Ausgangssperre – le confinement

Voilà, es ist soweit. Gerade hat Präsident Macron eine Ausgangssperre angeordnet. Ab morgen 12 Uhr mittags. Wir haben es schon erwartet, Italien ist schon lange soweit und auch Spanien hat sie am Wochenende angeordnet. Für erste vierzehn Tage, heißt es. Aber es ist uns allen klar, es wird länger dauern. Und die Ausgangssperre wird nach Bedarf angepasst. Denn zur Zeit darf man noch einkaufen, sogar Joggen ist nicht wirklich verboten, allerdings alleine, aber Macron appelliert an unser Verantwortungsbewusstsein und unsrere Solidarität mit den anderen (den Virus nicht unbewusst weiterzugeben) und sich nicht mit Freunden und Familie zu treffen, und nicht, so wie gestern geschehen, in geselligen Gruppen in Parks herumzusitzen oder am Fluss oder am Meer. Die Parks werden daher ab morgen geschlossen. Im Prinzip sollen wir zu Hause bleiben und nur unvermeidbare Ausgänge vornehmen. Ein Arztbesuch etwa oder der Kauf des Baguettes. Das sagt er tatsächlich. „Nous sommes en guerre“ sagte er wiederholt, „une guerre sanitaire“, aber ein Krieg erfordere besondere Maßnahmen. So werden auch die Grenzen zu den anderen Ländern geschlossen. Franzosen, die aus dem Ausland zurückkommen wollen, können aber jederzeit kommen. Es ist eine lange Rede. Er bitte uns, nicht in Panik zu verfallen, keine hysterischen Hamsterkäufe zu machen, er bitte uns um Ruhe, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein. Der zweite Wahlgang, der für nächsten Sonntag vorgesehen war, findet nicht statt, beziehungsweise wird dort, wo er nötig ist (in Cannes wurde David Lisnard mit 88% im ersten Wahlgang gewählt), bis auf weiteres verschoben.

Da sich das schon in den diversen Sendungen heute Abend ankündigte, war ich noch schnell in der Apotheke, um ein Medikament zu erstehen; dort hatte man die Regale umgestellt, um verschiedene Zonen zu schaffen und mit Klebeband Abstandslinien auf den Boden geklebt. Die Apothekerin war schon völlig erschöpft. Die Aggressivität der Menschen, sagte sie, sei kaum zu ertragen. In der Bäckerei gegenüber gleiches Szenario. Viele orangefarbene Streifen zeigen an, was ein Meter Abstand bedeutet. Zwei abgekämpfte Bäckereifachverkäuferinnen vor fast leeren Regalen.

Ärzte, die heute den ganzen Abend im Fernsehen zu Wort kamen, sind enttäuscht, ihnen geht dieses „lasche“ Ausgangsverbot nicht weit genug. Sie sagen, wir sind mit der Epidemie nur acht Tage hinter Italien, wir hätten jetzt schon strengere Maßnahmen treffen können, um es gar nicht so weit kommen zu lassen. Sie erzählen von unhaltbaren Zuständen in den Krankenhäusern im Osten Frankreichs, das ist konkret das Elsass. Ein Arzt, der vergangene Nacht Dienst am Notfalltelefon hatte, sagte sichtlich erschöpft, „wir hatten 11.000 Anrufe für alles und nichts“. Er appelliert an die Vernunft der Franzosen, die Notfallnummer und den Notarzt nur wirklich im Falle eines Notfalls anzurufen und nicht weil man Bauchweh habe. „Reißen Sie sich zusammen“, sagt er nicht, aber er meint es. Ins Krankenhaus solle man erst gehen, wenn man hohes Fieber habe und Atemprobleme, vorher sei dort kein Platz für einen. Und dann auch nicht wirklich, so wie es scheint. Die Ärzte sagen ungern, dass sie eine Auswahl treffen müssen, wem sie ein Beatmungsgerät geben können und wen sie seinem Schicksal überlassen müssen. Das Militär wird von nun an, wie in einem Krieg, eingesetzt, um die Kranken in andere Krankenhäuser zu transportieren, wo die Kapazitäten noch nicht erschöpft sind.

Macron gab noch weitere Maßnahmen bekannt, damit die Menschen, die durch den Verdienstausfall in Not geraten, überleben können. Es wird Hilfen geben, Elektrizitätsrechnungen, Wasser- und Gaskosten sowie Mieten sollen gestundet werden und allerlei anderes. Das kann man im Einzelnen sicher morgen überall nachlesen.

