alles gut

nur ganz schnell in die Welt gerufen, dass es uns allen gut geht – Vielen Dank für Eure Sorge, Eure Fragen, die mich auf allen Kanälen erreichen! Wir (die französische Familie) sind in den Bergen, zwei Stunden weg von Nizza, hatten hier gestern Abend ein großes Hagelgewitter und alles ausgestöpselt, insofern haben wir von dem Attentat erst heute morgen erfahren, als sämtliche Telefone wieder klingelten und piepsten … bislang sieht es so aus, als seien auch sämtliche Freunde von uns wohlauf – später mehr –

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Geheimtipp im Hinterland: Le Central

Le CentralSie wollen ja doch immer wieder Tipps von mir, meistens muss ich Sie ja enttäuschen, ich komme ja gar nicht so viel rum, wie Sie denken. Sie haben bestimmt schon viel mehr von Frankreich gesehen als ich. Ich kenne ja nur mein kleines Tal im Hinterland und dann diese laute Stadt am Meer. In Cannes kann ich Ihnen, wie schon mehrfach berichtet, nichts wirklich empfehlen. Hier im Tal aber sieht es anders aus, und eigentlich habe ich es Ihnen schon einmal ans Herz gelegt, in diesem Text übers Hinterland nämlich. Aber jetzt ist mein kleines Lieblingsrestaurant Le Central im verschlafenen Dörfchen Guillaumes in den regionalen Gastro-Führer Guide Gantie aufgenommen worden, deren Internetseite bedauerlicherweise noch nicht aktualisiert ist. Egal, wir wissen es trotzdem. Hurrah! In Nice Matin gab es außerdem eine supernette Besprechung! Ich freue mich mit Gaël und Alexandra und gratuliere! Sie haben es echt verdient!

im Guide Gantie

Bien souvent vous voulez que je vous donne des bonnes adresses, et je dois souvent vous décevoir. Je ne sors pas autant et je suis sûr que vous connaissez plus que moi la France. Moi, je connais que la petite vallée dans l’arrière pays et cette ville bruyante sur la Côte. Sur Cannes, comme je vous l’ai déjà dit, je ne peux pas vous renseigner. Par contre dans ma petite vallée oui. Je l’ai déjà fait une fois dans ce texte sur l’arrière pays, mais là il s’est passé quelque chose: mon petit restau préféré, Le Central à Guillaumes, un village un peu endormi, est rentré dans un guide gastronomique régional, le Guide Gantie, qui n’a malheureusement pas encore actualisé son site d’internet. Mais cela ne fait rien, on le sait quand même! Bravo! Et il y avait en plus une superbe critique dans Nice Matin. Je suis contente pour Gaël et Alexandra et je les félicite! Ils le méritent bien!

… et voilà ein Menü-Beispiel …

Speisekarteknuspriges Canneloni in Gazpachogefüllte EntenbrustDie gezeigten Speisen stimmen nur bedingt mit der abgebildeten Karte überein – ich habe mehrfach dort gegessen, aber nicht immer alles fotografiert – manchmal esse ich einfach zu schnell ;)

iles flottantesbaba au rhumhmmmm … c’est délicieux!

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Schafe kreuzen meinen Weg

Noch ein bisschen Berg-Idylle gefällig? Voilà, ein kleines Bergpanorama am frühen Morgen …

kleines Panorama am MorgenAuf dem Weg begegnete mir heute ein weitere Schafherde, die für die Sommerweide hoch in die Berge zieht –

Schafe kreuzen …Schafe kreuzen

hier ein paar Ausreißer: l’herbe est toujours plus verte ailleurs …Schafe am Wegrand

Schäfchen zählen … (Ausschnitt)

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Dem Himmel so nah

GewitterGerade kommt ein Sommergewitter über dem Weiler herunter, mit mächtigen Donnern, ohne Blitz bislang, aber das weiß man ja vorher nicht. Ich hatte vorsichtshalber alles ausgestöpselt, mit den Gewittern in den Bergen ist nicht zu spaßen und das heilige Internet muss beschützt werden. Ich habe es erst seit zwei Tagen. Nach sieben Tagen Medien-Détox, Menschen-Détox und Lärm-Détox war ich dann doch beglückt, wieder an die Welt angeschlossen zu sein.

Wenn Sie mich schon länger lesen, wissen Sie, dass ich Cannes im Sommer nicht ausstehen kann: zu laut, zu voll, zu heiß. Mir war sowieso schon eine Weile alles zu viel und ich bin daher, beinahe spontan, in die Berge geflohen. Ganz spontan geht nicht, man muss schon an ein paar Sachen denken für alle Fälle: Gas in großen Flaschen für den Herd und warmes Wasser, Essen für mindestens eine Woche, und den ganzen Papierkram und das Laptop zum Arbeiten, um nur das Wichtigste zu nennen. Seit letztem Sonntag bin ich im Sommerhaus und ich bin ganz allein. Ohne Familie, aber auch ohne Mann und ohne Katze. Das ist Premiere. Es ist wundervoll. Ich sinke hier fast täglich auf die Knie aus Dankbarkeit, dass ich hier sein darf in dieser Natur und in diese Stille. Dem Himmel so nah.

Cime de Pal

Rosen und HimmelNach einer Woche Stille und einem Minimum an Sozialkontakten (drei um genau zu sein, ein dicker, einäugiger Schäfer, ein schweigsamer Nachbar und die Besitzerin der Gîte, die einzige Person, die hier ganzjährig lebt), kann ich jetzt auch wieder nach außen gehen. Ich hatte ja nicht nur kein Internet, ich habe auch keinen Fernseher, mir fehlt ein (in Cannes vergessener) Adapter um den Vinyl-Plattenspieler an den reparierten (und hochtransportierten) Verstärker anzuschließen, so dass ich auch nicht Leonard Cohen hören kann oder Paolo Conte, meine Lieblingsklassiker hier oben, und im alten 50er Jahre Radio kommt nur ein einziger kratziger Sender rein, auf dem es bislang nur Fußball gab. Das ist ja das letzte, was ich in der Bergeinsamkeit hören will. Medien-Détox. Keine Außengeräusche. Vogelzwitschern, Fliegensurren und Bienensummen, morgens und abends ziehen etwa 2000 Schafe vorbei, bimmel, bimmel, mäh mäh. Sonst Stille. Das ist so großartig. Und so wohltuend!

