Santé! oder Abstinent im Land des Weines

Der letzte Beitrag hat mir ein ungeahntes Besucherhoch auf dem Blog beschert, Tendenz steigend. „Die Seele bloggen“ scheint LeserInnen anzuziehen. Das freut mich natürlich, macht aber auch ein bisschen Angst: Wer sind denn all die, die plötzlich reinklicken, um zu lesen, wer da seine Seele vor ihnen ausbreitet?! Da verzagt das Seelchen und rollt sich schnell wieder ein.

60135_web_r_by_www-jenafoto24-de_pixelio-deAber nichtsdestoweniger wollen wir diesen unverhofften Aufwind natürlich gern ausnutzen, um einen versprochenen Text über ein kontroverses Thema zu schreiben: Abstinenz. Ich trink‘ nix. Stimmt natürlich nicht, gerade eben trinke ich einen Verveine-Orangen-Kräutertee, tisane heißt das Kräuterteechen im Französischen. Kräuterteechen werden hier gern nach üppigen Essen getrunken. Um den Magen wieder zu beruhigen. Une p’tite tisane, klassisch mit Verveine oder Minze, ist aber eher das Getränk für die Dame. Der Herr wählt vielleicht un p’tit Calva(dos) oder einen Cognac. Sehr angesagt als Digestif an der Côte d’Azur ist auch immer noch Limoncello, und in den Bergen gern ein selbstgebastelter Kräuterschnaps Genre Genepi, mit vielleicht selbst gepflückter Edelraute. Habe ich früher gerne getrunken. Viel lieber als Kräutertee. Trinke ich aber nicht mehr. Weder Genepi noch Wein, noch Bier, auch keinen fruchtigen Cocktail und auch keinen Glühwein mehr. Und zum Apéro gibts für mich auch keinen Orangenwein mehr, obwohl ich den, genau wie den Limoncello, vor ein paar Jahren noch selbst angesetzt habe. Auch keinen Campari und keinen Suze, alles leicht bittere alkoholische Getränke, die ich mal sehr mochte. Trinke ich nicht mehr. Non merci, pas d’alcool pour moi, sage ich, und in der Regel wirds jetzt schwierig. Man stutzt und fragt nach. „Keinen Alkohol?“ „Nicht mal diesen ausgezeichneten Bordeaux XY?“, fragt der Gastgeber irritiert. „Wenigstens ein Schlückchen zum Probieren?“ „Nein?“ Er überlegt, vielleicht bin ich ja total versnobt und trinke nur Champagner?! Nein, auch keinen Champagner, lehne ich ab. Ah bon, häufig sind die Gastgeber jetzt etwas pikiert. Ich weiß nicht, ob sie gekränkt sind, weil ich ihre sorgfältig vorbereitete Weinauswahl verschmähe: zum Entree einen leichten Weißwein, einen schwereren Roten zum Hauptgang und auf jeden Fall zum Käse, einen Süßwein zum Dessert, oder weil ich ihnen mit meinem Verzicht auf Alkohol vor Augen führe, was sie so alles süppeln während eines einzigen Essens. Dabei zähle ich weder laut mit, wie oft die Gläser nachgefüllt werden, noch ziehe ich die Augenbrauen hoch und ich mache auch sonst keine Szene. Aber allein meine Nüchternheit reicht, dass man sich irgendwie unwohl und beobachtet fühlt. Keinen Alkohol trinken ist in Frankreich genauso unbeliebt wie kein Fleisch essen. Vegetarier und Veganer haben es eher schwer in Frankreich und sind eine eher bespöttelte Randerscheinung. Wenn Sie keinen Alkohol trinken und weder bekennender Muslim oder bekennender trockener Alkoholiker sind, dann sind Sie sehr suspekt. Da man mir weder das eine noch das andere zutraut, muss gefragt werden.

Immer wird gefragt. Ich habe noch nicht einmal erlebt, dass man es einfach akzeptiert. Höchstens im Restaurant. Die Kellner im Restaurant fragen nicht nach, reißen mir aber ratzfatz das Weinglas aus den Händen. Wenn ich Wasser trinken will, dann nur aus dem Wasserglas. Die anderen aber fragen nach. Nehme ich Medikamente, die sich nicht mit dem Alkohol vertragen? Ist es, weil ich die bin, die nachher fahren muss? Nein? Was um Himmels Willen veranlasst mich dann, diese heitere und zunehmend angeheiterte Runde mit meiner Abstinenz durcheinanderzubringen?!

