Blick zurück auf Ostern und fünf Fakten, die Sie vielleicht noch nicht von mir wussten

Am Karfreitag, der hier übrigens ein normaler Wochentag ist, habe ich frühmorgens mein Handy im Klo versenkt. Es rutschte aus der hinteren Hosentasche und alle Versuche es zu retten (Reis, Fönen) haben nichts gebracht. Zum Reis, der gerne als ultimativer Tipp gehandelt wird, ich weiß nicht, wer diese Idee erstmals hatte und ob sie wirklich jemals jemand ausprobiert hat, lassen Sie mich Ihnen sagen: wenn Sie ein durchnässtes Handy in einen Sack Reis stecken, haben Sie danach ein mit Reisstaub verklebtes Handy und alle winzigen Öffnungen ihres Smartphones sind ebenso mit Reisstaub oder mir Reiskörnern verstopft. Ich habe es dann lieber trocken gefönt (was man aber auch nicht machen soll!), und die mit Reis verstopften Öffnungen mit einem Pinsel mühsam wieder gesäubert. Trotzdem lag es wasserleichenmäßig darnieder und reagierte nicht mehr. So bekam die Entrümpel-Fastenchallenge eine unfreiwillige Krönung: acht Tage ohne Handy (bis ein neues kommt, das ich schon bestellt habe). Ich habe mich nur kurze Zeit wirklich geärgert; das letzte (teure) Handy wurde mir vor knapp zwei Jahren gestohlen, Sie erinnern sich vielleicht, ansonsten können Sie es hier noch einmal nachlesen, seitdem kaufe ich nur noch recht billige Modelle, insofern sind der Verlust und die Geldausgabe zwar ärgerlich, halten sich aber in Grenzen. Da ich mich für all mein fleißiges Ausmisten noch nicht belohnt hatte, und auch gar keine Idee hatte, was ich mir wirklich gönnen könnte, wird eben das neue Handy die Belohnung.

Karfreitag Abend rief dann die Tochter von Monsieur an – falls Sie hier treu mitlesen wissen Sie, dass ich, nach dem Weihnachts-Essen-Drama, der Familie noch ein Essen schulde. Da die ältere Generation in der Familie in der Zwischenzeit entweder schon zweimal oder zumindest einmal geimpft wurde, was uns alle durchaus erleichtert, wurde dem Projekt Essen mit acht Personen von allen Seiten erstaunlich unkompliziert zugestimmt. Ich hatte zusätzlich einen kleinen Klapptisch erstanden, den wir jeweils an den Tisch draußen, oder bei schlechtem Wetter drinnen, anstellen konnten, damit alle Platz fänden, ohne zu sehr aufeinanderzusitzen. Ich hatte bereits eingekauft, Fleisch beim Metzger bestellt und Brot beim Bäcker. Nur das Frische würde ich am Samstag noch auf dem Markt kaufen. Bei Herrn Buddenbohm las ich kürzlich, dass es im Discounter in Hamburg keinen Dosenmais gab und das Fehlen diverser Waren mit dem vor kurzem noch im Suezkanal festgefahrenen Containerschiff begründet wurde. Haha, dachte ich, als ich das las, guter Witz, aber tatsächlich sagte mein Metzger hier dasselbe, als ich eine Lammkeule bestellte. „Lammkeule gibts nicht“, sagte er. „Das Containerschiff, wissen Sie!“ Herrjeh, Lamm, das in Containern von irgendwo weit weg angefahren wird und nun vielleicht etwas angegammelt ist, will ich gar nicht haben. Aber der Lammfleischmarkt ist im Moment weltweit angespannt, erklärt er weiter, weil just vor unserem Osterfest die Juden Pessach gefeiert haben und nach uns feiern die Muslime Ramadan, und alle wollen Lamm essen. Vor allem Lammkeule. „Das Lammfleich ist sicher“ titelte zwar die eine oder andere Agrarseite, aber zu welchem Preis! Genau das sagte dann auch mein Metzger, es gäbe derzeit nur noch inländisches Lammfleisch, und das zu einem Preis, den er geradezu unverschämt fände. Nun stehe ich aufgrund meiner ländlichen Vorgeschichte den Schäfern generell und den französischen im besonderen tendenziell nah, und wenn die ein bisschen mehr Geld verdienen, soll es mir recht sein. Trotzdem bekomme ich keine Lammkeule mehr, und nehme daher mit zwei gerollten Lammschultern vorlieb. Immerhin habe ich zu Ostern traditionelles Lamm! Nun gehen wir zum ersten Satz dieses Absatzes zurück – die Tochter rief an und teilte uns mit, dass ihre Familie an dem so dringlich erkämpften Essen nun bedauerlicherweise nicht teilnehmen würde, da sie mit sofortiger Wirkung in Quarantäne seien. Quoi? frage ich. Was? Sie hatten in der vergangenen Woche überraschenden Besuch von Freunden bekommen, und leider sei einer der beiden Freunde nun eindeutig an Covid-19 erkrankt. Na toll. Wir lamentieren ein bisschen dramatisch herum, wie man das so hier macht. Ich schlage vor, das gekochte Essen vor die Tür zu stellen. Aber die Familie wird die Quarantäne im abgelegenen Haus in den Bergen verbringen, erfahre ich, da ist mehr Luft als in der kleinen Stadtwohnung, verständlich. Alles so wie schon an Weihnachten. Nun gut. Wir werden also wieder nur zu viert sein – und wie gut, dass ich keine große Lammkeule bekommen habe, sondern nur zwei Schultern, da wird eine kurzerhand eingefroren.

