zu viele Päpste – Avignon

Habemus Papam?!

Ich habe tatsächlich den ganzen Vormittag damit verbracht, mir im Internet die Geschichte der Päpste in Avignon anzueignen, das heißt, erstmal habe ich Zeit damit verbracht, historische Texte nicht zu verstehen und suchte dann nach Geschichte, die für Kinder aufbereitet war. Gibt nix. Niemand will Kindern diesen Teil der Geschichte erklären. Zu kompliziert. Kinder tanzen nur auf der Brücke herum und singen Sur le Pont d’Avignon.

Ich habe aber dennoch was gefunden und weiß jetzt so ein bisschen, warum es plötzlich neben dem Papst in Rom noch einen Gegenpapst in Avignon und zeitweise noch einen dritten Papst in Spanien gab. Ein bisschen sage ich, weil mir geschichtliche Zusammenhänge immer schnell entgleiten. Zu lückenhaft ist mein Wissen, als dass aus dem fleckenhaften Mosaik ein Wandgemälde entstehen könnte. Wandgemälde, da haben wir es schon – unser Guide im Papstpalast sprach immer von „bemehlten“ Wänden und von der „Bemehlung“. Es hat mich so irritiert, dass ich auch dem Rest seiner Ausführungen nicht folgen konnte, weshalb ich jetzt nachlese, was es denn mit dem Papstpalast in Avignon eigentlich auf sich hat.

Der Himmel über Avignon

Aber eins nach dem anderen. Zunächst kamen wir frohgestimmt aber auch müde gelaufen abends in Avignon auf unserem Schiff an.

Blick auf die Rhône

Nach dem Abendessen liefen die meisten Mitreisenden, also die, die nicht wie wir einen Nachmittagsausflug gemacht hatten, sondern in Avignon per Schiff eingelaufen sind, los, zur späten Stadtführung durchs nächtlich beleuchtete Avignon. Wir hingegen genehmigten uns noch einen Drink in der Lounge und gingen dann früh schlafen. Immerhin war an diesem Sonntag auch die Sommerzeitumstellung und uns fehlte dieses Stündchen irgendwie. Ich ging noch einmal aufs Deck und fotografierte das nächtlich angestrahlte Avignon und auch unser Schiff.

nächtliches Avignon

Stern und Mond leuchten in der Nacht

andere Schiffe vor uns, wir sind die letzten am Kai

Kapitänsbrücke

Am nächsten Morgen gingen wir dann los, um Avignon zu entdecken, vor allem den Papstpalast, den ich, obwohl ich schon mehrfach in Avignon war, noch nie besichtigt hatte. Immer ging es in Avignon ums Theater und um das Theaterfestival. Diesmal ging es endlich und fast exklusiv um den Papstpalast.

Papstpalast – enfin

Innenhof

Blick zurück

Er ist groß, es geht lange Treppen hinauf und wieder hinunter. Und er ist, obwohl Nebensaison, voll mit Reisegruppen und vielen Touristen. Die Gruppen bzw. ihre Guides, die sich alle kennen, lassen einander gegenseitig vor oder einmal warteten wir auch, um den Reiseführer einer anderen Gruppe singen zu hören, um so in den Genuss der Akustik eines Saals kommen. Die Führung ist aufgrund der vielen Gruppen und dem Hin- und her (wir machen erst das und dann das, ach nein, doch nicht) genauso holprig wie das Deutsch unseres Guides. Außerdem schien er zu denken, dass wir alle schon ein solides Grundwissen in mittelalterlicher Kirchengeschichte haben. Ich stolperte über unbekannte Namen, zu viele Zahlen und komische Worte – Schisme sagte er. Ich grübelte lange, ob es ein deutscher Begriff ist, den er komisch aussprach. So wie auch die „bemehlten“ Wände. Ich musste mich so konzentrieren, um zu verstehen, was er sagen wollte, dass ich dabei den Zusammenhang verlor. Hängen blieben willkürlich ein paar Papstnamen, das unverstandene Schisma und dass unser Guide sein Deutsch in Unna gelernt hat. Nichts gegen Unna.

Fenster zum Hof

Ich will sie jetzt nicht mit den Päpsten, dem französischen König und ihrem Machtgerangel langweilen, aber knapp und verständlich geht es im folgenden Video um mittelalterliche Kirchengeschichte, leider hört es genau dann auf, wo es mit Avignon weitergehen könnte, (in Deutschland nehmen wir jetzt die Abzweigung zu Martin Luther) aber es schadet nichts, es sich trotzdem anzusehen, mit diesen sieben Minuten Geschichte bekommt man eine schöne Grundlage.

Diesen ersten Teil der dreiteiligen ZDF-Doku versteht man aber vielleicht auch ohne. Er ist lang, durchaus spannend, es gibt nicht zu viel Spektakel (Maximilian Schell läuft im langen, schwarzen Talar durch vernebelte mittelalterliche Mauern) und bleibt somit verständlich.

Ab Minute 23 geht es dann auch um Avignon und die Kamera zeigt uns den Papstpalast von innen. Nun, ob Sie sich eine knappe Stunde Papst-Geschichte antun wollen, ganz ohne in Avignon gewesen zu sein, überlasse ich Ihnen. Mir war es heute ein Bedürfnis.

Der Weg zurück zum Schiff ist lang, die Arosa Schiffe liegen ganz am Ende des Kais – ich hatte diesen Ausflug in der irrtümlichen Annahme gebucht, er wäre eine Kombi aus Bustour- und Besichtigung, aber natürlich fährt kein Bus durch die engen, mittelalterlichen Straßen Avignons. Ich hätte es wissen können.

der Süden ist blau

Erschöpft erreichten wir als Letzte das Schiff, das gleichsofort ablegte.

Die Luna legt ab

Ich rannte schnell an Deck, denn wir würden noch einmal an der Brücke von Avignon vorbeifahren, um würdig Abschied zu nehmen.

Stairway to heaven

Außerdem gab es Paella an Deck, vom Küchenchef persönlich zubereitet. Es war zwar windig, aber immerhin auch sonnig genug, dass zumindest ich dort oben essen mochte.

auf Deck

sur le pont d’Avignon

An Deck plauderte ich ein wenig mit dem Kapitän, der einzige Franzose an Bord. Ohne einen französischen Kapitän sei es unmöglich eine Genehmigung für die Schifffahrt auf einem französischen Fluss zu bekommen, erfahre ich.

der Kapitän beim Wendemanöver

Die Crew besteht überwiegend aus Osteuropäern: Ungarn, Tschechen, Polen, Rumänen, Bulgaren. Nur ein Teil der Schiffsoffiziere sind Deutsche. Untereinander sprechen alle Englisch und viele Kellner und Köche lernen gerade noch die ersten deutschen Worte: Es ist die erste Reise der Saison, manches läuft noch ein bisschen holprig, aber alle waren wahnsinnig motiviert und lächeltenn, was das Zeug hielt, trotz der rot-übermüdeten Augen, die ich auch sah. Auch wir hatten Probleme in der ungewohnten Umgebung tief und fest zu schlafen, obwohl das Schiff bislang sanft und ruhig dahinglitt. Die Kabinen der Besatzung liegen ganz unten, dort wo es eher laut ist und sie teilen sie sich zu zweit oder zu dritt, wie die beiden Matrosen, deren Namen ich nicht erfragt habe. Sie kommen aus Ungarn und sie machen einen Drei-Schichten-Knochenjob.

die ungarischen Matrosen

Ich sah sie ununterbrochen das Deck aufräumen, putzen, säubern, das Schiff an- und ablegen, in den Schleusen achtsam an Deck, tags, nachts und bei jedem Wetter und immer waren sie gut gelaunt.

der Papstpalast im Kürbis

Zum Nachtisch ging ich dann aber noch ins Restaurant und freute mich am geschnitzten Papstpalastkürbis. Das Essen an Bord war übrigens französisch-mediterran angehaucht und ich futterte mich die ganze Woche durch das täglich wechselnde ausgezeichneite Fischangebot. Wenn ich etwas enttäuschend fand an diesem morgens, mittags und abends stets reichhaltigen und liebevoll dekorierten Büffet, dann die Qualität manchen Desserts und der Kuchen. Es mag damit zu tun haben, dass ich in Frankreich lebe und mit französischen Desserts vertraut, aber daher vielleicht auch besonders anspruchsvoll bin. Es hat mich aber nicht gehindert, alles zu probieren und gelegentlich nachzufassen. Ohne Dessert gibt es bei mir kein Essen. Geschichten aus meiner Kindergartenzeit wurden erzählt, in der ich nicht, wie andere Kinder, beim Abholen gefragt habe „Was gibts zu Essen?“, sondern immer „Was gibts zum Nachtisch?“. Nun ich kann mich nicht erinnern. Möglich ist es aber.

