zu viele Päpste – Avignon

Habemus Papam?!

Ich habe tatsächlich den ganzen Vormittag damit verbracht, mir im Internet die Geschichte der Päpste in Avignon anzueignen, das heißt, erstmal habe ich Zeit damit verbracht, historische Texte nicht zu verstehen und suchte dann nach Geschichte, die für Kinder aufbereitet war. Gibt nix. Niemand will Kindern diesen Teil der Geschichte erklären. Zu kompliziert. Kinder tanzen nur auf der Brücke herum und singen Sur le Pont d’Avignon.

Ich habe aber dennoch was gefunden und weiß jetzt so ein bisschen, warum es plötzlich neben dem Papst in Rom noch einen Gegenpapst in Avignon und zeitweise noch einen dritten Papst in Spanien gab. Ein bisschen sage ich, weil mir geschichtliche Zusammenhänge immer schnell entgleiten. Zu lückenhaft ist mein Wissen, als dass aus dem fleckenhaften Mosaik ein Wandgemälde entstehen könnte. Wandgemälde, da haben wir es schon – unser Guide im Papstpalast sprach immer von „bemehlten“ Wänden und von der „Bemehlung“. Es hat mich so irritiert, dass ich auch dem Rest seiner Ausführungen nicht folgen konnte, weshalb ich jetzt nachlese, was es denn mit dem Papstpalast in Avignon eigentlich auf sich hat.

Der Himmel über Avignon

Aber eins nach dem anderen. Zunächst kamen wir frohgestimmt aber auch müde gelaufen abends in Avignon auf unserem Schiff an.

Blick auf die Rhône

Nach dem Abendessen liefen die meisten Mitreisenden, also die, die nicht wie wir einen Nachmittagsausflug gemacht hatten, sondern in Avignon per Schiff eingelaufen sind, los, zur späten Stadtführung durchs nächtlich beleuchtete Avignon. Wir hingegen genehmigten uns noch einen Drink in der Lounge und gingen dann früh schlafen. Immerhin war an diesem Sonntag auch die Sommerzeitumstellung und uns fehlte dieses Stündchen irgendwie. Ich ging noch einmal aufs Deck und fotografierte das nächtlich angestrahlte Avignon und auch unser Schiff.

nächtliches Avignon

Stern und Mond leuchten in der Nacht

andere Schiffe vor uns, wir sind die letzten am Kai

Kapitänsbrücke

Am nächsten Morgen gingen wir dann los, um Avignon zu entdecken, vor allem den Papstpalast, den ich, obwohl ich schon mehrfach in Avignon war, noch nie besichtigt hatte. Immer ging es in Avignon ums Theater und um das Theaterfestival. Diesmal ging es endlich und fast exklusiv um den Papstpalast.

Papstpalast – enfin

Innenhof

Blick zurück

Er ist groß, es geht lange Treppen hinauf und wieder hinunter. Und er ist, obwohl Nebensaison, voll mit Reisegruppen und vielen Touristen. Die Gruppen bzw. ihre Guides, die sich alle kennen, lassen einander gegenseitig vor oder einmal warteten wir auch, um den Reiseführer einer anderen Gruppe singen zu hören, um so in den Genuss der Akustik eines Saals kommen. Die Führung ist aufgrund der vielen Gruppen und dem Hin- und her (wir machen erst das und dann das, ach nein, doch nicht) genauso holprig wie das Deutsch unseres Guides. Außerdem schien er zu denken, dass wir alle schon ein solides Grundwissen in mittelalterlicher Kirchengeschichte haben. Ich stolperte über unbekannte Namen, zu viele Zahlen und komische Worte – Schisme sagte er. Ich grübelte lange, ob es ein deutscher Begriff ist, den er komisch aussprach. So wie auch die „bemehlten“ Wände. Ich musste mich so konzentrieren, um zu verstehen, was er sagen wollte, dass ich dabei den Zusammenhang verlor. Hängen blieben willkürlich ein paar Papstnamen, das unverstandene Schisma und dass unser Guide sein Deutsch in Unna gelernt hat. Nichts gegen Unna.

