Corona Tagebuch – Tag 25

Karfreitag ist hier kein Feiertag, Post kam aber trotzdem keine. Ich war heute früh kurz im Lädchen einkaufen, habe in der Apotheke ein Medikament bestellt und beim Bäcker Brot und nochmal Schokoeier und Kekse in verschiedenen Häschenformen erstanden. Den Bäcker freut es, die großen Kinder hoffentlich auch, und ich mache mir nicht noch zusätzlich Arbeit mit Plätzchen backen. Für Ostersonntag plane ich nämlich trotzdem ein Menü, das dem Ostermenü im neuesten Kriminalroman nachempfunden ist, wobei es sein kann, dass die Lammkeule gegen einen auf dem Fischmarkt zu erstehenden Fisch eingetauscht wird. Lammkeule für zwei ist ja auch etwas viel. Und alles in allem wird es weniger als mehr, aber es gibt Petits Farcies als Entrée und eine Tarte au citron meringué als Dessert. Falls Sie sich noch esstechnisch inspirieren wollen, Alain Claude Sulzer liefert hin und wieder kulinarische Lebenszeichen. Sie können natürlich auch jeden Tag mit Nelson Müller kochen, aber für die süßen Hefeosterhasen braucht er schon mal Mehl, Eier und Hefe, das könnte schwierig werden. Wenn es nicht gerade ums Eier färben geht, das geht ohne Eier eher schlecht, gibt es hier Alternativen, was man statt Eiern zum Kochen und Backen nehmen kann. Ersatz ist übrigens eines der deutschen Worte, das sich im Französischen erhalten hat. Genau wie Leitmotiv. Dem muss ich aber ein andermal auf den Grund gehen.

Wir haben aber Eier und es ist die Enkelin, die dieses Jahr das Eierfärben mit Zwiebelschalen übernimmt, ich habe ihr die Anleitung (wir haben es schon ein paar Mal zusammen gemacht) über die Terrasse zugerufen und gerade noch ein Tutorial zugesendet. À propos Tutorial, ich habe eines gefunden, dass mir das Bildverkleinern auf Irfan View erklärte und ich bin ziemlich begeistert. Danke an Sabine S. Ich habe es an den Gartenzaun-Fotos ausprobiert, Sie können mir eventuell Rückmeldung geben, ob die Fotos immer noch den Text überlappen oder ob es diesmal gut gegangen ist. Merci!

Zur Lage: Über das Maskentragen wird jetzt gestritten, der Staat findet es nicht gut, was die Bürgermeister hier und da angeleiert haben und dass jetzt gleich alle, auch Kranke oder Risikopatienten, mit einer wie auch immer gebastelten Maske unterwegs sein wollen. Der Bürgermeister (er hat eine gute Kommunikationsabteilung, das muss man ihm lassen) hat wiederum sehr demonstrativ tausende von offizielle Masken und Schutzkleidung aus „eigenen Stadtbeständen“ an das Krankenhaus geliefert, das eigentlich dem Staat und dem Gesundheitsminister unterstellt ist und von diesem beliefert werden müsste, aber nicht wird (weshalb der Staat hin und wieder importierte Masken beschlagnahmen lässt, ich sprach schon davon); jeder meckert hier über die Inkompetenz des jeweils anderen. In der Apotheke verfolgte ich eine Diskussion, wo eine Pflegekraft sich sorgte, dass ihre über 90 Jährige Patientin eine Maske für sich forderte, um endlich wieder selbst rauszugehen. Ich bin so froh, dass wir das alles mit meiner Schwiegermutter nicht mehr erleben müssen.

Präsident Macron hat sich mit Dr. Raoult getroffen, Sie wissen schon der Chloroquine-Experte; es wird erwartet, dass Monsieur le Président sich am Montag Abend erneut an uns wendet. Wir sind in Frankreich noch nicht über den Berg, auch wenn in unserer Region die Zahlen nicht besorgniserregend sind, ich zumindest erwarte noch keine Lockerung der Ausgangssperre, obwohl man meinen könnte, es wäre bereits lockerer, so viele Autos wie wieder über die Straße preschen. Zu den Verstößen, die die Polizei meldet, gehören jetzt auch viele Raser, die die freien Strecken ausnutzen wollen, und nachts vor allem Drogendealer, die ihre Ware an den Kunden liefern, wie ein Pizzabringdienst.