Nachmittags gab es Kaffee und Kuchen und Tanztee. Alles freiwillig, niemand wurde gezwungen, es gab keine Eintänzer und keine aggressive Mitmach-Animation. Später erfuhren wir noch etwas über Lyon und die geplanten Ausflüge am nächsten Tag und schon war es Abend. Die Zeit verflog und ich war noch nicht einmal in der Sauna gewesen.

il y a du vent

wird immer noch fortgesetzt …

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In den Süden – Arles und Aix

Der Himmel über der Stella

Ok. Jetzt aber mal schnell weiter mit der Dokumentation der Flusskreuzfahrt, sonst will ja gleich kein Mensch mehr verhangenen Himmel über der Rhône sehen, jetzt wo es so schön blauhimmelig überall ist.

Ute fragte, wie es sich anfühle, so auf dem Schiff, und ob dort wirklich nur Rentner seien? Muss man Bingo spielen oder Bridge? Kann man sich zurückziehen?

Nun, ich habe bislang ja nur eine solche Reise gemacht, vieles hängt sicher davon ab, wer gleichzeitig mit auf dem Schiff ist, und das hängt wiederum davon ab, ob in Deutschland Ferienzeit ist oder nicht. Mit uns auf dem Schiff waren mehrere Reisegruppen (Belgier, Engländer, Deutsche), die fast völlig unter sich blieben, an zusammengeschobenen Tischen miteinander aßen und ihr Ausflugsprogramm mit ihren jeweiligen Reiseleitern absolvierten. Die andere Hälfte waren Individualreisende, darunter überwiegend Paare, aber ich sah auch Freundinnen und Familien, mitunter sogar drei Generationen, wir hatten so auch zwei Kinder auf unserem Schiff. Der überwiegende Teil der Passagiere waren durchaus „rüstige Rentner“, aber nicht nur, und es fühlte sich (für mich) gut an (so schrecklich jung bin ich ja auch nicht mehr). Das Ambiente war ruhig und angenehm. Auch die Reisegruppen waren keine vom Typ „Hoch die Tassen!“. Wir blieben mit meiner Mutter überwiegend „unter uns“. Man kann sicher mehr Kontakt haben. Oder noch weniger. Man kann früher frühstücken gehen oder später zum Mittag- und Abendessen, wenn man nicht gleichzeitig mit allen am Buffet anstehen möchte. Niemand muss beim Musik-Bingo, das es tatsächlich einmal abends gab, mitmachen, aber ich bin vom ländlichen Frankreich, wo man sich leicht und gerne bei einfachen Veranstaltungen amüsiert, schon so geprägt, dass ich da tatsächlich problemlos mitmache. Es gab (wegen des eher ungemütlichen Wetters) ja auch wenig Alternativen. Ich bin sicher, im Sommer an lauen Abenden sitzen nicht alle in der Lounge, sondern sind auf Deck, am Pool, im Liegestuhl und lesen vielleicht, schauen, lassen sich treiben, plaudern. Es sind maximal 174 Passagiere an Bord, wenn man das Deck nutzen kann (bei uns kaum der Fall), dann findet man bestimmt immer ein ruhiges Plätzchen für sich, ohne sich in seine Kabine einschließen zu müssen.

Wir haben nur an einem organisierten Busausflug teilgenommen; er wurde mit den Passagieren des Nachbarschiffs Luna unternommen und auch die Nachbarschiff-Mitreisenden waren angenehm (darunter eine Leserin der ersten Stunde, die sich aber erst im Nachhinein zu erkennen gegeben hat. Coucou Martina!), es gab im Bus kein Gedrängel um „feste“ Plätze, alles prima. Übrigens gab und gibt es ein großes Ausflugsangebot mit durchaus sportlichen Varianten. Gut zu Fuß sollte man aber überall sein, schon wegen des Kopfsteinpflasters in den französischen Altstädten!

So, jetzt aber Leinen los. Musik-Bingo gab es am Abend, an dem wir von Viviers bis nach Arles weiterschipperten.

Gloria Gaynor – Musik-Bingo

Da hörten wir auch mal fetzigere Klänge aus unterschiedlichsten Epochen, die restliche Zeit schallte, dank eines eigenen DJ’s, in der Regel sanfte französisch angehauchte Musik durch die Lounge. Getanzt wurde nicht, wäre aber möglich gewesen. Ich trank mich allabendlich durch die erfreulich lange alkoholfreie Cocktailliste.

Abenddrinks in der Lounge

In Arles kamen wir nachts um 4 Uhr an. Ich erwachte früh, es war noch alles dunkel und ich mochte diesen Blick auf das beleuchtet Arles gerne.

Arles frühmorgens

Später sah ich, dass van Gogh diesen Blick fast genau an der gleichen Stelle gemalt hat.

Tag und Nacht

Morgens um 9 Uhr starteten Ausflüge Richtung Camargue, wir aber liefen gemütlich an der Rhône entlang, um Arles zu entdecken.

Blick von den Arènes

les Arènes

durch die Stadt

Ich war ja vor zwei Jahren schon einmal in Arles und wollte gerne in die Fondation Vincent van Gogh, die damals geschlossen war.

Fondation Vincent van Gogh

Dieses Mal war sie zwar geöffnet, aber die Fondation unterstützt in erster Linie moderne Künstler und hat nur im Sommer zusätzlich Gemälde von van Gogh ausgestellt.

les Iris

Vincent

Insofern sahen wir keinen „echten“ van Gogh in Arles, aber van Gogh ist natürlich überall.

van Gogh auf Postkarten und Tischsets

van Gogh auf Servietten

Und Arles ist voller van Gogh Motive.

Das Nachtcafé am Tag

Der Krankenhausgarten

Und voller Street Art.

à la vie à l’amor

Schwarz-Weiß

poisson d’avril

Und dann fiel ich hin. Ein abschüssiges Sträßchen hatte alle paar Meter ein fünf Zentimeter hohes Stüfchen eingebaut. Fatal, wenn man nach oben schaut, um die himmelblauen Fensterläden vor dem blauen Himmel zu fotografieren.

Au bon marché

Es hätte sicher schlimmer kommen können. Dadurch, dass ich vier Schichten Kleidung anhatte (es war kalt!) passierte meinem rechten Ellenbogen nicht allzuviel. Und das Handy war Glasfoliengeschützt und hat es auch überlebt! Uff!

Fenster ohne Aussicht

Wir liefen jetzt ohne weiteren Umweg zurück zum Schiff und zum Mittagessen. Danach legte ich meinen Ellenbogen in eine Tüte voller Eiswürfel und schaute einen Moment in der Kabine deutsches Fernsehen. Um 14 Uhr waren wir eingeschrieben für unseren Busausflug nach Aix-en-Provence, bis dahin wollte ich mich etwas ausruhen.

Während wir in den Bus stiegen, ging es für die anderen mit dem Schiff nach Norden Richtung Avignon. Arles war unser südlichster Punkt der Tour und wir sind tatsächlich schon auf der Rückfahrt, auch wenn wir natürlich erst in der Mitte unserer kleinen Reise sind.

Der Weg nach Aix war nicht wirklich romantisch, wir fuhren überwiegend auf der Autobahn, der Himmel, in Arles gerade mal ein bisschen blau gewesen, zog sich schon wieder zu. Es begann sogar zu regnen. „Das stellen wir in Aix ab!“, versprach die wirklich reizende Reiseleiterin. Eine junge Französin mit einem umfangreichen Wissen und charmantem Akzent, die uns auf dem Weg mit Geschichte und Geschichten unterhielt, über alles, was wir auf dem Weg sehen („Obst- und Gemüsebäume“), über Aix und über Cézanne.

Stadtführung mit Kopfhörer

In Aix regnete es tatsächlich nicht. Die reizende Französin führte uns zügig und informationsreich durch Aix. Erstaunlicherweise habe ich alle historischen Fakten schon wieder vergessen, nur an die netten Anekdoten über Cézanne, der in Aix „großgewachsen“ ist und seinen Schulfreund Emile Zola, und warum Cézanne so gerne Äpfel gemalt hat, erinnere ich mich noch.

Hausecke mit Heiligenstatue

mes demoiselles

Platz in Aix

Crème Eclipse

Stadttor

Kathedrale

einer der vielen Brunnen

un décrottoir

vier Delphine

Es gäbe noch viel mehr zu sehen. Ich hätte gerne noch das Atelier von Cézanne wiedergesehen, das ich in den Achtziger Jahren schon einmal besucht hatte. Aber so viel Zeit war leider nicht und ein bisschen schön Kaffee trinken mussten wir ja auch noch und ein Eis und ein Crêpe wollten auf dem Cours Mirabeau auch verzehrt werden.

