Zwischenruf : Kleinigkeiten

candidat-election-disney(photo trouvé chez Koreus, réalisé par Corse Machin)

Vor drei Tagen wurde Fillon mit Mehl überschüttet, das wissen Sie vielleicht schon, ist ja ein alter Hut in diesen bewegten Zeiten, knapp zwei Wochen vor dem ersten Wahldurchgang, aber ich hatte keine Lust, meine friedlichen Wochenendfotos gleich wieder mit Politik zu überlagern.

Wir sehen und hören die Kandidaten gerade allüberall, es geht nur noch darum. Außenpolitik dringt kaum noch zu uns durch, es braucht schon Terrorattacken in Stockholm und Ägypten, um die geschwätzigen Damen und Herren mal eine Minute zum Schweigen zu bringen, wie etwa Mélenchon anlässlich seines Auftritts vor 70.000 begeisterten Menschen. Eigentlich schwieg Mélenchon für die toten Migranten habe ich gerade bemerkt. Ich lasse es trotzdem so stehen, immerhin können wir ja an die Opfer der beiden Anschläge denken, wenn wir in Mélenchons Schweigeminute einstimmen.

Mélenchon ist gerade stark im Aufwind. Er macht eine gute Kampagne, ist ein guter Rhetoriker, machte im Fernsehen eine gute Figur, und das Ding mit der Hologrammtechnik hat alle verblüfft. Am 18. April wird er sich erneut vervielfältigen lassen, sogar sechs Mal, um so an sieben Orten gleichzeitig auftreten zu können. 40.000 Euro kostet ein Hologramm zusätzlich zur Saalmiete. Was tut man nicht alles, um die jungen Wähler anzuziehen. Für die gibt es außerdem ein Videospiel Fiscal Kombat mit einem pixeligen Mélenchon, der alle seine Gegner in der Luft zerreißt.

QuotidienAuch um die zukünftigen Wähler kümmert sich MelenchonMélenchon bereits. Von Herrn Diehl wurden mir die Fotos der Kinder-tages-zeitung Mon Quotidien übermittelt, in der Mélenchon es bislang als einziger Kandidat auf den Titel und eine Doppelseite geschafft hat und von der Kinderredaktion befragt wurde. Bemerkenswert, diese Präsenz. Seine Umfrageergebnisse steigen kontinuierlich, heute Abend hat er sogar Fillon auf den vierten Platz verwiesen und man fragt sich, ob er auch noch Macron einholen wird und sich dann mit Le Pen im zweiten Wahldurchgang ein Stechen geben wird. Alles scheint möglich bei dieser Wahl.

Macron war auch schon in Marseille, aber es war weniger gelungen, die Menschen verließen seine Versammlung vorzeitig, weil es ihnen zu wenig konkret war, was der junge Kandidat der Mitte ihnen zu erzählen hatte. Außer, dass er ihnen jedes Mal liebevoll das Auspfeifen der Gegner verbietet, komme nicht viel, sagen sie. Ein Video, das Menschen zeigt, die erklären, warum sie vorzeitig gehen, wurde vom Sender LCI schnell wieder entfernt und von Ludo, einem jungen Mann, in seinen Videos Osons Causer (wörtl: wagen wir zu sprechen) wütend wieder hochgeladen: Macron sei der Liebling der Presse und habe gute Pressekontakte, was erkläre, dass man negative Presse einfach zensiere. Damit es ein bisschen weniger zensiert ist, teilen wir das Video auch.

Ach so, noch was Nettes (?) zum Ausklang. Ostern naht. Ein Patissier in Chateauroux hat für Ostern les oeufs de la présidentielles Ostereier in den französischen Nationalfarben geschaffen und sie mit essbaren Fotos der Präsidentschaftskandidaten versehen. Angeblich ein echter Renner.

