In den Süden – Arles und Aix

Der Himmel über der Stella

Ok. Jetzt aber mal schnell weiter mit der Dokumentation der Flusskreuzfahrt, sonst will ja gleich kein Mensch mehr verhangenen Himmel über der Rhône sehen, jetzt wo es so schön blauhimmelig überall ist.

Ute fragte, wie es sich anfühle, so auf dem Schiff, und ob dort wirklich nur Rentner seien? Muss man Bingo spielen oder Bridge? Kann man sich zurückziehen?

Nun, ich habe bislang ja nur eine solche Reise gemacht, vieles hängt sicher davon ab, wer gleichzeitig mit auf dem Schiff ist, und das hängt wiederum davon ab, ob in Deutschland Ferienzeit ist oder nicht. Mit uns auf dem Schiff waren mehrere Reisegruppen (Belgier, Engländer, Deutsche), die fast völlig unter sich blieben, an zusammengeschobenen Tischen miteinander aßen und ihr Ausflugsprogramm mit ihren jeweiligen Reiseleitern absolvierten. Die andere Hälfte waren Individualreisende, darunter überwiegend Paare, aber ich sah auch Freundinnen und Familien, mitunter sogar drei Generationen, wir hatten so auch zwei Kinder auf unserem Schiff. Der überwiegende Teil der Passagiere waren durchaus „rüstige Rentner“, aber nicht nur, und es fühlte sich (für mich) gut an (so schrecklich jung bin ich ja auch nicht mehr). Das Ambiente war ruhig und angenehm. Auch die Reisegruppen waren keine vom Typ „Hoch die Tassen!“. Wir blieben mit meiner Mutter überwiegend „unter uns“. Man kann sicher mehr Kontakt haben. Oder noch weniger. Man kann früher frühstücken gehen oder später zum Mittag- und Abendessen, wenn man nicht gleichzeitig mit allen am Buffet anstehen möchte. Niemand muss beim Musik-Bingo, das es tatsächlich einmal abends gab, mitmachen, aber ich bin vom ländlichen Frankreich, wo man sich leicht und gerne bei einfachen Veranstaltungen amüsiert, schon so geprägt, dass ich da tatsächlich problemlos mitmache. Es gab (wegen des eher ungemütlichen Wetters) ja auch wenig Alternativen. Ich bin sicher, im Sommer an lauen Abenden sitzen nicht alle in der Lounge, sondern sind auf Deck, am Pool, im Liegestuhl und lesen vielleicht, schauen, lassen sich treiben, plaudern. Es sind maximal 174 Passagiere an Bord, wenn man das Deck nutzen kann (bei uns kaum der Fall), dann findet man bestimmt immer ein ruhiges Plätzchen für sich, ohne sich in seine Kabine einschließen zu müssen.

Wir haben nur an einem organisierten Busausflug teilgenommen; er wurde mit den Passagieren des Nachbarschiffs Luna unternommen und auch die Nachbarschiff-Mitreisenden waren angenehm (darunter eine Leserin der ersten Stunde, die sich aber erst im Nachhinein zu erkennen gegeben hat. Coucou Martina!), es gab im Bus kein Gedrängel um „feste“ Plätze, alles prima. Übrigens gab und gibt es ein großes Ausflugsangebot mit durchaus sportlichen Varianten. Gut zu Fuß sollte man aber überall sein, schon wegen des Kopfsteinpflasters in den französischen Altstädten!

So, jetzt aber Leinen los. Musik-Bingo gab es am Abend, an dem wir von Viviers bis nach Arles weiterschipperten.

Gloria Gaynor – Musik-Bingo

Da hörten wir auch mal fetzigere Klänge aus unterschiedlichsten Epochen, die restliche Zeit schallte, dank eines eigenen DJ’s, in der Regel sanfte französisch angehauchte Musik durch die Lounge. Getanzt wurde nicht, wäre aber möglich gewesen. Ich trank mich allabendlich durch die erfreulich lange alkoholfreie Cocktailliste.

Abenddrinks in der Lounge

In Arles kamen wir nachts um 4 Uhr an. Ich erwachte früh, es war noch alles dunkel und ich mochte diesen Blick auf das beleuchtet Arles gerne.

Arles frühmorgens

Später sah ich, dass van Gogh diesen Blick fast genau an der gleichen Stelle gemalt hat.

Tag und Nacht

Morgens um 9 Uhr starteten Ausflüge Richtung Camargue, wir aber liefen gemütlich an der Rhône entlang, um Arles zu entdecken.

Blick von den Arènes

les Arènes

durch die Stadt

Ich war ja vor zwei Jahren schon einmal in Arles und wollte gerne in die Fondation Vincent van Gogh, die damals geschlossen war.

Fondation Vincent van Gogh

Dieses Mal war sie zwar geöffnet, aber die Fondation unterstützt in erster Linie moderne Künstler und hat nur im Sommer zusätzlich Gemälde von van Gogh ausgestellt.

les Iris

Vincent

Insofern sahen wir keinen „echten“ van Gogh in Arles, aber van Gogh ist natürlich überall.

van Gogh auf Postkarten und Tischsets

van Gogh auf Servietten

Und Arles ist voller van Gogh Motive.