Wir fuhren mit dem Bus nach Avignon und sangen unterwegs mit der süßen Französin „An einem Sonntag in Avignon“

und „Sur le Pont d’Avignon“. Und das war alles nicht peinlich, sondern sehr nett.

weiter gehts nach Avignon … folgt bald …

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Salz auf meiner Haut … und Sonne und Wind …

Gestern war Saisoneröffnung. Endlich. Letztes Jahr waren wir schon Anfang April schwimmen. Ich war schwimmen! Im Meer. Wassertemperatur kann ich leider nicht liefern, ich weiß so etwas nicht und Monsieur, der Wind-, Wellen- und Wasserkenner, war nicht dabei. Es war nicht so kalt, ich war aber auch später am Tag als sonst am Strand, und es war vor allem gestern draußen erstmals richtig warm. Wir hatten ja einen ziemlich kalten und verregneten Frühling. Ich hatte außerdem seit Monaten Halsweh – das wissen Sie aber alles schon. Ich war nicht ein einziges Mal im Hallenbad diesen Winter. Obwohl ich sogar einen Schwimmkurs machen wollte, um richtig schwimmen zu lernen, also mit Kopf ins Wasser und Atmen und Beintechnik und allsowas, und obwohl ich dafür extra diese Schwimmbrille mit optischen Gläsern (-10) bestellt hatte, die dann auch nach knapp sechs Wochen ankam. Ich habe sie heute zum ersten Mal getestet – und habe damit, da sie ja nicht alle meine Fehlsichtigkeiten behebt, Doppelbilder. Bisschen komisch, aber ich sehe was. Das ist die Hauptsache.

Was aber noch viel großartiger ist als das Sehen, ist, dass ich im Bikini am Strand war. Im BIKINI! Habe ich seit 30 Jahren nicht mehr getragen. Ich trage seit Jahren viel schwarzen Stoff mit Röckchen. Badeanzug im Retrostil. Viel Stoff mit Rüschen und Fältchen, der im Wasser schwer wird und am Strand nicht trocknet. Ich wollte so wenig wie möglich gesehen werden. Bodyshaming. Ich bin nicht sicher, ob so viel schwarzer Stoff am Strand ein wirklich ein gutes Versteck ist, es ist aber egal, denn damit ist jetzt Schluss! Ich habe einen Bikini! Ich ging am Strand entlang, ich schwamm, ich sah Menschen an, ich sah Frauen in allen Körperformen in Badeanzügen,Tankinis, Shorts, Röckchen, und ich sah Frauen in allen Körperformen in Bikinis! Große und kleine und bunte Bikinis. Mein Bikini ist auch bunt und er ist eher klein. Mein Bauch bekommt nach 30 Jahren wieder Sonne zu sehen. Ich fühlte mich so frei, so genial frei im Wasser, in der Luft. Und niemand beachtete mich. Niemand! WTF Bodyshaming! Ich bin immer noch so happy, dass ich heulen könnte. Halsweh habe ich auch nicht mehr.

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Lust auf Provence?

Wie schön! Manfred Hammes hat mich in seinem Blog Lust auf Provence vorgestellt! Damit befinde ich mich in bester Gesellschaft mit Birgit Vanderbeke, mit Colette, Simone de Beauvoir, aber auch mit Van Gogh, Georges Brassens und Klaus Mann!

Manfred Hammes hat mit diesem Blog einen literarischen Reiseverführer geschrieben, mit dem Sie intelligent unterhalten und amüsant informiert durch den Languedoc, die Provence und an die Côte d’Azur reisen können; beinahe zu jedem Ort kann er mit einer literarischen oder künstlerischen Besonderheit aufwarten, hat er eine vergnügliche Anekdote auf Lager oder weiß etwas Unerhörtes zu berichten. Sei es, dass Henry Miller sich an ein besonders schönes Pissoir erinnert, mit Blick auf Carcasonne! Oder dass Sie in Saint-Rémy einen Longdrink zu sich nehmen können, der nach dem berühmten Sohn der Stadt Nostradamus benannt ist. Oder wussten Sie, dass Samuel Beckett sich 1942 in Roussillon als Feldarbeiter verdingte und für die Résistance arbeitete?

„Unpedantisch, subjektiv und freundlich“ erzählt uns der Autor vom Süden und arbeitet derzeit an einer Neuauflage seines gleichlautenden Buches: „Erzähl mir vom Süden“, das man noch beim Autor beziehen kann. Ich freue mich, dass ich im Besitz eines signierten Bandes bin.

Da ich nicht nur Krimischreiberin bin, sondern in einem früheren Leben auch Buch-Herstellerin war, sehe ich das Buch auch unter diesem Aspekt. Das umfangreiche Bildmaterial, die Karten, die Register, nicht zuletzt diese Informationsfülle in ein angenehm lesbares Buch zu verwandeln, ist eine anspruchsvolle Aufgabe gewesen. Gelungen. Chapeau!

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Der Wind in den Weiden : Von Lyon nach Viviers

Der Wind in den Weiden

So. Jetzt aber schnell die Fortsetzung der Rhône-Flusskreuzfahrt … Der Wind in den Weiden heißt ein englischer Kinderbuchklassiker  von Kenneth Graham, den ich mehrfach begonnen und nie zu Ende gelesen habe. Ich konnte mich mit den Figuren einfach nicht anfreunden, warum auch immer. Aber dass der scheue Maulwurf vor dem Frühjahrsputz flieht und das erste Mal einen Fluss sieht und dort von der Wasserratte zum Bootchenfahren eingeladen wird, daran kann ich mich erinnern. Und gepicknickt wird auch. Ganz wie bei uns eigentlich. Gut, den Fluss kannten wir schon, aber wir haben noch nie eine Bootstour dieser Art gemacht. Alles ganz einfach und doch irgendwie aufregend. Auf dem Fluss frühstücken und die Landschaft gemächlich an sich vorbeiziehen lassen …

Leider war das Frühjahr etwas spät dran, so richtig grün war es noch nicht Ende März entlang der Rhône. Warm war es auch nicht. Wir hatten kurzfristig sämtliche Garderobenpläne über den Haufen geworfen und uns auf Winterwetter eingestellt. Und das war auch gut so. Dabei hatte ich extra Kabinen mit Balkon gebucht und stellte es mir wunderschön vor, auf dem Bett liegend, bei offener Balkontür das Wasser, die vorbeiziehendenn Ortschaften, die Wasservögel und das Ufer zu begucken. Es war auch schön.

auf der Rhône

Das Fenster aber ließen wir zu. Kalt wars und windig wars auch. So dass wir auch immer nur kurz auf Deck waren und die schönen Liegestühle, die in Lyon in der Abendsonne so lieblich aussahen, nicht nutzen konnten, geschweige denn in den Pool sprangen (ich hatte einen Badeanzug dabei!).

Die Strecke: Wir fuhren von Lyon bis Arles und wieder zurück nach Lyon. Und immer wieder mussten wir durch Schleusen. Komisches Gefühl, wenn man aus der Dusche kommt und statt der Landschaft sieht man eine Mauer vor dem Fenster.

in der Schleuse

Der erste Halt, am Rhônekilometer 166, war in Viviers. Es gab von dort Exkursionen zur Ardèche, aber wir wollten es langsam angehen lassen und erkundeten das mittelalterliche Städtchen gemütlich zu Fuß. An der Rezeption gab es zu jedem Hafen, an dem wir Halt machten, ein Blatt mit Informationen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und einen Stadtplan. Praktisch! Über eine noch blattlose Platanenalle ging es hinein in die kleine Stadt. Sie wirkte wie ausgestorben und die Farbe Grau überwog

Epicerie in Grau und Blau

Blaugrau in Viviers

Vorsicht! Gefräßige Platanen!

So freuten wir uns über jedes bisschen Farbe und jedes keimende Blümchen.

zarte Blüten

Türkis, Rosa, Grün

Zierquittenblüten

Grün mit Zwillingszypressen

Kathedrale mit freistehendem Turm

Kathedrale: Kronleuchter und Wandteppiche

Blick über die Stadt

Blau!

Türen und Fenster

Renaissance-Palais

und die ersten Veilchen

un p’tit café im Bistro

Im Bistro erfuhren wir, dass die Rhône noch vor kurzem wegen Hochwasser unschiffbar gewesen war. Unsere Schiffe waren die allerersten, die in dieser Saison in Viviers Halt machten. Am Hafen beeindrucken noch die Baumstämme, die aus der Rhône gefischt worden waren.

Baumstämme

Der Wind in den Weiden

Und weiter ging es Richtung Arles, dem südlichsten Punkt unserer Reise (Rhône-Kilometer 282).

wird fortgesetzt…

 

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Surfing Cannes

We proudly present … den ersten Kurzfilm meines „Enkels“                                                         Surf -Les plages du Midi                                                                                                                       alle Rechte beim Filmemacher :)

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Willkommen an Bord!