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Anschwimmen

Spiegeliung

Wir haben die Schwimmsaison eröffnet. Eher spontan, denn eigentlich laufen wir zur Zeit nur so kneippmäßig im Wasser, und es war recht frisch für mediterrane Verhältnisse. Aber es war so zauberhaft heute morgen am Strand und elle était tellement bonne, claire et fraîche, dass wir beide nach dem Laufen beschlossen, noch „richtig“ rein zu gehen. „17 Grad“ riefen sich die Wassertemperaturkenner danach zufrieden zu. Damit kann ich es jetzt aufnehmen mit all den Freiwasserschwimmerinnen.** Auch wenn ich nicht kilometerlang schwamm, sondern vielleicht nur so ein paar hundert Meter. Es gibt ja Forschungen zur Kältetherapie und denen glaube ich sofort, auch wenn ich noch nie in einer Kältekammer war, aber ich hatte heute im kalten Wasser wirklich das Gefühl, als habe mein Körper Glückshormone ausgeschüttet. Ich spüre das Glück ja selten pulsieren, ich muss es mir tatsächlich ganz rational auf einer Skala vorstellen, wenn ich wissen will, ob ich glücklich bin. Das Ergebnis ist erstaunlich positiv, gemessen daran, dass das Glück vor zwölf, dreizehn Jahren eher im Minusbereich angesiedelt war, und sich eher nach Un-Glück anfühlte. Aber heute morgen, während ich schwamm und auch danach und eigentlich auch jetzt noch, war mir so glücksjauchzend zumute. So lebendig. Wundervoll. Morgen wieder!

Davon kriegen Sie aber keine Fotos, ich zeige ungern meinen rundlichen weißen Körper, aber das Fischerboot bekommen Sie zu sehen, das uns inspiriert hat, nach dem Schwimmen auf dem Markt frischen Fisch zu kaufen.

Strand

Boot

Rosa

Himmel

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und weg

Rose

frischer fischRotbarben (köstlich!) und frische Erdbeeren (französische!) und Artischocken (cru!) zum Entrée.

La vie est belle! Schönes Wochenende Ihnen allen!

———————————————————————————————————— ** gerade nochmal nachgelesen, Journelle und die britischen Ladies schwimmen bei 7°C , in Worten SIEBEN GRAD – brrrr! Vielleicht schauen Sie sich den kleinen, ganz am Ende verlinkten Film bei Journelle an (oder hier): alle sagen, dass sie sich nach dem Kaltwasserschwimmen besser, gut, glücklich fühlen! (Bei 17 Grad Wassertemperatur ist das Glück vielleicht weniger stark, aber auch noch fühlbar :-) )

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Zwischenruf: elf Kandidaten plus Nachtrag

Heute Abend, diesmal auf den Privatsendern C NEWS und BMFTV, wird die zweite „große Debatte“ der Präsidentschaftskandidaten gesendet. Alle sind diesmal da. Elf sind es:  Nathalie Arthaud, François Asselineau, Benoit Hamon, François Fillon, Jacques Cheminade, Nicolas Dupont Aignan, Jean Lassalle, Philippe Poutou, Jean-Luc Mélenchon, Emmanuel Macron und Marine Le Pen werden für dreieinhalb Stunden (bis nach Mitternacht) „debattieren“. Diesmal gibt es nur eine Minute Redezeit für jede und jeden und insgesamt nur fünf Fragen. Eine Vorstellrunde (Wer sind Sie?), drei Themenfragen (Wie wollen Sie Arbeitsplätze schaffen? Wie wollen Sie die Franzosen schützen? Wie wollen Sie Ihr Sozialmodell umsetzen?) und eine zusammenfassende Aussage, wie der oder die Kandidatin die Franzosen hinter sich zu vereinen gedenkt.

Erwartet werden eigentlich drei „große“ Rededuelle: Mélenchon und Hamon; Dupont-Aignan und Fillon, und Macron und Le Pen.

Gut. Ich habe mein Augenmerk etwas mehr auf die Kandidaten gerichtet, die wir noch nicht in dieser Runde gesehen haben:

Nathalie Arthaud ist die ganze Zeit sehr wütend und antwortet schon auf die Frage, wer sie sei, dass sie das Volk zu Gehör bringen werde. Sie will die Gesellschaft, die „verfault“ sei, komplett verändern. Die Diskussionen über Europa, die Grenzen etc. seien nur Ablenkungsmanöver, nicht die anderen Arbeiter seien der Feind sondern das Patronat. Sie würde die großen Unternehmen zwingen, Arbeitsplätze zu erhalten und das Geld für alles nimmt sie von den Reichen. Sie greift Fillon offen an.

Philippe Poutou ist, wenn es möglich ist, noch wütender, stellt sich immerhin als der einzige Arbeiter (bei Ford) der Gruppe vor, ist auch als einziger in Jeans und T-Shirt gekleidet und verdrückt sich fürs Gruppenfoto. Er will eine direkte Demokratie, ist gegen das kapitalistische System, will das Geld umverteilen, die Polizei entwaffnen, denn der Terrorismus sei nur ein Vorwand, damit die Polizei das Volk mit Waffengewalt unterdrückt. Allerdings will er auch den internationalen Waffenhandel unterbinden.

