Depardieu singt Barbara

Kuckuck! Da bin ich wieder! Gehts Ihnen gut? Seit Wochen  spreche ich virtuell mit Ihnen, ich hoffe, ich bekomme das noch geschrieben, was ich Ihnen alles sagen und zeigen wollte. Berlin und Kunst unter anderem! Oha!

Jetzt aber kein Rückblick des Sommers, sondern rein in die Aktualität: Auch wenn ich krank bin, oder zumindest doll erkältet. Weil zu viel Wind. Eigentlich wollte ich die diesjährigen Regates Royales in einem Begleitboot miterleben und Ihnen sagenhaft schöne Fotos von geblähten Segeln zum Wiedereinstieg zeigen, aber erst gab es keinen Wind, zwei Tage später war er dann zu stark, ganze Regatta-Tage wurden abgesagt. Es sind ja alles große alte Holzsegelschiffe, die nicht nur wertvoll, sondern auch empfindlich sind. Mich hat der Wind dann buchstäblich umgehauen und ich habe von der Regatta nun überhaupt nichts gesehen. Monsieur kommt gerade (11 Uhr) vom Strand zurück – natürlich ist es jetzt ganz wunderbar, das beste Wetter und der beste Wind überhaupt, das Meer ist türkisblau und klar, und die Segelschiffe laufen sich warm, oder wie immer man das beim Segeln nennt. Ich aber liege im Bett und hoffe, dass ich wenigstens Gérard heute Abend genießen kann und ihn nicht durch mein Gehuste störe.

Wir gehen zu einem Konzert: Dépardieu chante Barbara. Doch, doch, dieser Koloss singt die zarten, vibrierenden Chansons von Barbara und alle, selbst die oft so Depardieu-kritische Presse, sind sich einig: Dépardieu singt und spricht Barbara – das ist alles und doch so viel. Begleitet wird er übrigens von Barbaras Pianisten Gérard Daguerre und dieser spielt auf Barbaras Piano.

Es war schwierig, an Karten zu kommen. Der Vorverkauf für die beiden Konzertabende in Antibes begann offiziell am 15. September um 15 Uhr. Ich war eine Stunde vorher da und stand mit etwa hundert anderen in der sengenden Sonne auf dem Betonfeld vor dem neuen und uncharmanten Betonkonzerthaus anthéa. Kein Schatten, keine Bank. Wir fächelten uns mit Programmheften Luft zu und manch ältere Dame sackte schonmal zusammen. Mit Öffnen der Kasse um 15 Uhr erfahren wir, dass die beiden Konzertabende schon ausverkauft sind, großes empörtes Raunen in der Reihe, man fragt sich, wie es sein kann, gab es doch keine Möglichkeit über Telefon oder Internet zu reservieren. Es wird aber noch für einen kurzfristig anberaumten Zusatz-Abend Karten geben. Aufatmen in der Reihe. Als ich endlich im Konzerthaus stehe, sehe ich auf der Konzertankündigung, dass man ab sofort auch übers Internet oder telefonisch reservieren kann – und ich versuche es nur mal so mit dem Internet und siehe da, schon habe ich, körperlich in der Schlange stehend virtuell zwei Karten erstanden. Aber natürlich sind auch hier die besten Plätze schon weg.  Bevor ich mich aus der Schlange verabschiede, erkläre ich den mit mir Anstehenden, wir sind durch das leidvolle Anstehen in der Sonne nun eine große Gemeinschaft geworden, wie der Kauf der Karten übers Internet funktioniert, der eine oder die andere versuchen es ebenso, die meisten aber bleiben (internetlos) auf klassische Karten hoffend in der Kassenschlange stehen. „Viel Glück!“, wünsche ich und wir nicken und winken uns zum Abschied zu: „Bis zum Konzertabend!“

Der ist heute und ich bereite mich seit Tagen vor. Auf Dépardieu und auf Barbara. Tatsächlich habe ich Barbara nicht gekannt, als ich nach Frankreich kam. Obwohl sie doch über Göttingen gesungen hat!, wie man mir immer ganz begeistert erzählte, kaum dass ich sagte, dass ich ein paar Jahre in Göttingen gelebt habe. Und dann sang man mir ein paar Zeilen dieses Liedes vor.

Jaja, sagte ich dann genervt, ich kenne sie trotzdem nicht. Ich habe in den vergangenen Jahren immer mal wieder versucht, Barbara zu hören, aber ihre glasklare Stimme und ihre besondere Art zu singen, konnte ich nie lange ertragen und, das ist vermutlich der Hauptgrund, ich verstand ihre poetischen Texte nicht. Um französische Chansons, ganz gleich ob Brassens, Barbara oder Gainsbourg, wirklich zu verstehen, muss ich den Text vor Augen haben, die Chansons nur nebenbei zu hören ist mir unmöglich, es entgleitet mir die Hälfte des Textes, anfangs gar alles, eine Melodie bleibt vielleicht hängen, ein Refrain, aber mehr nicht. Mit Barbara kam ich nicht weit, nur L’Aigle Noir, ein Lied, in dem sie auf symbolische Weise vom Missbrauch singt, den sie durch ihren Vater erlitten hat, habe ich mir so erarbeitet. Viel näher kam sie mir bislang nicht.

Jetzt lege ich also wieder Barbara auf und nehme das Textheft in die Hand, aber ich bin immer noch nicht in der Lage, ein ganzes Album von ihr „einfach so“ anzuhören. Diese Stimme! Das Piano! Ich will aber zumindest die Chansons, die Dépardieu von ihr singt, vorher schon einmal in ihrer Version gehört haben. Und verstanden haben, von was sie singt, will ich auch. So nähere ich mich langsam, Lied für Lied und lese die Texte mit. Zwischendurch höre ich mir die Version von Dépardieu an. Dann lese ich über Barbara und ich schaue Filmchen mit und über den aktuellen Dépardieu.

Und jetzt, beim aktiven Hören ihrer Chansons bin ich plötzlich häufig so gerührt: In Drouot (so heißt ein Auktionhaus in Paris) weint eine alte Dame, als bei einer Auktion Schmuck versteigert wird, und damit all ihre Jugenderinnerungen unter den Hammer kommen.

Da ich Nantes tatsächlich noch nie gehört hatte, war der Schock groß, als ich begriff, dass sie vom Tod ihres Vaters singt.

Ich entdecke Barbara! Und mit dem Verstehen der Worte komme ich ihr näher, höre nun gerne ihre Art zu singen, mag die Tristesse, aber auch die Liebe darin.

So viel für eben. Meinen Konzerteindruck bekommen Sie später! Bis dahin!

ps: WordPress hat in meiner Abwesenheit ein neues Programm entwickelt, mit dem ich meine Texte nun gestalten soll – Gutenberg heißt es und da kann ich als alte Buchwissenschaftlerin natürlich nicht nein sagen, aber so ganz habe ich es noch nicht drauf – falls nun manches komisch aussieht und vielleicht auch für Sie anders funktioniert, dann liegt es bestimmt daran! Ich bitte um Nachsicht!

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C’est fait! Geschafft!

Sie sehen die Arbeit eines langen Sommers.

Manuskript-Stillleben mit frischen Feigen

 

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12 von 12 im August

Im August habe ich meines Wissens noch nie mitgemacht bei 12 von 12. Aber ich habe gestern schon daran gedacht, bin gerade so locker drauf mit dem Schreiben, dass ich denke, hey klar, geht. Das kann morgen schon wieder anders sein, aber heute ist es so,  nehmen wir das mal mit.

Achtung: das 7. Bild könnte die Gefühle von Vegetariern und sensiblen Personen verletzen.

Blick aus dem Fenster, halb Acht.

Ich wache um halb Acht auf, als Monsieur schon zum Fahrradfahren aufbricht. Ich ging sehr spät zu Bett, weil ich diesen Film noch sehen musste. Quasi meine Kindheit. Ich nickte ununterbochen (via Herrn B. denken Sie sich, ich verlinke mal nicht). Kürzlich lief auf arte eine kleine Serie „Berlin 56“, so heißt es zumindest in der französischen Version. In Deutschland heißt sie „Kudamm 56“. In etwa die Jugend meiner Eltern. Es wurde hier auf Französisch geschaut und überzeugte selbst in dieser Sprache. Auch den Gatten. Vielleicht kennen Sie das auch schon, wir hinken hier mit der deutschen Kultur manchmal hinterher. Leider nur noch die Teile 4-6 auf arte +7 ein paar Tage zu sehen. Alles sehr eindrücklich. Da gäbe es viel zu sagen, aber nun ja.

Frühstück im Bett

Frühstück im Bett (selbst gemacht, der Gatte bringt mir zwar neuerdings immer mal Kaffee ans Bett, aber nicht heute).

Kein Foto vom Katzenhäufchen und der Katzenkotze im Büro von Monsieur, das wer wegputzt?!

Monsieur ist zurück, wir gehen an den Strand. Es ist spät (naja 9 Uhr), daher schon recht voll. Wir schwimmen bis zur großen Boje und zurück und liegen einen Moment in der Sonne (ich) oder im Schatten unter dem Sonnenschirm (Monsieur) (nicht im Bild).

Strand. Sonntags im August.

Ich sammle heute das Plastik auf dem Weg zurück zum Auto.

Capri Sonne. Finde ich echt jeden Tag.

Ich kaufe schnell ein paar ganz wichtige Dinge (Milch und Eis für uns, Ananassaft und Obst für die Schwiegermutter), Supermärkte haben in Frankreich ja auch sonntags auf.

Ohne Eis geht nix im Sommer.

An der Ampel lasse ich mich vom Rasensprenger der Verkehrsinsel besprühen.

Rasensprengerdusche.

Bild 7, Achtung! Beim Metzger bestelle ich für uns ein Hähnchen für mittags und kaufe Kalbsfilet und Kartoffelpuffer (naja so etwas in der Art) für die Schwiegermutter. Ok, wenn Sie Vegetarier sind, schauen Sie jetzt nicht hin. Aber so sieht es hier aus, wenn Sie ein frisches Hähnchen kaufen.

Fred le boucher mit unserem zukünftigen Grillhähnchen.

Monsieur transportiert die Einkäufe für seine Mutter zu ihr und kocht für sie. Holt auf dem Rückweg unser Hähnchen und wir essen.

Das Grillhähnchen

Die Reste werden mit diesem schönen Bienenwachstuch abgedeckt. Französisches Produkt. Wow!

Bienenwachstuch statt Frischhaltefolie

Sieste, zumindest für Monsieur und Pepita. Ich kann nicht schlafen, weil der junge Mann unter uns so laut Musik hört, außerdem habe ich doll Rücken und mache stattdessen ein paar Yogaübungen.

Yoga im Bad

Der Gatte liest. Ich bin am Schreibtisch. Bis 19.30 Uhr.

am Schreibtisch

Abendessen (Reste von mittags), praktisch und pragmatisch.

Abendessen. Küche.

Die Katze hofft auf Hähnchen. Vergeblich.

Pepita, das 13. Bild

Haha, es wurden 13. Jetzt wird vermutlich noch etwas Ferngesehen. Danke fürs Reinschauen! Schönen Abend! Schönen Sommer! Und nein, kein Wort übers Wetter heute :D

Die anderen 12von 12er gibts wie immer –> hier!  und ja, es ist schön, dass Caro, die dieses 12er Ding jeden Monat macht, wieder da ist (und halbwegs gesund)! Liebe Grüße dorthin!