Gestatten: Arosa Stella und Arosa Luna

Die Rhône-Flusskreuzfahrt also. Sie war ein Geburtstagsgeschenk für meine Mutter. Und nein, das Alter sagen wir hier nicht dazu. Da der Geburtstag im März war, wollte ich ein Reise, die zeitlich so nah wie möglich am Geburtstag dran lag, und in Frankreich sollte sie stattfinden: So wurde es die allererste Tour der Saison auf der Rhône.

Willkommen an Bord!

Blauer Himmel am Quai in Lyon

Los gings ab Lyon. Die Anreise, zumindest die meiner Mutter, und obwohl noch deutlich vor der großen Streikperiode der Eisenbahner, verlief sehr abenteuerlich. Aber sie hat es noch geschafft, pünktlich an Bord zu kommen. Kaum hatte sie die Hände desinfiziert (oberstes Gebot an Bord nach jedem Landgang und vor jedem Essen!), wurde ihr, wie vorher mir und jedem Gast an Bord, eine dunkle rote Rose entgegen gestreckt :           Schön, dass Sie da sind!

Eine Rose zur Begrüßung

Und schon machten die Matrosen die Leinen los und das Schiff legte ab. Ich war nur unwesentlich früher an Bord gekommen, hatte zwar schon mein Köfferchen ausgepackt, war einmal auf Deck geklettert, aber viel mehr hatte ich auch noch nicht gesehen.

Blick über das Schiffsdeck und auf Lyon

Liegestühle an Deck

Alle anderen Passagiere hatten das Boot schon ausgekundschaftet und fröhliches Raunen erklang aus dem vorderen Teil des Schiffes, wo sich die Lounge befand. Wir suchten erst noch unsere Wege, zunächst ins Restaurant.

Später gab es in der Lounge für alle ein Glas Sekt und wir stießen mit den Schiffsoffizieren auf eine schöne Reise an.

Begrüßungssekt

Dann glitt das Schiff schon in seine erste (von elf) Schleuse(n). Und wir bald darauf ins Bett.

In der ersten Schleuse

wird fortgesetzt …


Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Dies ist kein Werbetext. Sie werden jedoch am Logo sehen, mit wem wir unterwegs waren. Ich habe diese Reise komplett selbst finanziert, war inkognito an Bord und es liegt mir fern, Werbung für einen Anbieter zu machen. Ich kann jedoch sagen: Die Reise war sehr schön, entspannt, ohne Dresscode, ohne Kapitänsdinner, mit Buffet und ohne feste Sitzordnung. Das Schiff, obwohl von 2005, war wie neu! Ich hatte da ein wenig Bedenken, aber alles war perfekt. Die Matratzen fest und nicht durchgelegen. Die Bäder blitzsauber. Der Teppichboden war neu und man sank mit den Absätzen in den üppigen Flor. Alles war frisch gestrichen, sogar die Reling an Deck, und die Holzböden waren frisch auf Hochglanz lackiert. Der Service war perfekt. Wenn man ein paar Jahre im charmant schmuddeligen Ausland lebt und dort weniger charmant-unzuverlässigen Service gewohnt ist, dann fällt einem das erst auf, wie toll sauber und perfekt geregelt das in deutschen Unternehmen ist.

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Bei Wind und Wetter

Genau, es hat mich buchstäblich weggeweht. Diesen Hoppser, den man unfreiwillig macht, wenn der Wind einen hochhebt und ein Stück weiter (hoffentlich) wieder absetzt, habe ich in Cannes noch nicht oft erlebt. Aber gestern auf dem Weg zum östlichsten Zipfel der Stadt, der Pointe Croisette, warf mich der Wind in die Luft. Wow! Ich konnte den Fotoapparat kaum halten, so wehte es, Haare, Windjacke und Tuch wirbelten durch die Luft und die Worte, die ich einer anderen Frau zurief, flogen ungehört davon. Il y avait du vent! 

Der Himmel sah bizarr aus, die Möwen schienen sich im Ostwind zu amüsieren und es war ganz großartig! Und wieder nehme ich mir vor, jeden Tag und bei jedem Wetter raus und ans Meer zu gehen. Das Meer ist es auch bei Regen und Sturm immer ein Erlebnis, und mich nur eine halbe Stunde draußen durchpusten zu lassen, tut mir immer gut. Rote Backen inklusive.

Die Surfer und Kiter aber waren weit draußen und rasten am Horizont von rechts nach links und wieder zurück.

Das Zoomobjektiv meiner Kamera ist nicht sehr stark, insofern bleibt alles klein. Zusätzlich war gestern alles eigenartig unscharf: meine Brille war binnen Sekunden mit einer feuchten Salzschicht bedeckt. Die Fotos habe ich quasi blind gemacht.

 

 

 

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Il y a du vent

„Wir könnten am Strand spazierengehen“, schlug ich in meiner anfänglich naiven Côte d’Azur-Verliebtheit gerne mal vor. „Oder am Strand in einem Restaurant Essen gehen.“ Essen am Strand gibt mir immer ein Urlaubsgefühl, das ich, die „da arbeitet, wo andere Urlaub machen“, doch auch mal haben will. „Il y a du vent“, knurrte Monsieur nach einem kurzen Blick aus dem Fenster. Es ist windig. Zu windig, für Monsieur, den alten Segler. Es machte mich jedes Mal rasend. Wind! Ph! „Wo ist denn hier Wind?!“, empörte ich mich und starrte aus dem Fenster, um zu sehen, was er sieht. Er zeigte auf die Baumwipfel der Zypressen vor dem Fenster, die sich, man muss schon genau hinsehen, leicht bewegen. Es könnte auch Einbildung sein. Ich starre die Zypressen kritisch an. Haben sie sich bewegt? Ja, doch, vielleicht. „Und wegen dem bisschen Wind, können wir nicht an den Strand?“, frage ich fassungslos. Monsieur antwortet nicht mal. Er hat schon gesagt, was gesagt werden musste. Il y a du vent.

Ich bin kein Kind der Küste und des Meers. Ich kann nicht auf Anhieb beim Gekräusel der Wellen sagen, „Wind aus Südost“ oder mit schicksalhafter Stimme: „Mistral“. Bei Mistral geht ja gar nichts mehr. Kein Einheimischer geht bei Mistral raus. Auch die Segler suchen jetzt nervös Schutz im rettenden Hafen. Obwohl wir hier im Osten nur mit den schwachen Ausläufern des Mistral zu tun haben. So richtig weht der Mistral weiter drüben in der eigentlich so lieblichen Provence, besonders gern im unteren Rhônetal, in Arles, Avignon, in der Camargue oder in Marseille. Und zwar entweder drei Tage oder sechs Tage oder neun Tage, sagen französische Bauernregeln. Der Himmel wird dann wolkenlos und stahlblau, das Blau des Meeres bekommt ein intensives, karibisches Blau, ein „Überblau“ habe ich irgendwo gelesen.

Aber gleichzeitig bläst er einem den Kopf weg. Nach mehreren Tagen Mistral sind Mensch und Tier gleichermaßen durchgeschüttelt und erschöpft, „fada“ sagt man hier, verrückt. Napoleon soll Mördern Gnade gewährt haben, oder er hat ihnen zumindest die Todesstrafe erlassen, wenn ihre Tat nach drei Tagen Mistral erfolgt war. „Ver-rückt“ im Sinn des Wortes, sind häufig auch die Mauern, zusammengebrochen nämlich.

In der Zwischenzeit habe ich begriffen, dass das leichte Lüftchen, das die Wipfel der Zypressen im Inneren der Stadt schaukeln lässt, am Strand wie ein ausgewachsener Sturm empfunden wird. Obwohl er natürlich immer noch verharmlosend Wind heißt. Da wehen einem die Sandkörner stechend ins Gesicht, dass man sich verzweifelt Tücher um den Kopf wickelt, wie ein Tuareg in der Sahara. Die Strandrestaurants haben rund um die Terrassen ihre durchsichtige Plastikverkleidung angebracht, an der nun der Wind zerrt. Das Plastik knattert und flattert und selbst wenn man drin isst, kommt es einem ungemütlich vor. Draußen aber fegt es nicht nur die Gläser und Servietten und Blumenkübel davon, auch die nicht zusammengeklappten Sonnenschirme machen plötzlich einen Satz und fliegen in wilden Umdrehungen am Strand entlang. Il y a du vent. 

