Salz auf meiner Haut … und Sonne und Wind …

Gestern war Saisoneröffnung. Endlich. Letztes Jahr waren wir schon Anfang April schwimmen. Ich war schwimmen! Im Meer. Wassertemperatur kann ich leider nicht liefern, ich weiß so etwas nicht und Monsieur, der Wind-, Wellen- und Wasserkenner, war nicht dabei. Es war nicht so kalt, ich war aber auch später am Tag als sonst am Strand, und es war vor allem gestern draußen erstmals richtig warm. Wir hatten ja einen ziemlich kalten und verregneten Frühling. Ich hatte außerdem seit Monaten Halsweh – das wissen Sie aber alles schon. Ich war nicht ein einziges Mal im Hallenbad diesen Winter. Obwohl ich sogar einen Schwimmkurs machen wollte, um richtig schwimmen zu lernen, also mit Kopf ins Wasser und Atmen und Beintechnik und allsowas, und obwohl ich dafür extra diese Schwimmbrille mit optischen Gläsern (-10) bestellt hatte, die dann auch nach knapp sechs Wochen ankam. Ich habe sie heute zum ersten Mal getestet – und habe damit, da sie ja nicht alle meine Fehlsichtigkeiten behebt, Doppelbilder. Bisschen komisch, aber ich sehe was. Das ist die Hauptsache.

Was aber noch viel großartiger ist als das Sehen, ist, dass ich im Bikini am Strand war. Im BIKINI! Habe ich seit 30 Jahren nicht mehr getragen. Ich trage seit Jahren viel schwarzen Stoff mit Röckchen. Badeanzug im Retrostil. Viel Stoff mit Rüschen und Fältchen, der im Wasser schwer wird und am Strand nicht trocknet. Ich wollte so wenig wie möglich gesehen werden. Bodyshaming. Ich bin nicht sicher, ob so viel schwarzer Stoff am Strand ein wirklich ein gutes Versteck ist, es ist aber egal, denn damit ist jetzt Schluss! Ich habe einen Bikini! Ich ging am Strand entlang, ich schwamm, ich sah Menschen an, ich sah Frauen in allen Körperformen in Badeanzügen,Tankinis, Shorts, Röckchen, und ich sah Frauen in allen Körperformen in Bikinis! Große und kleine und bunte Bikinis. Mein Bikini ist auch bunt und er ist eher klein. Mein Bauch bekommt nach 30 Jahren wieder Sonne zu sehen. Ich fühlte mich so frei, so genial frei im Wasser, in der Luft. Und niemand beachtete mich. Niemand! WTF Bodyshaming! Ich bin immer noch so happy, dass ich heulen könnte. Halsweh habe ich auch nicht mehr.

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16 Kommentare zu Salz auf meiner Haut … und Sonne und Wind …

  1. Marion sagt:

    Ohh, Neid… wie schön. Ich gehe heute nur ins Hallenbad, tut aber auch immer gut. „Mein“ Freibad eröffnet erst Ende Mai… Genieße das neue Körpergefühl im Bikini, manchmal muss man sich „nur“ trauen (leichter gesagt als getan). Ich meinerseits genieße das neue „Frisurgefühl“ mit Kurzhaarfrisur (seit gestern, spontan).

    • dreher sagt:

      Danke! Sich „nur“ trauen, genau! Über 50 Jahre verzerrte Körperwahrnehmung, Bodyshaming und Komplexe abbauen, erfordert eine gewisse Kopfarbeit. Aber dann geht es :D Genieße du deine neue Kopffreiheit!

      • Marion sagt:

        Das hört sich aber schlimm an. Und so früh schon? Dir bleibt anscheinend nichts erspart… Andererseits ist das ja leider für viele Frauen ein Thema, für mich auch.

  2. Ute sagt:

    „WTF Bodyshaming! “ = :-))) Fast hätt‘ ich mitheulen können! Wie cool ist das denn? Vielleicht kommen ich da auch irgendwann noch hin, auch wenn ich mich im Moment meilenweit davon entfernt fühle…Ist ja schließlich unser Leben und nicht das unserer Zuschauer…die wir uns teilws. ja anscheinend auch einbilden…
    Herzlichen Glückwunsch!!!

    • dreher sagt:

      Danke Ute! Ich empfehle den Film „Embrace“. Sehr guter Einstieg in den (Bodyshaming-)Ausstieg ;) Schon der Trailer ist stark!
      https://www.youtube.com/watch?v=__2AayArYfs

      Und hier die deutsche Synchronfassung
      https://www.youtube.com/watch?v=Oojpv2ma0ZA

      • Marion sagt:

        Wow danke für den Tipp!