Idylle

Lilien vor der Tür

Außerdem kann man so wunderbar konzentriert arbeiten. Heute habe ich aber eine Schreib-Pause gemacht und morgens ein paar Fotos und nachmittags die (von dem schweigsamen Nachbarn freundlicherweise) gemähte Wiese neben dem Haus zusammengerecht. Hier wächst und wuchert es ja fast bis ins Haus, wenn man nicht aufpasst.

Gräser

RechenAber welche Schmach! Nach einer Stunde schon hatte ich Blasen an den Händen, man ist ja nichts mehr gewöhnt. Also habe ich stattdessen die alles überwuchernden und verschlingenden Kletten herausgerissen, damit die Johannisbeeren sich schön entwickeln können; noch sind sie grün, aber es sieht aus, als wollte das eine Jahrhunderternte geben!

JohannisbeerenDanach habe ich noch ein paar Blumen gepflückt.

FeldblumenDank dem re-aktivierten Internet, habe tatsächlich schon ein bisschen Radio gehört, habe in FB herumgeklickt und Mails gelesen und beantwortet. Die Welt kommt langsam wieder näher – aber ich lasse sie vorerst nur in kleinen Portionen zu. Mehr geht manchmal nicht.

Nach dem Gewitter gab es übrigens einen Regenbogen!

RegenbogenAch so ja, und ich habe dann tatsächlich doch mitgekriegt, dass am Donnerstag das Halbfinale Deutschland-Frankreich ansteht. Werde ich das alte Radio doch anwerfen müssen.

Radio

Und mit Blick auf das Datum könnte das eigentlich auch ein Beitrag für WMDEDGT sein.

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Mein Frankreich

Christine CazonVoilà, enfin wieder etwas zu lesen … Christine und ich, wir haben nun also bei Hilke Maunders Blogparade „Mein Frankreich“ mitgemacht, und klickstu –> hier kommt der verlinkte Beitrag. Herzlichen Dank an Hilke für diese Idee und die superschöne und flotte Umsetzung! Es war uns ein Vergnügen!

 

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Menopause, oder Warum ich keinen Sehnsuchtstext schreiben kann

*Bitte nehmen Sie die Überschrift zur Kenntnis. Ich weise ausdrücklich daraufhin, dass der folgende Text empfindliche LeserInnen schockieren kann. Meine eventuellen männlichen Leser seien ebenfalls gewarnt. Es geht, wie ebenfalls in der Überschrift schon angedeutet, unter anderem um Frauenthemen. Und das an Pfingsten, seufzen Sie. Jawohl, sage ich.*

Pfingstmontag, 9.30 Uhr. Ich sitze am geöffneten Fenster der Küche. Nebenan im kleinen Park plätschert friedlich der Springbrunnen. Ein Lüftchen weht. Noch haben wir keine Sonne auf der Terrasse, die eigentlich ein Hinterhof in der ersten Etage ist, draußen ist es noch frisch. Ich kriege mein Halsweh, das Räuspern und Hüsteln nicht richtig weg. Insofern bin ich nicht mit Monsieur Rad gefahren und auch nicht am Meer laufen gegangen. Gegenwind und dergleichen sind nicht geeignet, wenn dieses hüstelnde Räuspern verschwinden soll. Schreibe ich eben in Ruhe einen Blogtext, drinnen am geöffneten Fenster. Ohne Blick übrigens. Halb Mauer, halb Grün. Das ist alles. Ich bin schon seit 4.30Uhr wach. Die Gastautorin hat schon drei Seiten geschrieben heute. Pfingstmontag hin oder her. Montag ist Montag. Dass ich das frühe Aufstehen tatsächlich hinkriege, kann auch mit der Menopause zu tun haben, wie ich heute Morgen via Journelle erfahren habe. Journelle ist die Frau, die gerade laut sagt, dass das Internet sie dick gemacht habe! Mit Ausrufezeichen. Den Vortrag können Sie hier ansehen oder eine Zusammenfassung lesen. Journelle hat wiederum Kaltmamsell, deren Blog Vorspeisenplatte heißt, mit einem spannenden Beitrag verlinkt. Doch, das heißt da alles so. Wissen Sie vielleicht, oder nehmen Sie es einfach zur Kenntnis. Kaltmamsell und Journelle sind Damen aus der „geburtenstarken“ Bloggerinnenwelt, denen ich aber nur hin und wieder folge. Frau Mutti gehört auch dazu. Der folge ich meistens, und auch ihrer Tochter Anne, die sich in mehrfacher Hinsicht auf den Blog-Weg macht. Diese wortmächtige Bloggerinnen-Gemeinschaft bloggt ein paar Jahre länger als ich, ist aber etwas jünger und erreicht nun endlich das Alter der Menopause. Weshalb frau nun hoffentlich bald öffentlich darüber reden darf. Es fängt schon an. Lesen Sie dort mal die vielen Kommentare! Genau wie über das Dicksein! Über das Ausrufezeichen-Dicksein zu reden ist nämlich auch neu. Man durfte bislang, so wie ich, darüber jammern, in diesem Land, in dem zwar ständig gekocht und gegessen aber nicht zugenommen wird, zu dick zu sein für die Mode, die einem hier angeboten wird und darüber, dass ich mich neben meinen grazilen französischen Freundinnen immer fühle wie ein Brauereigaul. Da kommen einem automatisch Bilder in den Kopf, oder? Dabei habe ich schon lange keinen Brauereigaul mehr vor einen Wagen mit Bierfässern angespannt gesehen. Stämmige Beine, breiter Arsch. Die Pferde natürlich. Kann man nichts gegen machen. Ist so. Bei mir auch. Seit Jahrzehnten arbeite ich dagegen an. In Frankreich nochmal mehr, das habe ich schon oft genug berichtet. Das ist heute auch nicht das Thema. Die Menopause ist es. Wenn Journelle mit ihren Blog-Kolleginnen demnächst in der Menopause ist, dann geht auch das. Als ich das vor vier Jahren erzählen wollte, hat man mich zurechtgewiesen, das wolle man nicht wissen, ich möge doch weiterhin Nettes und Heiteres aus Südfrankreich berichten. Ich bin auf Sehnsuchtsartikel gebucht. Dabei habe ich im Sehnsuchtsland der Deutschen nicht nur Wundervolles erlebt. Erstaunlicherweise folgten mir meine Leserinnen aber in dunklen Zeiten. Über die Krankheit und das Sterben meines Mannes Patrick zu schreiben ging und hat mir immerhin einen Artikel „Sterben in Zeiten des Internets“ eingebracht. Die Menopause, die ich, Südfrankreich hin oder her, ja auch erlebe, ging nicht. Heute bin ich ja schon durch mit der Menopause, oder sagen wir so, das Unregelmäßige der Regel ist weg. Ganz weg. Haha. Dafür ist viel anderes da. Ein rundlicher Körper zum Beispiel, der langsam nach Oma aussieht, auch wenn ich keine Kinder habe. Das ist das Kränkendste finde ich. Dieses Doppelkinn und das körperliche Auseinandergehen, als habe ich mindestens drei Kinder geboren, obwohl ich gynäkologisch gesehen beinahe noch ein Mädchen bin. Mir musste man das Sterilet (die Spirale) seinerzeit so durch den engen Muttermund reinpressen, dass ich vor Schmerz in Ohnmacht gefallen bin. Und all die Unterbauch-Krämpfe danach. Das ist auch ein Tabuthema. Wie verhüten Sie? Antworten Sie um Gottes Willen nicht. Das will keiner wissen. Obwohl Journelle auch da eine starke Rolle einnimmt. Muss man schon sagen. Schon der Untertitel ihres Blogs weist darauf hin. Nun, bei mir ging es gar nicht nur um die Menopause damals, es ging auch, mit kurz vor 50, ums Älterwerden. Ist aber auch ein Tabuthema. In Würde altern und vor allem den Mund halten, wenn ich frustriert sei, hat man mir damals geraten. Oder mal darüber nachdenken, mein Leben zu ändern, es sei so kurz. Ich vermute, die Dame, die mir dies seinerzeit vorschlug, liest mich nicht mehr.