Er ist anstrengend der Wind, das weiß ich heute, auch wenn es nicht der Mistral ist. Seit heute Nacht weht und heult und pfeift der Wind wieder ums Haus. Ostwind habe ich gerade erfahren. Die Fensterläden unseres Hauses und der Nachbarhäuser klappern. Im Kloster auf der kleinen Ile St. Honorat, wo man dem Wind noch viel mehr ausgeliefert ist, habe ich zum ersten Mal innen angebrachte Fensterläden gesehen. Der Sinn erschließt sich einem erst wirklich bei starkem böigen Wind oder bei Sturm. Das Geklapper eines oder mehrerer nicht oder nicht ausreichend fixierter Fensterläden, die mit unstetem KNALL, RUMMS, KLAPPklappKLAPP, QUIETSCH und wieder KLAPP die ganze Nacht, dem böigen Wind ausgeliefert, wieder und wieder an die Hauswände schlagen, raubt einem nicht nur den Nachtschlaf, es macht einen fada, verrückt.

Nach acht Jahren Côte d’Azur sehe und verstehe ich jetzt die Zeichen. Heute aber bewegen sich nicht nur die Wipfel der Zypressen, sondern die Zypressen biegen sich komplett und bedrohlich über unser Dach. Wer nicht muss, geht jetzt nicht raus. Il y a du vent, sagt Monsieur wie erwartet und zieht die Decke übers Kinn. Er dehnt lieber seine Sieste noch etwas aus. Die einzigen, die sich dem Wind und den entsprechenden Wellen leidenschaftlich entgegenwerfen, sind Surfer oder Kiter. Die Pointe de la Croisette, der östlichste Zipfel von Cannes, ist ein beliebter Spot.

Und ich geh‘ jetzt raus Surfer gucken :D  Il y a du vent! 

wird fortgesetzt … Fotos folgen …

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Momente des Vergessens

„On m’a empêché de prendre mon déambulateur à la clinique et voilà!“, sagt meine Schwiegermutter vorwurfsvoll zu mir und es ist klar, wen sie mit dem eigentlich neutralen „on“ meint. Ich habe verhindert, dass sie ihren Gehbock aus dem Krankenhaus mitgenommen hat. Und jetzt haben wir den Salat. Sie kann nicht aus dem Auto aussteigen. Sie hat keinen Gehbock, ha!

Ich fange an zu zweifeln. Tatsächlich kenne ich den Gehbock meiner Schwiegermutter nicht und ich war nicht zugegen, als sie ins Krankenhaus eingewiesen wurde, bzw. sich hat einweisen lassen, gegen den Willen von Monsieur. Ich ging davon aus, dass der Gehbock im Krankenzimmer der der Krankenhausstation war, genau wie der Rollstuhl, mit dem wir sie zum Auto gefahren haben. Monsieur und ich haben sie nach einer guten Woche im Krankenhaus abgeholt und nach Hause gefahren, und während sie und ich vor der Haustür warten, ist Monsieur nach oben geeilt, um den Gehbock meiner Schwiegermutter zu holen, damit sie sich, Schrittchen für Schrittchen vorwärts bewegen kann. So der Plan. Nun, ich beginne zu zweifeln. Wenn es nun tatsächlich ihr Gehbock war? Ich erkläre noch einmal „ich ging davon aus, dass es der Klinik-Gehbock war …“ „NEIIIN“, meine Schwiegermutter würde jetzt vermutlich gern mit dem Fuß aufstampfen, aber so viel Kraft hat sie nicht mehr in den Füßen. „Es ist MEIN Gehbock!“ Ich seufze. Wenn wir jetzt hier ohne Gehbock sind und nochmal zurück zum Krankenhaus fahren müssen … es ist 12 Uhr und meine Schwiegermutter hat feste Essenszeiten. Ihre Schimpftiraden will ich mir gar nicht vorstellen.

Sie murmelt halblaut noch ein paar Unfreundlichkeiten „so etwas passiert immer, wenn zu viele Leute da sind …“ und „ich hätte besser alles selbst gemacht“. Sie sieht mich nicht an, aber ich weiß schon, mit „zu viele Leute“ bin ich gemeint, woraufhin ich ihr ihre vier Taschen vor die Haustür stelle und meinerseits unfreundlich sage, „na, dann machen Sie doch alles selbst“. Hat sie vermutlich nicht gehört. Sie trägt ihre Hörgeräte nicht mehr. Ich gehe aus der verbalen Schusslinie und warte.

Monsieur kommt die Treppen heruntergeeilt, in der Hand einen Gehbock, viel massiver als der vom Krankenhaus, und stellt ihn vor meiner Schwiegermutter ab. Sie sieht mich triumphierend an und sagt mit ebensolcher Stimme: „Sehen Sie! Da ist er, mein Gehbock! Ich wusste es ja!“

Ich enthalte mich jeden Kommentars.

Meine Schwiegermutter, die im Sommer 98 wird, war in ihrer Wohnung gefallen. Ich war nicht zugegen, ich schipperte mit meiner eigenen Mutter auf der Rhône herum. Sehr nett übrigens. Das nur am Rande. Nun, der Sturz hat ihr nicht nur ein Hämatom von der Hüfte bis zum Knöchel eingebracht, sondern sie auch kurzzeitig verwirrt. Monsieur hat vier Tage und Nächte bei ihr verbracht, aber sie fand sich nicht angemessen betreut und ließ sich von ihrer neuen Hausärztin kurzfristig ins Krankenhaus einweisen, als Monsieur nur schnell bei uns zu Hause die Katze fütterte. So hat man es mir erzählt. Ich war ja nicht da. Meine Schwiegermutter wurde im Krankenhaus dann aber nicht, wie sie es sich erhoffte, wie die Königinmutter umsorgt, einen Arzt sah sie gleich gar nicht. Es war Mittwoch vor Ostern. Sie wurde geröntgt und man besah ihr Hämatom, versicherte ihr, dass nichts gebrochen war, aber viel mehr passierte nicht. Medizinisch gesehen jedenfalls. Was passierte war, dass sie sich mit den Krankenschwestern herumstritt, weil sie nicht das essen wollte, was man ihr gebracht hat. Sie ließ es demonstrativ unangetastet stehen und genau so nahm es die Krankenschwester wieder mit. „Die geben mir hier nichts zu essen!“ erzählte sie uns. „Sie wollte nichts essen“, erklärte uns die Krankenschwester. Wir besuchen sie am folgenden Abend. Sie schlief tief und fest und während wir überlegten, ob wir sie wecken oder nicht, kam die Krankenschwester mit dem Abendessen. Meine Schwiegermutter brauchte gefühlt Stunden, bis sie sich zurechtgeruckelt hat, und dann schaut sie verständnislos das Abendessen an. „Was ist das denn?“, fragt sie. Monsieur liest den Begleitzettel vor: „Omelette mit Spinat und Käse. Das ist bestimmt gut.“ „Das soll ich jetzt essen?“ „Ja, Maman“, sagt Monsieur und hält ihr die Gabel hin, „du musst etwas essen“. Sie schüttelt den Kopf und besieht den Zettel. „Das ist das Abendessen von Freitag Abend“, sagt sie dann empört. „Was für eine Idee, mir jetzt das Abendessen von Freitag Abend zu servieren!“ „Aber es IST Freitag Abend“, bestätigen wir. Sie sieht uns mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck an, leicht amüsiert, so als würde sie uns Scherzkeksen nicht auf den Leim gehen. „Ich will meinen Kaffee“, sagt sie enschieden und schaut auf die Armbanduhr. „Halb sieben, da kann man doch seinen Kaffee erwarten, oder?“ Sie schiebt das Omelette weg. Nichts zu machen, sie will es nicht essen, sie will ihren Kaffee, denn sie will uns auch nicht glauben, dass es Freitag Abend ist. Das passiert jetzt jedes Mal, wenn sie von einem Schläfchen erwacht. Auch mitten in der Nacht. Da ruft sie dann bei uns an und weiß nicht, wo sie ist und warum und klagt nun sogar weinend ihren Kaffee ein: „Die geben mir hier nichts zu essen!“ Das sind Momente, wo sie mich rührt in ihrer Hilflosigkeit. Monsieur redet auf sie ein, erklärt ihr, wie sie die Krankenschwester rufen kann und bleibt am Telefon, bis die Krankenschwester gekommen ist. Er schläft nicht mehr vor Sorge, sagt, die ungewohnte Umgebung tut ihr nicht gut und er will seine Mutter aus dem Krankenhaus holen. Es ist Karsamstag. Um Acht Uhr morgens eilt er, gegen die Besuchsordnung, ins Krankenhaus, um seine Mutter zu sehen. Die hat aber in der Zwischenzeit ihren Kaffee bekommen und ist zufrieden und außerdem klar im Kopf. Und nein, sie will im Krankenhaus bleiben. Sie sind alle ganz reizend hier, vor allem der junge Krankenpfleger. Sie hat zunehmend weniger verwirrte Momente und wehrt sich vehement gegen alle Versuche, ihr für zu Hause eine Dame zu suchen, die abends darauf achtet, dass sie isst, trinkt, die (richtigen) Medikamente nimmt und gut ins Bett kommt. Sie brauche niemanden.**

So ist es bislang. Seit sie wieder in ihrer gewohnten Umgebung ist, hat sie auch keine Momente des Vergessens mehr. Also diese besondere Art des Vergessens. Vergesslich ist sie schon. Aber das bin ich ja auch in der Zwischenzeit. Ich fand es dennoch sehr bizarr, diesen ersten Momenten des Vergessens beizuwohnen.