Ich habe mich oft gefragt, warum man sich unbedingt als Präsidentschaftskandidat präsentieren will, wenn man so gut wie keine Aussichten hat, gewählt zu werden. Poutou zeigt es sehr deutlich: weil es ihm die Möglichkeit gibt, einmal öffentlich alles (im Stakkato) rauszukotzen, was er zu sagen hat. Er greift Fillon und Le Pen offen und agressiv an, nennt sie Lügner und korrupt und Betrüger, und er tut es mit sehr großer Genugtuung.

Nicolas Dupont-Aignan ist wütend gegen die Kandidaten der etablierten Parteien, einschließlich Macron. Er greift Fillon ebenso an, allerdings nicht so offen und anklagend wie Poutou. Er will die Abgaben für Firmen, die in Frankreich produzieren reduzieren. Und  findet, dass die Polizei und das Militär personnel und materiell am Ende seien und man müsse reinvestieren. Außerdem müsse man gegen die „barbarischen Hassprediger“ entschieden vorgehen.

Jacques Cheminade und François Asselineau kann ich irgendwie nicht richtig greifen. Assilenau will auf jeden Fall raus aus Europa, will dass Schluss mit den Schulden ist, und auf die Frage, wie ein guter Präsident sein müsse, antwortet er mit dem chinesischen Sprichwort „Der Fisch verfault vom Kopf her“: Wenn der Präsident, „der Kopf“ eines Landes, kriminell sei, habe das tragische Auswirkungen auf das gesamte Land und Volk. Und wenn er Präsident würde, dann wäre seine Frau nicht „First Lady“, und sie wäre weder im Showbusiness noch würde sie sonstwie von sich reden machen.

Jacques Cheminade hat ein sehr bizarres Programm will mir scheinen, er will raus aus Europa, aber will mehr Geld für Erasmus Programme ausgeben,, so ganz logisch ist das nicht. Er will mit Putin, Trump und den Chinesen zusammenarbeiten, wenn ich es richtig verstanden habe, aber mit den Verflechtungen der FranceAfrique aufhören. Gerade hat er sich sehr echauffiert und sieht Frankreich „moribund“.

Mein Lieblingskandidat, und es ist schwierig, sich nicht über ihn lustig zu machen, ist Jean Lassalle, für mich eine komplette Neuentdeckung. Er spricht, anders als alle anderen, betont langsam und mit dem Akzent des Südens. Er kommt ein bisschen zu spät und wegen des Grunds befragt, sagt er, och, er sei wohl zu spät weggefahren und dann waren da Staus, naja, aber seine Mutter habe eben acht Tage gebraucht, um ihn auf die Welt zu bringen (sie sei erst 17 gewesen und er wog über 4 Kilo), das stecke in ihm, diese Verspätung könne er wohl nie mehr aufholen. Er ist Sohn eines Schäfers, selbst Schäfer in den Pyrenäen und stolz darauf. Und dann, erzählt er, als er sich vorstellt, dann kam aus Paris die Pascale (er betont das e am Ende, wie man das im Süden macht) und die habe ihm vier Kinder geschenkt, ist das nicht wunderbar?! Er macht sich stark für die Landwirte, von denen sich jeden Tag 30 (!) umbrächten, wegen ihrer verzweifelten Situation, setzt sich für das ländliche Frankreich ein, will zurück zu den kleinen Gemeinden, die menschlicher seien, und erstaunlicherweise setzt er auf die Jugend  in den Banlieues, und er beklagt, dass die Politik seit dreißig Jahren nichts Gescheites auf die Reihe gebracht habe. So ganz klar ist mir nicht geworden, wo er das Geld für seine Projekte hernehmen will, aber er würde Lösungen finden, da ist er sicher, jawohl, und Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Außerdem will er eine Armee gegen die Cyberkriminalität schaffen. Ansonsten glaubt er an die Diplomatie, man kann mit allen reden.

So, ich kann nicht mehr zuhören, meine Zusammenstellung ist vielleicht etwas zufällig gewählt, das, was im wilden Debakel gerade hängenbleiben wollte, den Rest lese ich morgen nach. Oder hier. Sehr unerträglich ist mir der strenge Lehrerinnenton der beiden Moderatorinnen gewesen, die ununterbochen „MERCI!“ dazwischenrufen und die Minutenkonten überwachen „Sie sind im Rückstand!“ oder „Merci! Ihre Zeit ist überschritten!“ Voilà, mein Müdigkeitskonto ist schon sehr weit überschritten. Bonne nuit!

Nachtrag: Hier eine deutsche Einschätzung, allerdings nur mit Blick auf die „großen“ Kandidaten. Wo es gestern doch vor allem darum ging, die „kleinen“ Kandidaten vorzustellen, aber man hat wohl davon abgesehen, die Deutschen noch zusätzlich mit Kandidaten zu verwirren, die (dieses Mal) sowieso nicht Präsident werden werden.