      • Ute sagt:

        danke für den Tip, schon in der Bücherei bestellt :-)

        • dreher sagt:

          Das freut mich! :)

          • Ute sagt:

            Nachdem ich endlich auf der Warteliste der Bücherei oben angekommen war, habe ich mir vorgestern „Embrace“ angesehen. Sehr wichtiger Film, finde ich. Sehr bewegend. Danke für die Erinnerung daran. Irgendwie hatte ich nach dem Erscheinen vergessen, dass ich ihn mir ansehen wollte.
            Warum machen wir Frauen es uns so oft so schwer?
            Deinen Kommentar vom 23.04. weiter unten fand ich auch sehr beeindruckend!
            Oh, ich möchte auch den Schalter umlegen und aufhören, darauf zu warten, dass…Ich will jetzt auch „einsteigen in den Ausstieg“ :-)
            Liebe Grüße und erholsame Tage nach dem Kettensägenmassaker

          • dreher sagt:

            Danke Ute!
            Ich freue mich, wenn du den Film magst! Ich weiß nicht, wie gut dein Französisch ist, mir hilft gerade sehr der Podcast von Clotilde Dusoulier. Ich habe von Vorne angefangen, aber zum Thema „aufhören zu warten, dass es irgendwann besser wird“ ist der hier ganz passend: https://www.changemavie.com/episodes/attendre. Zum „Schalter umlegen“ passen die Podcasts Nr. 26 und 27. Wir haben es nämlich in der Hand bzw. im Kopf, das zu tun. Falls es in Französisch nicht passt, sie gibt auch immer Links zu englischsprachigen Podcasts, die wiederum für mich nicht mehr passen.
            Liebe Grüße!

  3. Ursula Weber sagt:

    Oh wie schön, liebe Christiane, dass du deine Bikinischeu überwunden hast und ein neues Körpergefühl erleben kannst 🤗👍Ich wünsche dir noch viele frohe und freie Tage am und im Meer🙋😘

  4. Mumbai sagt:

    Embrace war letzte Woche im Deutschen TV zu sehen.Sehr ermutigend…wir sollten
    echt nicht immer denken, was eventuell Andere ueber uns denken koennten. Es gibt
    so viel mehr an und in uns und genau betrachtet hat jeder eine gewisse Schoenheit.
    Meine persoenliche Meinung allerdings ist, dass man nicht unbedingt provozieren muss
    bzw. seine unvorteilhafte Seite zur Schau stellt , vielmehr seine Schokoseite zeigt…das
    gibt persoenl. Auftrieb.

    • dreher sagt:

      Ich musste über Ihren letzten Satz erstmal lange nachdenken. Wen sollte ich denn im Bikini in Südfrankreich am Strand provozieren? Ich war ja nicht in Saudi Arabien am Strand. Tatsächlich hat mich niemand beachtet. All das Schämen findet bzw. fand nur in meinem Kopf statt.

      Und das ist doch alles sehr subjektiv. Schon vor dreißig Jahren sagte mir eine Freundin, dass ich mit meinen „knubbeligen Knien“ besser keine kurzen Röcke anziehen sollte. Anscheinend fühlte sie sich provoziert. Von meinen Knien? Oder von meiner Lebenslust trotz dieser „schrecklichen“ Knie? Damals war ich Mitte 20 und 20 Kilo leichter und schämte mich dennoch ein Stückchen mehr für meinen Körper. Aus heutiger Sicht völlig zu Unrecht.

      Ich habe zwei Beine, die waren noch nie wirklich schön, aber es sind nun mal meine Beine. Sie funktionieren trotz diverser Auto- und Skiunfälle noch immer, die knubbeligen Knie knirschen, aber ich kann noch laufen. Ich habe die Hälfte meines Lebens meine Beine versteckt, am Strand in Tüchern und in dem ich so lange wie möglich unbeweglich auf dem Handtuch verharrte, sonst in langen Hosen. Wozu?

      Meine Beine sind sicher nicht meine Schokoladenseite, aber es sind meine Beine. Ich kann zwanzig Kilo weniger wiegen, es bleiben keine schönen Beine. Wenn ich keine Beine mehr hätte, wäre es dann besser?

      Das verklemmte Schämen macht aus mir keinen frohen Menschen, es macht aus mir eine strenge Gouvernante, die es sich und den anderen nicht leicht macht. Eine, die sich alles verbietet.

      Das ist jetzt vorbei. Ich habe beschlossen, dass ich mich so wie ich bin lieb habe. Ich habe nur diesen Körper und nur dieses Leben. Ich kann nicht mehr darauf warten, dass ich zehn Kilo leichter werde, um mich dann immer noch nicht ausreichend schön zu finden, um dies oder das zu machen. Das Leben ist jetzt und hier. Und ich fühle mich so erleichtert und frei. Das sollte niemanden provozieren.

      • Caroline Bahri sagt:

        Coucou Cristiane!
        Dafür sende ich dir „Bisous“. Freu dich, dass du auf deinen „knubbeligen“ Beinen so gut spazieren gehen kannst. Meine Beine gehen aufgrund der MS gar nicht mehr gut.

        Trotzdem freue ich mich am „Jetzt und Hier“ und werde auch weiterhin im Bikini baden gehen. Die Meinung der anderen Leute ist mir doch so egal. Ist man als Frau nach der Menopause nicht eh fast unsichtbar?

        Meine Einladung zu uns an den Pool gilt auch in diesem Sommer – und da sind wir ganz allein.

        Übrigens vielen Dank für deinen schönen Bericht über die Reise mit deiner Mutter und die wunderbaren Fotos.
        (Aber – tschuldigung – der Rhone hört sich für mich besser an, es sagt ja auch keiner „die Rhein“).

        Lieben Gruß
        Caro

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