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Der Süden ist blau

Gestern hatten wir im Süden eine einzige Gewitterfront. Es fiel innerhalb weniger Stunden die Wassermenge für etwa 14 Tage vom Himmel. Wir kamen aus den Bergen und fuhren durch vier verschiedene Gewitterzonen einschließlich Hagel. Zwischenzeitlich musste ich anhalten, weil ich vor lauter Wasser nicht mehr sah, wo die Straße war. Allein von Nizza bis Cannes haben wir zwei Stunden gebraucht. Zu viel Wasser, zu viele Autos.

Es hat sich auch stark abgekühlt. Vorgestern sind wir mit Klimaanlage bei 34 Grad in die Berge gefahren, gestern gings bei 14 Grad mit Heizung zurück. Heute früh war die Luft frisch und klar, der Strand noch nass, und Meer und Himmel waren so blau, wie es sich für die Côte d’Azur gehört. Das Meer aber hatte Verdauungsstörungen: es rollte und kotzte mit jeder Welle Dreck an den Strand. Ich war nicht schwimmen, vor diesen Wellen habe ich Binnenlandkind Respekt, sondern sammelte nur den Müll ein. Am Ende meiner Aktion lag aber schon wieder neuer Müll im Sand. Never ending story.

 

Ich überlege mir ja immer den Titel für das Müllbild. Der hier könnte Aloe Vera lauten. Oder Carefree (vielleicht nicht gleich erkennbar). Nicht im Bild zwei schwarze Müllsäckchen mit Hundekacke, die ich gleichsofort entsorgt habe. Es erschließt sich mir nicht, warum man die Hinterlassenschaft seines Hunde erst brav einsammelt, den Müllsack dann aber am Strand liegen lässt.

ps: Gerade habe ich diesen Beitrag auf FB geteilt und bin dabei über dieses Video gestolpert, in dem eine Menschenmenge „Absaufen!“ skandiert auf die Frage, was mit den Flüchtlingsschiffen passieren soll, die auf dem Mittelmeer herumirren. Absaufen sollen sie, brüllt das Volk. Nein, lacht der Typ am Mikro vergnügt, natürlich nicht, die Schiffe würden noch gebraucht. Ich kann es nicht glauben, dass wir schon wieder da sind.

Und das Meer ist so unschuldig blau.

 

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en passant

Regen. Gestern im Vorüberfahren in Nizza, Promenade des Anglais.

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12 von 12 im Juli

Monsieur zieht mich sehr früh aus dem Bett und so sind wir schon um Sieben am Strand. Ist fast noch keiner da. Tolle Stimmung.

Ich mache viele Fotos, eigentlich wollte ich damit an der Meeres-Blogparade teilnehmen, da sie meinen anderen Text, weil er vor dem Ausruf der Blogparade geschrieben wurde und daher zu „alt“ ist, nicht aufgenommen haben. Aber so richtig habe ich keinen Schwung für einen Blogparadentext. Zuhause stelle ich fest, dass der 12. ist, und ich entschließe mich daher mit den Fotos spontan bei 12 von 12 mitzumachen. Sie kennen es schon.

Bin sehr stolz auf die beiden Möwen im Vordergrund, auch wenn sie tiefenschärfemäßig nicht gut rauskommen. Geschwommen sind wir natürlich auch. Bis zur großen Boje. Das Wasser ist sehr lauwarm.

Am Strand. Wir sind zeitgleich mit der Müllbrigade da (nicht im Bild): Ich laufe hinter ihnen her und sammle das, was sie nicht sehen (wollen).

Capri-Sonne Multivitamin. Ich habe fast auf jedem Strand-Müll-Bild der Saison Capri-Sonne dabei. Was ich übrigens nicht mehr anfasse, sind zusammengeknäulte Tempotaschentücher. Die fette Glasscherbe der Vodkaflasche sieht man hier gar nicht.

Auf dem Rückweg an der Schule vorbei. Der „Enkel“ hat angeblich das Brevet geschafft (er steht auf der Liste!) den Abschluss vom Collège, obwohl er gar nicht mitgeschrieben hat. Er hatte nämlich Magen-Darm an den besagten Tagen und muss als Einziger seines Jahrgangs Anfang September nachschreiben. Dass er auf der Liste steht, ist ein „Verwaltungsfehler“.

Neun Uhr zu Hause. Zweiter Kaffee für mich und die Katze fordert ihre Streicheleinheiten ein. Hat sie, weil wir so schnell zum Strand mussten, beim ersten Kaffee nicht bekommen.

Danach Schreiben bis kurz nach Zwölf.

Ich mache Mittagessen. Der Ventilator wandert heute von der Schreibecke in die Küche und wieder zurück. Ohne geht gar nicht. Wir essen drin. Mit Ventilator. Draußen ist es zu heiß.

Nach und nach werden alle Fenster- und Fensterläden geschlossen. Im Prinzip geht es reihum. Immer da, wo die Sonne ist, wird zugemacht. In der Küche schon morgens früh.

Post! Aus Quebec! Nach dem Mittagessen Sieste. Sie wird (für mich) nur kurz. ich will eine Szene zu Ende schreiben. Denken Sie sich erneut das Computerbild. Bis 17 Uhr.

Punkt 17 Uhr klagt die Katze, die zwar nur schlapp herumliegt, ihr Zwischendurchfutter ein. Für mich gibts Grüntee (ohne Bild). Viel trinken muss man bei der Hitze.

Der Gatte handwerkt schon wieder fleißig und kommt nach Hause. Ich werfe schnell eine Maschine verschwitzter Männer(unter)wäsche in die Waschmaschine und hänge sie später auf. Das glamouröse Leben der Christiane D. Schnell noch zur Apotheke und danach den Vorgarten gießen. Ich gieße so lange, bis mir die Schnaken zu aufdringlich werden. Mache ein superschönes Schattenfoto, das bedauerlicherweise winzig klein wird. ich verstehe das nicht.

Daher versuche ich noch ein anderes Bild. Es ist das 13. wie ich gerade merke. Egal. Gegen 20 Uhr machen wir langsam alle Fenster und Fensterläden wieder auf. Es kommen etwas Luft, viel Lärm und viele Schnaken hinein. Abendessen. Danach liest Monsieur einen Roman. Ich weiß noch nicht was ich gleich mache. Nicht sichtbar die Cigales, die den ganzen Tag zirpen wie verrückt und die jetzt, kurz vor Zehn, verstummen. Jetzt quaken die Frösche. Es ist Sommer!

Die anderen 12 von 12er wie immer hier! Und siehe da, da sind sie nicht … der Juli fehlt.  Na gut. Trotzdem mitgemacht :D

ps: bei Micha vom Salzkornblog gelesen, dass Caro vom Kännchen-Blog im KH sei. Ich habe das nirgends gefunden, wünsche aber von Herzen gute Besserung!

pps: ich bin gerade verwirrt, weil Vanessa Giese auch einen Kännchen-Blog hat – ich dachte lange, es handele sich um die gleiche Dame – Missverständnisse kommen daher …

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Promenade Moments Nizza

Möchte man sich in dieses Blau nicht geradezu hineinwerfen?! Selten bedauere ich mehr, dass ich seinerzeit ein Blogformat überwiegend für Texte gewählt habe: die Fotos von Pia Parolin, die ich Ihnen heute zeigen möchte, bräuchten nämlich mehr Raum.

Am letzten Freitag waren wir bei der Vernissage dieser wundervollen kleinen Ausstellung im Centre Culturel Franco-Allemand in Nizza. Die Räume des deutsch-französischen Kulturzentrums liegen bereits sehr privilegiert in den Ponchettes am Rande der Altstadt, doch zunächst sucht man den Eingang in einem eher schmuddeligen Hinterhof-Gässchen. Alle Restaurants des Cours Saleya haben hier ihren Lieferanteneingang. Die Türen stehen offen, es klappert und klirrt, es riecht nach allen Küchen der Welt. Vor der Tür raucht der Koch eine schnelle Zigarette oder starrt aufs Smartphone.

Hintereingänge

Und hier soll ein Kulturzentrum sein? Ein bisschen unsicher steigt man (zumindest beim ersten Mal) die steilen kurzen Stufen hinauf in den ersten Stock und ist dann überrascht, nicht nur von den hellen Räumen und ihrer Backstein-Gewölbedecke,

Vernissage – Publikum

Jördis Kimpfler (links) und Pia Parolin

sondern auch vom Blick, der sich einem aus den Fenstern und vom Balkon bietet: Wow! Wir sind direkt an der Promenade des Anglais! Man mag die ganze Zeit nur schauen, auf die Palmen, auf den Himmel und auf das Meer und auf die Menschen, die entlang der Promenade flanieren.

Räume mit Aussicht

Noch blauer als der Ausblick aber sind die großformatigen Fotografien an den Wänden. Promenade Moments heißt die Ausstellung: Momente, ephemere Begegnungen von Passanten auf der Promenade vor der Unendlichkeit des blauen Meeres und des Himmels. Menschen. Licht. Dynamik. Sommerlich leichte Szenen. Stimmungen voller Zartheit und Poesie, andere sind poppig und mitunter schrill. Alle sind wundervoll und blau, so blau! Ich kann mich kaum sattsehen.

Dr. Pia Parolin ist eigentlich habilitierte Biologin, sie forschte für das Max-Planck-Institut am Amazonas, sie war als Privatdozentin an der Uni Hamburg tätig und arbeitet jetzt an einem Institut zur Forschung biologischer Schädlingsbekämpfung in Frankreich. Die Fotografie ist ihre Leidenschaft. Die Szenen und Momente, die sie auf der Promenade festhielt, halfen nicht nur ihr selbst aus einer schwierigen Lebensphase, sie helfen generell, die Promenade wieder in fröhlicher Stimmung zu sehen, was auch zwei Jahre nach dem Attentat vom 14. Juli nicht immer leicht fällt.

Die Ausstellung ist bis zum 25. Oktober 2018 in den Räumen des Kulturinstituts zu sehen.  Falls Sie im Sommer in Nizza oder in der Umgebung sein sollten, gehen Sie hin! Donnerstags und Sonntags vormittags ist sie voraussichtlich selbst während der Sommerpause geöffnet, im Zweifelsfall erkundigen Sie sich noch einmal auf der Seite des CCFA.

Je vous laisse, wie man hier sagt, ich (ent-)lasse Sie in den Sommer. Einen schöneren Beitrag für meinen letzten Text vor der Sommerpause kann ich mir nicht vorstellen. Mögen die Fotos Sie froh, leicht und sommerlich stimmen, genießen Sie die Zeit! Vielleicht lasse ich hin und wieder von mir lesen, versprechen kann ich es nicht. Für mich beginnt nun die in jeder Hinsicht heiße Arbeitsphase.

Voilà und ich lasse Sie mit meinem absoluten Lieblingsbild, beschwingt mit Hut in Blau und Pink, und sage à bientôt!

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Alle Aufnahmen ohne Rahmen stammen von Pia Parolin. Herzlichen Dank an die Fotografin, die sie mir so schnell und unkompliziert für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.

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Was anderes von anderswo

Ich lese und erlebe gar nicht genug, also zumindest nichts, was hier zu vermelden wäre, um auch so schöne Sammelartikel zu machen, mit hübschen Links zu anderen Blogs und Zeitungstexten und was weiß ich. Wenn ich es mal versuche, nennt man mich planlos. Sehense.