Von französischer Seite hieß es gestern noch, die Debatte sei lebendiger gewesen, vor allem durch die deutlichen Worte der „kleinen“ Kandidaten, die es wagten, offen ihre Unzufriedenheit auszudrücken und die Affären von Fillon und Le Pen anzusprechen. Wobei Philippe Poutou auch gerügt wurde für seine ungehobelte Art, sich nicht für das gemeinsame Foto aufzustellen, für seinen hemdsärmeligen Kleidungsstil, und dass er nicht einmal die Kandidaten, an die er sich wandte, persönlich ansprach etwa mit „und Sie Monsieur Fillon“ sondern einfach herumholzte wie am Kneipentisch „und Fillon macht dies und Le Pen macht das“ – aber für ihn war es vermutlich schon eine Leistung, dass er sie nicht noch zusätzlich mit Schimpfwörtern bedachte. Auf Twitter wurde übrigens sofort zurückgerufen, besser hemdsärmelig, aber ehrlich, als im teuren Anzug und verlogen!

Die „großen“ Kandidaten hielten sich deutlich etwas zurück, sie hatten ihre „l’heure de gloire“ ja schon beim letzten Mal gehabt. Was bleibt? Wer hat am wenigsten Fehler gemacht? Fragt der Figaro (Fillon gibt sich staatsmännisch, Macron hat keine Fehler gemacht, und Mélenchon macht in diesen Sendungen den besten Eindruck) und liefert freundlicherweise eine kurze Zusammenfassung der Aussagen der Kandidaten.

Und zum Schluss, Jean Lassalle sei nach der Debatte der meistgesuchteste Kandidat auf google gewesen, heißt es, kann ich verstehen, er ist ein sehr authentischer Mensch. Er hat sich nicht besonders vorbereitet sagt er kurz vor der Sendung, es passiere sowieso alles anders als man denke. Und nein, die Sendung sei für ihn kein historischer Moment, ein historischer Moment wäre seine Wahl. Hier die Szene, in der er seine Verspätung erklärt.

 

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Zwischenruf: Hilfsaktion für Fillon

Ich wünschte mir ja, dass meine Texte, die nichts oder nur am Rande mit Politik zu tun haben, auch mal einen Tag sichtbar stehenbleiben könnten, ohne dass sich schon wieder aktuelle politische Dinge tun, über die ich berichten muss, dank meiner mir selbst auferlegten Pflicht n’est-ce pas *seufz* – aber das hier muss ich loswerden.

Auch wenn er einem schon leid tun kann, der gute Herr Fillon. Oder gerade deswegen. Gestern Abend, während eines Interviews bei BMFTV, wurde Fillon von einem Journalisten zwischen zwei anderen, klassisch politischen Fragen, plötzlich gefragt, ob er am Ende des Monats eigentlich Geld zurücklege, so wie es wohl 35% der Franzosen tun. „Ich?“ fragte Fillon völlig überrascht und schüttelte dann den Kopf. Er persönlich habe am Ende des Monats kein Geld übrig.

Diese kleine Aussage beschäftigt die Franzosen jetzt mehr als alles andere, das kann ich Ihnen sagen. Es ist auf allen Kanälen zu hören und zu sehen, und schon gestern wurde vom satirischen Magazin le Gorafi zusammen mit Leetchi, einer Internetspendenplattform, spontan ein Spendenaufruf „Solidarität für Fillon“ gestartet, um ihm über die schwierige finanzielle Situation am Monatsende hinwegzuhelfen. Und tatsächlich haben heute morgen schon knapp tausend Menschen immerhin einen Summe von mehr als 1400 Euro gespendet, Solidarität unter Sozialhilfeempfängern verpflichtet, sagte so mancher in seinem Kommentar. Die Spendenaktion für Fillon läuft noch knapp drei Wochen, bis zur Wahl quasi, falls Sie sich noch beteiligen möchten, hier der link.

Das gesammelte Geld soll dann sozialen Projekten im Wahlkreis von Fillon, der Sarthe, zufließen.