Das Nachtcafé am Tag

Der Krankenhausgarten

Und voller Street Art.

à la vie à l’amor

Schwarz-Weiß

poisson d’avril

Und dann fiel ich hin. Ein abschüssiges Sträßchen hatte alle paar Meter ein fünf Zentimeter hohes Stüfchen eingebaut. Fatal, wenn man nach oben schaut, um die himmelblauen Fensterläden vor dem blauen Himmel zu fotografieren.

Au bon marché

Es hätte sicher schlimmer kommen können. Dadurch, dass ich vier Schichten Kleidung anhatte (es war kalt!) passierte meinem rechten Ellenbogen nicht allzuviel. Und das Handy war Glasfoliengeschützt und hat es auch überlebt! Uff!

Fenster ohne Aussicht

Wir liefen jetzt ohne weiteren Umweg zurück zum Schiff und zum Mittagessen. Danach legte ich meinen Ellenbogen in eine Tüte voller Eiswürfel und schaute einen Moment in der Kabine deutsches Fernsehen. Um 14 Uhr waren wir eingeschrieben für unseren Busausflug nach Aix-en-Provence, bis dahin wollte ich mich etwas ausruhen.

Während wir in den Bus stiegen, ging es für die anderen mit dem Schiff nach Norden Richtung Avignon. Arles war unser südlichster Punkt der Tour und wir sind tatsächlich schon auf der Rückfahrt, auch wenn wir natürlich erst in der Mitte unserer kleinen Reise sind.

Der Weg nach Aix war nicht wirklich romantisch, wir fuhren überwiegend auf der Autobahn, der Himmel, in Arles gerade mal ein bisschen blau gewesen, zog sich schon wieder zu. Es begann sogar zu regnen. „Das stellen wir in Aix ab!“, versprach die wirklich reizende Reiseleiterin. Eine junge Französin mit einem umfangreichen Wissen und charmantem Akzent, die uns auf dem Weg mit Geschichte und Geschichten unterhielt, über alles, was wir auf dem Weg sehen („Obst- und Gemüsebäume“), über Aix und über Cézanne.

Stadtführung mit Kopfhörer

In Aix regnete es tatsächlich nicht. Die reizende Französin führte uns zügig und informationsreich durch Aix. Erstaunlicherweise habe ich alle historischen Fakten schon wieder vergessen, nur an die netten Anekdoten über Cézanne, der in Aix „großgewachsen“ ist und seinen Schulfreund Emile Zola, und warum Cézanne so gerne Äpfel gemalt hat, erinnere ich mich noch.

Hausecke mit Heiligenstatue

mes demoiselles

Platz in Aix

Crème Eclipse

Stadttor

Kathedrale

einer der vielen Brunnen

un décrottoir

vier Delphine

Es gäbe noch viel mehr zu sehen. Ich hätte gerne noch das Atelier von Cézanne wiedergesehen, das ich in den Achtziger Jahren schon einmal besucht hatte. Aber so viel Zeit war leider nicht und ein bisschen schön Kaffee trinken mussten wir ja auch noch und ein Eis und ein Crêpe wollten auf dem Cours Mirabeau auch verzehrt werden.

Wir fuhren mit dem Bus nach Avignon und sangen unterwegs mit der süßen Französin „An einem Sonntag in Avignon“

und „Sur le Pont d’Avignon“. Und das war alles nicht peinlich, sondern sehr nett.

weiter gehts nach Avignon … folgt bald …

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6 Kommentare zu In den Süden – Arles und Aix

  1. Ursula Weber sagt:

    Wieder so schöne Bilder zu deinem interessanten Bericht. Und nicht nur Iris als Blumen… 👍😍 Vielen Dank! 🙋

  2. Marion sagt:

    Wunderbar. Was ist denn Musik-Bingo? Habe mal eine Nil-Kreuzfahrt gemacht (nur 3 Tage), das war auch so schön!

    • dreher sagt:

      Die Mitspieler bekommen Zettel, auf denen 16 SängerInnen oder Liedtitel stehen und wenn das entsprechende Lied gespielt wird, macht man ein Kreuz auf dem Zettel. Wenn man alle 16 Titel angekreuzt hat, ruft man laut BINGO und kann was gewinnen. Nur stehen auf jedem Zettel beileibe nicht alle SängerInnen oder Titel – aber vielleicht habe ich auch nur nicht lange genug mitgespielt … ;)

  3. Ute sagt:

    och, das klingt ja alles sehr nett!
    Danke Christiane, für all die Infos und schönen Eindrücke und Fotos und leider auch Deinen Ellbogeneinsatz dafür…
    Hihi, tatsächlich Bingo, wenn auch Musik… :-) Aber beruhigend zu sehen, dass man überall seine Nischen finden kann…Bin ja auch schon zwischen Ü40 und U50…und glaube, mit einer Flusskreuzfahrt mit rüstigen Rentnern ohne „Hoch die Tassen“ wäre ich deutlich glücklicher als am Ballermann o.ä….Hauptsache kein ÜberallmitmachZwang…Wer weiß, vielleicht gibt das ja irgendwann mal was…on verra :-)

    • dreher sagt:

      … genau, habe ich gerade in der Fortsetzung geschrieben „kein Mitmachzwang beim Tanztee“ ;)

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