The Usual from Zubin Sethna on Vimeo.

** Nur damit Sie sich nicht sorgen, jeden Vormittag kommt bereits eine Krankenschwester und eine Dame, die ihr bei der Toilette und dem Anziehen hilft. Außerdem hat sie fünfmal in der Woche eine Dame, die ihr bei den kleinen Dinge im Haushalt hilft und einmal pro Woche eine Putzhilfe. Sonntags ist sie „alleine“, wird aber entweder besucht (Familie, Freundinnen) oder irgendwohin eingeladen (Familie, Freundinnen). Jeden Tag rufen Monsieur und seine Tochter an, und sie wechseln sich beim Einkaufen und bei allem anderen ab. Meine Schwiegermutter hat alle Angebote, etwa, bei uns im Haus im Erdgeschoss zu wohnen oder in ein Altersheim hier um die Ecke zu gehen, abgelehnt.

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WMDEDGT 04/2018 außer Konkurrenz

Heute ist der 6. April. Ich war den ganzen Tag lang sicher, heute sei der 5. und es wäre Tagebuchbloggen dran, Sie wissen schon bei Frau Brüllen. Aber nein, ich habs verpasst. Und es war sogar Jubiläumsbloggen. Gestern. Hm. Da ich aber schon den ganzen Tag alles vor mich hinmemoriere, damit ich nur nichts vergesse, kriegen Sie den heutigen Tag trotzdem. Tagebuchbloggen außer Konkurrenz also.

Gegen 7 Uhr aufgewacht. Ziemlich vermatscht. Ich hatte gestern Schwierigkeiten einzuschlafen. Monsieur schnarchte, auch dann noch als ich ihn anstupste und er sich auf die Seite drehte. In der Nachbarwohnung lief noch der Fernseher. Ich höre ja alles, Sie wissen das schon. Ich schlafe ohne Ohrstöpsel, seitdem der Ohrenarzt sie mir quasi verboten hat. Es klappt erstaunlicherweise gut, das Schlafen ohne, ich bin selbst am meisten darüber erstaunt, dass ich mir sie so ratzfatz abgewöhnen konnte. Ich schlafe anders seither. So richtig kann ich es nicht erklären. Aber ich muss zunächst einschlafen, das ist das Schwierigste. Wenn Monsieur schnarcht, geht es nicht. Ich greife also irgendwann doch wieder zu den Ohrstöpseln. Jetzt wiederum finde ich das Gefühl, Schaumstoffstöpselchen in den Ohren zu haben komisch. Aber ich schlafe ein. Um halb fünf wache ich auf und huste. Monsieur hat seine nächtliche Spülsession und ist nicht da. Ich huste und huste und huste. Ich stehe auf und suche Hustensaft und stecke ein Kissen unter das Kopfkissen. Ich huste. Halsweh habe ich auch. Ich habe seit vier Monaten Halsweh. Nicht genug, um krank zu sein, aber zu viel, um sich gesund zu fühlen. Seit einer Woche fühle ich einen Druck auf den Bronchien. Ich nahm und nehme Hustenzäpfchen und bin sogar mal zwei Tage im Bett geblieben, um es gar nicht zu einer Bronchitis kommen zu lassen. Im Bett fühlte ich mich gut. Seit gestern Nacht huste ich wieder. Irgendwann dämmerte ich wieder ein.

Monsieur, der nach dem nächtlichen Spülen wieder ins Bett kam und problemlos weitergeschlafen hat, steht sofort auf, er hat um halb neun einen Zahnarzttermin. Ich quäle mich aus dem Bett, trinke einen Kaffee und esse zwei Stück Rührkuchen und danach geh ich ins Bad. Die Hustenzäpfchen machen mir Durchfall. Husten muss ich trotzdem. Ich beschließe zum Arzt zu gehen. Vielleicht ist es allergisch, vielleicht was anderes, vielleicht gibt es ja irgendein Mittelchen, das meine Halsschmerzen beendet. Es ist bald Schwimmsaison, ich will ins Wasser, den ganzen Winter war ich nicht schwimmen, weil ich mich so halswehig fühlte. Ich ziehe mein neues grasgrünes Kleidchen an und fühle mich sehr beschwingt. Das Wetter ist genau richtig, um es noch noch mit Strumpfhosen und Jacke anzuziehen.

Monsieur fährt zum Zahnarzt. Heute ist Nathalie-Tag und ich räume noch schnell etwas auf. Ich lege Monsieurs Klamotten zusammen, die über dem Sessel hängen und fange an zu schimpfen. Er hat die nagelneuen weißen T-Shirts, eine gute Qualität, zum Streichen angezogen und sie sind voller Farbflecken. Herrjeh.

Um Neun kommt Nathalie. Wir beziehen zusammen das Bett frisch, ich bin in der Zwischenzeit fast sicher, dass meine Husterei allergisch ist, letztes Jahr um diese Zeit hatte ich eine große Allergiekrise, deren Ursache ungeklärt blieb, aber irgendwas ist es vielleicht doch, außer der Katze – gegen die ich eine Desensibilisierung begonnen habe, aber beide Labors, die den Wirkstoff produzieren, arbeiten nicht mehr oder noch nicht wieder oder was auch immer, die Desensibilisierung wird also abgebrochen. Aber da ich vor allem im Bett huste, will ich alles abziehen, waschen und neu beziehen. Und die Katze bekommt energisch wieder Bettverbot. Man wird ja so ein bisschen nachlässig im Laufe der Zeit. Ich wechsele das Winterdeckbett gegen ein neues leichteres Übergangsdeckbett, und will später das Deckbett einschließlich meines kleinen Daunenkissens zur Wäscherei bringen.

Monsieur kommt um halb zehn zurück vom Zahnarzt. Er hat Fleisch und Hackfleisch gekauft, das ich in Portionen einfrieren soll, aber ich will jetzt zum Arzt aufbrechen, und stopfe das Fleisch zunächst in den Kühlschrank. Monsieur bittet, dass ich vorher noch schnell meine Freundin anrufe, die eine Wohnungsauflösung macht und uns eine Waschmaschine angeboten hat. Ob wir die Waschmaschine in den nächsten Tagen abholen könnten? Leider fährt die Freundin morgen für den restlichen Monat in die Berge und es ginge nur heute. Heute nachmittag spielt Monsieur Bridge. Er hat eine neue Partnerin, die er schon einmal versetzt hat, nochmal kann er das nicht machen. Also jetzt. Passt es jetzt? Der Freundin passt es, aber ich sage, dass ich jetzt zum Arzt gehe und keine Waschmaschine abholen kann. Monsieur sagt, ach komm, wir holen die Waschmaschine schnell ab und du gehst danach zum Arzt. Ich maule etwas herum, dass ich mich, seit ich in diesem Land lebe, an diese unorganisierte Art anpassen muss, und dass ich es satt habe, und ich ziehe mich um, im Kleidchen und mit Ballerinas kann ich keine Waschmaschine tragen. Wir fahren ans andere Ende von Cannes und die Freundin zeigt uns die Wohnung, in der viele dunkle schwere Möbel stehen, die zu schade für den Sperrmüll sind, die aber dennoch kein Mensch mehr will, auch ich nicht. Die Freundin schluchzt etwas. Ihr Mann ist noch nicht lange tot, alles hier ist voller Erinnerungen. Die Waschmaschine ist noch in der Küche eingebaut und zwar ziemlich massiv. Monsieur hat kein Werkzeug dabei. Natürlich nicht. Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Die Freundin hat auch kein Werkzeug. Wir suchen dennoch im Abstellkämmerchen und finden zwar kein Werkzeug, aber alte Fotoapparate des verstorbenen Mannes und wieder schluchzt die Freundin. Und ein zusammengeklappter Tisch mit Samtoberfläche. Ein Bridgetisch sagt Monsieur und bekommt glänzende Augen. Ach, das alte Ding, sagt die Freundin, nimm ihn mit. Wir nehmen den Bridgetisch mit und noch einen Aktenschrank, eine Fotografie des Bergdorfs und noch eine Enzyklopädie des Niçois, den Dialekt, den man in Nizza spricht, und die Monsieur einem Bouquinisten anbieten will, aber nicht die Waschmaschine, wir kriegen sie nicht losgeschraubt. Machen wir später im April, es eilt ja nicht, sagt Monsieur jetzt großzügig. Ich sehe ihn giftig an. Wir umarmen die Freundin und fahren die Möbel nach Hause. Es ist Punkt zwölf. Nathalie verlässt das Haus. Es ist sauber, wie toll! Monsieur hat Hunger. Es gibt die Reste der Lasagne von gestern, aber wir haben nichts Frisches, keinen Salat, kein Gemüse. Monsieur findet das nicht schlimm und trinkt frischen Rosé dazu und isst noch etwas Brie mit frischen Brot. Ich esse einen halben Apfel und ein Joghurt. Die Katze frisst ihr Katzenfutter.