Zurück zum nahen Osterfest. Ich bin ja katholisch sozialisiert und auch wenn ich mich von Vielem über Jahrzehnte ferngehalten habe, das, was man als Kleine eingetrichtert bekam, das sitzt. Mich hat es irritiert, dass bei der Beerdigung von Jacques Chirac, der eine Messe in großem Pomp bekam, ein Journalist den Zuschauern bei der Liveübertragung allen Ernstes die Messe erklärt hat. Aber nun ja, die Enkelkinder wissen auch nur ganz vage, was es mit Jesus und der Kreuzigung und der Auferstehung so auf sich hat und sie verstehen nicht, dass man so einen „Quatsch“ glauben kann. Luda L. hat mir gerade einen Karfreitag gewünscht, mit allem, was für mich dazu gehört und ich merke, dieses Jahr, wo es nicht möglich ist, ist es mir ein Bedürfnis, nochmal den Kreuzweg „zu gehen“. (Danke Luda). Friederike hat über den Blutschrein in Walldürn geschrieben. Man kann da manchmal live mitbeten. Unreligiös aber ebenso wundersam: Bei Petra Reski finden Sie weitere erstaunliche Bilder vom stillen Venedig.

Bis morgen! Und Sie wissen schon …!

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11 Kommentare zu Corona Tagebuch – Tag 25

  1. Anne sagt:

    So, jetzt noch mal hier ;-)
    Also über den Text des Blogeintrags gehen die Fotos nicht, aber rechts über die Menüspalte, sehe ich gerade… und schaue die Seite auf dem Handy an, da sieht es leider genauso aus. Hm.

    • dreher sagt:

      Danke, das ist ja doof, schade, mal schauen, was ich da noch machen kann. Noch kleinere Fotos? Vielleicht passt die neue Fotofunktion auch einfach nicht zum alten Blogformat. Danke fürs genaue Schauen!

  2. Anne sagt:

    Einen Karfreitags-Link möchte ich noch hier lassen:
    Eine ganz besondere Version der Johannes-Passion von J.S. Bach, heute Nachmittag aufgeführt von einem kleinem Ensemble an seinem Grab. Zugeschaltet wurden Chöre, die eigentlich zum Bachfest nach Leipzig gereist sein wollten.
    Bis Juli ist es in der arte-Mediathek: http://www.arte.tv/de/videos/097176-000-A/johannes-passion-aus-der-leipziger-thomaskirche/
    Und hier gibt es weitere Infos sowie ein Programmheft mit dem Text zum Mitlesen sowie Noten der Choräle zum Mitsingen: http://www.carus-verlag.com/themen/mitsing-aktionen/johannes-passion/
    Alles Gute! Anne

  3. Mumbai sagt:

    Ihre Fotos kann ich bestens auch am
    Computer sehen. Aber ich spreche lieber ueber das Osterlamm. Ob Lamm zu Ostern sein muss ist Tradition, wir lieben es zu jeder Zeit. Frohe Ostern!

    • dreher sagt:

      Danke! Frohe Ostern wünsche ich traditionell erst am Sonntag 😊

      • Mumbai sagt:

        haette ich gewusst, dass Sie doch weiter ihr Tagebuch fuehren, waeren meine Wuensche erst am Sonntag eingetroffen. Dennoch waren sie herzlich gemeint.

        • dreher sagt:

          Schon klar! 😊 Ich schreibe, kann nur sein, dass es weniger wird oder erst spät und dass ich nicht mehr auf alles ausführlich antworten kann. Daher die Ankündigung. LG

  4. Evelyn Kerry sagt:

    Eier kann man auch noch mit Spinat, Blaubeeren (nur mit den echten, aus dem Wald, die gezüchteten versauen einem längst nicht so effektiv die Finger und Klamotten!!) oder Roten Beeten färben, insofern man das alles in dieser etwas speziellen Zeiten zur Hand hat. Wir sind ja auch nur ‚en petit comité’😥😥😥 (3Personen) da tut es eben eine Lammschulter😉!
    Frohe Ostern und keep up the good work!!!🤗

  5. E. K. sagt:

    Fürs Eierfärben geht auch noch Avocadokerne, das wird rosa.

  6. Flo sagt:

    Hallo Christane,
    Bei mir überlappen sich die Bilder leider alle, keine Ahnung warum!
    Mit Kurkuma werden Eier strahlend gelb! Hab gestern ein dutzend in Kurkumawasser mit einem kleinen Schuss Essig 9einhalb Minuten gekocht.
    Bei uns gibt’s an Ostern ein Maishähnchen, wir sind nur zu dritt, der Familienbesuch fällt ja leider aus. Außerdem habe ich heute einen Osterzopf gebacken, mit echter Hefe, die ich aber zugegebenermaßen schon vor 3 Wochen gekauft hatte, die letzten Wochen war keine mehr zu finden.
    Ich wünsche Ihnen/Dir trotz allem schöne Ostertage!