WmdedgT Januar 2020

Same procedure as every year. Was machen wir denn Schönes den lieben langen Tag, fragt Frau Brüllen jeden 5. des Monats, heute ist der 5. und ich mache mit beim allgemeinen Tagebuchbloggen. Sie lesen das ja anscheinend ganz gerne. Auch Monsieur hat sich daran gewöhnt, dass ich unsere „Poesie des Alltags“, wie Marion das nannte, immer mal wieder detailliert ausbreite und wundert sich schon gar nicht mehr, wenn ich „Stop!“ rufe und schnell noch Essen fotografiere oder ihn auffordere, ein Foto von mir zu machen.

8 Uhr, Monsieur weckt mich, indem er die Fensterläden aufstößt, aber es ist noch ziemlich dunkel draußen. Ich bekomme aber Kaffee und Rührkuchen ans Bett gebracht und lese auf dem Telefon etwas im Internet herum. Ein paar Frauen aus Australien und Neuseeland haben schon etwas in meinem Word-of-the-Year-Kurs gepostet. Das Lied von Diana Ross „I’m comin out“ soll heute die Inspiration sein. Die Australierinnen haben Sommer und zeigen ihre Beine (my legs come out) – wir haben Winter, es ist ungemütlich feucht und kalt an der Côte d’Azur. Es regnet und hat schon tagelang geregnet, im Hinterland liegt wahnsinnig viel echter Schnee und die Skistationen sind geschlossen!

8.30 Uhr. Da die Katze morgens so zutraulich ist, schnappe ich sie mir und gebe ihr zusammen mit Monsieur einen Teil ihrer Medizin: Pipette in den Mund, es ist eine Zumutung, findet die Katze und wehrt sich verzweifelt. Aber wir waren gestern beim Tierarzt, sie hat eine Ohrenentzündung und eine Pilzkolonie in den Gehörgängen, dagegen tun wir nun etwas. Immerhin hat das Antibiotikum für Katzen nun anscheinend unwiderstehlichen Fleischgeschmack, das frisst sie trotz der Kränkung mit der Pipette widerspruchslos.

Ich ziehe mich halbwegs inspiriert an, so ganz mutig ist es nicht mit den Farben, also kein wirkliches „Outcoming“, aber ich finde mich joyful, playful, colourful, es geht schnell, ich will auch praktisch angezogen sein, ich habe um 9.3o Uhr einen Termin beim Osteopathen und will dort schnell aus- und wieder angezogen sein. Ich versuche noch schnell ein Foto zu machen, aber es ist generell zu düster und das elektrische Licht macht alles Pink zu Rot.

Kurz vor 9 Uhr fahre ich nach Mandelieu, ich fahre am Meer entlang, es ist feuchtkalt (5°C), es nieselt und ist so dunkel, man könnte meinen die Welt ginge unter. Ich mache zwei Fotos davon.

9.30 Uhr beim Osteopathen erzähle erst ich meine Beschwerden, denn nein, nichts ist besser geworden in der Zwischenzeit, dann erzählt er mir sein Leid, danach zieht und dehnt er meinen Körper in alle Richtungen. Danach habe ich immer noch Schmerzen, aber andere.

Gegen 10.30 Uhr bin ich dort fertig und fahre wieder am Meer entlang zurück. Halte spontan an, um Fotos zu machen. Es ist immer noch düster, es nieselt und es ist windig. Ich habe vor Jahren mal in einem Geo- oder mare-Heft spektakuläre Meerfotos gesehen, und dann zeigte man die Fotos der „anderen“ Seite, also das, was hinter dem Rücken des Fotografen zu sehen war. Es war oft sehr ernüchternd. So sieht es hier auch aus.

Ich halte noch beim Bäcker an und kaufe Brot.