Ich überspringe das Essen, für das ich etwa zwei Tage in der Küche verbracht habe, aber ich war besser in der Zeit und weniger gestresst, weil nicht mehr so viel aufgeräumt werden musste, da dank der Fasten-Rümpelei schon so schön aufgeräumt war. Hurrah. Um zwölf kamen die Gäste und ich war noch im Bademantel (aber das Essen gut vorbereitet). Wir begannen mit Apéro (auf der Terrasse, dort war es leider kalt und windig, so dass wir vom weiteren Essen draußen absahen) und mit zwei Vorspeisen, Hauptgang, Salat, Käse und Torte bis 16 Uhr ging es im Esszimmer weiter, Kaffee und Schokolädchen gabs dann später im Wohnzimmer, und hätte man nicht aufgrund der Ausgangssperre um 19 Uhr zu Hause sein müssen, wäre man vielleicht noch geblieben.

19 Uhr beginnt die Ausgangssperre, denn wir sind für weitere vier Wochen im 3. nationalen Confinement. Für uns in unserem Département ändert sich nicht so viel, wir hatten diese Regelung, von der ich nur die aktuelle 10km-Regel sowie die Ausgangssperre zwischen 19 Uhr und 6 Uhr abgespeichert habe, schon vorher. Aber jetzt ist eben wieder ganz Frankreich im Lockdown. Derzeit wird ein sehr positives Video im Fernsehen gezeigt, das „tenir ensemble“ also in etwa „Gemeinsam durchhalten “ oder „Zusammenhalten“ als Botschaft verkündet. Obs hilft?

Ostermontag war das Wetter überraschend schön, ich ging morgens alleine an den Strand und genoss nach dem durchgequatschten Vortag, die Stille am Meer. Die Wolke über dem Esterelgebirge erinnerte mich an Neuseeland bzw. an den Namen, den die Maori der Insel gegeben haben Ao-tea-roa – lange weiße Wolke.

Kürzlich wurde ich auf Instagram aufgefordert an dieser „Acht Fakten, die ihr noch nicht über mich wisst“-Aktion in den Stories teilzunehmen, und damals dachte ich, dass es vermutlich nichts gibt, was Sie noch nicht von mir wissen, erschwerend kam hinzu, dass ich keine Stories auf Instagram kann, weshalb ich dann nicht an dieser Aktion teilgenommen habe. Aber vielleicht wissen Sie tatsächlich noch nicht, dass ich 1996 allein nach Neuseeland gereist bin und dort nach einer kurzen Woche, in der ich mit dem Rucksack unterwegs war, einen Autounfall hatte und dort im Krankenhaus landete. Übrigens der erste Moment, wo ich wirklich mit (den sehr coolen und extrem netten) NeuseeländerInnen in Kontakt kam, vorher wandelt man ja auf denselben Pfaden wie alle anderen backpacker und trifft immer wieder dieselben internationalen Menschen, aber eben keine NeuseeländerInnen.