Mir tut Fillon ja langsam wirklich leid, auch wenn er es verdient hat, abgestraft zu werden. Aber diese Art von überraschenden Fragen, die so nebenbei abgeschossen werden, journalistisch professionnel natürlich, gab es für mich auch schon. Was weiß man schon, nicht wahr, von dieser reichen deutschen Côte d’Azur-Tussi, die da an ihrem Pool sitzt und sich Caipirinhas anreichen lässt, und gelangweilt in ihr Aufnahmegerät ihre Kriminalromane diktiert. Oder sitzt sie auf ihrer Yacht? „Haben Sie eigentlich ein Boot?“. wurde ich einmal überraschend beim abschließenden Essen gefragt. Ich fragte genauso überrascht wie Fillon nach. „Was ich?“ „Ja, hier haben doch alle ein Boot, Sie nicht?“ Ich lachte (HA! denkt der Journalist: deutliches Zeichen von Verlegenheit!) und schüttelte den Kopf. Aber tatsächlich denke ich an den Sportkatamaran, den Monsieur früher zusammen mit einem Freund besaß. Nicht mehr als zwei Surfbretter groß, mit Segel, der lag in einem kleinen Hafen in einem Nachbarort. Aber beide Herren haben das sportliche Segeln mit Mitte Sechzig aufgegeben. Es ist sicher nicht das, was der Journalist meint, soll ich es ihm trotzdem erzählen? Quatsch, denke ich und sage lächelnd „Nein“. Das alles spürt der gewiefte Journalist aber und fragt lauernd-ironisch weiter. „Nein? Kein Boot? Sind Sie sicher? Ein ganz Kleines vielleicht?“ Er denkt vermutlich trotzdem an eine 15 Meter Yacht, während ich vor meinen Augen schon wieder den für 1500 Euro verkauften Sportkatamaran sehe, der nicht mal mir gehörte. Ich habe kein Boot, nicht mal ein aufblasbares Gummiboot habe ich. Was glaubt der eigentlich von mir? „Nein“, sage ich jetzt entschieden, „wirklich nicht.“ „Hm, hm“, macht er und lächelt, als habe er mich beim Lügen ertappt.

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Fuir le bonheur …

Heute Gestern morgen sahen wir einen sehr französischen Film, in dem unter anderem Johnny Halliday mitspielte. Halliday ist in Deutschland vermutlich kaum bekannt. Ich zumindest kannte ihn nicht, als ich in Frankreich ankam und ich konnte die Beliebtheit dieses vulgären, abgewrackt aussehenden Alt-Rockstars mit Permanent-Make-up und steter Sonnenbräune lange nicht verstehen. Seine französisch geröhrten Rocksongs sind aber allgemeines Kulturgut. Jeder kann „Qu’est-ce qu’elle a ma gueule“ brüllen

(frei übersetzt: „Was ist los? Gefällt dir meine Fresse nicht?“). Hallyday ist DER französische Rocksänger und das seit den frühen 60er Jahren, das wäre in etwa so, als würde Peter Kraus heute noch rocken. Naja so ähnlich. Hallyday war vermutlich immer schon weniger brav. So langsam wird mir Hallyday sympathisch, vor allem, weil er sich in dem einen oder anderen aktuellen Film gerade selbstironisch darzustellen vermag (s.o.). Ich dachte heute morgen, ich muss mal einen Beitrag über Hallyday schreiben. Ich habe das hier aufgeschrieben, damit ich es nicht vergesse, Sie können mich drauf festnageln. Voilà.

Aktuell will ich aber was über Serge Gainsbourg schreiben. Geschickte Drehung, was? Gainsbourg, Sänger, Komponist, Schauspieler war Sohn einer jüdisch-russischen Immigrantenfamilie, wurde an einem 2. April vor knapp 90 Jahren geboren, und insofern haben wir heute, in der Zwischenzeit gestern, fast ein großes Jubiläum (ich bekam den Text gestern nicht mehr fertig, aber immerhin habe ich ihn am 2. April begonnen). Gainsbourg hat als Kind während des Zweiten Weltkriegs einen gelben Stern tragen müssen („einen Sheriffstern“ sagte er später spöttisch) und hat all das erlebt, was man in dieser Zeit als Jude so erleben konnte (Auftrittsverbot des Vaters, die Eltern flohen in den „unbesetzten“ Süden, er selbst wurde auf dem Land in einer Jesuitenschule „versteckt“ und musste einmal nachts alleine vor der Gestapo in den Wald fliehen)