Dreizehn Uhr Sieste. Das Bett ist frisch bezogen und ich lege mich müde ab. Und huste augenblicklich. Monsieur legt sich hin und schläft. Ich huste und ärgere mich. Der Arzt hat Nachmittags keine Sprechstunde, da macht er Hausbesuche. Freitags mittags ist er aber vielleicht sowieso schon weg. Wochenende. Um 14 Uhr bin ich müde gehustet und wir stehen wieder auf. Ich fahre Monsieur zum Bridge, behalte seine Kreditkarte, betanke das Auto und fahre zum Supermarkt einkaufen. Auf dem Weg wollte ich bei der Wäscherei das Deckbett abgeben, aber in der Straße vor der Wäscherei stehen Polizeiwagen und Polizisten herum, ich traue mich nicht, mich in zweiter Reihe kurz illegal hinzustellen und fahre direkt zum Einkaufen.

Ich wollte Ihnen eigentlich ein Panoramafoto des Angebots vom gekochten Schinken machen. Ich bin immer wieder fassungslos über die zehn oder noch mehr Meter Schinken. Aber ich habe mein Handy nicht dabei. Kein Foto also. Es gibt gekochten Schinken in Packungen mit zwei Scheiben, mit vier Scheiben, mit sechs oder mit acht Scheiben Schinken. Mit Schwarte oder ohne. Mit weniger Salz und ohne Nitrit und ohne OGM und ohne was weiß ich, und das alles von mehreren Marken. Außerdem gibt es wieder diese Großfamilienangebote. Drei Packungen mit acht Scheiben für den Preis von zwei Packungen. Das kommt für uns nicht infrage, aber das gleiche Angebot gibts auch für allerhand anderes. Beim Wasser greife ich zu. Wasser brauchen wir immer. Dreimal sechs Flaschen stilles Wasser und dreimal sechs Flaschen Eau gazeuse für jeweils den Preis von nur zwei Packungen. Damit ist der Wagen schon voll. Ich bin uninspiriert für das Abendessen. Im Winter gibts abends immer Suppe, aber ich habe keine Lust mehr auf Suppe. Winter ist es nicht mehr. Warm ist es aber auch noch nicht und für Salate ist es definitiv noch nicht der Moment. Das Gemüse im Supermarkt macht mich auch nicht an. Ich will es lieber morgen auf dem Markt kaufen. Ich entscheide mich für ein paar Crêpes und Galettes. Daraus kann man was machen. Ich nehme relativ lustlos noch allerhand anderes mit. Um halb fünf bin ich fertig, fahre nach Hause, stelle dort zunächst alles nur in den Hausflur. Ich versuche nochmal, die Wäscherei anzufahren und finde halbwegs nah einen Parkplatz und laufe von dort mit dem Deckbett zur Wäscherei. Bis Mittwoch, sagt die Frau in der Wäscherei und sucht auf dem Kalender das Datum. Heute ist der Sechste, sagt sie und ich begreife, dass ich das Tagebuchbloggen verpasst habe.

Auf dem Weg zurück, sage ich meinem Schneider guten Tag und bestelle spontan ein Sommerkleid. Er hat drei knallige Stoffe zur Auswahl und ich kann mich nicht entscheiden, aber er wird sowieso erst ein Modell nähen. Wir philosophieren noch ein bisschen über das Leben und ich fahre nach Hause. Halb sechs. Die Katze klagt ihr verpasstes 17 Uhr Fressi ein. Ich räume die Einkäufe weg, mache mir einen koffeinfreien Kaffee und fange an, hier zu tippen. 19 Uhr Monsieur kommt vom Bridge und erzählt. Er schaltet den Fernseher an. Das Telefon klingelt. Ich habe Halsweh und huste. Jetzt ist es kurz nach Acht, ich gehe in die Küche und mache Abendessen. Viertel nach Neun, ich schreibe hier und schaue nebenbei fern. Später muss ich das Fleisch noch einfrieren. Das war mein Tag. Danke, wenn Sie bis hierhin gelesen haben. Und ein schönes Wochenende!

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Der Wolf ist da!

Heute kamen dann auch meine Belegexemplare, hurrah! Ich konnte sie nicht in der Wiese dekorieren, wie ich es ursprünglich vorhatte (Wölfe im Unterholz), sie war zu nass. Hier regnete es nämlich die letzten Tage und nicht zu knapp. Heute aber scheint die Sonne, da habe ich schnell ein paar Fotos gemacht. Aus Gründen, die wir nicht verstehen, ist aber nur eines halbwegs gelungen.

Wölfe im Vorgarten

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Wochenende!

 

 

 

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Spiegel-Bestseller

Oh was sind wir stolz und froh: Christine Cazons „Wölfe an der Côte d’Azur“ ist auf Platz 16 der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste!!! Danke Ihnen allen!!!

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Das Cannes von Christine Cazon

„Das ist ja wie in Norddeutschland hier“, lachte Hilke Maunder, als sie aus dem Auto stieg und fast davongeweht wurde. Glücklicherweise ist die Journalistin ursprünglich Hamburgerin und so schnell erschüttern sie die Wetterverhältnisse nicht. Auch Sturm, Kälte und strömenden Regen an der Côte d’Azur nimmt sie lachend mit.

Die Autorin hat sich mit Hilke Maunder getroffen und ihr „ihr“ Cannes gezeigt. Es war ein toller Nachmittag, trotz des Côte d’Azur untypischen Wetters. Das „andere“ Cannes bei „anderem“ Wetter sozusagen.

Reportage und Fotos von Hilke Maunder

Die super schöne Reportage über die Autorin und „ihr“ Cannes gibt es  klick –> auf Hilke Maunders Blog „Mein Frankreich“.

Herzlichen Dank Hilke, für deine Begeisterung und Ausdauer, das Cannes jenseits des Touristentrubels kennenzulernen!

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Ein Wolf auf dem Balkon

Ceci n’est pas un loup

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La belle au bois dormant

Kürzlich sagte ich schon, dass Cannes keine junge Stadt ist. Grafitti gibt es hier nicht. Fast nicht, sage ich jetzt. Denn es gibt „junge“ Orte und dort gibt es auch Grafitti, nur, offiziell ist das alles nicht. Schon der Zugang zum Gelände, das in Privatbesitz ist, auch wenn der Besitzer sich hier nicht sehen lässt, ist nicht gestattet. Aber welche abenteuerlustigen Jungs und Mädchen schreckt das wirklich?! Selbst ich erkundete zu einer Zeit verlassene Kleingärten, stolperte dazu über Stacheldraht, kletterte dort auf Bäume, aß die Kirschen und klaute Johannisbeeren und Rhabarber. Zu wissen, dass es eigentlich verboten war, machte die Sache umso spannender. Und auch heute hat das Verbotene für mich noch einen Reiz. Zumindest, wenn es darum geht, besondere Orte zu entdecken. Bevor Sie also wirklich gar keinen Schnee mehr sehen wollen, zeige ich Ihnen schnell noch die Fotos des Aussichtsturms l’observatoire und des ehemaligen Salon de thé, in ihrem heutigen und Schnee-aktuellen Zustand.

Zutritt verboten

L’observatoire

Auf der Aussichtsterrasse

l’observatoire et salon de thé

innen

innen Detail

außen Grafitti

außen Grafitti II

auf der Terrasse

Mimosenschneemann

Hier noch einmal der Link zur —>  Geschichte. 

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Schneespaziergang in Cannes

Heute früh war es so kalt, dass mir die Nasenhärchen zusammenklebten, als ich kurz zur Post und zum Bäcker gegangen bin. Und die Straßen waren gesalzen wie für einen Katastrophenfall. Sie sind hier mit Schnee und Eis so ungeübt, Sie kennen einfach kein Maß. Dank der Kälte ist der Schnee nämlich immer noch da. Zumindest etwas weiter oben, dort, wo ich gestern auch schon war. Ein bisschen mehr Licht gab es heute auch, so dass ich Ihnen noch ein paar Schneefotos zeigen werde. Ich höre Sie stöhnen, ich weiß, Sie haben den Schnee und die Kälte eigentlich satt, manche sind auch extra wegen der Sonne und der milden Temperaturen hierher gekommen und sind jetzt extrem vergrätzt. Dabei ist er so schön der Schnee in Cannes, und so selten, dass ich Sie voraussichtlich erst in zehn Jahren wieder damit behelligen werde. Und so schlimm wie der Schneefall 1956, von dem sich nicht nur unsere Orangenbäume nie wirklich erholt haben, ist es ja auch nicht.