In Deutschland schreibt sich seit ein paar Wochen der Journalist und Autor Christian Y. Schmidt in den sozialen Medien heiser; er lebt eigentlich in China. Er hat die Epidemie dort erlebt und findet, dass Deutschland gnadenlos hinterhertrödelt. Wenn Sie pertinente Zahlen und sehr konkrete Hinweise haben wollen, googeln Sie ihn auf Facebook. Ich kann ihn und das alles nur in kleinen Dosen vertragen, aber ich denke, eine gewisse Hellsichtigkeit sollten wir alle haben in diesen Tagen. So viel für eben. Aus unserem Quarantäne-Aufenthalt schreibe ich Ihnen die nächsten Tage. „Restez chez vous“ haben heute Krankenschwestern und Ärzte in kleinen Videos auf FB oder wars Instagram? gefordert. Meint, „helft uns, indem ihr zuhause bleibt“. Helfen Sie den Ärzten und dem ganzen medizinischen Personal und bleiben Sie zuhause! Und vor allem: Bleiben Sie gesund!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu Ausgangssperre – le confinement

  1. Claudia Pollmann sagt:

    Bei uns in Kempten war gestern Abend kein Brot mehr zu kaufen – die Bäckereien ware leergekauft – das habe ich wirklich in 45 Jahren nicht erlebt. Sonst happy live – die Spielplätze voll mit Kindern und Müttern und meine Nachbarin hat mir schon erklärt das ihr ihre lieben Kleinen jetzt schon gehörig auf die Nerven gehen – das noch 5 Wochen lang – schreckliche Vorstellung. Sonst reger Freizeitspaß und eher das Gefühl das wir einfach mal ein paar Tage Urlaub mehr haben. Bei mir in der Firma häufen sich so langsam die Fälle und wie lange hier der Notbetrieb läuft weiß keiner … aber Hauptsache zuhause happy live…. vielleicht war die Berichterstattung das Corona nur Alte betrifft ein großer Fehler – das die meisten sich noch nicht wirklich angesprochen fühlen. Netter Kommentar am Rande – „Macht ja nix wenn die Alten sterben – werden ja ein paar Wohnungen frei“ Aussage eines 26 jährigen – noch Fragen?

    • dreher sagt:

      Es ist so unwirklich, wir sehen nicht, was los ist. Es passiert alles in den Krankenhäusern und momentan nur „anderswo“. Wenn die ersten Ärzte von ihrem überfordernden Alltag berichten können, wird man es verstehen, nur ist es dann schon zu spät für die Prävention, die jetzt keiner einsieht.
      Bleib(t) gesund!

  2. Birgit sagt:

    Liebe Christiane, ich kann mich dem Kommentar von Claudia leider nur anschließen. Gestern war ich im Penny Einkaufen, voller Menschen, viele Kinder mit ihren Eltern, alte Ehepaare dicht gedrängt. Es war alles da – außer Klopapier! Von wegen 1 Meter Abstand, die Menschen sind ja so unbedarft! Später sind wir dann in unseren Großen Garten spazieren, dort das gleiche Bild. Als wenn jetzt normale Ferien wären, Großfamilien unterwegs. Ich denke, da helfen nur Verbote, die natürlich auch kontrolliert werden müssten.
    Bleibt gesund!

  3. Mumbai sagt:

    Ueberall das gleiche, zuerst lange vertuschen dann Panik machen, obwohl ich die Situation nicht runterspielen moechte und mich an alle Vorschriften halte. Eine Zeit wo ich Friedrich den Grossen zitieren moechte….seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere. Leider wird, ohne pesimistisch zu sein, die grosse Herausforderung noch kommen. Bleibt gesund und alles Gute.

    • dreher sagt:

      Ich weiß nicht, ob vertuscht wurde und ich denke nicht, dass Panik gemacht wird. Panik machen die Menschen, weil sie nicht richtig verstehen, wie sie sich das vorstellen sollen, denke ich. Es bleibt unwirklich mit den vielen Kranken und Toten und dem Virus, der fast jeden erwischen wird. Die einzigen, die sehen, was passiert, sind die Ärzte und Krankenschwestern und -pfleger. Aber ich denke auch, dass wir noch ganz am Anfang sind. Bleiben Sie auch gesund!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.