Gainsbourg ist, fürchte ich, dem breiten deutschen Publikum auch nicht wirklich bekannt. Ich wusste wenig über ihn, um nicht zu sagen gar nichts, als ich nach Frankreich kam. Ich fand Gainsbourg ziemlich hässlich unattraktiv (er sich übrigens auch und er litt sein ganzes Leben darunter, dass er einer Karikatur des „typischen Juden“ glich), kannte vage noch eine Reggaeplatte (die ich nicht mochte) und die eine Fernsehszene, wo er halb betrunken und provokant einen 500 Francs Schein verbrannte

um zu zeigen, wie stark er besteuert wird (74%) und wieviel ihm von 500 Francs wirklich blieben, das hat ganz Frankreich aufgewühlt, in dem einen oder anderen Sinn, und ganz ehrlich, ich verstand gar nichts. Ich verlinke ihnen das deutsche und das französische Wikipedia, aber es ist viel zu lesen, denn Gainsbourg hat viel gemacht, geschrieben, komponiert, gesungen und geschauspielert. Ich zitiere Wikipedia „Über seinen Tod hinaus gilt er in Frankreich als einer der einflussreichsten und kreativsten auteur-compositeur-interprete seiner Epoche.“

Beinahe hätte ich vergessen, den Film zu erwähnen, den Joan Sfar, mein preferierter Graphic Novel Zeichner und manchmal auch Filmemacher über seinen „Héro“ Gainsbourg gemacht hat: Gainsbourg – Vie héroique. Schauen Sie sich die Bande annonce an, wie der Trailer auf Französisch heißt, falls Sie den Film nicht kennen. Durch diesen Film lernte ich Gainsbourg erst kennen und schätzen. Schon in dem kleinen Vorfilm sieht man alle Facetten Gainsbourghs und auch eine Szene mit France Gall, der er vorschlägt, einen unanständigen Song zu schreiben – gegen ihr brave-Mädchen-Image.

France Gall, die man bei uns später mit so aufregenden Liedchen wie „Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte“ kannte

(niedlich der Film, oder?); gewann dann auch 1966 mit einem von Gainsbourg geschriebenen eher zweideutigen Lied  Poupée de cire poupée de son, das sie aber ganz unschuldig sang:

und es vermutlich, wie auch alle Mitglieder der nicht französischsprachigen Jury wirklich nicht verstanden hat (Frankreich gab dem eigenen Lied keinen Punkt, das sagt alles!), Achtung, ich nehme den ursprünglichen Satz wieder auf, France Gall gewann damit also den Eurovisions-Song-Contest.

Später schrieb ihr Serge noch Les sucettes, das Lied von Annie, die Lutscher mit Anisgeschmack lutschte, die ihren Küssen einen besonderen Geschmack geben …

Sie merken schon wohin die Reise geht?! Aber France Gall hat es damals nicht verstanden  und schämte sich zu Tode, als sie es später begriffen hatte, und war böse auf ihr Umfeld, das man dieses Lied hatte singen lassen.

Mit diesen Zweideutigkeiten muss man in Frankreich immer rechnen. Und bei Gainsbourg im besonderen. Gainsbourg machte aber auch mit eindeutigeren Chansons Skandal, wie etwa mit Je t’aime moi non plus, das er für Brigitte Bardot geschrieben hatte, die sich von ihm „la plus belle chanson de l’amour“ gewünscht hatte, es wurde aber von derem gerade aktuellen Ehemann Gunter Sachs sofort juristisch unterbunden, weshalb er es etwas später mit der niedlichen Jane Birkin sang, stöhnte und seufzte, mit der er gerade eine neue Liebesgeschichte erlebte. Das Lied kam natürlich sofort auf den Index, wurde in dem einen oder anderen Land verboten und durfte, laut Aufdruck auf dem Plattencover, „unter 21 Jahren“ nicht gehört werden, lustig, weil Birkin da selbst gerade mal 20 und nach damaligen Recht minderjährig war.

Mit Jane Birkin, der blutjungen, britischen Schauspielerin war Gainsbourg zwischen 1968 und 1980 zusammen und mit ihr hat er nicht nur eine Tochter, Charlotte, produziert sondern auch mehrere Platten. Jane Birkin war zu dieser Zeit sehr niedlich anzuschauen und ihr kleiner britischer Akzent war niedlich anzuhören, weshalb ihr Stimmchen vermutlich bis heute alle bezaubert.

Sie hat, seit seinem Tod, immer wieder Platten mit Chansons von Gainsbourg neu interpretiert, und gerade eben ist ein neues Album erschienen, dieses Mal singt sie mit großem Symphonieorchester. Kurz habe ich gezögert, ob ich es wirklich „Singen“ nenne, was sie macht, ob es nicht Hauchen oder Kieksen oder ein brüchiger Sprechgesang oder noch irgendetwas anderes ist. Sie hat wirklich wenig Stimme, aber die Kritiker überschlagen sich, um ihre Stimme, die „niemals so schön war wie heute“ zu loben und die Arrangements, und Serge hätte es geliebt und vermutlich in sein Taschentuch geweint vor Rührung.  Ich sah sie in der einen oder anderen Sendung, in dem sie ihr Album vorstellt, man zeigt immer auch frühe Videos von ihr (sie war wirklich niedlich) und alle liegen ihr auch heute noch zu Füßen. Vielleicht auch weil ihre Liebesgeschichte mit Gainsbourg so groß war und man sich damit die „unbeschwerte“ Zeit der sechziger und siebziger Jahre wieder ins Gedächtnis ruft.