In Würde altern möchte ich ja auch den fröhlichen 80+ Damen hier in Cannes manchmal zurufen. Die ihre zierlichen faltigen Reh-Körper noch immer in niedliche Bikinis stecken und noch immer in die Sonne halten. Hautkrebs? Welcher Hautkrebs? An irgendwas muss man ja sterben. Wenn die Menopause schon so lange andauert wird einem vermutlich alles ziemlich egal. Vermutlich erlaube ich mir mit 80+ auch endlich das, was Journelle heute schon so kämpferisch verkündet: Die Rundlichkeit, die mein Körper eben annehmen will, wenn ich einfach so esse und lebe wie ich will.

Was schreibt sie denn da schon wieder für einen Frust?, denken Sie sich. Kann sie nicht einfach ein nettes Südfrankreich Thema aufgreifen? Egal was. Der Leser will doch träumen. Wann blüht denn der Lavendel? Das muss doch jetzt bald soweit sein, oder? Schon kommen wir kommen zum Thema, warum ich keinen Sehnsuchtstext mehr schreiben kann.

Sein Leben nicht träumen, sondern seinen Traum leben! Habe ich neulich mal wieder irgendwo gehört. Bei Goodbye Deutschland vermutlich. Hach ja. Das hört genau dann auf, wenn man den Traum zum Alltagsleben macht. Daran scheitern ja auch die meisten Auswanderer. Weil das Paradies im Alltag eben keines ist. Sie wollten doch schönes Wetter und Strand und viel mehr Zeit füreinander. Stattdessen muss man arbeiten. Das hat einem ja vorher keiner gesagt. Und auch noch eine neue Sprache lernen. Zumindest wenn man mit den Einheimischen hin und wieder kommunizieren will. Will man das?

In der Wochenzeitung, die ich weniger und weniger lese, reiste jemand auf die Malediven und wollte aber ganz hipster-reisemäßig, zusätzlich zum weißen Strand und dem türkisblauen Wasser, Kontakt mit dem echten Leben der Einheimischen. Und ist dann erschrocken. Ist ja ein islamisches Land. Politisch gerade ein bisschen instabil. Scharia und so. Viele IS-Kämpfer kommen von hier. Frauen gehen verschleiert ins Wasser. Und der Müll ist auch ein Problem. Vor allem der Müll der Touristen. „Aus der Nähe sind die Dinge eben oft anders – auch im Paradies“ endet sein Text. Das meine ich. So wird es, wenn man hinschaut und/oder dort lebt. Seit ich in Frankreich lebe, ist es nicht mehr mein Sehnsuchtsland. Je mehr ich eintauche in dieses Land, je selbstverständlicher ich hier lebe, je integrierter ich bin, desto weniger ist es traumhaft. Kein Urlaub, kein Traum, Alltag. Ich habe manchmal keine Lust mehr, schreibend dieses Sehnsuchtsbedürfnis anderer zu stillen. Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ist das denn wirklich Arbeit, wenn man es dabei so schön hat? Fragen Sie mal einen Kellner im Sommer in einer Strandbar, ob das wirklich Arbeit ist, was er macht. Er hat dabei doch so einen schönen Blick.

Ich sitze immer noch am Küchenfenster und schreibe. Der Springbrunnen plätschert, Kindergeschrei dringt über die Mauer, Monsieur ist wieder zurück vom Radfahren, wir werden im Hinterhof den Tisch decken und dann dort gleich grünen Ofen-Spargel essen, den ich nach einem Rezept von Arthurs Tochter machen werde. Und bei alledem durchströmt mich dennoch kein Glücksgefühl. Das muss es aber, wenn man über „sein Frankreich“ schreibt, oder? Zärtliche Erinnerungen an eine Kindheit à la Marcel Pagnol, an Familienfeiern, an das Zirpen der Zikaden, den Duft von Lavendel, an viel Essen und Pastis, an Zigaretten und lautes Streiten vielleicht, aber immer Geborgenheit. So liest es sich bei anderen. Und bei mir?

 

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In einer Stunde sind wir da!

Ich habe eine kleine Einzimmerwohnung im Erdgeschoss unseres Hauses. Sie ist eigentlich mein Büro, gleichzeitig mein privates Zimmer und dient hin und wieder als Gästezimmer. Weil in unserer Wohnung kein Zimmer mehr frei war für mich, ein Büro oder Gäste. Man hat ziemlich oft Gäste, wenn man in Cannes an der Côte d’Azur lebt. Zum Beispiel auch während des Filmfestivals. Seit drei Jahren überlasse ich die Wohnung in dieser Zeit einem deutschen Paar, das aus beruflichen Gründen kommt. Wir kennen uns jetzt schon ein bisschen, mögen uns auch, aber ich würde nicht sagen, dass wir Freunde sind. Unser Kontakt ist auf Ihr Hiersein während des Filmfestivals beschränkt.