Selbst meine Schwiegermutter, die den Weinkonsum im Sommerhaus streng überprüft und, zumindest heute, über alle Exzesse erhaben ist, sagt mit leicht grünlicher Stimme in meine Richtung, Feste ohne Alkohol seien keine Feste. Und früher, ja früher, da habe man noch zu feiern verstanden! Früher, erzählt mir Monsieur, früher habe er seine Mutter manchmal auf allen Vieren den Berg hochkraxeln sehen, so heiter sei sie von den Festen nach Hause gekommen. Ach ja, früher habe ich auch hin und wieder gern Nachmittage mit Freunden im Bistro verbracht und das eine oder andere Glas Rosé gekippt. War lustig, entspannt, die Konturen der Welt verschwammen zusehends und alles schien, genau wie der Wein, rosig. Tatsächlich fehlt mir dieser leichte Kontrollverlust, denn die Konturen der Welt werden nun nicht mehr watteweich, die Welt bleibt eckig, dreckig und kalt, und mein Verstand scharf. Denn ja, ich bin nüchtern. Die zunehmend unkohärent erzählten Schwänke aus dem Leben von J-F finde ich mühsam und kann mir ein Lächeln nur noch schwer abringen. Der Abend wird lang, ich würde gern gehen, aber gerade wurde noch eine Flasche dieses ausgezeichneten Bourgogneweines geöffnet, allez, einen noch pour la route

Histaminintoleranz gilt als unspezifische Erkrankung. Unspezifisch sagen die Ärzte, wenn sie nicht wissen, was sie sonst sagen sollen zu Patienten mit diversen Beschwerden, deren Ursache unklar ist. Klingt professionnell für  „Nichts ist klar“. In Frankreich komme ich aber nichtmal zu dieser Wischiwaschi-Diagnose, denn Histaminintoleranz ist in Frankreich nicht bekannt. Kein Wunder. In diesem Land hat diese Unverträglichkeit keine Chance, bei all den lang gelagerten Weinen, dem Champagner, dem reifen Käse, den luftgetrockneten Salamis und all den anderen Schweinereien, die ein Maximum an Histamin in sich tragen. Histaminunverträglichkeit kennt keiner, erkläre ich aber die Symptome, wird es auch nicht besser. Diese Symptome kennt hier auch keiner, versteht keiner.

Auch bei Ärzten rede ich mir erfolglos den Mund fusselig und komme bestenfalls mit einem Rezept für Antihistaminika wieder heraus. Auch der Homöopath zuckt ratlos die Schultern, verschreibt mir ein Maximum an Kügelchen und hat von Darmsanierung noch nie gehört. Also helfe ich mir selbst, schlucke Antihistaminika und vermeide weitgehend das, was die Symptome auslöst. Alkohol ist da ganz vorne dabei. Schnupfen, Quaddeln, roter Kopf und vor allem bin in schnell betrunken, viel schneller und mit viel weniger Alkohol als andere. Ich werde ebenso schnell wahnsinnig müde und mein Mittagsschläfchen wird zu einem tiefen langen Schlaf, aus dem ich in einem zerschlagenen Zustand aufwache, so als habe ich die ganze Nacht gefeiert und getrunken. Am Folgetag habe ich Anzeichen einer Migräne, mit wellenartig auftretenden Stichen in der einen oder anderen Kopfhälfte. Nicht schön.

Es war nicht immer so absolut unmöglich Alkohol zu trinken, es war ein schleichender Prozess, ich habe es erst lange nicht verstanden und dann ebenso lange nicht wahrhaben wollen. Heute bin ich schon von einem halben Fingerhut Alkohol betrunken. Ich spüre die Wirkung des Alkohols heftig und in einer Geschwindigkeit, ohne dabei den Geschmack des Getränks genießen zu können. Es haut mich buchstäblich um, und ich trinke daher wirklich gar keinen Alkohol mehr. Heute habe ich nicht mal mehr Lust, ein Moncheri zu essen. Ich habe aber ebenso keine Lust mehr, das jedes Mal zu erklären und mich dafür zu rechtfertigen. Ich trinke nicht. Basta.

