Korsika

Jetzt aber. Ich erspare Ihnen (und mir) für einen Moment die Politik und widme mich unserem jüngst vergangenen Ausflug. Urlaub wäre zu viel gesagt. Sechs Tage waren es nur. Aber sie waren intensiv und vollgepackt. Monsieur war als junger Mann vor vielen Jahren mit seiner kleinen Familie in den Süden Korsikas gezogen und hat dort in einem kleinen Bergdorf gearbeitet, es wurde ein zweites Kind dort geboren, es war eine bewegte Zeit, und die Familie hat Korsika vor gut zwanzig Jahren wieder verlassen. Monsieur wollte Orte von „früher“ aufsuchen und Freunde wiedersehen und mir gleichzeitig „sein“ Korsika zeigen: den Süden dieses Mal.

Sonnenaufgang Port Vecchio

Wir haben die Fähre abends ab Nizza genommen und kamen kurz vor Sonnenaufgang in Porto Vecchio an. Porto Vecchio lag noch vollkommen im Tiefschlaf, so dass wir, nach einem Frühstück am Hafen, im einzigen (und vermutlich extra wegen der Fähre) geöffneten Café, schnell nach Bonifacio weitergefahren sind. Bonifacio ist diese Stadt, die auf den ausgewaschenen hellen Kalkfelsen liegt. Wir waren schon kurz nach 7 Uhr dort, die Stadt war auch noch recht schläfrig, ein paar Marktstände wurden gerade aufgebaut, ein paar Läden wurden beliefert, und nur wir schlenderten alleine durch die erwachende Oberstadt. Alleine ist man hier wohl selten, zu spektakulär ist der Ort, insofern genossen wir, die Stadt für uns zu haben, wenn auch zu so früher Stunde noch nichts besichtigt werden konnte.

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Auch die lange Treppe entlang der Klippen war noch gesperrt. Aber wir standen am äußersten Zipfel der Altstadt, direkt über den Klippen, und hatten auch so schöne Blicke.

Blick

Klippen

Blick nach unten

mit Möwe

Und dann gingen wir zum Friedhof.

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Und dahinter ging es auch noch weiter.

Leuchtturm

Als die Parkplätze sich zu füllen begannen, fuhren wir schon weiter Richtung Propriano. Museum Prehistoire Aber zunächst machten wir Halt in Sartène, um ein Prähistorisches Museum zu besuchen, das es zu Monsieurs Zeit noch nicht gab. In dieser Ecke Korsikas gibt es nämlich jede Menge Dolmen und Menhire, und tatsächlich hätte ich danach gerne wenigstens eine der Stätten Cauria oder Filitosa besucht, aber dafür hatten wir nicht genug Zeit, das müssen wir dann beim nächsten Mal machen. Wir aßen in Propriano am Hafen zu Mittag, plauderten mit Monsieurs ehemaligen Berufskollegen und fuhren zum Schwimmen nach Campomoro, ein im Sommer wohl ebenso sehr beliebter Ort, aber wir waren, so früh im Jahr, fast alleine in der schönen Bucht, und wir schwammen in glasklarem Wasser mit Blick auf schneebedeckte Berge. Ziemlich grandios.

Campomoro

Campomoro

In Campomoro gibt es, wie fast überall auf Korsika, einen der runden Genuesertürme,  Befestigungstürme, aus der Zeit, als die Insel zum Königreich Genua gehörte: siehe auf dem Foto unten links. Man kann da auch hinwandern. Haben wir nicht gemacht, aber Hilke Maunder, die letztes Jahr ganz Korsika bereist hat, und deren Beiträge ich vorbereitend gern gelesen habe, hat die Wanderung unternommen.

Campomoro

Abends gabs Essen und aufwühlende Gespräche bei Freunden. Am nächsten Morgen nahm uns der Freund mit aufs Wasser, es war bedeckt, aber wir machten trotzdem mit seinem Boot eine schöne Küstentour entlang der bizarren Felsformationen, die sich sekündlich in andere Gestalten verwandeln, das glaubt  man zumindest, und von denen ich zwar gefühlt tausend Fotos gemacht habe, keines davon aber gelungen finde. Das Meer war spiegelglatt, man hätte meinen können, wir machten eine Tour auf einem Bergsee.

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Danach fuhren wir in das Bergdorf, in dem Monsieur gewirkt hatte und machten Überraschungsbesuche. Mir ist so etwas immer schrecklich unangenehm, aber Monsieur, ganz Franzose, hat kein Problem zur besten Essenszeit „Coucou, c’est nous!“ zu rufen und tatsächlich rufen die Menschen begeistert zurück „Oh! Das ist ja Monsieur! Was für eine Überraschung! Kommt esst mit uns …“, und wir bekommen Stühle und Teller hingeschoben und Essen aufgetischt und man fragt „wie lange ist es her?“ und erinnert sich, und wie hat sich die Straße verändert, früher war hier ein Feldweg, sogar ich erinnere mich, auf einem Foto eins der damals kleinen Kinder auf einem Esel reitend gesehen zu haben, und jetzt ist hier eine zweispurige Straße und ja, manches ändert sich auch hier,  und man fragt gegenseitig nach X und nach Y und Z, und Z ist gestorben, ach ja. Und die Tochter ist nach Ajaccio gezogen.