Sie beabsichtigen, mittwochs abends zu kommen, erfahre ich aus einer Mail. Dienstags fange ich an, meine Dinge, die ich für die nächsten zehn Tage brauchen könnte, aus dem Büro nach oben in unsere Wohnung zu befördern. So viel ist es nicht, aber man weiß ja nie. Ich überlege, räume und ordne. Sauber machen werde ich mittwochs. Da habe ich ja noch den ganzen Tag Zeit. Mittwochs vormittags beginne ich eine große Putzaktion: ich reiße das Fenster auf, staube die Regale ab, beziehe Kopfkissen, entkalke den Wasserkocher, putze das Klo, ziehe das Ausziehsofa von der Wand, um auch dahinter sauber zu machen … wirbele also an allen Stellen gleichzeitig. Kurz vor Zwölf kommt Monsieur nach unten und sagt „Sie haben gerade angerufen, sie sind in einer Stunde da!“ Ich bekomme fast einen Herzschlag. „Ich bin noch nicht fertig!“, schreie ich hysterisch und lasse Wasser in den Eimer laufen, um den Boden zu wischen.

„Mais, arrête ça!“, schimpft Monsieur. „Das ist doch jetzt alles nicht wichtig. Was machst du zu Essen?“

Ich verstehe nicht, wie er jetzt ans Essen denken kann. Außerdem gibt es noch Reste von gestern, die kann er sich warmmachen, wenn er jetzt schon Hunger hat. Aber nein, es geht nicht um seinen Hunger, er sorgt sich um unsere in einer Stunde ankommenden Gäste. „Aber die kommen doch nicht zum Essen“, sage ich, „die kommen wegen der Wohnung.“

„Écoute“, sagt Monsieur, „die haben extra angerufen, um zu sagen, dass sie in einer Stunde da sind!“ Für ihn, den Franzosen, bedeutet das unausgesprochen, dass sie zum Mittagessen kommen. So macht man das hier. „Ach was“, versuche ich zu erklären „das sind Deutsche, die würden das niemals wagen, sich bei uns improvisiert zum Essen einzuladen. Bei uns macht man das nicht. Und die wissen von dieser französischen Sitte nichts. Die haben angerufen, weil sie ursprünglich für abends angesagt waren, jetzt kommen sie schon mittags. Das ist alles.“

Aber ich kann sagen, was ich will, Monsieur ist sicher, das deutsche Paar will bei uns zu Mittag essen. Nach einer langen Fahrt aus Deutschland werden sie ausgehungert sein. „Tu ne comprends pas? Ils ont faim!“ sagt er empört. „DU hast vielleicht Hunger!“, gebe ich zurück. Ein Wort gibt das andere. Ich sehe nicht ein, dass ich alles Stehen und Liegen lasse, um improvisiert ein aufwändiges Essen zu kochen und putze unverdrossen, aber etwas schneller weiter. Monsieur ist verärgert und verzweifelt. Selbst, wenn ich Recht hätte, sagt er, „in Frankreich ist es jetzt meine Pflicht, sie wenigstens zum Essen einzuladen. So macht man das in Frankreich, hast du das immer noch nicht verstanden?“ Er sieht mich wütend an. „Sie können dann immer noch ‚nein‘ sagen“, räumt er gnädig ein. Aber damit die deutschen Gäste die Essenseinladung ablehnen können, muss ich erstmal ein Essen gemacht haben. Ich weigere mich. Letzten Endes geht er zum Traiteur und kauft dort für alle un plat préparé, „au moins on a fait façe!“ „On a fait façe à quoi?“, brülle ich ihm hinterher. Später deckt er in der Küche den Tisch. Als ich mit der Putzerei fertig bin, mache ich nun doch noch schnell etwas Karottensalat zum Entrée und putze ein paar Radieschen, um meinerseits gegenüber Monsieur mein Gesicht gewahrt zu haben. Dann warten wir. Denn keinesfalls können wir ohne die Gäste anfangen zu essen. Auch wenn wir jetzt wirklich Hunger haben.

„Tu verras, die kommen nicht zum Essen!“, sage ich zum wiederholten Mal und kaue hungrig ein Radieschen, da fällt nicht auf, wenn es eines weniger ist. Monsieur hat jetzt vielleicht leise Zweifel, was er aber nie zugeben würde. „Die werden mit uns essen“, beharrt er. „Ja“, sage ich, „jetzt vermutlich aus Höflichkeit. Weil sie sich nicht trauen zu sagen, dass sie das nicht wollen.“ „Höflichkeit!“, Monsieur schnaubt. „Man isst doch nicht aus Höflichkeit!“

Um Viertel vor Zwei klingelt es an der Tür. Monsieur öffnet erwartungsvoll die Tür. Es ist nur ein Teil des deutschen Paares, der Mann nämlich, vollbepackt, er will nur schon mal etwas abladen, den Schlüssel entgegennehmen und dann in gleich in die Stadt. „Und deine Frau?“, fragt Monsieur. „Ach, die ist schon ins Festival eingetaucht und ich werde auch gleich …“, antwortet der Mann. „Aber hast du keinen Hunger?“, fragt Monsieur fassungslos und sieht auf die Uhr. „Nein, nein, wir haben vor der Abfahrt was gegessen“, sagt der Mann mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Wir haben in Orange übernachtet und sind dort kurz nach Zwölf weggefahren. Da haben wir vorher schnell was gegessen.“

„Siehst du“, sage ich süffisant zu Monsieur.

Der Mann spürt etwas. „Habt ihr etwa Essen gemacht?“, fragt er erschrocken. „Ja“, sage ich, „denn wenn man in Frankreich mittags anruft und sagt ‚in einer Stunde sind wir da‘, dann heißt das, wir kommen zum Essen.“ Der Mann wird rot vor Scham: Niemals hätte er das … er hatte schon Angst, überhaupt mittags anzurufen, weil er uns nicht beim Mittagessen stören wollte, und das Ankommen um halb zwei war ihm auch unangenehm, weil er doch weiß, wir machen immer eine kleine Sieste nach dem Essen. „Muss ich jetzt nochmal was essen?“, fragt er mich leise. „Mach, was du willst“, antworte ich, „Essen ist ja jetzt da. Du kannst es ablehnen, ohne dass ich mein Gesicht verliere.“

„T’as pas un petit creux?“, fragt Monsieur jetzt drängend und entkorkt schon mal den Wein. Nach einer Stunde Fahrt kann man doch sicher schon wieder was vertragen? „Na, gut, ich will ja jetzt nicht unhöflich sein!“, murmelt der Mann. Leider kann Monsieur es nicht verstehen, weil es auf Deutsch gesagt wurde. Beim Essen erklärt der Mann noch einmal lang und breit, dass es niemals seine Absicht war, sich zum Essen einzuladen und so weiter. Monsieur nimmt es schweigend zu Kenntnis. Um kurz vor halb drei, noch vor dem Käse, springt der Mann dann auf, er hat nämlich wirklich eine Verabredung mit seiner Frau in der Stadt. Da muss er jetzt aber doch hin … oder muss er das jetzt absagen, weil er unsere Essenseinladung nicht unterbrechen kann? Er schaut mich hilfesuchend an. „Nur zu“, fordere ich ihn auf.