Ich scheine der einzige Mensch in Frankreich zu sein, der dieses Problem hat. Da es so unverständlich ist, kann es sich auch keiner merken, und bei jeder Einladung fragen dieselben Menschen wieder irritiert nach. Wie? Kein Alkohol? Es ermüdet mich. Auch nach drei Jahren Abstinenz meinerseits gibt es häufig keine alkoholfreie Alternative beim Apéro für mich. Was möchtest du trinken, Christjann?, fragt man mich. Ich sehe die Flaschen auf dem Couchtisch an und frage zurück: Was gibt es denn? Campari, Whisky, Pastis, Orangenwein … wird aufgezählt. Es gibt nichts ohne Alkohol. Die Dame des Hauses ist ungehalten, als ich das sage. Dann trink Wasser, sagt sie patzig. Wasser mit Grendinesirup schlägt jemand anderes versöhnlich vor. Ich lehne Grenadinesirup, das banalste aller Kindergetränke, ebenso patzig ab und trinke Wasser.

Vor kurzem waren wir bei der erneuten Eröffnung der Auberge im Bergdorf. Es ist schon der vierte Nachfolger in knapp sieben Jahren. Ich bin nicht sicher, ob der neue Aubergist, ein schon älterer Herr, so richtig gut ins Dorf passt, und Wetten wurden schon abgeschlossen, ob er nach dem ersten Winter noch da sein wird. Beim Eröffnungsabend gab es ein kleines Buffet mit aufgetauten Picard-Häppchen und einen (kalten) Punsch. Punsch, eine unbestimmte alkoholisches Mischung mit Früchten, ist hier sehr angesagt, kam grundsätzlich gut an. Aber unter den etwa hundert Anwesenden, waren bestimmt zwanzig Jugendliche und eine Handvoll kleiner Kinder. Für die gab es nichts. Ich, als ehemalige Aubergistin, erlaubte mir ebenfalls, nach einem Getränk ohne Alkohol zu fragen. Irgendwas müssten sie doch haben in der Auberge: Orangina, Cola, Orangensaft, Eistee … Ja, sagte die Gattin des neuen Aubergisten unwillig, das hätten sie wohl, aber es sei noch nicht richtig gekühlt, das könne sie mir nicht anbieten. Einen Grenadinesirup schlug sie lustlos vor. Diesmal wollte ich gern einen Grenadinesirup, einfach aus Prinzip. Nach kurzer Zeit kam die Dame unverrichteter Dinge zurück, der Grenadinesirup stehe so weit oben, da komme sie jetzt nicht dran. „Herrgott, trinken Sie doch den Punsch“, sagte sie in verärgertem Ton, „da ist doch auch viel Fruchtsaft drin!“

Ihre Einladung zum jährlichen Gelage für den neuen Wein, der angekommen ist, Sie wissen schon Le Beaujolais nouveau undsoweiter, habe ich dann auch nicht angenommen.

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Foto: www.JenaFoto24.de  / pixelio.de

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24 Antworten auf Santé! oder Abstinent im Land des Weines

  1. Rosi sagt:

    nun..
    ich war noch nicht in Frankreich
    aber du schilderst es ja sehr anschaulich ;)
    ich kann dich sehr gut verstehen..
    das es da eine Histaminunverträglichkeit gibt war mir nicht bekannt ..
    auch ich trinke keinen Alkohol
    in der Familie weiß man es und im Restaurant
    bekomme ich das was ich bestelle.. ;)
    früher wenn wir gemeinsam essen waren ( in einem Lokal das wir öfter besuchten )
    ist es mir aber passiert dass die Bedinung sagte.. OK noch ein Apfelsäftle fürs Kindle…
    ich habe nicht drauf reagiert.. das war mir zu dumm..
    ich mag auch nicht jedem erklären dass schon wenige Trofen Alkohol mir sofort in den Kopf gehen und ich dann ein Bett brauche ;)
    was hab ich davon einer Unterhaltung nicht mehr folgen zu können weil mir die Augen zufallen
    (hatte ich allerdings auch in verqualmten Räumen )
    Ich finde es persönlich sehr schlimm dass immer und zu allen Gelegenheiten Alkohol im Spiel sein muss
    ich kann mich auch ohne prima amüsieren..