Zuhause ist Monsieur noch und wieder bei den Neujahrswunsch-Telefonaten. Ich scrolle etwas durchs Internet. Dann mache ich Essen. Chicoreesalat mit Clementinen, bei der Gelegenheit presse ich die Mandarinen aus, die wir gestern geschenkt bekamen und die mir zu viele Kerne haben, um sie so zu essen. Hier ein Foto mit Mandarinen (hellgelb und mit Kernen) und Clementinen. Mandarinen riechen und schmecken ganz anders als Clementinen. Wir trinken beide ein Gläschen Mandarinensaft.

12.30 Uhr Mittagessen: Etwas pâté für Monsieur, Chicoreesalat, Lachs und dazu eine Getreidemischung, in die ich gegen Ende der Kochzeit den Rest des roten Reis‘ werfe, der gestern übrig geblieben ist. Ich habe via crowdfarming nicht nur Mangos bestellt, sondern auch noch ein Reisfeld in der Camargue „adoptiert“ und bekam sechs Kilo Reis als Gegenwert geliefert. Es ist ein ganz kleiner Erzeuger, der seine Reisfelder mit Enten vom Unkraut befreien lässt. Dies ist eine japanische „Technik“, die der Sohn des Reisbauern nach einer inspirierenden Reise nach Japan eingeführt hat. Der Reis ist köstlich, braucht aber lange Kochzeit. (Wenn Sie bei dem Reis-Bauer-Link nach unten scrollen, kommt ein ganz nettes Video über diese Enten und ihren Job, auf Französisch allerdings)

Nach dem Essen hänge ich ein bisschen mit der Katze und dem Telefon auf dem Sofa herum, nicht genug Zeit für eine Sieste vor dem nächsten Termin.

13.45 Uhr fahre ich zu meiner Gemüselieferung. Seit ein paar Wochen lasse ich mir einmal wöchentlich Gemüse liefern – Carole und Céline liefern das Gemüse nicht nach Hause, aber auf mehrere Parkplätzen in Cannes, etwas, was sie während des ersten Confinements begonnen haben und weiterhin anbieten. Es ist nicht weit, ich könnte auch dorthin laufen, müsste aber mit zwei schweren Taschen wieder hügelauf zurücklaufen. Noch tun mir beide Arme zu sehr weh. (Ich könnte auch auf den Markt gehen, tue ich auch hin und wieder, aber ich kaufe dort entweder zu viel oder zu wenig, oft bin ich uninspiriert – ich finde diese Art der Lieferung praktisch, die Menge reicht für eine Woche und alles ist superfrisch!)

14 Uhr. Sie sind pünktlich. Ich bekomme eine etwas veränderte Lieferung, weil ich weder rote Beete, noch schwarzen Rettich, noch Sellerie mochte. Ich bekam stattdessen Lauch und Biozitronen – und Spinat, Salat, Kartoffeln, Karotten, Echalotten, und zwei Romanesco-Kohl und zusätzlich 6 Eier.

14.15 Uhr wieder zu Hause. Ich lege mich kurz hin. Wache erst eine gute Stunde später wieder auf, als das Telefon klingelt. Trinke einen Kaffee, scrolle durch Facebook, beantworte eine relativ dringende Mail (ich bin so im Rückstand mit Mails und Kommentaren und Post! So viele Menschen haben mir geschrieben!). Ich versuche den lieben Admin wegen der verlorenen Kommentare zu erreichen, bekomme nur den AB, hinterlasse eine Nachricht, räume das frische Gemüse in den Kühlschrank und fange hier an zu schreiben.

Zeitlich hier irgendwo macht Monsieur ein Foto von mir und meiner pinkfarbenen Baskenmütze. Wollten Sie doch sehen, oder?

17 Uhr mache ich uns Tee und jeder bekommt eine Scheibe des saftigen Orangenkuchens, den ich gebacken habe, so lecker! Danke übrigens für die Idee, ein Kochbuch zu machen, es schmeichelt mir, ich könnte es „Ehrliche Rezepte“ nennen und im Untertitel „wenn ich es kann, können Sie es auch“ ;-) aber ich fürchte der Markt ist schon gesättigt mit dem Kochbuch von Frau Bonnet („begeisterte Hobbyköchin“) und dem von Herrn Bannalec).