Wohnhaus

Später ziehen wir weiter, Monsieur will noch andere Menschen sehen, wir verabreden uns in einem Café auf dem Weg nach Ajaccio. Und fahren durch wundervolle grüne Landschaft, alles ist so konzentriert auf Korsika, die Berge sind hier nur eine Viertelstunde vom Strand entfernt und Monsieur zeigt mir (s)einen „geheimen“ Strand, der (man hätte es am dorthin führenden Pfad erkennen können) heute nicht mehr ganz geheim ist, zwei Gruppen picknicken dort und Kinder kreischen und schwimmen und Monsieur findet es nicht mehr ganz so idyllisch wie früher.

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schwarzer Strand

Wir plaudern dann im Café mit weiteren Menschen „von früher“ und es geht weiter mit „wie lange ist es jetzt her?“, und plötzlich setzt sich eine jüngere Frau an unseren Tisch – eine frühere Freundin von Monsieurs Tochter, sie hat Monsieur erkannt, und ich „erkenne“ sie, weil sie eine der Partner suchenden Kandidatinnen der Fernsehserie L’amour est dans le pré war. Es ist komisch, jemandem gegenüber zu sitzen, von dem man so viele private Details weiß, die einen wiederum aber überhaupt nicht kennt. Ich starre sie die ganze Zeit an und frage dann doch so vertrauensvoll, als hätten wir schon viel Zeit miteinander verbracht: „Was macht denn der Bretone?“ Sie lacht und winkt nur ab, „ach, der Bretone“. Und ich erfahre dann doch keine aktuellen Einzelheiten aus dem Liebesleben von Solange.

Und dann fahren wir noch weiter nach Ajaccio und besuchen einen Freund von Monsieur, mit dem ein engerer Kontakt besteht und den ich auch kenne, so dass die Gespräche etwas weniger Erinnerungslastig sind, und wir essen tapfer draußen, weil doch Urlaub ist, aber es wird kalt im Laufe des Abends und ein paar Regentropfen fallen auch.

wird fortgesetzt …

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8 Antworten auf Korsika

  1. Marion sagt:

    Hach…

  2. Caroline Bahri sagt:

    Was für wunderbare Fotos! Ich will auch da hin! War ich noch nie, obwohl schon so lange gleich gegenüber. Aber jetzt muss es bald sein. Danke dir.

  3. Marion sagt:

    Kennt Monsieur zufällig eine Familie Goujon aus Propriano? Joseph Goujon lebt schon sehr lange mit einer Studienkollegin von mir zusammen.

  4. Gaby sagt:

    Liebe Christine, ich bin seit langer Zeit stille Leserin Ihres Blogs. Habe mal das Buch von Boule bis Bettenmachen von einer Kollegin geliehen bekommen, und bin daraufhin vom Schwiegersohn auf ihren Blog aufmerksam gemacht worden. (https://kunstkitschundkrempel.wordpress.com) Seit ein paar Jahren sind wir eifrige Frankreichreisende, bedingt durch den Wohnort unserer Tochter mit Familie. Heute möchte ich mich allerdings für diesen wunderschönen Reisebericht von Korsika bedanken. Herrlich – Sie sind zu beneiden. Bei unserem letzten Frankreich-Aufenthalt April/Mai 2017 habe ich drei Ihrer Krimis gelesen. Sehr unterhaltsame Urlaubslektüre. Freue mich auf weitere Geschichten. Liebe Grüße Gaby

    • dreher sagt:

      Ach, der Herr Pfarrer, ich erinnere mich wohl, wir haben uns ein bisschen aus den Augen verloren – merci für den Link! Danke für Ihre lieben Worte und dass Sie meine Bücher lesen (und mögen). An weiteren Geschichten wird hier gerade hart gearbeitet. Ich hoffe, dass ich den Korsika-Bericht trotzdem noch fertig bekomme – bisschen was hätte ich noch zu erzählen.

  5. Da werden bei uns Erinnerungen wach, Bonifacio steuern wir auch immer an bei unserem Urlaub. In Sartène waren wir mal an einem etwas kühleren Tag und Michel lernte die verwinkelten Gassen derart hautnah kennen, er rutschte auf den glitschig sandigen Steinplatten aus und rauschte in die Tiefe. Mir blieb das Herz stehen- er rappelte sich dann doch ohne großen Schaden wieder auf. Wir besuchten diese Stadt eigentlich nur, weil mal ein Bericht darüber im Fernsehen kam über eine alte Dame, adelig. Und irgendwelche wilde Geschichten der Separatisten. Nun hatten wir unsere eigene wilde Geschichte und das war für den Tag genug. Von Corte sind wir einmal mit der Bimmelbahn bis nach Ajaccio gefahren. Michel mundete auf dem Markt am Besten ein Käse mit „lebendem Inventar“, der Casu Marzu. Ich wollte nur noch du vin rouge.

    • dreher sagt:

      Ja, das ist wohl ein sehr schöner Ausflug, das Bähnchen, das die Insel durchquert, steht auch auf der Liste für den nächsten Besuch :)