    lass dich nicht unterkriegen ;)
    liebe Grüße
    Rosi

    • dreher sagt:

      Eigentlich ist es egal, ob ich wegen einer Unverträglichkeit oder aus anderen Gründen keinen Alkohol trinke, Tatsache ist, in Frankreich passt das einfach schlecht – ich kann mich auch ohne Alkohol gut unterhalten und amüsieren, aber es wird schwierig, wenn alle anderen Alkohol konsumieren. Aber keine Sorge, ich mache hier munter weiter! Darauf einen Kamillentee! Prost! :)

  2. Micha sagt:

    Applaus, liebe Christiane, wunderbar beschrieben – und wie immer mit einem Lächeln um die Mundwinkel gelesen!
    Gleichzeitig fühle ich mich nun so ermuntert wie viele nach zwei, drei Gläschen Prosecco mit meinem Text zum Thema *Nüchternheit* nachzuziehen.

  3. Friederike sagt:

    Wenn Du nichts trinkst, bist du dass menschgewordene schlechte Gewissen, so geht mir das auch. Ätzend. Ich hatte nicht mal einen wirklichen Grund, völlig aufzuhören, den habe ich mir aber bald zurechtgebastelt wegen der ständigen Nachfrage, und weil ich keinen bock mehr auf die dauernden grundsatzdiskussionen hatte. Schlimm, oder? Und je länger ich das so beobachte, umso merkwürdiger finde ich den Umgang vieler Menschen mit dem Alkohol.

    • dreher sagt:

      Exakt. Manchmal habe ich Lust zu behaupten, ich sei trockene Alkoholikerin, dann wäre es nämlich vermutlich schnell still am Tisch. Das behauptet sich natürlich leichter, wenn es nicht wirklich der Fall ist. Im Bergdorf gibt es jetzt einen Mann, der das ständige Süppeln nicht mehr im Griff hat, stört auch, will man dann auch nicht sehen.

  4. Vom kulinarischen Standpunkt aus betrachtet, liegt der größte Fehler natürlich im schweren Rotwein zum Käse, das ist so Neunziger. ;)
    Zum Käse passt, so lange man nicht gerade einen „Old Amsterdam“ vor sich hat, ein (manchmal auch süßer) Weißer viel besser. Meine nächsten Supperclubgäste im Dezember bekommen im Käsegang warmen Vacherin Mont-d’Or mit Blätterteig. Dazu gibt es einen saftigen Grauburgunder vom Kaiserstuhl. Aber – was ich eigentlich sagen will: Mein größtes Glück und eherne Aufgabe als Gastgeberin ist, wenn ich meine Gäste glücklich machen darf. Niemals käme mir in den Sinn, auch nur mit der Wimper zu zucken, wenn jemand keinen Alkohol trinken möchte. Ich frage auch nicht nach dem „Warum“, höchsten, ob es Allergien gibt, die sich eventuell auf die Rezepturen der geplanten Speisen auswirken könnten. Ansonsten ist es mir jedesmal Ansporn, alkoholfreie und vor allem sehr stimmige Begleitungen zu den einzelnen Speisen zu servieren. Es gibt so wunderbare Fruchtsäfte und Obst-„Champagner“ (Natürlich sind es Schaumgetränke, aber an dieser Stelle bringt das Wort Champagner die richtige Assoziation von der Hochklassikkeit dieser Tropfen). Auch für Teegetränke gibt es ganz wunderbare Rezepturen, die spannende Aha-Momente als Speisenbegleiter schaffen können. Ach, die Leute sind oft so eingefahren. Kennen wir nicht, haben wir nicht, könnt‘ ja jeder kommen. Das leider geschlossene Schloss Lerbach mit Chefkoch Nils Henkel hatte mit Thomas Sauer einen hervorragenden Sommelier, der schon bereits auf der Karte eine alkoholfreie Getränkebegleitung alternativ zur Weinreise annonciert hatte. Es gibt in Deutschland in der gehobenen Gastronomie immer mehr solcher Innovationen. Roland Trettl war im Ikarus in Salzburg auch einer der Vorreiter.

    Wenn Sie mal in Rheinhessen sind, liebe Frau Dreher… – es wäre mir eine Freude!