1956, ENORME TEMPÊTE DE NEIGE SUR LE VAR ! from Honnorat jean claude on Vimeo.

Also dann …  ein kleiner Schneespaziergang nicht gerade in Cannes, aber oberhalb, in la Croix des Gardes, mit Blick auf Cannes.

Spazierweg in la Croix des Gardes

Blick auf die Iles de Lérins

Blick auf Cannes

Blick auf eine Villa

Schneebelastete Mimose

Blick auf das Esterelgebirge

Während ich hier schreibe stellt Salvatore Adamo in meiner Lieblingssendung C’est à vous gerade sein neues Album vor. Tatsächlich entdecke ich Adamo, dessen Stimme ich früher nicht mochte, gerade für mich. Hier ein zum Wetter passender früher Titel von ihm: Tombe la neige

Salvatore Adamo – Tombe La Neige 1963 from smalltown on Vimeo.

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Es schneit in Cannes!

Es schneit! Seit heute morgen. Die ersten drei grisseligen Flöckchen habe ich noch spöttisch dokumentiert.

die ersten Schneeflöckchen

Ich glaubte nicht wirklich an den angekündigten Schnee. Aber dann wurden es dicke Flocken und ich bin in Windeseile in den Naturpark La Croix des Gardes gefahren, der ein bisschen erhöht liegt. Dort wo ich immer die Mimosen aufnehme, Sie wissen schon. Und dann war ich so aufgeregt über all den Schnee und hatte ganz schnell eiskalte, steife und nasse Finger, dass ich fast alle Fotos verwischt und verwackelt habe.

Mimosen und Schnee

Mimosen im Schnee

Schnee La Croix de Gardes

Es schneit in Cannes! Wow! Das hat es schon jahrelang nicht mehr gegeben. Das letzte Mal angekündigt war er für 2012. Damals schneite es sogar in Marseille, aber nicht bei uns. Heute aber! Und es hat noch nicht aufgehört.

la neige

Und wissen Sie, wo ich eben für Sie war?! In La Californie, auf dem Villenhügel, der von weitem ganz weiß aussah. Da kurvte ich unter von der Schneelast tief hängenden Mimosenbüschen bis nach oben und fand mich irgendwann per Zufall auf der Rückseite des Aussichtsturms wieder.

gebeugte Mimosen

Chateau d’Eau und Palmen

Aussichtsturm

Als ich ankam hüpfte gerade ein junger Mann durch ein Loch im Gitterzaun und war unter seiner Kapuze quasi unsichtbar und auch sonst gleich diskret verschwunden. Ich sah von Weitem noch andere Gestalten auf dem Grundstück herumlaufen. Kurz zögerte ich. Aber dann siegte die Neugier und ich kletterte schnell durch das Loch. Auch hier habe ich vor lauter Aufregung darüber, an einem Ort zu sein, der nicht legal zugänglich ist, mit zitteriger Hand Fotos gemacht.

Blick auf Cannes

Blick aufs Meer

Und dann stand ich auf der legendären Aussichtsterrasse …

Schnee, Cannes und Meer

Ist dieser Blick nicht großartig? Oh Mann, wäre das schön, wenn es hier noch ein Café oder einen Salon de Thé gäbe. Die Geschichte der Aussichtsterrasse und der Bergbahn, die hier nicht mehr hochfährt, habe ich –> hier schon einmal erzählt.

Aussichtsterrasse d’antan

Die Gestalten, die dort herumliefen, waren übrigens ganz harmlos. Zumindest bauten sie, solange ich dort war, gerade einen harmlosen Schneemann.

Schneemannbau

Mimosenschneemann

Es schneit immer noch. In der Stadt bleibt der Schnee zwar nicht liegen, aber schon 50 Meter höher ist es weiß!

Schnee in la Californie

zu Fuß … im Schnee

Mal sehen, wo wir morgen hingehen :)

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Street Art in Cannes

Cannes ist keine junge Stadt. Street Art oder Graffiti, wie es sie in Marseille, Paris und in jeder anderen Stadt gibt, findet man hier nicht. Insofern war ich verblüfft als ich im Suquet, in der Altstadt von Cannes, an manchen Mauern und Hauswänden eine Art Straßen-Kunst entdeckte. Ein Junge, der Fische angelt, eine ältere Frau, tanzende Mädchen.

Angeln an der Wand

Angeln an der Wand Detail

Frau sitzend

Le Suquet

tanzende Mädchen

Mir gefiel es gut und ich war enttäuscht, dass manche der Kunstwerke schon bald wieder verschwunden waren. Ich dachte natürlich, sie sei unrechtmäßig angebracht worden und die Hausbesitzer oder die Stadt Cannes ließen sie wieder verschwinden. Wie sollte es hier auch anders sein. Es dauerte einen Moment, bis ich begriffen habe, dass es sich um eine offizielle Ausstellung unter freiem Himmel handelt, die im Prinzip schon zu Ende geht. Seit letzten Sommer hat Olivia Paroldi im Suquet Kunst an die Wände und Mauern gemalt. Das heißt, sie hat nicht wirklich auf die Mauern gemalt; zunächst sind ihre Arbeiten gravures, ich sage mal laienhaft eine Mischung aus Linolschnitt oder Holzschnitt, und hier kann man sehen, wie sie arbeitet.

Letztlich klebt sie Drucke mit Tapetenkleister an die Wände, so wie man auch Plakate ankleben würde. Genauso schnell kann man ihre Kunst auch wieder entfernen. Und das war auch Absicht dieser Ausstellung.

Ich habe heute die offizielle Ausstellung (gut versteckt) im Suquet besucht und kam sehr begeistert und, mein Lieblingswort, ich bin mir dessen bewusst, berührt wieder heraus.

Ausstellung

Vor allem aber bin ich enttäuscht, dass ich so viel großartige Kunst im Suquet seit Monaten verpasst habe. Wie konnte das sein, frage ich mich, aber naja, der Suquet ist Touristen-Ausflugsziel, unsereins läuft nur selten, meist auch nur mit Besuch durch die Gässchen, wenn man etwa den Blick von der Aussichtsterrasse zeigen will.

Blick von der Terrasse

Die Ausstellung wurde zudem Ende August eröffnet, da lag ich mit einem Manuskript in den letzten Zügen und hielt mich nicht mal in Cannes auf. Aber, sehen wir es positiv, immerhin habe ich ein paar Werke noch „draußen“ und die Ausstellung gesehen! Bis zum 22. April ist sie noch kostenfrei! zu sehen (allerdings nur am Wochenende, und zwischen zwölf und zwei Uhr ist sie natürlich auch geschlossen, hier wird zu Mittag gegessen!).

Tanz

Glasbläserin

Olivia Paroldi zeigt in der Ausstellung noch andere Werke aus vergangenen Projekten, darunter Les enfants de l’exil . Sie hat Bilder von Kindern auf der Flucht, in Ländern, in denen Krieg war und ist, und an aktuellen Grenzorten angebracht: Bosnien, Sarajevo, Ventimiglia …

Mädchen aus dem Meer

Mädchen sitzend

KInder auf dem Weg

Les enfants de l’exil ist auch in einem Buch dokumentiert und Werke der Künstlerin sind –> ebenfalls hier zu erwerben.

 

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Cannes nocturne

Hier ein kleines Coucou zum Wochenende. Dies ist ein Foto meines „Enkels“, das er vor ein paar Tagen (besser Abenden) mit einer Drone aufgenommen hat. Ich bin völlig hin und weg davon und könnte mir stundenlang die Details ansehen. Ich habe eben lange überlegt, wo sich eigentlich dieses Fußballfeld (rechts im Bild) befindet, das ich noch nie gesehen habe. Es gehört zu einer Schule (Institut Stanislas) und ist von außen weder sichtbar noch zugänglich. Ich habe es auf der Sportseite der Schule wiedergefunden.

Cannes nocturne (credits: Clément N. Cannes)

Hier ist es kalt und soll noch kälter werden. Außerdem ist uns Schnee vorhergesagt. Falls es dazu kommen sollte, die Region zittert schon vor Angst, werde ich dokumentieren, klar. Dass es in Paris geschneit hat und der Schnee die Stadt einerseits in einen romantischen Märchentraum, andererseits in einen Chaoszustand verwandelt hat, haben Sie mitverfolgt?! Tagelang sprach man in den Nachrichtensendungen von nichts  anderem. Sie können sich ausmalen, wie es hier würde …

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