„Siehst du!“, kann ich es mir erneut nicht verkneifen, nachdem der Gast gegangen ist.

„Vielleicht hast du Recht, was das Verhalten deutscher Gäste angeht“, sagt Monsieur, „aber ich bin doch froh, dass wir ihn eingeladen haben. Und er hat ja gegessen.“

„Ja, aus Höflichkeit“, sage ich.

„Höflichkeit, pah“, macht Monsieur. „Es hat ihm gefallen. Und deutsch hin, deutsch her. Wir sind in Frankreich. So gehört sich das hier. Und ich bin stolz auf diese Tradition.“

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Aurora musis amica – Gastbeitrag

Sie merken schon, es wird wieder weniger hier. Wie jedes Jahr im Frühling und Sommer, wenn Christine für ein paar intensive Schreibmonate das Heft in die Hand nimmt, dünnen sich die Veröffentlichungen auf diesem Blog aus, oft bis hin zu einer kompletten Blogpause. Vielleicht wird es dieses Jahr kein komplettes Schweigen, wir arbeiten an einem neuen Konzept. Lesen Sie mehr im Gastbeitrag von Christine Cazon.

the-isolator-640x539Mein Dank für das hübsche Foto von The Isolator geht an Annette Dutton, lärmgeplagte Autorenkollegin von der anderen Weltkugelhälfte.

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Morgens am Meer

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Reif für die Insel III

Friedlicher Ausblick zum Sonntag

Friedlicher Ausblick

Blick auf Cannes

Heiterkeit

Träumen

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Wer hat Angst in der Stadt der Angst? – Gastbeitrag

Niemand. Natürlich nicht. Höchstens gestandene Krimi-Autorinnen. Christine Cazon hat in Cannes ein exercice de sécurité beobachtet: Wenn die Realität die Fiktion einholt.

exercice de securite

 

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Insidertipps

Hotel Albatros„Hallo Frau Dreher, Mitte Mai kommt ein früherer Kollege nebst Gattin via Kreuzfahrtschiff in Cannes an, Landgang zwischen 7 und 17 Uhr. Ich gedenke ihn dort zu treffen, Cannes ist ja nicht so weit weg von Hyères. Was kann man denn in Ihrer Stadt Schönes sehen und tun? Und vor allem, wo kann man denn schön was essen und trinken? Provençalisch, Fisch vielleicht, und das Ganze gerne mit Meerblick. Meerblick haben Deutsche aus dem Ruhrgebiet oder von wo auch immer, ja nicht so oft. Aber Meerblick ist ja immer schön, auch für unsereinen. Empfehlen Sie mir aber um Gotteswillen keine gehobene Touristen-Massenabfertigung, ich will einen Insidertipp!“

So in etwa lautete die Mail, die mich kürzlich erreichte. „Insidertipp!“ Ich rolle die Augen. Nicht nur weil Mitte Mai Filmfestival, die Stadt berstend voll und alles doppelt so teuer ist; da kommt man nur nach Cannes, wenn man aus der Filmbranche ist und eben muss, oder weil man sonstwie cinephil ist und einmal die gleiche Luft atmen will wie Brad Pitt oder Julia Roberts. Denn ja, sie kommt dieses Jahr, die Frau mit dem breiten Lächeln, Julia!

Das ist das eine. Das andere ist, dass ich das mit den Restaurant-Insider-Tipps im 100% touristischen Cannes, manchmal nicht mehr hören kann. Alle wollen das. Auch die Journalisten, wenn die Dame vom Office de Tourisme dann weg ist. „Jetzt sagen Sie uns doch mal, wo man WIRKLICH hingeht …“ Herrgott! Hier ist Cannes! Es gibt hier nur touristische Massenabfertigung, die kann mal hübsch und teuer und geschmacklich gut oder weniger hübsch, weniger teuer und geschmacklich duchschnittlich bis schlecht sein, aber touristische Massenabfertigung ist es immer. Alles, was halbwegs taugt, steht im Guide Gantie oder Guide Michelin. Das ist dann kein Geheimtipp mehr. Und ja, es ist teuer. Der echte Cannois meidet diesen Chichi in der Regel und bevorzugt eher schlichte Orte, die nicht mal unbedingt kulinarisch der Hit sind. Aber er ist unter Cannois und hat seine Ruhe.