Das also zwei Fakten, die Sie vielleicht noch nicht gewusst haben: Neuseeland und der Autounfall. Und Fakt Numero drei: Seit dieser Zeit habe ich eine vertikale Narbe auf der Stirn und ein etwas assymetrisch zusammengewachsenes Gesicht.

Fakt Nummer vier ist eine Ankündigung. Christine Cazon wird aus ihrem demnächst erscheinenden achten Kriminalroman „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ lesen und zwar online via Zoom. Dies ist sozusagen Weltpremiere. Es ist meine erste Online-Lesung und die erste Lesung aus dem dann geradezu brandneuen Krimi. Organisiert wird die Veranstaltung von der Stadt Nürnberg und dort vom sehr rührigen Amt für Internationale Beziehungen (Nürnberg und Nizza sind Partnerstädte). Die Lesung findet am 16.04.2021 um 19 Uhr statt. Sie ist kostenfrei, Sie müssen sich dafür nur rechtzeitig über diesen Link anmelden. Ich schaue mir in der Zwischenzeit Tutorials zu Zoomveranstaltungen an und suche den best ausgeleuchteten Ort in der Wohnung unter Vermeidung spiegelnder Brillengläser und bete um nicht zusammenbrechendes Internet.

Fakt Nummer fünf: Es wird eine sechseitige Geschichte über mich und mein französisches Leben geben und zwar in der Zeitschrift „Meins“ – die es zu meiner Zeit in Deutschland noch gar nicht gab, ich kann also nichts dazu sagen, aber die Redakteurin, mit der ich zu tun hatte, sowie die Fotoredakteurin, waren super nett.

Meine Geschichte kennen Sie natürlich, vielleicht aber nicht die vielen privaten Fotos, mit denen die Geschichte angereichert wurde. Ich dachte versehentlich, die Geschichte erschiene schon jetzt an Ostern in der Nummer 8, aber, wie die enttäuschten Käuferinnen der Nummer 8 mir mitgeteilt haben, da ist nur Barbara Schöneberger drin! Also werfen Sie vorsichtshalber erst einen Blick in die Nummer 9 (erscheint am 14.04.2021), bevor Sie sie kaufen; will sagen, natürlich können Sie die Zeitschrift trotzdem erstehen, aber wenn Sie sie nur kaufen, weil Sie meine Geschichte darin suchen, dann sollten Sie vorsichtshalber vorab einen Blick hineinwerfen, um sicher zu sein :D

Und wo kommen jetzt die hier veröffentlichten Fotos her, fragen Sie sich vielleicht. Nachdem mein Smartphone einen Tag und eine Nacht lang tot war (Karfreitag!), hat es sich langsam wieder berappelt. Der anfängliche Schleier über den Fotos, das Geruckel beim Scrollen und die weißen Flecken auf dem Display verschwanden über Ostern fast vollständig. Ein Wunder. Die Wiederauferstehung eines Smartphones. Nachdem ich auch das letzte Reiskorn aus dem Kopfhörerzugang gepusselt habe, geht auch das wieder. Unglaublich. Das neue Smartphone kommt trotzdem in dieser Woche. Nun ja.

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25 Responses to Blick zurück auf Ostern und fünf Fakten, die Sie vielleicht noch nicht von mir wussten

  1. Croco sagt:

    Für die Lesung habe ich mich angemeldet, bin gespannt.
    Und ich habe mir fest vorgenommen, dass wir uns einmal in Cannes auf einen Café treffen, und dann Kopfnarbenvergleich machen. Länger, schöner, und so weiter. Aber erst nach dem Kuchen. ;)

    • dreher sagt:

      Toll, freue mich! Bin selbst so gespannt 😅
      Und gerne Kaffee und Kuchen und Narben gucken⚡ one day…

  2. Gundula Mehlfeld sagt:

    Hallo aus Köln ( Nähe ), habe mir eben die “ Meins “ mitgebracht – wegen des Artikels über sie, liebe Frau Dreher. Gut geschrieben, schöne Fotos, aber die Zeitschrift ist sonst nicht so meins. LG Gundula