Das hier aber möchte ich doch gerne verlinken: Falls Sie gestern bei Caro Kännchen, alias die liebe Nessy, noch weiter im Blog gestöbert haben, sind Sie vielleicht auch auf diesen Text gestoßen. Lustig und auch wieder gar nicht. Die Kommentare sind ebenso erheiternd und eigentlich auch gar nicht. Ich persönlich war nie bei Parship, ich habe aber auf diverse Kleinanzeigen geantwortet, so machte man das zu meiner Zeit noch. Ich würde in der Zwischenzeit aber auch dort für sofortige Treffen plädieren, man kann da viel Zeit sparen, denn nach dem Austausch vieler hoffnungsvoller langer Mails ist es um so frustrierender, wenn man den ersehnten Menschen ins Café stiefeln sieht und sofort Lust hat, sich auf dem Klo zu verstecken. Er ist es nicht. Ich weiß es sofort, aber ich bringe es nicht übers Herz, es ihm direkt zu sagen, geschweige denn verstecke ich mich wirklich auf dem Klo. Das ist mein Problem. Wir trinken erst noch einen Milchkaffee und gehen noch ein Stück spazieren und ich höre mir sein Leben an und sage dann leise, „es passt nicht für mich“ und er weint, und sagt, „aber du kennst mich doch noch gar nicht“. Stimmt, aber herrjeh, mehr will ich gar nicht kennenlernen.

Für mich klappte es aber gar nicht mit Kleinanzeigen. Auch wenn ich anfangs mutig viele Menschen getroffen und dann enttäuscht, nur noch Anzeigen gelesen habe. Ich könnte noch tausendundeine Geschichte erzählen, und nicht nur von mir, aber das verbietet sicher sowieso die DSGVO, und kürze daher mal ab: Monsieur und ich hätten uns nie, weder über Kleinanzeigen noch über Parship oder Meetic, wie das französische Pendant heißt, getroffen. Ich hätte schonmal nie einen so viel älteren Mann gesucht. Auch sein Foto hätte mich nicht besonders angezogen. Ich hätte da schon zweimal weggeklickt. Oder ach was, bestimmt drei oder auch viermal: geschieden, Kinder, Enkelkinder. Und doch passt es. Es ist aber auch eine ganz besondere Geschichte. Aber sie hat mit einer zufälligen, aber echten Begegnung begonnen. Also ich plädiere somit ganz altmodisch für das Real Life.

Morgen wieder was anderes.

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12/12 im Juni

Heute ist der 12. und da ist bei Caro von Draußen nur Kännchen 12 von 12 dran, und ich mache mit! Das ist im Juni Premiere!

Kurz nach Acht aufgewacht. Die Sonne scheint.

Sonne und blauer Himmel (eher selten dieses Jahr)

Kaffee mit Katze. Wir machen ein Schattenselfie. Eigentlich müsste man sofort an den Strand, denn morgen soll es schon wieder regnen, aber das frisst mir heute zu viel Zeit, ich habe gestern schon nicht allzuviel geschrieben, aus Gründen.

Schattenselfie mit Pepita

Ich werfe eine Maschine Wäsche an.

Halb Zehn, ich bin im Büro, lese die Tageszeitung und inspiriere mich an allerhand faits divers und Dramen. In Nizza hat eine junge Frau ihre Mutter erstochen.

Zeitung lesen

Viertel vor Zehn. Ich habe alle Türen und Fenster offen, um mal durchzulüften – darüber will ich schon lange einen Beitrag schreiben: Durchlüften! Das ist eine sehr deutsche Angelegenheit, glaube ich und geht nur, wenn Monsieur nicht da ist. Darüber schreibe ich irgendwann. Dies ist der 500 Beitrag übrigens auf diesem Blog und ich wollte eigentlich etwas ganz Außerordentliches dafür schreiben. Aber nun ja, man kann nicht alles und dass ich bei 12 von 12 im Juni teilenehme, finde ich schon außerordentlich genug ;-)

Wachkatze im durchgelüfteten Haus

Die Katze, eine Gegnerin der geschlossenen  Türen, findet Durchlüften klasse.

10 Uhr: Ich höre, weil alle Türen und Fenster offen sind, nicht nur Autolärm und, das ist erstaunlich, trotzdem Vogelgezwitscher in den Lärmlücken, ebenso das laute Ratschen zweier Elstern, sondern auch oben das Telefon klingeln und renne hoch. Durch diesen Anruf ändert sich hier für die nächsten Monate so allerhand (das hat sich aber schon gestern angekündigt) : Ich werde mein Büro einem jungen, bedürftigen Mann zur Verfügung stellen. Wohin ich meine persönlichen Sachen räume und wo ich zukünftig schreiben werde, wird noch entschieden.

10. 06 Uhr : Die Katze kommt rein und legt sich unter den Schreibtisch. Wir mögen beide das Schaffell :)

Pepita auf Schaffell

Die Katze ist unentschieden, rein, raus.

rein und raus

Ich schreibe bis Viertel vor Zwölf halbwegs konzentriert. Dann gehe ich nach oben und bereite das Mittagessen vor.

Um Punkt zwölf erfahre ich, dass ich Großcousine geworden bin. Leider kein Foto. Wäre aber vermutlich auch nicht konform mit der neuen DSGVO.

12.30 Uhr Monsieur kommt spät, bringt aber überraschend Essen vom Libanesen mit. Das wird in Plastiktüte und Plastikbehältern geliefert, ist aber so lecker, dass ich mich trotzdem freue. Das von mir vorbereitete Essen kommt zurück in den Kühlschrank. Wir essen draußen. Die Sonne muss man ausnutzen.

Essen vom Libanesen

Nach dem Essen hänge ich schnell die Wäsche auf. Wenn wir schonmal Sonne haben, müssen wir das ausnutzen.

13.20 Uhr Sieste.

Sieste

Bis 14.07 Uhr hat genau dreimal das Telefon geklingelt. Immer ist es la Pub, publicité, Werbeanrufe. Da Monsieur im Rentenalter ist, bekommen wir viele Anrufe, die uns freudig darüber in Kenntnis setzen, dass wir zum Essen eingeladen sind, eine Kiste Wein oder Fortbildungskurse gewonnen haben oder gar einen Ausflug. Ich lehne kategorisch alles ab. Gratis, rufen die Menschen aufgeregt in mein Ohr. Alles ist gratis, verstehen Sie nicht! Einer ist so dreist und will trotzdem Monsieur sprechen, ich habe nicht das Recht, es für ihn abzulehnen. Sicher doch. Monsieur haben die Anrufe nicht weiter in seinem Mittagsschlaf gestört. Mich schon.

3900 die Nummer der Telekom

Ich trinke einen Kaffee, versuche Orange anzurufen, der moderne Name der Télécom, um Internet in den Bergen zu reaktivieren, nachdem ich x mal die Eins, die Zwei oder die Sternchentaste gedrückt habe, Telefonnummern eingegeben und ja oder nein in den Apparat gerufen habe, sagt mir eine automatische Stimme, die Anrufer seien derzeit zu zahlreich und ich möge bitte im Internet nach der Lösung meines Problems suchen. Das versuche ich, klappt aber nicht, die Seite schreit Alarm, kaum dass ich versuche mich einzuloggen. Super. Jetzt versucht Monsieur sein Glück mit Gaz de France wegen eines anderen Problems und ist am Rande des Nervenzusammenbruchs.

16 Uhr ich bin im Büro, antworte auf ein paar Mails und lese im Internet herum.

16.47 Uhr Ich schreibe.

Schreiben

18.30 Uhr Monsieur bringt mir das Telefon nach unten. Dabei bin ich extra hier unten, um nicht von Anrufen gestört zu werden. Aber er schafft es nicht, das den Anrufern zu sagen. Telefonanrufe muss man annehmen. Ich rufe alle Menschen viel zu selten an, ich weiß, dann haben alle immer viel zu erzählen. Eine gute Stunde bleibe ich mit dem Hörer am Ohr.

am Telefon

Dann gehe ich nach oben und bereite das Abendessen zu. Einfach heute, es gibt das im Kühlschrank aufbewahrte Mittagessen für Monsieur und ich esse die Reste vom Mittag.

Ich hänge die Wäsche ab. Vielleicht bügele ich gleich noch vor dem Fernseher.

20.30 Uhr ich schreibe hier. Wir werden gleich einen alten Western sehen, den wir neulich aufgezeichnet haben: Johnny Guitar. Im Deutschen hat er noch den Untertitel Wenn Frauen hassen. Wenn das nix ist.

Ich schummele ein bisschen. Das hier muss für das 12. Foto herhalten.

Danke fürs Lesen der Alltagspoesie! Die anderen 12/12 er finden Sie wie immer –> hier! Herrjeh, schon mehr als 80!

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Bild(er) zum Sonntag

Badestege am Plage du Midi

Müll Région PACA

es ist bedeckt heute

Schwimmen geht immer

Ich wollte gar nicht heute, ich bin alleine am Strand, ich wollte einfach nur etwas in der Sonne liegen, aber es ist bedeckt, also laufe ich am Strand entlang und dann kann es nicht nicht sehen und wenn ich es sehe, kann ich nicht so tun als ob. Zunächst stolpere ich über etwas, was aussieht wie ein verendender grauer Tintenfisch, aber es ist nur eine verendende graue Plastiktüte, vermutlich ist es das, was hier biodégradable genannt wird, abbaubare Maisfasern oder was weiß ich. Sieht aber trotzdem eklig aus. Ich entsorge es in der Tonne eines Strandrestaurants. Dort entsorge ich auch ein Stück braunen Markisenstoff, der im Meer schwimmt. Dann spricht mich tatsächlich eine Dame an und hält mir mit spitzen Fingern eine Sonnenbrille entgegen. Die hat sie gefunden, ob ich die wolle? „Ich sehe Sie jeden Tag“, sagt sie mir, „Sie sammeln das doch, oder?“ Ich nehme die Sonnenbrille und während wir sprechen, sehe ich ein grünes Ding, das ein Stück weiter im Sand liegt. Es ist ein Filzkegel, ein Spielzeug. Ich nehme es auch an mich. „Ich kann das nicht anfassen“, sagt mir dir Dame, aber sie findet es gut, dass ich es mache. Immerhin. Ich lege den gesammelten Müll neben mein Handtuch und fotografiere es. Zwei Damen und ein Herr sehen es mit gerümpfter Nase. „Wie eklig“, sagen sie. „Die Côte d’Azur ist nicht mehr, was sie mal war.“ Sie sehen mich an, als sei es meine Schuld und sie packen demonstrativ  ihre Sachen zusammen. Ich entsorge den Müll wieder in der Tonne eines Strandrestaurants, diesmal ist es der Maître Nageur, eine Schwimmaufsicht, der es mir anbietet und sich bedankt. Ich sehe noch eine Windel. Aber das ist für mich mit bloßen Fingern heute auch nicht möglich. Ich schwimme ein Stück. Der Himmel zieht sich weiter zu. Die Segelschiffe kommen. Auf dem Rückweg kaufe ich die ersten Kirschen, Aprikosen und noch einmal Spargel. Schönen Sonntag!