Ich hatte ganz zu Anfang ja mal eine Rubrik „Tipps für Cannes“ angefangen, da kam ich aber über den ersten Eintrag nicht hinaus, denn ich musste feststellen, dass es einfach keine Tipps gibt. Zunächst dachte ich immer noch, ich habe sie nur noch nicht gefunden, all die netten versteckten Orte: die kleine, unentdeckte Bucht mit einem fantastischen Fischrestaurant und nichtmal teuer. Oder das lauschige Café im stillen Garten mit ausladenden Bäumen hinter der Jugendstilvilla. Oder ein nettes Museumscafé mit überraschendem Blick über die Dächer von Cannes. Oder der hippe Laden in einer Seitenstraße von der Croisette, wo man gaaanz tolle Cocktails trinken kann. Oder wenigstens eine nette Strandbar mit gutem Kaffee und Blick aufs Meer, und drängelte Monsieur mit mir auszugehen, und mir zu zeigen, wo man hingeht. Und war dann immer enttäuscht. Erst vermutete ich, es sei die Schuld von Monsieur. Monsieur ist nämlich Cannois. Er geht dorthin, wo Cannois hingehen. Ja!, juchzen Sie auf, genau das meine ich, da will ich auch hingehen! Nein, sage ich, glauben Sie mir, das wollen Sie nicht. Die Orte sind vielleicht touristisch unentdeckt, was bedeutet, sie liegen in abseitigen Vierteln jenseits der Schnellstraße, sie sind aber weder verwunschen noch lauschig. Es gibt weder Blick noch Draußen, riecht vielleicht nach Fischfett und die Küche ist oft nur mittelmäßig. Aber da geht er wirklich hin, der Cannois, da ist und isst er nämlich unter seinesgleichen und hat seine Ruhe vom Touristentrubel. Früher gab es mal das Restaurant Pacific. Ich habe es geliebt und im oben verlinkten Artikel darüber geschrieben. Gut, das mit dem guten Essen war vielleicht etwas geschönt, aber die Atmosphäre war wirklich einzigartig und 100% Cannois. Ich habe das mal deutschen Gästen empfohlen, die natürlich auch nach einem Insidertipp lechzten, aber sie fanden es, glaube ich, nicht nur banal, sondern geradezu schlecht. Heute ist da übrigens eine Bar drin, neu, laute Musik, junges Publikum. Denn das ist das andere Problem. Alles dreht sich hier sehr schnell. Kaum habe ich eine Empfehlung ausgesprochen, schon gibt es das Etablissement nicht mehr. Wir hatten bereits dreimal einen Lieblingsitaliener, einer davon ganz bescheiden, aber mit großem Garten in einem abseitigen Viertel, aber gut und billig (naja, Cannes eben), der war plötzlich weg. Gestern noch dort gegessen. Heute weg. Pizza-Lieferanten wechseln sich dort mit Sushi-Lieferanten ab, aber der Garten bleibt geschlossen. Dann gab es einen etwas edleren Italiener jenseits der Schnellstraße, ohne Blick, kein Draußen. Gerade geöffnet, wir haben noch einmal Freunde hingeschleppt, schon wieder weg. Konnte sich nicht halten, Mafia, Korruption, was weiß ich. Dann ein teurer (touristischer) Italiener am Hafen, „unser“ Restaurant, dort, wo ich merkte, ich bin verliebt in Monsieur; gleiche Geschichte: plouff, weg. Die Restaurants im Suquet, der Altstadt, alle banal, man bezahlt das, in der Tat, pittoreske Ambiente. Da wechseln Koch und/oder Besitzer fast jede Saison, entweder weil sie genug Geld verdient haben oder weil eben gerade nicht. Die Strandrestaurants, c’est pareille: Und man zahlt zusätzlich den Meerblick. Immer noch einen Zacken teurer als sonst in Cannes. Voilà, so viel zu den Insidertipps. Vergessen Sie’s. Lauschige, verwunschene und unentdeckte Orte gibt es nicht in Cannes. Gehen Sie dorthin, wo es Ihnen gefällt, wo Sie das Menü und/oder der Preis anspricht und wo Sie einen Tisch bekommen. Um zumindest gut zu essen, hilft ein Blick in den Guide Gantie. Mittags gibts oft ein Tagesgericht oder eine „formule“, Entrée und Hauptgang, oder Hauptgang und Dessert zum ermäßigten Preis. Das ist überhaupt das Insidermäßigste, was ich Ihnen sagen kann. Aber das weiß der Herr aus Hyères natürlich. Lebt ja selbst schon ein paar Jährchen in Südfrankeich. Mitte Mai sollten Sie auf jeden Fall vorher reservieren. Die Stadt ist voll. Und wenn alle dreitausend Kreuzfahrtschiffgäste zusätzlich Landgang haben, ist zu überlegen, ob man nicht besser zum Kreuzfahrtschiff schwimmt und dort auf dem jetzt sicher leeren Oberdeck in Ruhe sein Bierchen oder seinen Rosé trinkt und mit dem Besuch dort plaudert. Der Blick vom Kreuzfahrtschiff auf Cannes ist allemal schöner als der von Cannes auf das die Bucht verstopfende Kreuzfahrtschiff.

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und nähme ich die Flügel der Morgenröte

Morgenstimmung

Sie haben es vielleicht, wie Eva, erraten, ich war auf der „anderen“ Insel, auf St. Honorat, im Kloster. Seit ich Schweigen und Stille kennengelernt habe, vor vielen Jahren in der Abtei Königsmünster in der Nähe von Köln, in dem wundervoll klaren, schnörkellosen Haus der Stille, bin ich davon infiziert. Ich brauche immer mal wieder Stille und Schweigen um mich herum. Ich bin wirklich froh, dass ich ein Kloster, in dem das möglich ist, fast in Laufnähe habe. Außerdem auf einer der wirklich wundervollen Iles de Lérins. Über die Inseln und das Kloster habe ich schon einmal geschrieben. Es ist nicht selbstverständlich, kurzfristig dort unterzukommen, insofern war ich dankbar, wenigstens eine Mini-Auszeit zu bekommen. Man muss nicht an den Stundengebeten teilnehmen, aber ich mache das gerne, mir geben die Gesänge der Mönche Ruhe, und die Andachten geben dem Tag eine Struktur, die mir als Zuhause-alleine-Arbeiterin oft fehlt. Ich nehme aber nicht an allen Stundengebeten teil, und an der Vigil, der ersten Andacht um 4.30h, teilzunehmen, ist für mich als Langschläferin, nicht leicht. Einmal habe ich es nur geschafft. Danach lief ich noch vor Sonnenaufgang rund um die Insel und sah die Sonne aufgehen. Das war so beglückend, dass ich mir vorgenommen habe, zukünftig sehr früh aufzustehen und dann ein Stück zügig spazierenzugehen, am Meer vorzugsweise. Bislang habe ich auch das nur einmal geschafft. Ist nicht leicht, seinen petit train train quotidien, sein eingefahrenes Alltagsleben, zu ändern. Hier ein paar Fotos von meinem frühen Inselrundgang.

Vor Sonnenaufgang

Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages

… und nähme ich die Flügel der Morgenröte und ließe mich nieder zuäußerst am Meer …

Morgenrosa

Und es ward …

Und es ward Licht

… Licht!

Licht

andere sind auch schon da

ein Angler

das alte Kloster in der Morgensonne

altes Kloster im Morgenlicht

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Reif für die Insel

Manchmal muss man ja raus. Durchatmen. Ausatmen. Erster kleiner Eindruck von einer Insel-Auszeit … zunächst war es leicht stürmisch. Nicht so stürmisch wie in dieser Geschichte, aber der Wind wehte einen doch ordentlich durch …

tiefe WolkenTreibholzgraublauer Ausblickes klart auf

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Schreibblockade

leichte Schreibhemmung schwere Schreibblockade

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blaugraues Wochenende

Blick auf Ste. Marguerite

Herz vor Esterel

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Frohe Ostern – Joyeuses Pâques

OsternDas will ich natürlich erst morgen wünschen, noch ist es ja nicht soweit mit der Auferstehung und dem Licht. Lumen Christi wird immer wieder in der Osternachtmesse ausgerufen. Als ich klein war, habe ich immer „Blumen Christi“ verstanden. Mir hatte niemand diese übriggebliebenen lateinischen Worte erklärt. Ich erlebte das Osterfeuer und wie sich mit unseren an der Osterkerze entzündeten Kerzen die Kirche langsam erhellte, und ich freute mich am Licht und über die Blumen Christi. Und warum auch nicht Blumen. Alles ist da an Ostern: Blumen, Licht und Freude. Und Hoffnung. Und Liebe. Das brauchen wir ja auch in diesen Tagen, mehr denn je, will mir scheinen. Und das wünsche ich Ihnen: Liebe, Licht und Osterfreude!