Fenster zum Hof

Ich will sie jetzt nicht mit den Päpsten, dem französischen König und ihrem Machtgerangel langweilen, aber knapp und verständlich geht es im folgenden Video um mittelalterliche Kirchengeschichte, leider hört es genau dann auf, wo es mit Avignon weitergehen könnte, (in Deutschland nehmen wir jetzt die Abzweigung zu Martin Luther) aber es schadet nichts, es sich trotzdem anzusehen, mit diesen sieben Minuten Geschichte bekommt man eine schöne Grundlage.

Diesen ersten Teil der dreiteiligen ZDF-Doku versteht man aber vielleicht auch ohne. Er ist lang, durchaus spannend, es gibt nicht zu viel Spektakel (Maximilian Schell läuft im langen, schwarzen Talar durch vernebelte mittelalterliche Mauern) und bleibt somit verständlich.

Ab Minute 23 geht es dann auch um Avignon und die Kamera zeigt uns den Papstpalast von innen. Nun, ob Sie sich eine knappe Stunde Papst-Geschichte antun wollen, ganz ohne in Avignon gewesen zu sein, überlasse ich Ihnen. Mir war es heute ein Bedürfnis.

Der Weg zurück zum Schiff ist lang, die Arosa Schiffe liegen ganz am Ende des Kais – ich hatte diesen Ausflug in der irrtümlichen Annahme gebucht, er wäre eine Kombi aus Bustour- und Besichtigung, aber natürlich fährt kein Bus durch die engen, mittelalterlichen Straßen Avignons. Ich hätte es wissen können.

der Süden ist blau

Erschöpft erreichten wir als Letzte das Schiff, das gleichsofort ablegte.

Die Luna legt ab

Ich rannte schnell an Deck, denn wir würden noch einmal an der Brücke von Avignon vorbeifahren, um würdig Abschied zu nehmen.

Stairway to heaven

Außerdem gab es Paella an Deck, vom Küchenchef persönlich zubereitet. Es war zwar windig, aber immerhin auch sonnig genug, dass zumindest ich dort oben essen mochte.

auf Deck

sur le pont d’Avignon

An Deck plauderte ich ein wenig mit dem Kapitän, der einzige Franzose an Bord. Ohne einen französischen Kapitän sei es unmöglich eine Genehmigung für die Schifffahrt auf einem französischen Fluss zu bekommen, erfahre ich.

der Kapitän beim Wendemanöver

Die Crew besteht überwiegend aus Osteuropäern: Ungarn, Tschechen, Polen, Rumänen, Bulgaren. Nur ein Teil der Schiffsoffiziere sind Deutsche. Untereinander sprechen alle Englisch und viele Kellner und Köche lernen gerade noch die ersten deutschen Worte: Es ist die erste Reise der Saison, manches läuft noch ein bisschen holprig, aber alle waren wahnsinnig motiviert und lächeltenn, was das Zeug hielt, trotz der rot-übermüdeten Augen, die ich auch sah. Auch wir hatten Probleme in der ungewohnten Umgebung tief und fest zu schlafen, obwohl das Schiff bislang sanft und ruhig dahinglitt. Die Kabinen der Besatzung liegen ganz unten, dort wo es eher laut ist und sie teilen sie sich zu zweit oder zu dritt, wie die beiden Matrosen, deren Namen ich nicht erfragt habe. Sie kommen aus Ungarn und sie machen einen Drei-Schichten-Knochenjob.

die ungarischen Matrosen

Ich sah sie ununterbrochen das Deck aufräumen, putzen, säubern, das Schiff an- und ablegen, in den Schleusen achtsam an Deck, tags, nachts und bei jedem Wetter und immer waren sie gut gelaunt.