Anlässlich des neuen Albums wurde Birkin auch hier und da erneut interviewt und da erzählt sie zur Freude aller Franzosen, wie sie die allererste Nacht mit Gainsbourg verbracht hat: Sie drehte zu dem Zeitpunkt einen Film mit ihm und fand ihn (20 Jahre älter als sie) arrogant und unfreundlich, und sie war eingeschüchtert und verklemmt, so dass er sie eines Abends ausführte, um sie etwas „aufzulockern“. Da erlebte sie ihn charmant und witzig, er führte sie in die unterschiedlichsten Musikclubs und man sang und tanzte und trank, sie sah, dass er auch eine andere, eine verletzliche Seite hatte, und morgens in aller Frühe tranken sie Champagner mit den Schlachtern in les Halles (ehemalige Markthallen, damals im Zentrum von Paris). Sie war verzaubert und als er sie morgens nach Hause fahren wollte, ging sie entschlossen mit ihm in sein Hotelzimmer. In der kurzen Zeit, in der sie aber im Badezimmer verschwand, war er eingeschlafen, und sie ging weg, kaufte die Platte mit dem Titel „yummy, yummy, yummy I’ve got love in my tummy„, die damals gerade rausgekommen war und steckte sie zwischen seine Fußzehen. Das war der Beginn ihrer großen Liebesgeschichte, die alle Franzosen kennen und die sie, Zitat Jane Birkin, „seit 50 Jahren mit den Franzosen teilt“.

Schon 2002 hatte sie ein Live-Album Arabesque mit seinen Chansons produziert. Mit sehr orientalischer Instrumentalisierung. Das war überhaupt das erste, was ich von Serge Gainsbourg wirklich hörte. Oder von Jane Birkin. Oder von beiden, wie man’s nimmt. Die Musik war mir fremd, die poetischen Texte habe ich damals kaum verstanden, Janes Stimmchen war damals schon dünn, aber irgendwie hat mich dieses Album gefesselt. Tut es noch heute. Und auch wenn das neue Symphonische Album hochgelobt wird, ich finde Arabesque um Klassen besser. Ich finde auch, dass diese mal leichte, mal schmerzlich vibrierende orientalische Musik viel besser zu ihrem Kieksstimmchen passt. Mein Lieblingschanson war damals, als ich meinem ersten französischen Freund monatelang nachweinte, Comment te dire adieu.

Auch wenn Jane dieses Chanson auf dem Live Album nutzt, um all ihre Musiker und Techniker vorzustellen, ihnen, dem Publikum und außerdem einem persönlichen Engel zu danken, was das Chanson zusätzlich zum Text eigentümlich gefühlvoll macht, aber auch zweiteilt, ich liebe es so und höre es immer noch gerne. Fuir le bonheur pour qu’il ne se sauve gehört auch zu meinen Favoriten und Anamour, das ich eigentlich in der Version von Depardieu schätze (Gérard Dépardieu spielte mal einen abgehalfterten Schlagersänger in „Quand j’étais chanteur“, und so wie er da singt, könnte ich tatsächlich auch, wie Cécile de France, in seine Arme sinken, hach,) aber witzigerweise habe ich die Melodie von Anamour zuallererst mit einem völlig anderen und außerdem deutschen Text vor vielen Jahren gehört, und ich habe den Vormittag damit verbracht, um es wiederzufinden: Der tätowierte Millionär von Universal Gonzalez. Auf der CD von Trikont ist außerdem noch Bernadette la Hengst mit Wilder Mann zu hören. Liebe ich auch immer noch. Was ich früher so alles gehört habe … Von beidem habe ich keine Videos gefunden, viel zu abgefahren, könnten Sie aber komplett auf Spotify hören. Hier aber zurück zu Jane und zu Serge.

Hier sieht man das jung verliebte Paar in einem R4 Cabriolet durch Paris kurven:

Für „Fuire le bonheur“ passt diese Version mit den Bildern von Marylin gut, finde ich, ob Marylin eigentlich glücklich war, kann man sich auch fragen, damit leite ich dann auch schön über zu meinem nächsten (noch zu schreibenden) Text, wir haben nämlich eine Marylin Monroe Ausstellung in Aix en Provence gesehen.