Meine neu-reparierte Kamera hat nun Probleme mit der Elektronik und das wars dann wohl; und auch das Handy macht ganz von alleine künstlerisch-überbelichtete Fotos im Retro-Look. Viel Licht überall.

Das sind übrigens von tschechischen Omis handbemalte Ostereier, die ich vor vielen Jahren in Prag erstanden habe. Und sie liegen in einem Weidenkörbchen, das die 95jährige Schäferin Maria in Châteauneuf mit ihren arthritischen Fingern geflochten hat.

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Heute!

Was für ein Tag! Ein Ausrufezeichentag! Alles kam heute! ALLES! Hurraaaa!!! Lang verschollene Buchbestellungen, eine weitere unerwartete Büchersendung, ein lang ersehntes Kaffeepäckchen (Danke Eva!), ein wundervolles Überraschungspäckchen (Danke Astrid!) UND Post für Christine! (Danke Verlag!)

So viel Post!Der Postbote wusste vermutlich auch nicht, wie ihm geschah, ich hätte ihn fast abgeknutscht, so glücklich war ich, all die erwarteten Päckchen heute zu erhalten. Aber es war dann noch mehr, als ich erwartet habe! Hab‘ ich heute Geburtstag? Ich war so aufgeregt und wusste gar nicht, was ich als erstes aufmachen sollte. Die Krimis für Christine? Den Kaffee von Eva? Oder all die anderen Päckchen, die auch noch angekommen waren? Nun, als erstes wurden es die Krimis, das verstehen Sie sicher. Christine und ich, wir sind begeistert, sie sind sooo schön geworden! Dann natürlich der Kaffee und während ich das erste Kännchen Eichhörnchenmokka braute (wie süß! Das Eichhörnchen ist übrigens Teil des Wappens von Châteauneuf!), nestelte ich flatterig und ungeduldig alle anderen Dinge aus ihrer Verpackung.

EichhörnchenmokkaDann trank ich diesen wirklich leckeren Kaffee, boah!

degustationLutschte Herzchenschokolade und betrachtete dieses wundervolle Bilderbuch!

pop-up BlumenWow! Danke! Euch! So! Sehr!

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301 oder Auf der Suche nach dem Verwöhnaroma

mahlenBohnenProduktionEspressi

Eigentlich hatte ich für den 300. Blogartikel etwas besonderes schreiben wollen. Erst 300 habe ich erstaunt gedacht, als ich in der Statistik darüber gestolpert bin, gefühlt habe ich schon 1000 geschrieben, aber nein, erst 300. In fünf Jahren macht das etwa sechzig Artikel pro Jahr, bedeutet, ich habe im Schnitt sogar mehr als einmal pro Woche geschrieben. Das ist ja dann doch nicht so schlecht. Pas mal. Ich habe dann aber doch nichts besonderes geschrieben für den 300. Eintrag, denn ich hatte es glatt wieder vergessen, ich habe es nicht so mit Zahlen und Statistik. Dies hier ist also der 301. Text und auch der wird nix besonderes, fürchte ich. Alles grad nicht so toll, pas terrible. Am Samstag hätte ich geschworen, ich habe einen Bandscheibenvorfall, so gequält war ich und nachdem ich die Symptome für Bandscheibenvorfall nachgelesen habe, war ich sicher, das ist es. Ich wusste nicht mehr, wie ich stehen, gehen, sitzen oder liegen sollte. Gut, ich mache es kurz, es ist nur ein Hexenschuss im Lendenwirbelbereich, Lumbago, und es wird besser. Die Handwerker aber sind immer noch da, und dank des Gerüsts hinter dem Haus, sehen mich quasi vor jedem Fenster mal Gesichter, mal Bauarbeiterstiefel an. Neulich waren sie gleichzeitig vor dem Badezimmerfenster UND vor dem Fenster der Gästetoilette. Das macht manche Dinge im kleinen Alltag etwas schwierig. Außerdem bin ich durch deren dauerhafte Präsenz völlig unkonzentriert. Laut ist es auch, denn gehämmert, gebohrt, gefräst und aufgestemmt wird auch immer wieder. Am ruhigen Wochenende hämmert dann der Nachbar von oben. Kein Wunder, dass ich einen Hexenschuss bekommen habe. Pas terrible das alles. Der Kaffee auch übrigens. Ich komme mir vor, wie die junge Frau in der Jacobs-Kaffee-Werbung, die der netten Nachbarin ihr Leid klagt: „Aber ich gebe mir doch so viel Mühe!“ „Mühe allein genügt nicht“, antwortet die allwissende Frau Sommer. Den Rest kennen Sie. An dieser Stelle möchte ich allen Menschen danken, die mir verraten haben, welchen Kaffee sie besonders lieben und wie sie ihn zubereiten, die mir Lieblingskaffee geschickt haben (der noch nicht daaaa ist, heul!) die mir erzählten, wie die spanische Schwägerin Kaffee macht oder mir Hinweise auf erhellende Fernsehsendungen gaben. Das wurde und wird hier alles beherzigt, probiert und gesehen!