    • dreher sagt:

      Liebe Astrid, wow, danke von Herzen für die Einladung, klingt alles sehr verlockend – und kann schon sein, dass es in Frankreich in der gehobenen Gastronomie der jungen Generation auch Alternativen gibt. Im gesetzten Cannes mit seiner vorherrschenden Bel Age-Generation will man alles so wie immer. In den Bergen ebenfalls kein Sinn für Veränderung, schon ein italienisch angehauchtes Essen sorgt da für Verwirrung, dabei ist man nur knapp 50 km Luftlinie von Italien entfernt (Und man hat für die Auberge vorsichtshalber auch nicht das junge Paar (er Koch) gewählt, sondern einen pensionierten Schuhverkäufer. Wirkte solider. Uääääh :( )
      Sie dürfen mich aber gern mit dem Vornamen ansprechen, mache ich umgekehrt ja auch :)

  5. Marion sagt:

    In D wärst Du sicher besser aufgehoben mit Deiner Unverträglichkeit. Hier sind Unverträglichkeiten derzeit ja sehr „in“ und im Supermarkt kommt man an laktose- und glutenfreien Produkten gar nicht mehr vorbei. Verstehe mich bitte nicht falsch, es ist super, dass den Betroffenen geholfen werden kann, aber in Anbetracht des Hypes erscheint eine Unverträglichkeit derzeit wie eine Modekrankheit, vorwiegend der gebildeten Schichten, genau wie die vegane Ernährung wie eine Modeerscheinung der Aufgeklärten wirkt. Deshalb wird man selbst hier damit nicht unbedingt so ernst genommen. Versuche doch, Dich in Deutschland behandeln zu lassen? Wahrscheinlich fordern die leckeren aber ungesunden französischen Delikatessen tatsächlich ihren Tribut. Habe mal gelesen, dass Franzosen viel unter Magenproblemen leiden. Auch kein Wunder.

    • dreher sagt:

      Ja, ich habe auch das Gefühl, dass es eine Trendkrankheit geworden ist, in D zumindest. Ich habe die Diagnose auch von meinem (langjährigen) deutschen Hautarzt, dem ich meine Symptome geschildert habe (Dermographisme etc). Der Hautarzt ließ mich damals mit dem Ergebnis einer (wahnsinnig teuren, weil ich in D nicht mehr versichert war) Untersuchung und einem Buchtipp (welche Lebensmittel weglassen) alleine. Danach hat er seine Praxis zugemacht und ging in die Forschung. Wenn ich das hier erzähle, antwortet man mir „da sind Sie einem Scharlatan aufgesessen“.
      Das war noch vor dem Tode Patricks, so dass meine zaghafte Ernährungsumstellung gleich wieder über den Haufen geworfen wurde, weil es wichtiger war, Patrick „anders“ zu ernähren und zwei verschiedene Diäten habe ich logistisch nicht hingekriegt. Hier gibt es das alles nicht. Keine glutenfreie oder lactosefreie Nahrung, ich kenne auch niemanden, der davon betroffen ist, kein Kind mit Allergien, niemand ernährt sich vegetarisch oder vegan. In Frankreich sind aber alle stramm schulmedizinisch drauf, hier würde niemand Symbioflor einnehmen, um den Darm wieder zu sanieren und solche Scherze. Ich weiß dann manchmal auch nicht mehr, wo die „richtige“ Seite ist. Mir gehen aufgeregte Diskussionen über „das kann ich nicht essen“ und „das vertrage ich nicht“ auch ziemlich auf die Nerven (in F macht das niemand!), insofern halte ich mich mit meinen komischen Symptomen auch sehr zurück. Abgesehen davon, dass ich keine Lust habe, mich als einzige am Tisch zu kasteien. Also dann, hopp, ein kleines Antihistamin eingeworfen, geht schon.

      • Marion sagt:

        Eben im Supermarkt: fructosearme Marmelade und auf einer Postkarte der Spruch: Toleranz beginnt bei Laktose… da sieht man es nochmal: ein präsentes Thema!

      • Marion sagt:

        Übrigens, was stört Dich so an Antihistaminika? Nehme sie im Sommer manchmal gegen Heuschnupfen und sie helfen mir sehr.

        • dreher sagt:

          Nichts eigentlich. Sie helfen, ja. Aber ich nehme sie seit Jahren durchgehend, habe nämlich auch noch andere, andauernde Beschwerden. Das finde ich auf lange Sicht nicht so prickelnd.

