht in die Gänge komme, passiert nicht mehr viel heute.

16.24 Uhr so lange habe ich versucht mein hypersensibles Touchpad, das mich heute schon an den Rand des Wahnsinns gebracht hat, zu verstehen. Ich habe ein neues Laptop, schon eine Weile, aber irgendwie konnten wir uns bislang nicht recht anfreunden. Ich verstehe, dass ich mit diesem Touchpad anders arbeiten muss und wische nun vorsichtig nach unten und oben, anstatt wie früher zu klicken und den Mauszeiger zu ziehen. Ich hoffe, es verstanden zu haben. Kauf dir einen Mac ist die freundliche Antwort auf ungestellte Fragen, wenn ich so etwas von mir gebe. Angeblich ist mit einem Mac alles viel einfacher und spielerischer. Frankreich ist aber kein Äpfelchen-Land, hier findet man das geschlossene Äpfelchen-System zu elitär, und da meine diversen PC-Nothelfer allesamt gegen Mac sind, habe ich auch keinen. Seufz.

16.35 die Enkelin von Monsieur schaut herein, Schule ist aus und sie hat jetzt Feeeerien und morgen fahren sie in den Skiurlaub, hurrraaaah, und sie dankt mir nochmal für das tolle Buch, das ich ihr geschenkt habe, eigentlich das vierte einer Serie von BD’s (aber mit ziemlich viel Text), das/die ihr echt gut gefällt, Les carnets de Cérise. Wow, das freut mich sehr. Bislang sind nämlich alle Bücher, die ich ihr geschenkt habe, irgendwo im Off verschwunden.

17.26 Uhr bis eben bei FB herumgeklickt und jetzt entsprechend deprimiert. Melancholische Karnevalsfotos von Smilla bei anders anziehen angeschaut, ein paar kluge Artikel zur tristen Weltlage gelesen, für die ich aber vermutlich zu blöd bin, aber den Grundtenor habe ich verstanden: Ziehen Sie sich warm an. Es wird kälter in der Welt, und nein, ich spreche nicht vom Klima.

17.55 Uhr Monsieur schaltet den Fernseher ein für C dans l’air, seine allabendliche Politiksendung. Es geht heute Abend um Sarkozy, der ein Buch geschrieben hat (das ich nicht verlinke) und damit gerade durch die Medien tingelt. Er hat natürlich Antworten auf alles. Ich beantworte schnell noch eine Mail,  die schon seit gestern wartet, wenn ich so etwas nicht sofort mache, habe ich Tendenz es zu vergessen.

18.15 Uhr ich bereite mit dem restlichen Lauch eine Suppe zu, bringe den Müll runter und stelle die Mülltonne vor die Gartentür. Ich versuche noch einmal mein verschollenes Päckchen zu finden: Die Nachbarn links machen weiterhin nicht auf oder sind nicht da. Das Heimkommen der Nachbarn rechts habe ich verpasst und stehe nun vor dem hohen unzugänglichen Tor ohne Klingel. Ich hoffe, ich kann sie morgen irgendwie erwischen.

19.03 Uhr meine Vor-Abendsendung C à vous hat angefangen, heute nicht soo interessant und bislang auch nicht so amüsant. Eine junge Frau hat ihren Krebs anscheinend besiegt, indem sie sich wild ins Leben stürzte, tanzte, liebte, feierte und ihr ganzes Geld ausgab. Danach war sie ihre Arbeit los, pleite aber erstaunlicherweise gesund. Sie hat ein Buch darüber geschrieben. Dancefloor-Thérapie. Naja.