NachfüllkapselBohnenMahlgradeNespresso

Ich hätte mir ja gewünscht, irgendjemand hätte mir diese nachfüllbare Kapsel für die Nespressomaschine zum Test zur Verfügung gestellt. Tat aber keiner. Ich werde immer nur von Menschen angeschrieben, die zwar auf meinem wahnsinnig spannenden Blog hochwertige nicht gekennzeichnete Werbeartikel platzieren wollen, sich aber entweder schon mit meinem Namen oder dann mit dem Namen meines Blogs irren. So wird das nie was, Leute! Wir sind hier also nachwievor werbefrei und das ist auch gut so. Wenn ich irgendetwas oder irgendwen verlinke, dann aus freien Stücken und ohne, dass ich etwas davon habe. So, damit hätten wir das auch mal gesagt. Es gab also weder eine Umsonst-Kapsel, kein halbes Pfund Feine Milde geschweige denn eine vollautomatische Espressomaschine zum Test, und ich bin daher niemandem eine gute Kritik schuldig. Falls es Sie interessiert, im Internet auf youtube gibt’s jede Menge Filmchen, in denen Menschen minutiös aber relativ leidenschaftslos diese oder ähnliche Nachfüll-Kapseln (es gibt nämlich mehrere Modelle!) testen. Und die Crema vergleichen, zum Beispiel. Das Fazit ist überall gleich: Die Kapseln funktionieren! Vorausgesetzt man hat den richtigen Mahlgrad des Kaffees: Ist er zu fein, kommt nämlich das Wasser nicht mehr durch, ist er zu grob, hat man keinen Kaffee sondern einen jus de chausette, wie man hier sagt, also etwas, was aussieht, als habe man Wasser durch einen Socken laufen lassen. Man braucht also einen bestimmten Mahlgrad und entweder hat man einen netten Kaffeeverkäufer in der Nähe, der einem ein paar Pröbchen mahlt, bis man weiß, was man braucht (die Unterschiede zwischen dem, was geht und was schon nicht mehr, sind mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen, das muss man fühlen! Und so fängt’s an!) oder man schafft sich irgendwann selbst eine Kaffeemühle an. Ich habe jetzt eine. Ein in Hipsterkreisen angesagtes Einsteigermodell mit Kegelmahlwerk. 40 stufenlos einstellbare Mahlgrade, zwanzig hätten es aber auch getan, denn ab Stufe 20 aufwärts ist der Kaffee nur grob geschrotet, aber vielleicht gibt es irgendwo auf der Welt Menschen, die Kaffee mit geviertelten Kaffeebohnen machen, was weiß denn ich. Ich mahle mich so zwischen 9 und 12 durch. Und das mit nun wirklich x-verschiedenen Kaffeebohnen, klein, rund, groß, oval, blond, mittel oder Espressogeröstet, die ich, wie auch die Kaffeemühle, in der kleinen, sehr jungen und vermutlich sehr hippen Kaffeerösterei Sonntagmorgen bezogen habe. Der Name gefiel mir irgendwie. Alles bestens. Es riecht köstlich bei uns.

SonntagmorgenMahlgradeKrümel überalldegustation

Und es ist wirklich nett, all diese unterschiedlichen Bohnen aus unterschiedlichen Ländern und Anbaugebieten durch die Hände rieseln zu lassen, anzusehen, zu mahlen, zu riechen und ich verstehe plötzlich, dass man über Kaffee fachsimpeln kann wie über Wein. Aber so ist es ja mit allem, wenn man sich mal damit beschäftigt und genau hinschaut oder hineinschmeckt, ganz gleich ob Tomaten, Erdbeeren oder Käse.* Selbst Wasser ist nicht gleich Wasser. Toll soweit. Nur: Der Kaffee schmeckt nicht. Also mir nicht. Und Monsieur, der mir bislang noch erstaunlich willig folgt und nicht mal gemeckert hat, als ich diese große Kaffeemühle noch zwischen Toaster, Filterkaffeemaschine und Mixer gequetscht habe, Monsieur findet auch, dass der gemahlene Kaffee wunderbar riecht, das Ergebnis aber bislang meist pas terrible ist. Ich koche also jeden Tag mehrfach einen anderen Kaffee, teste Mahlgrade und Sorten und Zubereitungsart, ich fülle Kapseln und Siebbehälter und Filter und bei uns fliegen überall feine und feinste Kaffeekrümelchen herum, ich trinke ihn abwechselnd schwarz, mit Milch, mit Zucker, mache mehrere Kaffees gleichzeitig und dégustiere, bis meine Geschmacksnerven gesättigt sind, es ist ein echtes laboratoire café, aber das erwartete Verwöhnaroma bleibt aus. Was mache ich falsch? Vielleicht muss man den frisch gemahlenen Kaffee erst noch eine Weile „abhängen“ lassen, so wie Rindfleisch, das man ja auch nicht ganz frisch verzehrt? Oder ist unser Geschmack verdorben? Verdient das, was ich, was wir jahrzehntelang in mich/uns hineingeschüttet habe/n, überhaupt den Namen Kaffee? Und macht es Sinn, diesen Geschmack verzweifelt zu suchen? Schmeckt „richtiger“ Kaffee vielleicht ganz anders? Ich habe einmal vor vielen Jahren einen Nachtisch aus Himbeeren für ein junges Mädchen gemacht, weil sie Himbeeren so mochte, sagte sie zumindest. Aber sie war dann schrecklich enttäuscht von meinem Dessert, sie fand, es scheckte nach gar nichts. Ich fand dann heraus, dass der Himbeergeschmack, den sie liebte, der von künstlichem Himbeersirup war. Das meine ich. Vielleicht geht es uns mit dem Kaffee ähnlich? Nun, noch gibt es ein paar Kaffeesorten zu testen; hier vor Ort habe ich neben der altmodischen Rösterei am Markt auch einen nagelneuen modernen Hipsterladen in der Fußgängerzone entdeckt, den es noch zu erkunden gilt. Wir bleiben dran!

Bei le nachbar habe ich übrigens diesen Beitrag entdeckt, der erklärt, warum der französische Kaffee überwiegend aus der Robusta-Bohne gemacht wird.

EspressiBohnenKrümel überallProduktion

ps: Ich habe (dank einer E-Mail, die ich heute erhielt) gemerkt, dass in meinem Text nicht wirklich deutlich wird, dass ich eine der Ersatzkapseln erworben und getestet habe. Meine persönlichen Erfahrungen mit dieser einen Kapsel in Verbindung mit (m)einer (N)Espressomaschine stehen in einem der letzten Kommentare zu diesem Text (siehe unten). In Kürze: Das Ergebnis ist nicht umwerfend. Ich finde es auch bezeichnend, dass in den meisten Tests, die man auf Youtube sehen kann, die Crema und die produzierte Kaffeemenge diskutiert wird, aber nur selten der Geschmack!


* In einer bretonisch-hamburgischen Crêperie hat man sich beispielsweise Gedanken zum Geschmack von Käse und Schinken gemacht UND zum Mahlgrad und Geschmack von (Buchweizen-)Mehl! Spannend zu lesen wie immer bei Was machen die da? Merci! dahin gewunken!

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im März am Meer

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