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Der Strand, der Müll und das Meer

Heute war es limite degueulasse, die Ekelschwelle erreicht. Es hat mehrere Tagen geregnet. Caro, Cannoise und Antiboise aber ursprünglich aus Norddeutschland, würde mich sofort korrigieren, ich übertreibe, es waren täglich nur ein paar Minuten und außerdem wurde es dahinten schon bald wieder hell … danke, bei uns hat es reingeregnet und nicht zu knapp. Das Wasser tröpfelte nicht, sondern rann von der Decke in Monsieurs Bastelwerkstatt. Egal. Das nur, um zu sagen, am Strand fand man heute wenig frischen bunten Plastikkram, denn niemand war die letzten Tag am Strand, sondern es gab nur allerhand alten, angespülten hellgewaschenen Dreck. Ich laufe am Strand entlang und bücke mich hier und da und sammelte den Müll in ein Plastiksäckchen. Ein Mann kommt genervt auf mich zu, ich solle aufhören, alle Muscheln einzusammeln, es gäbe eh kaum welche. Ich sage, dass ich keine Muscheln sammle und er reißt mir das Plastiksäckchen auseinander, um hineinzusehen. Er versteht nicht, was er sieht. „Was ist das?“. „Müll“, sage ich. „Sie sammeln Müll?“ fragt er verständnislos. „Ja.“, antworte ich. Er sieht mich an, als habe ich den Verstand verloren. „Warum machen Sie das denn?“, fragt er dann angewidert. „Darum“, sage ich. Er lässt mich stehen.

Ich trage den Rest der Strecke das zerrissene Säckchen wie ein Baby an meiner Brust, damit ich nichts verliere. Finde noch zwei verrostete Stangen, die das Meer hier ausgespuckt hat. Ich musste an Frank Schätzings „Der Schwarm“ denken, in dem das Meer zurückschlägt. Die Fische einen Fischer in sein eigenes Netz ziehen und ertränken, die Wale das Wale watching satthaben und nun ihrerseits auftauchen, um die Touristen in den Booten zu betrachten, und das Meer kotzt uns den Dreck wieder zurück an den Strand.

Auf dem Weg zur Mülltonne grabe ich zwei Bierflaschen aus dem Sand und es riecht penetrant nach Urin. Diesen Geruch kriege ich dann nicht mehr aus der Nase, obwohl ich anschließend noch ein Stück schwimme. Auf der Suche nach etwas Idylle klettere ich auf den Wellenbrecher, um ein Segelboot am Horizont aufzunehmen und stoße auf den nächsten Müll. Herrjeh. Seit einer Woche gibt es hier alle fünfzig Meter je zwei Mülltonnen, es gibt schon wieder das erste Dixie-Klo, wie ich sie hasse, diese Plastikhäuschen am Strand, aber genau die geben dem Strand das Eco-Label. Ein angetrunkener junger Mann pisst dennoch gegen die Steine des Wellenbrechers. Dankeschön. Eine Bekannte erzählt mir, dass sie sich anschnauzen lassen musste, als sie einmal einen Hundebesitzer zurechtwies, er möge die Hinterlassenschaft seines Hundes mitnehmen: Salope! Was geht es dich an? Ich zahle Steuern! Die Gruppe der jungen Leute, die die Nacht oder zumindest den frühen Morgen am Strand verbracht hat, lässt dann auch sämtliche Plastikbecher und Plastikflaschen liegen. Zehn Meter von der Mülltonne entfernt. Ich sage nichts, werfe es aber weg. Zuhause dusche ich von Kopf bis Fuß, schrubbe mir die Hände und desinfiziere sie zusätzlich.

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ps: Die Zitronenfalterin hat mich gebeten, diesen Beitrag auf Ihrem Blog zu verlinken. Dort gibt es im Juni eine Blogparade zur Nachhaltigkeit.  Das mache ich gerne!

pps: Astridka von Le monde de Kitchi hat mich gestern  in einem Kommentar auf die Blogparade des DHM, des Deutschen Historischen Museums in Berlin, hingewiesen: Europa und das Meer. Mein Beitrag wurde ursprünglich nicht dafür verfasst, passt aber ganz gut. und ich werde ihn deshalb dort verlinken.

Ich bin Deutsche, lebe in Frankreich, insofern bin ich aktive Europäerin und wir (mein Mann, Franzose, und ich)  sammeln jeden Tag, an dem wir an „unserem“ Strandabschnitt sind, dort den Müll. Mein Mann macht das schon seit 50 Jahren so. Ich habe mich ihm vor zehn Jahren, als ich hierherkam, angeschlossen. Die Müllmänner, die frühmorgens den Strand reinigen, machen das eher auf nachlässige Art und sie gehen nicht am Wasser entlang. Wir hingegen laufen, eigentlich aus sportlich-gesundheitlichen Gründen, ganzjährig mit den Füßen im Wasser und sammeln dabei das, was wir dort an (Plastik-)Müll finden, was angeschwemmt wurde und im Wasser schwimmt.  Ich habe es dieses Jahr, angeregt durch die vermehrte Plastik-Diskussion, erstmals dokumentiert und darüber geschrieben, etwa hier oder hier  Eine weitere Plastiksammelaktion gab es auf der Ile Ste. Marguerite. #DHMMeer

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Weltumwelttag

Ok, ich wusste nicht, dass heute Weltumwelttag ist, bis ich die Zeitung gelesen habe. Insofern kommt mein kürzlich angekündigter Beitrag vollkommen zur rechten Zeit, und den müssen Sie noch, auch wenn es Ihnen vielleicht auf die Nerven gehen mag, dieses Beharren auf dem Plastik- und Abfallthema. Gibts nichts Schöneres in Südfrankreich? Wann blüht denn der Lavendel?

„Hast du das gesehen?“, Monsieur bremst hart auf der Croisette, auf der Höhe des Luxushotels Carlton. Wir sind unterwegs zur Fourrière, dem Ort, an dem man abgeschleppte Autos auslösen kann – gegen eine Handvoll Scheine und dem Nachweis sämtlicher gültiger Autopapiere. Monsieur hatte unseren alten Opel, der gerade noch einmal über die TÜV-Hürde gehüpft ist, vermutlich einmal zu viel auf einer dafür nicht vorgesehene Stelle geparkt, aber was wollen Sie machen, es gibt immer weniger Parkplätze, aber immer mehr Autos oder zumindest immer größere und wir stehen daher häufig à la perpette, weit ab vom Schuss, wenn überhaupt. Manchmal wird es eben ein nicht wirklich legaler Platz. Eben aber halten wir mit dem luxuriösen Zweitkleinwagen auf der Croisette und starren auf ein Plakat.

Das geht ein bisschen weit, findet Monsieur, man könne doch die Araber (wie wir hier vereinfachend für alle Menschen aus dem Nahen Osten sagen) nicht so stigmatisieren. In der nähe vom Carlton. Wie unangenehm. Das Carlton wurde in den letzten Jahren Monopolymäßig mehrfach weiterverkauft und gehört derzeit einem gewissen Ghanim Bin Saad Al Saad, einem reichen Geschäftsmann aus Quatar. Die Klientel  des Hotels stammt oft auch aus den reichen Erdölstaaten, arabisch eben, und ihnen hat man jetzt so ein Plakat vors teuer bezahlte Hotelfenster gehängt. Und nicht nur eins.

180 Euro Strafe für eine achtlos weggeworfene Kippe oder eine weggeworfene Dose. Während wir uns noch wundern und weiterfahren, sehen wir, fast ein bisschen erleichtert die gleichen Plakate auch in Russisch und Englisch und selbst in Italienisch.

Hin und wieder auch in Französisch, aber die kennen wir schon. Neu ist, dass wir (ich sag jetzt mal ‚wir‘) unsere Gäste, die Touristen, die hier doch jedes Jahr ersehnt und umworben werden, ohne die hier ja auch nichts laufen würde, also zumindest nicht mehr viel und deren Geld wir doch gerne nehmen, dass wir die jetzt in ihrer eigenen Sprache streng ansprechen: Hallo! Ordentlich jetzt aber! Schön aufräumen! Es sei mal dahingestellt, ob die Police Municipale wirklich den Prinz von X oder den Emir von Y wegen eines Vergehens der incivilité ein Knöllchen von 180 Euro verpassen würde, obwohl die es sich leisten könnten, nicht wahr, den Witz, dass man in diesen Ländern ein neues Auto kauft, wenn der Aschenbecher voll ist, kennen Sie sicher noch. Anyway. Kommt komisch. Als seien die französischen Plakate nicht aussagekräftig genug. Auf Deutsch gab es übrigens kein Plakat. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir (auch jetzt sage ich ‚wir‘, merken Sie’s?!) per se als ordentlich und dsizipliniert eingeschätzt werden, wir gehen nicht bei Rot über die Straße und wir trennen unseren Müll schon seit dreißig Jahren, das weiß man ja auch hier, oder ob nur einfach nicht genug deutsche Touristen in Cannes sind?!

Eins noch, nicht genug für einen eigenen Beitrag, ich wills ja auch nicht übertreiben:  In Antibes werden ab September 60 Testfamilien versuchen, zukünftig Müll zu vermeiden. Eine Aktion von Univalom die großartig „100% zéro déchet“ in etwa ‚Hundert Prozent Null Müll‘ fordert. Also man soll schlicht gar keinen Müll produzieren. Es gibt für Interessierte jeden Samstag Workshops, bei denen man lernen kann, Seifen und Hygieneartikel selbst herzustellen (ich weiß nicht warum, aber bei „Hygieneartikel herstellen“ habe ich das Bild von Tampons häkelnden Frauen vor meinem geistigen Auge und haha, während ich denke, ich habe einen guten Witz gemacht und nur mal so auf google suche für alle Fälle, habe ich das hier gefunden. Ok, ich sag nix mehr.), Verpackungen zu recyclen, einen Müllfreien Kindergeburtstag zu veranstalten (das möchte ich sehen!) und vieles mehr. Außerdem habe ich so erfahren, dass es tatsächlich demnächst Läden geben soll, in denen man seine eigenen Behälter zum Einkaufen mitbringen kann. Diese Läden haben dann einen eigens geschaffenen Aufkleber an der Tür kleben. Das lese ich natürlich triumphierend Monsieur vor, und halte ihm sein „ne les fais pas chier“ vor. Er seufzt ergeben. Auf nach Antibes! möchte ich rufen, aber seien wir realistisch, es haben sich erst 35 Familien für die Herausforderung „zéro déchet“ eingeschrieben. Antibes hat knapp 75.000 Einwohner. Auch wenn die Verantwortliche des Projekts hoffnungsvoll sagt, „Kleine Bäche machen einen Fluss“, so handelt es sich hier noch um die ersten Tropfen. Die versickern vermutlich noch im selbst gehäkelten Tampon. ;)

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Der Fischer, der Strand, die Kippen und das Meer

Ein Fischer ganz nah am Strand

die Netze sind leer

Kippen am Strand

der junge Mann und das Meer

Ich hatte mich heute am Strand mal auf Kippen spezialisiert, warum, zeige ich Ihnen morgen oder übermorgen, schöner Cliffhanger, was?! Allerdings bin ich auch über eine zerbrochene Bierflasche gestolpert und habe fein und vorsichtig wie eine Archäologin auch noch das letzte Stückchen Glassplitter aus dem Sand gesucht; die Flaschenreste und „meinen“ bis dahin gesammelten Müll lagerte ich neben den Handtüchern zwischen, um schnell noch ein paar Kippen einzusammeln. Bis ich zurück kam, hatte Monsieur schon alles entsorgt. Insofern nur ein Kippenfoto. Aber Sie wissen auch so, wie eine zerbrochene Bierflasche aussieht, denke ich. Wie lange Kippen wirklich brauchen, bis sie abgebaut sind, weiß ich nicht, 400 Jahre scheint mir etwas hochgegriffen, viele sahen schon ziemlich zerfasert aus, aber schön ist es dennoch nicht. Es gibt in Cannes sogar irgendwo rauchfreie Strände, ich müsste mich mal informieren, ob das wirklich funktioniert, denn hier wird immer noch wahnsinnig viel geraucht. Ich folge auf Instagram einer netten Seite, die @ImfrenchbutIdontsmoke heißt. Schicke Schwarzweißfotos aus den Sechzigern (nicht nur) von (überwiegend) französischen Stars, allesamt rauchend. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