19.34 Uhr die Suppe ist fertig und ich glaube der Tag auch weitestgehend. Arbeitstechnisch nicht so gelungen, aber immerhin habe ich einen Blogartikel geschrieben. Wenn ich das jeden Tag machen würde, käme ich zu nichts. Während ich noch die Seite von Frau Brüllen suche, um Ihnen den Link mit den Tagebuchaufzeichnungen der anderen zu geben, klingelt es und hurraaaa!!!! mein verschollenes Bücherpäckchen ist angekommen!!!! Der junge Mann vor der Tür war irritiert, als ich ihn frage, welcher meiner Nachbarn er sei, denn nein, er ist weder ein Nachbar von links noch der von rechts (das hätte ich gemerkt) sondern der freundliche Kurierfahrer selbst, er kam entgegen aller Ansagen eben erst. Jippieh!

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4 Antworten auf WMDEDGT 02/2016

  1. Marion sagt:

    Danke für Deinen amüsanten Bericht Christjann…
    Als alte Kaffeetante würde ich Dir einen Kaffeevollautomaten empfehlen, das spart schon mal die Kapseln. Filterkaffee schmeckt mir seitdem auch nicht mehr…, auch wenn das regelmäßige und zeitintensive Entkalken nervt, und relativ teure Reparaturen hatte ich auch schon. Aber ich liebe meine Saeco Odea einfach.
    Da bin ich ja froh, dass ich nicht die Einzige bin, die oft bis kurz vor Mittag ungewaschen und unangezogen vor dem PC hockt. Richard David Precht macht das übrigens auch so, hat er schon mehrmals in Interviews gesagt. Denn direkt nach dem Aufstehen ist eben seine Schaffensphase, da wird noch nicht mal richtig gefrühstückt. Ja, ja, diese Intellektuellen, tranquille eben…

    • dreher sagt:

      :) Merci Marion! Filterkaffee, auch wenn er gerade wieder hip wird, schmeckt mir auch am wenigsten, irgendwie muss der Kaffee bei mir „gepresst“ werden, ich arbeite gerade die klassischen italienischen Schraubespressokannen durch, das Ergebnis ist bislang am besten (variiert aber je nach Kaffeesorte und Mahlgrad) – Vollautomat, hm, bisschen teuer oder? Wobei ich in der Zwischenzeit mit all den Kapseln bestimmt auch schon einen Vollautomat finanziert habe – und etwas Platzintensiv wird so ein Ding auch. Muss mal meditiert werden …
      Und ist ja schick, dass der „beau gosse“ unter den Philosophen auch so ein Schlafanzugarbeiter ist – da sind wir doch in guter Gesellschaft ;)

  2. Karin sagt:

    … noch eine bekennende Schlafanzugarbeiterin, leider nur am Wochenende, werktags wäre es wohl merkwürdig so gekleidet im Büro zu erscheinen;)
    Am liebsten bügle ich lange oder putze, wofür ich mich allerdings immer umziehe ist Kochen, nix ist schlimmer als Bratengeruch am Pyjama beim Einschlafen…

    Die Mentalität der Handwerker erscheint mit ziemlich bekannt von hier. Hier trifft man vor allem auf Unverständnis dafür, dass man tagsüber, da Vollzeit arbeitend, nicht zu Hause ist: wie Madame, um 11 Uhr passt Ihnen nicht? Fast fühlt man sich geneigt sich dafür zu entschuldigen, dass man leider, leider tagsüber im Büro anwesend zu sein hat. Verständnis dafür, dass man es eben schon etwas nervig findet, für gefühlte 5 Minuten Intervention (ich sage nur désinsectisation) sage und schreibe eineinhalb Stunden zwischen Büro und Wohnung unterwegs zu sein, erwartet man natürlich vergebens.

    Liebe Grüsse aus Genf,
    Karin

    • dreher sagt:

      :) nein, kochen im Nachthemd geht nicht, das sehe ich genauso! Heute frage ich mich auch, wie ich das früher, als ich ganztags außer Haus gearbeitet habe, eigentlich geschafft habe mit den Handwerkern und den Päckchen und Einschreibebriefen und Heizungsablesern und was nicht alles … LG, C.