  6. Sunni sagt:

    Lange, lange wusste ich nicht, warum mir Alkohol nicht gut bekommt, denn der Geschmack eines guten Weines war mir lieb, nur die Reaktion darauf dann nicht. Und dass der Käse auch ähnliches hervorrief, gab keinen Zusammenhang. Oder eine gute Salami. Seit einiger Zeit verzichte ich einfach. Ja, die Reaktionen, auch in D, sind mannigfaltig. Ich bin aber jetzt in einem Alter, in dem mich das, was andere dabei denken, kaum noch interessiert. Insofern „Prost!“ mit einem guten Tee oder Wasser. Alles Gute, Sunni

    • dreher sagt:

      Ah, uff, doch noch jemand mit den gleichen Symptomen! Danke für den Kommentar, und ja, Prost! :)

  7. Also, liebe Christiane, meinen Orangenwein, aus eigenem Anbau, biologisch und bestimmt ganz vegan angesetzt, koscher sogar, weil gefiltert und nicht geklärt, müssen Sie – Histamin hin oder her – unbedingt mal probieren! Wird Ihnen gut tun. Ganz sicher.

    • dreher sagt:

      Lieber Bertram, Orangenwein aus eigenem Anbau, so so, der wächst bei Ihnen da einfach so, der Wein, gerührt aber nicht geschüttelt, so ganz koscher ist mir das nicht. Hier denken Sie sich jetzt ein Emoticon. Danke für das Angebot – bin leider sehr viel weniger sicher. On verra.

      • Marion sagt:

        Also der Bertram schreibt ja ganz witzige Sachen auf seinem Blog …

        • dreher sagt:

          Ja, Marion, aber auch nicht nur witzig – die letzten Einträge sind durchaus ernst.
          (Ich habe deinen Kommentar etwas gekürzt, bitte um Verständnis, kannst du aber gern direkt bei ihm kommentieren, wenn du das möchtest)

          • Marion sagt:

            Oh, pardon…

          • dreher sagt:

            alles gut

          • Christiane!
            Bald ist ja Geburtstag, wenn ich mich recht erinnere. Nikolaus auch. Und Weihnachten. Egal also, Jahresendfestivitäten. Kriegen Sie ein Fläschchen. Franzosen sagen dazu, zu dem vermutlich koscheren Wein, man könnte ihn ganz gut trinken. Ça se boit. Aber Franzosen trinken ja fast alles und zu jeder Gelegenheit. Wenn er Ihnen wider Erwarten nicht guttun sollte (probieren Sie ihn doch mal zu foie gras, leider auch nicht vegan, ganz und gar nicht vegan), können Sie ihn immer noch der Schwiegermutter vorsetzen. Das stimmt sie gleich viel milder.
            Bis dann,
            Grüße,
            Bertram
            p.s.: Was sich da hinter Marions drei Punkten versteckt findet, würde mich ja doch interessieren.

          • dreher sagt:

            Danke Bertram, ich habe nie behauptet, mich vegan zu ernähren, also ich tat das mal, damals nannte man es aber noch gar nicht vegan sondern „tierisch eiweißfrei“ und es war damals, Mitte der Achtziger, zur Zeit der allerersten Bioläden, gar nicht so einfach, überhaupt etwas „Fertiges“ zu erwerben. Ich erinnere mich an klebriges Mandelmus und Tartex Aufstriche, die alle so ähnlich aussehen wie Foie gras, aber natürlich aus Champignons und Soja hergestellt wurden, oder wasweißich, ich erinnere mich nicht mehr so ganz genau. Hat aber alles nix geholfen, weshalb ich strengen Diäten heute mit Skepsis begegne und Foie Gras durchaus esse, aber nicht unbedingt mag. Den Orangenwein werde ich natürlich in Ehren halten, und ich bin sicher, die Schwiegermutter weiß ihn zu schätzen.
            Es wäre mir lieber Sie und Marion würden direkt miteinander kommunizieren, als indirekt über mich. Vielleicht lässt Marion sich ja dazu hinreißen, auf Ihrem Blog zu kommentieren?

          • Marion sagt:

            So, Herr Diehl weiß jetzt Bescheid…