18 Uhr bekomme ich eine Nachricht, dass die Kommentare wieder da sind, man musste tief in den Eingeweiden des upgedateten Programms Häkchen setzen. (Sie sind wieder da und ich habe sie noch nicht mal beantwortet, *schäm*) Fettes DANKESCHÖN an Claus, ohne ihn wäre ich da total verloren! Mit ihm telefoniere ich dann ein gutes Stündchen und wir bringen uns auf den neuesten Stand.

19.50 Uhr die Zeit ist verflogen mit ichweißnichtwas. „On mange quelque chose?“ fragt Monsieur. Ich peppe die chinesische Hühnersuppe von gestern (home made, klar) wieder auf mit noch etwas Huhn, Lauch, Ingwer und chinesischen Nudeln. Die Katze bekommt ein weiteres leckeres Antibiotikum und Futter.

20.40 Uhr ich tippe hier, wir werden jetzt einen gestern aufgezeichneten Film sehen – Le repos du guerrier – nach einem Buch von Christiane Rochefort, das mich seinerzeit sehr beeindruckt hat. Den Film kenne ich nich nicht, er wurde gestern zum Tode von Robert Hossein ausgestrahlt. Pierre Cardin ist übrigens auch gestorben … wissen Sie natürlich alles schon. Zu Pierre Cardin verweise ich gern auf meinen Beitrag vom letzten Jahr, als ich das Museum in Paris besuchte.

Ok, ich habe einen riesigen Berg Bügelwäsche, normalerweise bügele ich vor dem TV, aber ich glaube, ich habe dazu heute keine Lust mehr.

So, jetzt habe ich den Film noch gesehen, mit Brigitte Bardot … sehenswert, erinnert mich an eine ähnlich destruktive Bezeihung, die ich einmal hatte, der Film endet anders als das Buch.

Mein Beitrag endet hier. Es ist Viertel nach Elf, ich kann es grad noch schaffen, am 5. zu posten.

Die anderen Tagebuchblogger wie immer bei Frau Brüllen. Merci fürs Lesen!

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5 Responses to WmdedgT Januar 2020

  1. Karin sagt:

    Ein gesundes und glückliches neues Jahr für dich und Monsieur, liebe Christiane!
    Vielen Dank für die Erinnerung an das Jean-Michel Jarre Konzert, ich hatte die Ankündigung in Telematin gesehen und leider wieder vergessen. Zum Bügeln war es grad das Richtige! :)
    Liebe Grüsse,
    Karin

  2. Gabriele Velten sagt:

    Liebe Christiane, ein glückliches und gesundes 2021 für Dich und Monsieur. Danke für Deine interessanten Berichte, auf die ich immer schon warte. So habe ich ein bisschen Süden Zuhause. Dein letztes Buch habe ich an meine Freundin ausgeliehen, weil ich es so interessant fand und ich ihr so vorgeschwärmt habe.
    Herzliche Grüße aus dem verregneten Baden-Baden, Gabriele

  3. Ute sagt:

    Liebe Christiane,
    auch von mir nur gute Wünsche für ein feines, fröhliches usw. neues Jahr!
    Oh, die Kommentare sind wieder da, wie schön :-)
    Und wie schön und strahlend und bunt Du auf dem Foto bist :-)
    Och, ein Kochbuch mit DEM Titel und DEM Untertitel…;-) da ginge doch bestimmt was, wenn man sich anguckt, wie riesig der Markt doch ist…
    Ich kenne ja nicht sooo viele Kochbücher, aus denen ich wirklich viel nachkochen mag… das könnte vielleicht das erste werden…Wenn das nicht Raum für einen weiteren Untertitel gibt…Ein Kochbuch nicht nur zum Anschauen…
    Ganz liebe Grüße
    Ute

  4. Croco sagt:

    Dieses Pink ist ein Ereignis!
    Ich gratuliere zu dieser Kombination. Sie steht Dir vorzüglich.

    • Martina sagt:

      Find ich auch. Sieht absolut super aus, so nach ’nicht unterkriegen lassen‘ – und das passt ja zu Christjann.