Romain, Emile und Kiki

Ich arbeite jetzt mal alles ab, was noch in meinem Hirn hängt, was ich Ihnen schon seit Anfang des Jahres erzählen wollte, damit das Hirn mal wieder frei ist und anderes beackern kann. Muss ja. Wir haben La Promesse de l’Aube gesehen. Ein Film nach dem gleichnamigen Roman (über die Mutter und das Leben) von Romain Gary. (Wir haben auch noch zwei, drei andere Filme gesehen, aber die habe ich schon wieder vergessen. Sagt alles.)

Er hatte ein abenteuerliches Leben mit seiner ihn abgöttisch liebenden, überengagiertenambitionierten (manchmal suche ich Worte, herrjeh) Mutter, zumindest hat er es abenteuerlich erfunden und ich war begeistert von dieser wilden Geschichte, liebte Charlotte Gainsbourg in der Rolle der Mutter und Pierre Niney in der Rolle des erwachsenen Romain Gary, der den Lärm des mexikanischen Karneval nicht ertragen konnte, während er an eben diesem Roman schrieb. Tolle Szene. Romain Gary hat wahnsinnige Kopfschmerzen, glaubt, er habe einen Hirntumor und müsse sterben. Dabei hat er nur seit Tagen und Nächten zu viel Weißbrot und Guacamole (sic!) gegen den Lärm in seine Gehörgänge gestopft. (Ich habe übrigens nächste Woche einen Termin beim Ohrenarzt. ORL heißt der HNO-Arzt hier: Oto-rhino-laryngologist, ein Ohren-Nasen-Halsarzt.) Zurück zum Film, ganz besonders mochte ich Pawel Puchalski, der Romain Gary als Kind spielt. Hinreißend! Die intellektuelle Presse spottete, der Film sei platt und eher La promesse de Daube (eine Daube ist ein Rindfleischeintopf, und so bezeichnet man hier gern schlechte Filme; manchmal sagt man auch C’est un navet! „Es ist eine Rübe.“ Ich überlege gerade verzweifelt wie man in Deutschland schlechte Filme bezeichnet?! Herrjeh sagt man, „das war ja mal ein Weißkohl“? „Ein faules Ei“?) Anyway. Filmkritiker, n’est-ce pas. Es ist so einfach, etwas zu kritisieren. Ich fand den Film toll und war danach kurzzeitig von einem Romain Gary-Fieber befallen und wollte alles über ihn wissen und von ihm lesen und las zumindest alles, was ich über sein erfundenes Alter ego Emile Ajar finden konnte. Ich fand das (erneut) alles wahnsinnig spannend und habe immerhin auch einen Film einer Literatursendung aus dem Filmarchiv INA käuflich erworben und wollte Ihnen das Thema aufgearbeitet haben. Aber man hat ja einfach nicht genug Zeit, nicht wahr, ich habe alles nur angelesen und dabei blieb es und ich verweise Sie, falls es Sie überhaupt interessiert, auf die oben schon verlinkte Wikipedia Biographie oder auf einen alten Blogartikel von mir.

Noch schnell ein Buchtipp: Die BD/die Graphic Novel über das Leben der „Muse“ Kiki de Montparnasse habe ich sehr gerne gelesen.

Im Sommer war hier eine Ausstellung über Man Ray in der Villa Domergue. Darüber wollte ich damals schon geschrieben haben. Über den Maler Domergue, bei dem die Frauen der Zeit Schlange standen, um sich von ihm mit Schwanenhals zeichnen zu lassen.

Und im Garten der schönen Villa stehen abenteuerlich hohe und durchgehend schön zurechtgestutzte Zypressen. Die sehen ein bisschen aus wie die Holzspielzeugbäume meiner Kindheit. Nur in groß. So groß, dass man darunter stehen kann. Und sie sind echt. Natürlich.

Die habe ich damals für Herrn B. dokumentiert, kam aber, wie immer, nicht dazu, es zeitnah zu schreiben (was ich nicht gleichsofort verblogge, geht meistens verloren). Können Sie sich die Toskana ohne Zypressen vorstellen? Seht her, auch Südfrankreich ist voll davon!, wollte ich damals rufen. Erhaltet das südliche Flair im Norden! Aber ich habs verpasst, jetzt ist es zu spät, man hat sich dort schnöde von der Zypresse getrennt.

Die Man Ray Ausstellung (Zeichnungen, kaum Fotos, allerdings lächerliches Fotografierverbot!) entzog sich meinem Verstand, sagen wir so. Und den dreiminütigen experimentelle Film mit Kiki de Montparnasse (Frau trifft Mann und Frau trifft anderen Mann und geht mit ihm ins Bett und das alles in grisseligem Grau) habe ich mehrfach angesehen. Ich verstehe, dass das Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts experimentell und aufregend war (Sexleben! Da ist es wieder!) Spricht mich heute aber nicht mehr an. Sehr viel näher ist mir Man Ray und seine Kunst in dieser BD gekommen. Und Kiki natürlich.

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4 Antworten auf Romain, Emile und Kiki

  1. Marion sagt:

    Danke, soviel Inspiration! Schlechter Film = Flop (tout simplement?). Haha, und welche Lebensmittel darf Dein HNO aus Deinen Ohren entfernen? Von Emile Ajar habe ich vor Ewigkeiten „Du hast das Leben noch vor Dir“ gelesen und war sehr berührt. Und tja, mal sehen, was noch so mit Deinem Pseudonym passiert… Für BDs kann ich mich bisher irgendwie nicht erwärmen, obwohl das von Dir vorgestellte doch wieder ganz ansprechend daher kommt.

    • dreher sagt:

      Merci! Naja, er soll mich davor bewahren, dass ich mir Guacamole in die Ohren schmiere ;) Und mit BD’s (Graphic Novels) habe ich Französisch lesen gelernt. Seitdem liebe ich sie!

  2. Mumbai sagt:

    leider werden viel wenige gute Filme publiziert, denn die Masse liebt das einfache
    (Action, Gewalt, etc.). Kenne den Film nicht, wuerde ihn aber gerne
    sehen, nachdem Sie ihn so interessant beschrieben haben. Kennen Sie den Titel in deutscher Sprache?

    • dreher sagt:

      Bin nicht sicher, ob er in den deutschen Verleih kommen wird, Romain Gary ist in Deutschland kaum bekannt. Der deutsche Titel des Romans (habe ich irgendwo auch verlinkt im Text) heißt „Erste Liebe -letzte Liebe“.
      ps: Werde das im Text ändern. Habe eben gesehen, dass es eine Neuübersetzung gibt „Frühes Versprechen“ und eine klick–> schöne Besprechung dazu!

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