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Schlaflos in Cannes

Hier regnet es schon wieder. In Deutschland ist es Sommer, bei uns ist es ein komischer nasser Frühling. Ein Tag Sonnenschein, zwei Tage Regen, Gewitter, Sturm, immer schön im Wechsel, aber bestimmt doppelt so viel Regen wie Sonne. Und Morgen nochmal drei Grad kälter als heute. Heute ist auch schon nicht so warm. Nur zur Erinnerung, ich lebe in Südfrankreich. Da ist es Ende Mai normalerweise frühsommerlich heiß und sonnig. Dieses Jahr regnet es. Der Vorgarten ist grün, so grün, denn das Unkraut, um diese Jahreszeit in der Regel schon vertrocknet, wuchert sich geradezu ekstatisch in Höhe und Breite. Unraut jäten ist ja ein Millionärsvergnügen, habe ich bei Micha kürzlich gelesen. Adele, die Sängerin, habe auf einen Auftritt mit Millionengage verzichtet, weil sie lieber in ihrem Garten Unkraut jäten wolle. Ich jäte auch gerne in meinem Vorgarten Unkraut, aber bei mir fällt es eher in die Kategorie Prokrastination. Falls mir jemand eine Million Euro oder Pfund Sterling oder meinetwegen auch Dollar dafür geben möchte, dass ich mit dem Unkraut jäten aufhöre und irgendwohinkomme, um Ihnen was zu erzählen, vorzulesen, unter Umständen auch zu singen, also ich würde es noch machen. Nur mal so dahingeworfen. Vielleicht nützt es etwas.

Was sonst? Spiderman lebt. Spiehderman sagen die Franzosen hier, sogar die Moderatorin von C’est à vous spricht es so aus. In Paris hat ein Afrikaner, der sich illegal in diesem Land aufhielt, ein Kleinkind von einer Balkonbrüstung im vierten Stock eines Hauses gerettet und hat als Dank für seine Heldentat nicht nur ein Gespräch mit Macron gewonnen, sondern auch die Französische Staatsbürgerschaft und einen Job bei der Feuerwehr. Sehr schön. Es gab allerdings auch böse Stimmen. Das alles sei gefaked gewesen, eine Propaganda-Veranstaltung Macrons, hieß es. Da waren doch zwei Leute, die das Kind irgendwie festhielten, warum muss denn da noch einer spektakulär die Fassade hochklettern. Fake! Tatsächlich sieht die Situation auf dem Amateurvideo, das durchs Netz schwirrt, ein bisschen unklar aus. Unklar ist auch, warum ein illegaler Asylbewerber, der ein französisches Kind rettet, ein Held wird, ein Franzose, der einem illegalen Asylbewerber hilft, jedoch ein Krimineller.

Frankreich hat dann heute, im Prinzip ist es schon gestern, ganz unpropagandamäßig mal wieder ein illegales Flüchtlingscamp in Paris geräumt. Es ist ein Elend. Die Afrikaner, die hier an der italienisch-französischen Grenze festhängen, bevor sie einfach weiter laufen, immer weiter laufen … wollen häufig nach Paris. Paris! sagten mit aufgerissenen Augen ein paar Frauen, als Daniel Cohn-Bendit sie in seinem Road Movie La Traversée, 50 Jahre nach 68, nach ihrem Ziel befragte. Paris. Welch ein Elend.

Leider ist die Szene nicht in dem Interview mit Cohn-Bendits Regisseur und Kameramann, nur der weinende Pfarrer, der sagt, wie unmenschlich das alles ist, und dass er gerade drei Afrikaner, die er für ein paar Tage aufgenommen und versteckt habe,“evakuiert“ habe und schon stünden zwei andere vor seiner Tür.

Das habe ich heute Nacht geschrieben. Um Ein Uhr fünzehn war ich wieder aufgestanden, das mit dem Einschlafen funktionierte trotz angewandtem autogenen Training nicht. Noch nicht, ich weiß, man muss es üben. Training heißt es ja auch. Vielleicht lag es auch nur am Vollmond. Danke übrigens für diese überwältigende Resonanz auf meinen Meditationstext. So viele Kommentare und Anregungen hatte ich schon lange nicht mehr. Ich hatte allerdings auch schon lange nicht mehr so viele LeserInnen. Kaum verlinkt mich Herr B., schnellen die Zahlen nach oben. Unglaublich. Es geht dann auch irgendwann wieder gnadenlos bergab, da kann ich dann schreiben, was ich will. Ich weiß. Im Moment setzen mich die hohen Zahlen aber ziemlich unter Druck. Schreib was, schreib was!

Dieses Jahr ist es schwierig mit dem Schreiben. Schreiben für Geld meine ich. Noch schwieriger als sonst, scheint es mir. Ich müsste nachts schreiben. Wenn alles ruhig ist, wenn keiner mehr was von mir will. Nur bin ich da derzeit zu müde. Zu müde zum Schreiben, zu wach zum Schlafen. Ich habe die letzte Bücher überwiegend frühmorgens geschrieben. Da habe ich mich auf Aufstehen um Vier oder halb Fünf programmiert und das hat die meiste Zeit auch richtig gut geklappt. Damals schlief ich aber noch mit Ohrstöpseln und der Schlaf war anders. Jetzt, wo ich gerade wieder ohne Ohrstöpsel richtiges Schlafen lerne und mich freue, wenn ich manchmal so richtig tief schlafe, ganz ohne Hilfsmittel, will ich mich nicht gleich wieder durch extremes Frühaufstehen durcheinanderbringen. Ich verlinke mal den Text für die vielen neuen Leser, kleines Service-Angebot, keine Ursache, gerngeschehen, so sind wir.

Tags aber bin ich schnell abgelenkt, unkonzentriert, wir hatten das schon. Und nein, Noise Cancelling Kopfhörer sind nicht die Lösung, ich sagte es neulich schon in einem Kommentar und nehme es hier noch einmal auf, damit es offiziell wird:  Ich war bereit für mehrere hundert Euro das letzte SuperduperModel von Bose zu erwerben, aber Noise Cancelling Kopfhörer funktionieren prima, so lange man Musik damit hören will. Dann hört man die Musik kristallklar ohne Nebengeräusche und hat wirklich das Gefühl „in einer eigenen Welt“ zu sein (getestet, klasse!) Ich will beim Arbeiten aber keine Musik hören, sondern Stille haben. Das funktioniert nicht, mit keinem Kopfhörer. Ich hatte so etwas mal in einem Film gesehen und wünschte mir so etwas seither –

(Anm: man sieht zwar die Kopfhörer, die Stille kommt aber im Trailer nicht rüber)

Als ich das dem Kopfhörer-Spezialisten erzählte, lachte er: das war ein Film! Sowas gibts nicht :( Ich war deshalb sogar beim Ohrenarzt, der hat mir jedoch von allem Abschotten abgeraten und mich auf den „Einatmen-Ausatmen-Weg“ geschickt. So jetzt wissen Sie alles.

Zum Plastik. Irgendjemand schrieb, er oder sie warte auf ein Update. Nun. ich war die letzten Tage nicht am Strand, es regnete. Ich kann Ihnen aber aus Erfahrung sagen, hier ist der Strand nie sauber, also so richtig, höchstens in dem Moment, wo wir den Müll gesammelt haben, (und ich sammle nicht mal die Kippen ein!). Jedem Strandmorgen geht ein Strandabend voraus. Bei jedem Strandabend bleibt wieder genauso viel Müll liegen und jeden Tag und jede Nacht wird auch Müll angeschwemmt. Es gibt zwar eine Müllreinigung, eine grobe mit Maschinen und eine Müll-Brigade, eine handvoll Männer, die frühmorgens mit signalroten Jacken und schwarzen Müllsäcken den Strand entlanglaufen und hier und da etwas mit Zangen auflesen und in den Müllsack versenken. Aber es ist eher so ein halbherziges Auflesen. Da unten liegt noch was, och, da lauf ich jetzt nicht mehr hin. Da schwimmt was im Wasser? Nicht mein Bereich. Monsieur und ich lesen Müll auf, schon immer und jedes Mal, wenn wir am Strand sind. Nicht einmal haben wir erlebt, dass es uns jemand nachgetan hätte. Es ist auch nicht unsere Absicht. Wir machen es nicht demonstrativ mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger und auch ganz ohne Wut oder Empörung. Wir machen es einfach. Einfach so. Ich möchte deshalb auch nicht immer Müllfotos vom Strand zeigen. Es macht nichts besser. Bücken Sie sich, heben sie eine Plastiktüte oder ein Stück Müll auf, entsorgen Sie sie/es korrekt. Punkt.

Gestern holte Monsieur ein Mittagessen im kleinen Restaurant an der Ecke. Da sind die Portionen für Handwerker gedacht und so groß, dass uns zusammen eine Mahlzeit reicht. Es gibt dort jetzt auch Papiertüten, das Essen aber war in einem festen Plastikbehälter mit Deckel, so dass ich dachte, den spüle ich aus und verwende ihn beim nächsten Mal wieder. Als ich es Monsieur vorschlage, verzieht er das Gesicht. „Zu kompliziert“ murmelt er, und ich weiß, dass er mich gerade schon ein bisschen fanatisch findet, zu deutsch. Lass mal locker, Christjann. Ne les fait pas chier, sagt er. Das ist ziemlich vulgär und meint in etwa, geh Ihnen nicht auf die Nerven.

Vous me faites chier brüllt der Teenager-Enkel neuerdings häufig durchs Haus. Er lernt als zweite Fremdsprache Deutsch, aber wenn ihn an dieser Sprache gerade überhaupt etwas interessiert, dann das deutsche Äquivalent zu „Ihr macht mich scheißen“. Nur damit glaubt er sich gewappnet für eine Deutschland-Reise. Mir ist ehrlich nichts eingefallen, nicht nur, weil ich vermeiden wollte, dass er seinen Gasteltern als erstes etwas Vulgäres entgegenruft und dann noch sagt, er habe es von mir. Erst heute Nacht fiel mir Ankotzen ein. Es kotzt mich an. Ihr kotzt mich alle an. Sagt man das noch? Ich bin ja nicht mehr so drin in der aktuellen Sprache. Vielleicht sagt man heute auch nur Fuck you. Fökk würden die Franzosen dann sagen Fökk juh. Ich habe es dem Enkel dann nicht mehr gesagt, kann er sich von seinem kleinen Austausch-Freund in Berlin beibringen lassen. Der Knabe ist nämlich für eine Woche in Berlin. Ach Berlin. Da würde ich auch gerne mal wieder hin. Was ich nicht alles möchte.

