Zwischenjubeln!

Voilà, geschafft! Was für eine Erleichterung! Wir waren den ganzen Tag so angespannt, dann rief nachmittags ein Freund an und sagte, im italienischen Fernsehen würden belgische Medien zitiert, die von 60% Stimmen für Macron sprächen. Ich habe das sofort überprüft und tatsächlich lief auf einem italienischen Nachrichtensender schon vier Stunden vorher dieses Infoband unter den aktuellen Nachrichten. Strange. Woher wissen die das schon? Es erleichterte mich, aber so richtig wollte ich es nicht glauben. Im Internet war diese Info nur kurzzeitig zu sehen und verschwand dann. Aber die erleichtert wirkenden französischen Journalisten im Fernsehen, der verschlossene Blick Marine Le Pens auf dem Weg in ihr „Hauptquartier“ und dass man Macron eben nicht zeigte, alles deutete darauf hin: Emmanuel Macron ist unser neuer Präsident! Mit jetzt, zur offiziellen Veröffentlichung der ersten Ergebnisse 65,5% der Stimmen! Ich weiß nicht, was uns mit ihm erwartet, aber ich bin sehr, sehr froh über dieses Ergebnis! Und so stolz auf die Franzosen! Champagne!

Kleines Nachjubeln: Marine Le Pen hat tatsächlich nur zwei Départements „komplett“ errungen – haben Sie vielleicht auch schon gesehen in der Zwischenzeit. Unser Südosten hat zwar viel Le Pen gewählt, aber die Wähler des Départements Alpes-Maritimes und die Region PACA (Provence- Alpes-Côte d’Azur) haben sich überwiegend für Macron entschieden. Sogar Cannes hat Macron gewählt! Das hätte ich nicht gedacht. Und Nizza auch. Und mein kleines Bergdorf ebenso! Hurra! Nur Puget-Théniers, das Dorf in dem Annika Jöres lebt (wir berichteten), hat sich für Marine Le Pen entschieden. Und Menton auch – mit der schwierigen Grenzsituation vielleicht verständlich.

Allerdings gibt es beinahe überall etwa 30% Nichtwähler und etwa 5% „Blanc“-Wähler. „Blanc“-Wählen, das habe ich ja schon einmal erklärt, bedeutet, man geht wählen, ist aber mit keinem Kandidaten einverstanden und drückt dies durch einen weißen Zettel (–>“blanc“) aus, den man anstelle eines Stimmzettel in den Umschlag steckt. „Blanc“ zu wählen erfordert eine gewisse Vorbereitung, denn natürlich werden keine weißen Stimmzettel angeboten. Man muss also von zuhause einen entsprechend großen weißen Zettel mitbringen. Bislang werden diese „Blanc“-Stimmen zwar als Wahlbekenntnis gezählt, (sie sind also nicht ungültig) aber nicht anerkannt. Also selbst wenn über 50% der Wähler „blanc“ gewählt hätten, hätte man nicht (mit neuen Kandidaten) neu gewählt sondern mit den Reststimmen einen Präsidenten ernannt. Dass diese „blanc“-Stimmen anerkannt werden sollen, gehört auch zu dem einen oder anderen Wahlprogramm der Kandidaten (nicht Macron, so viel ich mich erinnere).

Falls Sie von einer bestimmten Region, einem Département oder einer Gemeinde wissen wollen, wie sie gewählt hat, hilft diese offizielle Seite.

ps: Verzeihung, in der jubeligen Eile habe ich vergessen, ein Häkchen anzuklicken, so konnte man diesen Beitrag (bislang) gar nicht kommentieren. Jetzt sollte es gehen, falls Sie noch wollen :D

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2 Antworten auf Zwischenjubeln!

  1. Marion sagt:

    Huhu, ich nochmal :-) Welches ist das 2. Departement, das an Le Pen ging? Pas-de-Calais fiel mir gleich ein, und das andere? Und was ist der Unterschied zwischen „inscrits“ und „exprimés“? Wenn Macron nicht „liefert“ und sich auch um die unteren Schichten kümmert, schlägt der Le Pen-Bumerang in 5 Jahren wohl umso härter zurück. Aber jetzt können wir uns erstmal freuen, das Schimmste ist vorläufig abgewendet.

    • dreher sagt:

      Das zweite ist „Aisne“, gleich neben Pas-de-Calais. „Inscrit“ = „Eingeschrieben“ bedeutet, dass man auf der „Wählerliste steht“, man darf wählen (dafür muss man sich bei seinem Rathaus melden, es gibt hier kein Einwohnermeldeamt, man muss sich nicht an- und auch nicht abmelden, nur wenn man wählen will, muss man sich dafür „eintragen“ lassen. Die, die dann auch wählen gegangen sind, haben sich „ausgedrückt“ = exprimés.
      Ja, nicht alle, die Macron gewählt haben, wollen seine Politik. Die Linken rumoren schon heftig: wehe, der vergisst „uns“ – „wir“ haben ihn zum Präsidenten gemacht! Aber noch übrwiegt Freude und Hoffnung.