der Papstpalast im Kürbis

Zum Nachtisch ging ich dann aber noch ins Restaurant und freute mich am geschnitzten Papstpalastkürbis. Das Essen an Bord war übrigens französisch-mediterran angehaucht und ich futterte mich die ganze Woche durch das täglich wechselnde ausgezeichneite Fischangebot. Wenn ich etwas enttäuschend fand an diesem morgens, mittags und abends stets reichhaltigen und liebevoll dekorierten Büffet, dann die Qualität manchen Desserts und der Kuchen. Es mag damit zu tun haben, dass ich in Frankreich lebe und mit französischen Desserts vertraut, aber daher vielleicht auch besonders anspruchsvoll bin. Es hat mich aber nicht gehindert, alles zu probieren und gelegentlich nachzufassen. Ohne Dessert gibt es bei mir kein Essen. Geschichten aus meiner Kindergartenzeit wurden erzählt, in der ich nicht, wie andere Kinder, beim Abholen gefragt habe „Was gibts zu Essen?“, sondern immer „Was gibts zum Nachtisch?“. Nun ich kann mich nicht erinnern. Möglich ist es aber.

Nachmittags gab es Kaffee und Kuchen und Tanztee. Alles freiwillig, niemand wurde gezwungen, es gab keine Eintänzer und keine aggressive Mitmach-Animation. Später erfuhren wir noch etwas über Lyon und die geplanten Ausflüge am nächsten Tag und schon war es Abend. Die Zeit verflog und ich war noch nicht einmal in der Sauna gewesen.

il y a du vent

wird immer noch fortgesetzt …

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6 Kommentare zu zu viele Päpste – Avignon

  1. Ute sagt:

    Wow Christiane, ich ahne schon…da bleiben keine Fragen mehr offen…:-)
    Es macht so einen Spass, Deinen ausfuehrlichen Bericht zu lesen! Dann noch die Fotos…Hab mich bei Berichten ueber Flusskreuzfahrten noch nie so nah dran gefuehlt, noch nie kamen sie mir so authentisch…eigentlich mag ich dieses Wort nicht, aber hier ist es genau was ich meine…vor!
    Du siehst, ich bleibe dran an Deinen Berichten …. Gucke ich doch sonst nicht so oft, aber immerhin seit Jahren rein….
    Danke! Und liebe Gruesse
    Ute
    achso, ich suche auch gerne nach den Kinderinfos, wenn ich etwas nicht verstehe

  2. Marion sagt:

    Das geht mir auch so, dass Geschichts- und Reiseführer-Wissen quasi sofort wieder weg ist. Da liegst Du mit Deiner Nachbereitung ja goldrichtig. Hihi, die Sterne und der Mond sind nur die Staubpartikel auf meinem Bildschirm. Wenn die Desserts so wichtig sind, braucht man sich nicht über die zusätzlichen Kilos zu wundern, oder? Ich esse auch zuviel Süßkram und wiege auch über 20 kg mehr als in meiner Jugend. Aber selbst damals, als ich noch den sportlichen „Superbody“ (Zitat) hatte, war es mit der Liebe und dem Selbstbewusstsein nicht leichter. Alles eine Kopfsache.

  3. Mumbai sagt:

    hab shisme auch noch nie gelesen oder gehoert und gleich gegoogelt. Bedeutet
    Spaltung/Trennung einer Glaubensgemeinschaft, naeher kann und will ich es auch
    nicht erlaeutern, denn es ist zu kompliziert. Der Palast der Paepste ist fuer mich eines
    der beeindruckendsten Bauwerke und mit seiner mittelalterl. Schlichtheit faszinierend.
    Koennte mir vorstellen mit etwas Komfort darin zu wohnen. Naja, 2-3 Raeume wurden
    genuegen. Eine Fuehrung durch so ein gigantisches Bauwerk ist zwar ratsam doch ich
    bevorzugte es mit vorherigem Einlesen (hab nicht viel bis heute davon behalten und ist
    fuer mich auch nicht so wichtig) und reinem Genuss durch diese alten Mauern zu klettern.

  4. Uschi sagt:

    Wieder wunderschöne Bilder und – wie immer – einen interessanten Bericht! Vielen Dank und liebe Grüße. Ein schönes Wochenende wünscht euch U.

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