Und dann fällt mir noch das hier ein. Nicht am Balkon, sondern am Fenster ;-)

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Im Hier und Jetzt

Seit Jahren will ich Meditation machen. Um ruhig zu werden, um Abstand zu finden, zu allem, was mich so schnell überrollt. Mir ist schnell alles zu viel. Das habe ich schon einmal erzählt. Es passiert zu viel. Zu viel Aktion. Zu viele Menschen. Zu viel Gefühl. Meine Gefühle, die Gefühle der anderen. Alles zu viel. Meditation soll da helfen. Bewusst im Hier und Jetzt sein soll außerdem glücklich machen. Seit Jahren bin ich angezogen von Meditation und seit ebenso langer Zeit wehre ich mich dagegen. Natürlich habe ich das immer mal probiert. Habe vor langer Zeit schon ein Ommmm für die Mondgöttin gesummt, später in einem buddhistischen Zentrum bei Vollmond stundenlang Mantren gesungen und noch später mit einem evangelischen Pfarrer in einer Kleingruppe versucht „Nichts“ zu denken, so lange bis mir die Füße eingeschlafen sind und ich gequält nur noch an meine Füße dachte. Das war es alles nicht. Es fühlte sich falsch für mich an. Ich hatte immer das Gefühl, das nur zu spielen.

Ich höre seit einiger Zeit regelmäßig den Podcast von Clotilde Dusoulier und sie sprach vor kurzem von Meditation und letzte Woche gab es im Abendprogramm des Fernsehens eine ganze Sendung über Meditation. Dort sprachen sie davon, dass es Meditations-Apps fürs Handy gäbe. Das brauche ich, dachte ich, eine Anleitung, jemand,  der mir sagt, dass ich ein- und ausatmen soll, sonst macht mein Hirn sich selbständig. Ich fing an zu suchen und wollte nicht glauben, wieviele selbstberufene Menschen einem geführte Meditationen anbieten. Ich hörte mich testhalber auch durch tibetanischen Mönchsgesang, den Klang tibetischer Schalen, Vogelzwitschern, Bergbachplätschern, Regendwaldregen, Elfengesang und allerhand esoterische Musik und tiefenentspannende Hirnwäsche. Irgendwie bin ich dann auf dem französischen Markt der geführten Meditationen hängengeblieben. Alle erzählen irgendwie dasselbe, aber es ist die Art, wie sie es sagen, die ich mag oder eher nicht mag. Ich bin bei aller Spiritualität nicht sehr esoterisch. Sanfte Männer, deren göttliche Erleuchtung ich schon in ihrer aufgesetzt zugewandten Stimme spüren kann, die mir außerdem liebevoll  Namasté entgegensäuseln, kann ich nicht ab. Außerdem quillt mir bei den meisten Angeboten zu viel Musik, Getön und Gezwitscher in die Ohren. Bei Jonathan Lehmann bleibe ich hängen. Er hat keine professionell sanfte Stimme, die Tonqualität ist auch eher schlecht, als habe er es zu Hause am Küchentisch aufgenommen, aber er ist nüchtern, ruhig, sachlich und außer seinen Sätzen ist es still. Ich höre ihn mir abends im Bett an und schlafe dabei ein. Genial. Jonathan spricht mich abends in den Schlaf.

Heute Mittag Sieste. Im Haus ist es unruhig, der Nachbar von oben werkelt im Treppenhaus, er baut einen automatischen Türöffner ein. Das ist toll, aber der Lärm machte mich schon den ganzen Morgen zappelig, so kann ich nicht arbeiten und suchte den hintersten Winkel in der Wohnung. Von dort höre ich weniger das Werkeln im Treppenhaus, dafür aber heitere Bläsermusik aus dem benachbarten Altenheim. Mein angespanntes Nervenkostüm verlangt geradezu nach einer geführten Meditation. Einatmen. Ausatmen. Ich fange mit Jonathan an, aber da ist mir heute zu viel Stille, ich höre trotz Kopfhörer in den langen stillen Momenten die Tür im Treppenhaus knallen. Jetzt hätte ich gern einen dieser Namasté-Jünger, deren Meditation mit Musik unterlegt ist. Ich finde keinen, der mir genehm ist und klicke eher zufällig auf Xavier, einen weiteren in der Stille sprechenden Herrn, aber er ist etwas ausführlicher als Jonathan, das brauche ich heute. Nehmen wir den. Brille ab. Augenmaske auf, Ohrstöpsel des Kopfhörers in die Ohren und ich installiere mich comfortablement. So lange er spricht, höre ich nichts anderes. Einatmen. Ausatmen. Bewusst in diesem Moment, hier und jetzt, Einatmen und Ausatmen. Nach vier Minuten schweigt Xavier. Er schweigt lange. Hallo denke ich, wo ist er denn? Kommt da noch was? Ich reiße die Maske von den Augen, um zu sehen, ob ich aus Versehen die Meditation angehalten habe. Aber nein, jetzt spricht Xavier auch weiter. „Sie haben vielleicht bemerkt, dass Sie nicht mehr auf ihre Atmung konzentriert sind“, sagt er. Ja, denke ich. Du warst zu lange weg. „Ihre Gedanken sind weit weg vom Hier und Jetzt … es ist normal und nicht schlimm, in dem Moment, wo Sie es bemerken, sind Sie wieder hier, mitten in der Meditation.“ Sehr tröstlich. Ich weiß das eigentlich auch schon von Jonathan. „Ich atme ein und nähre meinen Körper, ich atme aus und reinige meinen Körper.“ Es klingelt. Es klingelt wie mein Handy. Es ist mein Handy. Irgendjemand ruft mich an. Ich reiße die Augenmaske von den Augen und starre kurzsichtig auf das Smartphone,  es ist Cathy. Ich schaffe es, den Anruf anzunehmen, aber Xavier spricht immer weiter. Ich reiße mir die Kopfhörerohrstöpsel aus den Ohren und höre jetzt alles wie von Ferne, auch Cathy. „Christjann?“ ruft sie von sehr weit. „Christjann?“ „Ja“, flüstere ich, denn ich will Monsieur, der neben mir unbehelligt von den Geräuschen und ohne jegliche Meditation schläft, nicht aufwecken. „Christjann?“ Herrgott, ich suche die Brille und springe mit dem Smartphone in der Hand aus dem Bett nach nebenan. Ich höre Cathy und Xavier aus den herunterhängenden Ohrstöpseln und reiße den Stecker raus. Jetzt höre ich endlich Cathy laut und deutlich. Uff. „Hast du geschlafen?“, fragt sie laut. Nein, sage ich ebenso laut und versuche zu erklären, dass ich eine Meditation gemacht habe und bei ihrem Anruf mit den Stimmen und dem Kopfhörer durcheinander gekommen bin. An ihrer Reaktion merke ich, dass ich besser gesagt hätte, ich hätte geschlafen. Eigentlich will sie Monsieur sprechen. Der ist durch all das Gehampel sowieso wach geworden und telefoniert jetzt mit meinem Smartphone mit Cathy. Dann werde ich beauftragt noch eine SMS zu schicken und Monsieur schließt schon wieder die Augen. Ich installiere mich wieder comfortablement und fange erneut an, mit Xavier ein- und auszuatmen. Dann schweigt er wieder. Ich höre die Tür im Treppenaus rummsen. Xavier schweigt. Ich atme. Monsieur wirft sich auf die Seite. Ein Scooter quäkt laut vor dem Haus vorbei. Die Tür rummst nochmal. Bei jedem Rumms wackelt das Haus. Muss er ausgerechnet heute diesen blöden Türöffner einbauen? Es ist totale Stille in den Kopfhörern. Bei Jonathan glaubte ich in der Stille, die bei ihm vorbeifahrenden Autos zu hören. „Wenn ihr Verstand herumvagabundiert und versucht, Sie weit weg zu führen, erinnern Sie sich an ihren Atem, der da ist, jederzeit, hier und jetzt.“ Xavier spricht und ich höre Monsieur, der laut in meine Richtung atmet. Die Tür rummst. Die Tochter des Nachbarn hüpft durchs Treppenhaus und ihr helles Stimmchen übertönt Xavier. Einatmen. Ausatmen. Monsieur hat bedauerlicherweise einen anderen Atemrhythmus und ich bin beinahe geneigt, mich seinem Rhythmus anzupassen. Und schon wieder schweigt Xavier lange. Zu lange für mich. Als er mir zum dritten Mal sagt, dass ich nicht auf meine Atmung konzentriert bin, werde ich sauer. Natürlich nicht. Du schweigst. Monsieur atmet. Die Tür rummst. Ich denke, dass ich trotz allem ziemlich im Hier und Jetzt bin, mit all den Geräuschen, die ich höre. Allerdings meilenweit entfernt vom meditativen Glück. Monsieur wälzt sich zur Seite und steht auf. Gut. Ich versuche die letzten Minuten alleine mit Xavier noch einmal konzentriert ein- und auszuatmen. Ich erschrecke, als etwas Schweres auf mich fällt. Die Katze tritt schnurrend auf meinem Bauch herum und arbeitet sich langsam balancierend über meine Oberschenkel nach unten. Dann quetscht sie sich zwischen meine leicht auseinanderliegenden Unterschenkel. Sie sucht Körperkontakt und beginnt dann energisch sich zu putzen. Ich bin im Hier und Jetzt. Aber sowas von.

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Strand, Meer und Plastik

Der Süden ist blau

Strand aufräumen – #noplastic

ich war schwimmen – Monsieur liest Zeitung

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Deutsche in Cannes

Das ZDF war da und hat –> „Deutsche in Cannes“ gefilmt. Und wer war dabei? Richtig, die Autorin Christine Cazon. Sie erscheint ab Minute 2:31.  Viel Vergnügen in Cannes :)

 

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Das Kettensägenmassaker … in Cannes

Heute früh war ich nur kurz auf dem Markt, um ein Kilo Quark bei meinem Bio-Käsehändler zu kaufen, Nur dort gibt es einen Quark, dessen Konsistenz für einen Käsekuchen infrage kommt. Der Markt ist aber wie eine Droge, schrieb ich schon andernorts und ich habe in einem knappen halben Stündchen 50 Euro auf den Kopf gehauen für Quark und Käse und Olivenöl und violetten Spargel und Honig von Bohnenkrautblüten, Sarriette oder Pebre d’ai heißt das Bohnenkraut in Französsich oder Provenzal, und Kartoffeln, die Mona Lisa heißen (ok, sie waren trotz des berühmten Namens am wenigsten teuer) und da ich, angefixt von Arthurs Tochter, mit dem letzten Geld heute kleine Auberginen erstehen musste, fielen die Pfingstrosen diesmal aus.

Wer hätte gedacht, dass ich mal Auberginen statt Blumen kaufen würde! Ausgerechnet Auberginen! Auberginen sind ja relativ neu in meinem Küchenleben. Habe ich in Deutschland nie gegessen und noch seltener gemacht. Auberginen. Komische Dinger. Monsieur liebt Auberginen und kauft sie manchmal, in der Hoffnung, ich würde ihm Auberginenbeignets machen oder sonst eine fettige Köstlichkeit. Meistens wartet er vergeblich, denn Auberginen lasse ich tatsächlich hin und wieder im Kühlschrank vergammeln. Sie bleiben mir fremd und ich mag ihre Konsistenz nicht. Meine reizende Schwiegermutter, die mir jahrelang aus purer Lust am Kritisieren, jegliche von mir gekauften Auberginen als zu groß, zu klein, zu alt, zu frisch, zu hart, zu weich, zu viel Kerne, zu violett, zu gestreift … abgelehnt hat, ist sicher nicht unerheblich schuld an meiner Abneigung dieser Gemüsesorte. Heute aber kaufte ich viele kleine sehr niedliche violette  Auberginenbabies und dachte, Monsieur mit diesem Mittagessen zu betören. Monsieur war heute früh woanders werkeln, ich erwartete ihn gegen halb eins und hatte gerade erst die Auberginen mit der Gabel eingepiekst, mit Olivenöl übergossen und mit Knoblauchsalz bestreut, machte ein Foto und ab in den Ofen, als er schon neben mir stand. „Schon da?“, frage ich. Dann sehe ich seine blutbesudelten Kleider und die Hand mit den durchgebluteten Taschentüchern. Die Kettensäge war irgendwie explodiert. Monsieur war früher Apotheker und ist sozusagen Selbsthelfer. Er gibt Anweisungen, und ich klebe mit zitternden Händen Pflasterstreifen über die klaffenden Wunden, aber so richtig wohl ist mir nicht. Ich hole also die Auberginen wieder aus dem Backofen und fahre Monsieur entschlossen in die Notfallambulanz der Klinik, die auf Handchirurgie spezialistiert ist. Er sträubt sich so gut wie gar nicht, was ich als schlechtes Zeichen werte. Notfall, schrie sofort die Sekretärin, das Verwaltungsprozedere muss trotzdem gemacht werden. Während wir noch auf irgendeinen Zettel warten, kommt ein junges Mädchen und ist noch viel notfalliger als Monsieur, sie hat sich die Hand durchgeschnitten. Zwei Fließenleger mit geschwollenen Händen sind auch noch da, sie zeigen sich auf ihren Smartphones gegenseitig ihre Arbeit mit Marmorfließen, 1400 Euro der Quadratmeter, höre ich, dann kommt noch ein Fahrradunfall. Und eine alte Dame hat sich beim Rausholen des Kerns einer Avocado mit dem Messer verletzt. Das nüchterne Wartezimmer wird voller und voller, immerhin ist Monsieur unter den ersten Notfällen und soll alsbald operiert werden. Wir warten nun in einem Zimmer, der Gatte schon mit Häubchen und OP-Hemd, und starren auf den Fernseher. Wir kommen gerade richtig zur Vermählung von Prinz Harry und Prinzessin Meghan, hurrah, wer hätte gedacht, dass ich das heute ganz ohne schlechtes Gewissen sehen kann. Stand by me. Schluchz. Die Krankenschwestern starren auch auf den Bildschirm und legen schonmal eine Manschette zum Blutdruckmessen falsch herum an, aber sie wissen, wie lang Meghans Schleppe ist und dass im Haarreif Diamanten stecken. Sie diskutieren den Unterschied zwischen Diadem und Haarreif. Ich hoffe, dass der Chirurg später weniger royalistisch begeistert ist und sich aufs Nähen konzentriert.

Gegen 14 Uhr verschwindet Monsieur zeitgleich mit dem Mädchen und dem Fahrradunfall im OP-Block. Ich darf die Hochzeit nicht weiter schauen, sondern soll im Garten warten. Garten, naja. Etwas Grün mit ein paar Bänken. „Wie lange etwa?“, frage ich. „Eine gute Stunde“, heißt es. Ich ziehe mir einen Kaffee, setze mich in die Sonne und höre einen Podcast und noch einen, schreibe in FB und rödele langsam den Akku meines Handys leer. Dann laufe ich etwas durchs Viertel, glaube, dass in der nahen Avenue Montrose ein Gedenkstein für Naziopfer stehen soll, denn in der von den Deutschen annektierten Villa Montrose war damals ein Gefängnis. Ich laufe die Straße entlang, denke wehmütig an meine Stadtspaziergänge, die ich nicht mehr mache und finde den Gedenkstein nicht. Dann die Erleuchtung. Montfleury heißen Villa und Straße! Nicht Montrose. Montfleury sagt das Navi auf dem Handy, Montfleury ist ganz woanders. Nun gut. Ich gehe zurück zur Klinik, ziehe einen weiteren Kaffee, setze mich erneut auf eine Bank und warte. Ich nehme es vorweg, ich warte sechs Stunden. Zwei davon zu Hause, als ich nämlich die Nase voll habe von schlechtem Kaffee in Plastikbechern und Chips in Plastiktüten und ekelhaft aromatisiertem Wasser in Plastikflaschen und verärgert denke, dass ich morgens so leckere Sachen mit so wenig Plastik wie möglich eingekauft habe, nur um jetzt so einen Müll in Plastik zu futtern.

Gegen 20 Uhr habe ich den Gatten wieder zu Hause auf dem Sofa. Ich schiebe die Auberginen nochmal in den Ofen, sie sehen aber schon ein wenig verunglückt aus, und rase schnell zur Notfallapotheke. Haha. Großes Treffen. Der Fahrradunfall steht schon an der Theke, nach mir kommt der Freund des Mädchens, das sich die Hand durchgeschnitten hat. Als ich dran komme, hat der Apotheker nichts mehr da, kein Verbandszeug, kein Antibiotikum, gar nichts. In Antibes könne ich es versuchen oder in Nizza. Oder morgen früh in der Notfallapotheke, die die Tagschicht übernimmt. Sie ist größer, hat mehr Vorrat, wenn ich da ganz früh hingehe, könnte es klappen. Super. Zuhause finde ich keinen Parkplatz und stelle mich ganz französisch halb auf den Zebrastreifen. Die Auberginen sind fertig, sehen komisch aus, ich füttere Monsieur. „Naja“, sagt er. Ich hätte doch Pfingstrosen kaufen sollen.

ps: Heute morgen erfahre ich, dass der Chirurg dem Gatten eine Transplantation gemacht hat. Wie genau weiß ich nicht, noch ist alles eingewickelt, aber die Wunden waren von der Säge so ausgefranst, dass er viel wegschneiden musste und sie daher mit Haut oder Fleisch aus dem Handballen auffüllte. Ups. Nun, immerhin habe ich gestern noch erfahren, dass es DER Handchirurg schlechthin ist, wenn man einen Termin bei ihm möchte, muss man sechs Monate warten, wir hatten also Glück im Unglück.

Dem Gatten geht es soweit gut. Ich war ganz früh in einer großen Apotheke und habe nun alles, was wir brauchen, vor allem die Antibiotika. Die kleine Apotheke in der Nähe des Palais des Festivals, die gestern Notdienst hatte, war während des Festivals schon leergekauft worden. Der Apotheker war gestern selbst am Rande des Nervenzusammenbruchs.

So. Jetzt muss ich Geschirr spülen. DAS kann er nämlich vorerst nicht tun, der Arme, seufz.

pps: Und, pardon für die reißerische Überschrift, die Goldene Palme bekam natürlich nicht der uralte Horrorschocker „Das Kettensägenmassaker“ sondern ein japanischer Film The shoplifters. Hier eine kurze Zusammenfassung auf Cannes 2018.

 

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Ein französisches Mittagessen – Dienstag

Ich dachte, ich zeige Ihnen mal ein normales französisches Mittagessen, damit Sie sich das nicht zu glamourös vorstellen. Dreigängig heißt ja nur, dass das Essen in mehrere Häppchen zerlegt wird und bedeutet nicht zwingend einen festlich gedeckten Tisch. Heute, im Zuge der Plastikdiskussion, zeige ich auch die Details.

Wir essen früh heute, Monsieur muss „aux Impots“, zum Finanzamt, da war heute Morgen eine zwei Kilometer lange Schlange, er versucht es also um die Mittagszeit nochmal. Ich wähle die Spargel als Vorspeise, weiß, dass es knapp wird, will sie aber auf jeden Fall machen, weil sie schon seit Samstag im Kühlschrank liegen. Sie kommen vom Discounter (Monsieur) und sind in Plastik eingepackt gewesen. Ich hatte das Plastik geöffnet und ein feuchtes Küchentuch um die Spargel gewickelt.

Ich schneide die unteren Enden großzügig ab und schäle ebenso großzügig. Backofen ist schon an, ich werde sie nach dem Rezept von Arthurs Tochter in Papilloten im Backofen machen. Bestes Rezept ever für Spargel. Hier werden Spargel als Entrée mit Vinaigrette gegessen und sollen bissfest sein, man muss sie zum Einstippen in die Vinaigrette „stabil“ in die Hand nehmen können! Die Backofen-Gar-Methode ist dafür idealst!

Ich rühre die Vinaigrette an mit Olivenöl (nicht bio, aus Spanien, aber in Glasflasche), einer Art weißem Balsamicoessig (Glas), Senf (Glas) und Pfeffer und Salz.

Monsieur deckt den Küchentisch, ich achte darauf, dass alles, was wir brauchen schon auf dem Tisch steht, dann muss ich nicht noch x-Mal aufstehen: Joghurt (Plastik), Zucker (brauner Rohrzucker in Karton), ein Stück Käse (Reblochon aus dem Supermarkt, ehemals in Plastik), Wein (Rosé, Glas), Mineralwasser (Plastik), Zitronensaft (Glas). Und noch handgerüttelter Himbeeressig für die Artischockenvinaigrette (Bio, lokal, Glas).

Ich teste die Spargel, sie sind noch etwas al dente und Monsieur isst daher schonmal eine Artischocke.

Ich stelle Wasser für die Nudeln (in Plastik) auf und heize die Pfanne für das Kalbsschnitzel (vom Metzger, in Papier) vor. Ich mache mal Werbung für meinen Metzger, der mir gerade sagte, dass jemand, der meinen Blog gelesen habe, bei ihm eingekauft habe. Also bitte, wenn Sie hingehen wollen, nur zu, sagen Sie ihm, dass Sie über mich kommen, das freut ihn (und mich dann auch).

Die Spargel sind gar. Super!

Sie schmecken so köstlich. Ich will es gar nicht glauben und hole das Plastik aus der Tonne, um zu sehen, wo sie herstammen: Les Landes, aus den sandigen Böden des Südwesten Frankreichs, immer noch regional. Wir diskutieren über meine Discounter-Gemüse-Vorurteile.

 

Die Nudeln sprudeln im Wasser, sie brauchen sieben Minuten. Ich muss das Fleich so braten, dass beides gleichzeitig fertig ist, deswegen hüpfe ich zwischen Herd und Tisch hin und her und esse die Spargel stehend.

Die Nudeln sind fertig, werden abgeschüttet, bekommen ein kleines Stück Butter und kommen zurück in den Topf und so auf den Tisch. Das Fleisch ist gar. Wir teilen das Schnitzel in zwei Drittel (Monsieur) und ein Drittel (ich).

Danach esse ich ein Joghurt mit Zucker. Monsieur nimmt den Käse mit Brot (in Papiertüte). Er knabbert danach noch ein paar Haselnüsse.

 

 

 

 

 

 

Kaffee aus der Kaffeemaschine wird in das leere Weinglas serviert (nur Monsieur, nicht dokumentiert). Fertig. Sieste bzw.  heute auf zum Finanzamt.

Alles in allem, vom Beginn des Spargelschälens bis zum Kaffee (vergessen zu dokumentieren) hat es eine Stunde gedauert. Ich stand allerdings noch am Herd, während Monsieur schon die Artischocke und dann die Spargel aß. Ich aß meine Spargel halb stehend. Erst wenn das Fleisch gar ist, kann ich mich auch setzen. Das schockiert deutsche Freundinnen immer, dass ich so überkommene Lebensweisen lebe. Das ist in diesem Land nicht so ungewöhnlich, und, zumindest in unserer kultur- und altersübergreifenden Beziehung, letztlich der Status quo. Da könnte ich lange drüber diskutieren. Es wurde hier auch schon lange diskutiert. Letztlich läuft es auf „do it like the Frenchies“ hinaus.

Tatsächlich höre ich sofort auf zu kochen, wenn Monsieur, was selten vorkommt, abwesend ist. Dann gibt es mittags tagelang Nudeln mit Pesto und abends Brot mit irgendwas drauf. Ich weiß, dass ich mich besser ernähre, wenn ich für uns koche :D

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lokal, bio, no Plastik – ein Resumée

„Nimm eine Tasche!“, rufe ich Monsieur hinterher, der schon halb aus der Tür ist, auf dem weg zum Baumarkt, und auf dem Rückweg wird er Fleisch vom Metzger mitbringen. „Ja, ist wirklich nervig, dass es nirgendwo mehr Taschen gibt“, schimpft er sofort los. „Wir haben eine Million Taschen“, sage ich und verweise auf den Küchenunterschrank und zeige außerdem auf die große eckige Lidl-Tasche, die im Flur herumsteht. Er nimmt sie widerspruchslos, er hat das Alufolienthema gestern mitverfolgt und er weiß von meinem Experiment, weniger Dinge in Plastik zu konsumieren.

Ich müsste ja noch weiter ausholen, aber wer will das alles wissen? Also zum einen gab es in Cannes (und in vielen anderen französischen Städten) lange gar keine Mülltonnen. Nein, ich spreche nicht von getrennten Mülltonnen, sondern von Mülltonnen generell. Ich habe hier schon mal darüber geschrieben, es ist eigentlich ein Artikel über die Hitze in der Stadt. Hitze! Kommt mir ganz komisch vor, das zu lesen, denn dieses Jahr ist es hier sehr deutsch, das Klima. Gerade haben wir Filmfestival, da regnet es immer, heißt es, das stimmt, aber es liegt meines Erachtens doch an den Eisheiligen, dass es schon wieder seit zwei Tagen schüttet und kalt ist. Ich sagte das mit den nicht existenten Mülltonnen, weil Monsieur bis vor ein paar Jahren die Plastiktüten, die er beim Einkauf mitnahm, in Müllsäcke umwandelte, und da sie eher klein sind, wurde der Müll quasi jeden Tag in besagtem Tütchen auf die Straße gestellt. Wenn man das so seit über dreißig Jahren machte, dann ist es nicht leicht, sich umzugewöhnen. So viel dazu.

Als ich das gestern alles aufschrieb und darüber nachdachte, wie und ob ich mein Einkaufsverhalten zukünftig ändern will, kam ich zum Schluss, dass ich das eigentlich schon ganz gut mache. Ich habe nicht die Zeit jeden Tag zwei Scheiben frischen unverpackten Schinken beim Metzger zu kaufen. Ich versuche einmal wöchentlich, oder auch an zwei verschiedenen Tagen, das Nötige zu erstehen, Markt und Supermarkt, ich sagte es schon. Neben dem Markt ist ein Parkhaus, wo man die erste Stunde kostenfrei parken kann, ein Anreiz, die Innenstadtläden und den Markt zu nutzen. Ohne dieses Angebot (es sollte einmal aufgehoben werden, da gab es einen wütenden Aufschrei der gesamten Bevölkerung!) würden alle direkt in den Supermarkt am Rande der Stadt mit den Parkplätzen fahren. Hier wird nun einmal Auto gefahren. Das ist so. Wird sich auch nicht ändern bei dem schlechten Nahverkehrssystem, das alle naselang bestreikt wird.

Und ja, Herr B. fragte es so indirekt immer mal wieder, ich habe einen Plan, einen vagen Plan dessen, was ich in der Woche zubereiten werde. Der sich aus dem zusammensetzt, was ich auf dem Markt Schönes finde (Spargel, Erdbeeren), dem, was es gerade im Supermarkt im Sonderangebot gibt (Doppelpackung Gnocchi), dem, was wegen irgendwelcher Traditionen und Feiertage zu geben hat (Crêpes, Galette des Rois) und vor allem, dem, was schnell geht und dem was ich „kann“, und ich berücksichtige zusätzlich, ob es einen Geburtstag gibt und ich einen Schokokuchen backen soll, ob Monsieur und ich schon lange Lust auf etwas Spezielles haben, ob Leute vorausssichtlich zum Apéro kommen werden, von denen sich eine Person vegan ernährt. Ob es überhaupt Gäste geben wird undsoweiter. Das alles versuche ich im Kopf zumindest anzuplanen und entsprechend beim Einkauf mitzunehmen.

Hier ist Essen und soziales Leben viel wichtiger, darf viel mehr Raum einnehmen und viel mehr kosten. Wichtig ist, dass es frisch zubereitet ist, großzügig bemessen und schmeckt. Und auch wenn wir nur zu zweit sind, gibt es immer eine Vorspeise, einen Hauptgang, Käse und ein Dessert. Es ist oft banal, es gibt im Moment mittags gern eine Artischocke als Vorspeise (super, kostet mich keine Mühe und Zeit, muss nichtmal eine Vinaigrette anrühren, weil das jeder auf seinem Teller macht), im Sommer häufig gibt es den von Monsieur ungeliebten Mozzarella mit Tomaten, danach ein Stück Fleisch mit Gnocchi oder Nudeln, ein Stück Käse und/oder ein Dessert (Joghurt, Dickmilch, Pudding, Creme). Wenn es keine Artischocken gibt, gibt es oft Rohkostsalat (Karotten, geht schnell oder Rotkohl) oder im Winter gerne Endivien mit Orangen, zack, schnell, gut und frisch. Oder eben einen grünen Salat. Das wiederholt sich alles in gewissen Abständen und in Variationen. Hin und wieder versuche ich etwas Neues, stoße auf ein Rezept oder habe Gäste, für die ich etwas Aufwändiger koche, dann gibts für uns noch tagelang Reste. Ich mache auch gerne einen (kleinen) Braten, den kann man dann an mehreren Tagen essen. Oder ich kaufe beim Metzger ein gegrilltes Hähnchen (sehr lecker, schnell, verträglich teuer, wir essen zwei bis dreimal daran). Oft bringt Monsieur überraschend Fisch mit oder Austern oder was weiß ich. Dann essen wir eben das. Dazu gibts in der Regel Reis (und Salat und Käse und Dessert). Abends gibts manchmal Reste, oder gerne Nudeln mit irgendeiner Soße oder eine Tortilla oder ein Omelette oder eine Quiche, ein Risotto, manchmal auch Milchreis, Kartoffeln und Hering … davor eine Scheibe Schinken, danach ein Joghurt. Im Winter gibts in der Regel abends Suppe (selbstgemacht) im Sommer gemischte Salate. Zum Frühstück gibt es übrigens meistens Obstsalat (mit Joghurt). Die Zutaten für all das versuche ich immer im Kopf, im Einkaufswagen, im Kühlschrank und Vorratschrank zu haben. Im Großen und Ganzen. Wenn es ein Gäste-Essen gibt, geht man in der Regel nochmal extra einkaufen. Das ist so. Ich bin immerhin sehr stolz, weil ich alles aufbrauche! Ich will so wenig wie möglich wegwerfen von den frischen Sachen und kaufe erst Nachschub, wenn alles soweit aufgebraucht ist, dass ich nichts mehr damit machen kann, oder ich kaufe im kleinen Laden neben dem Bäcker irgendetwas zusätzlich ein. Ich habe auch ein paar Tiefkühlsachen zur Not, Fleisch wird auch häufig in größeren Mengen gekauft und eingefroren (es ist danach nicht mehr so wie frisch!).

Ich bin in Frankreich mit der ganzen Esserei und Kocherei sehr anspruchsvoll geworden, was Frische und Geschmack angeht und ich würde immer eine frische, feste Salatgurke, die nicht bio ist, der labberigen bio-Salatgurke vorziehen. Es hat Jahre gedauert, bis ich wusste, welchen Zucker ich am liebsten mag, welche Butter, welchen Joghurt, welche Dessertmarke, welche Schokolade, welchen Käse (das ist eine Wissenschaft für sich!), welches Brot, welche Äpfel, welche Trauben, welche Orangen … bis ich wusste, wie Rind-, Lamm-, Kalbs-Fleisch schmecken kann und wie unterschiedlich Fisch! Ich suche aus dem riesigen Angebot die von mir als gut getesteten Marken oder das, was mir am besten gefällt, mir am frischesten vorkommt, was (vermutlich) den besten Geschmack hat, und ich achte erst in zweiter Linie auf Bio und auf den Preis. Beim Kaffee zum Beispiel habe ich wochenlang herumexperimentiert. Mit Bohnen (und einer überaus schnell defekten Hipster-Kaffeemühle) und gemahlenem Kaffee verschiedener Röstereien, und Bio, Eco, Fair Trade, um letzten Endes bei einer Mischung aus entkoffeiniertem Kaffee (Malongo, Supermarkt, fair trade) und klassischem Espressokaffee (Carte Noire, Supermarkt) zu landen. Schmeckt mir am besten. Und ich will (neben guter Qualität) einen guten Geschmack, das ist das Wichtigste.

Worauf ich im Alltag, jenseits der Lebensmittel besonders achte, ist, das in China produzierte (nicht nur Plastik-)Zeug zu vermeiden. DAS ist wirklich eine Herausforderung. All das Dekozeug! Geschirr! Neulich habe ich einen neuen Fön erworben. Sich da für den einzigen in Italien hergestellten Fön zu entscheiden, der teurer ist als die anderen französischen Marken, die alle in China produzieren lassen, das muss man wollen! Schuhe suchen, die in Portugal hergestellt werden oder in Italien. Kleider, die nicht unter unwürdigen Bedingungen genäht werden. Wieviele Kleider braucht man überhaupt? Ich habe neuerdings einen Schneider.

Das alles mache ich und das finde ich gar nicht so wenig. Aber es gibt auch Tage, wo ich keine Energie habe, keine Lust, keine Zeit, dann geht es auch anders und Monsieur kauft wieder in Plastik verpackte Erdbeeren aus Spanien beim Discounter oder er bringt Lammleber aus dem Supermarkt mit („hat mich so angelacht“) statt vom Metzger, und eine neue Plastiktasche. Na gut. Tant pis. Mich hat ja die Paella gestern auch so angelacht. Ich versuche nicht mehr so streng zu sein. Wenn ich, so wie gestern, den Aluminiumfoliengau erlebe, dann (sage ich mir heute) ist es halt so. Es zeigt nur, wie alleine ich bin in meinem südfranzösischen Umfeld. Und wie weit wir noch entfernt sind von „No-Plastik“. Diese kategorische Strenge will ich sowieso nicht mehr. In gar keinem Bereich. Hallo. Lass mal locker. Durchatmen. Wenn ich etwas gelernt habe in dreizehn Jahren Frankreich, dann ist es eine gewisse Lockerheit gepaart mit Pragmatismus, Der Franzose ist immer pragmatisch. Wir haben Plastikmöbel auf der Terrasse. Sie lachen vielleicht. Ich schäme mich vor deutschen Gästen dafür. Für die Franzosen ist das ganz normal. Das ist hier so. Seit ich hier bin, würde ich sie gerne austauschen, ernte dafür nur verständnisloses Achselzucken. Das ist gutes, langlebiges Plastik, es war schon vor mir da, es gibt keinen Grund, sich davon zu trennen. Das Wichtigste ist sowieso, dass wir  an dem Tisch was zusammen essen können. „Hoffentlich hast du was Feines gekocht, Christjann, allez, mach mal den Pastis auf!“ Der immerhin ist in einer Glasflasche. Prost!

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