Falls Sie das ganze Album Arabesque hören möchten (ich hoffe mal, das ist legal):

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Zwischenruf

Ich fasse mal zusammen, was seit dem letzten Eintrag passiert ist:

Penelope Fillon ist nun auch der Mittäterschaft angeklagt. Immer noch die alte Geschichte. Bei der Hausdurchsuchung bei den Fillons wurden Unterlagen gefunden, die eine Arbeit Penelopes beweisen (sollen). Die Untersuchungsrichter glauben allerdings, dass man diese Beweise nachträglich angefertigt, also gefälscht hat, um nicht das neue Wort „gefaked“ zu benutzen.

Fillon selbst wetterte wütend gegen den amtierenden Präsidenten Hollande, das alles ginge von ihm aus, er habe mit einem cabinet noir gegen ihn komplottiert. Ein cabinet noir meint, ein paar Menschen arbeiteten „im Dunklen“ daran, den politischen Gegnern zu schaden. Das wurde natürlich von Hollande empört zurückgewiesen.

Fillon avant apresVorher-Nachher:

Fast hätte ich das Amüsanteste in diesem Trauerspiel vergessen: Fillon hat seine Plakate und seinen Slogan geändert: Le Courage et de la Verité, also „Mut und Wahrheit“ passten ja nun nicht mehr so richtig.

Daraus wurde Une Volonté pour la France! Das heißt so viel wie „Ein starker Wille!“ oder „Einsatzbereitschaft für Frankreich!“

volonté pour la fraudeAuf Twitter gab es natürlich sofort Varianten:

Sehr hübsch war etwa:  Une Volonté pour la Fraude! (in etwa „Bereitschaft für den Betrug!“)

 

 

In Zusammenhang „Scheinbeschäftigung“: der noch relativ neue Innenminister Hollandes, Bruno Le Roux, ein Mitglied der Parti Socialiste, hatte seine Töchter als attaché parlemantaire angestellt, zu Zeiten als diese sogar noch minderjährig waren und zur Schule gingen. Sommerjobs seien das gewesen, widerspricht der Minister, alles legal und die Mädchen hätten wirklich gearbeitet. Er wies jegliche Ähnlichkeit mit dem Fall Fillon zurück. Zurückgetreten ist er trotzdem. Etwas ausführlicher können Sie das hier nachlesen.

Noch ein Clash bei den Linken: Manuel Valls hat öffentlich bekannt gegeben, dass er nicht seinen Parteikollegen Benoît Hamon unterstützen werde, sondern Emmanuel Macron. Das ist unausgesprochen ein Zeichen für seine Anhänger, es ihm nachzutun. Es sei eine „taktische“ Entscheidung, sagt er, mit der er verhindern wolle, dass Marine Le Pen, die vermutlich im zweiten Wahldurchgang auf Macron trifft, die Wahl gewinne. Indirekt sagt er damit auch, dass Benoît Hamon keine Chancen hat in den zweiten Wahldurchgang zu kommen. Benoît Hamon ist natürlich nicht erfreut und nennt Valls einen „Verräter“. Macron hat Valls nur sehr nüchtern für diese „Unterstützung“ gedankt. Es wird befürchtet, dass aus seiner schwungvollen, parteilosen  Bewegung nur die Fortsetzung der Politik Hollandes wird, wenn sämtliche Politiker der konservativeren Linken zu ihm überlaufen.

Etwas anderes:  Heute hat in Frankreich die Wahl der Gewerkschaften stattgefunden und zum ersten Mal in der Geschichte der Gewerkschaften überhaupt hat die reformierende CFDT die radikale CGT überflügelt. Das ist eine große Veränderung für die zukünftigen Sozialverhandlungen in den Betrieben (Video ist französisch) Die CFDT steht eher für Kooperation (ohne den Streik auszuschließen) während die CGT stets auf Konfrontationskurs ging. Letztes Jahr gab es wochenlang, gewalttätige Streiks gegen die Arbeitsmarktreformen, die das Land stellenweise lahmgelegt haben und erst mit Beginn der Fußball-Europameisterschaft zu Ende gingen. Die unbeliebten Reformen wurden dann mit einem Ausnahmeparagraphen durchgesetzt.

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Liebster Award 2

liebsterawardsSo. Wir waren gerade zwei Tage unterwegs, davon erzähle ich Ihnen vielleicht noch. Ich muss dringend auch einen Zwischenruf schreiben, es ist schon wieder so viel passiert. Aber erstmal zurück zu diesem Liebster Award – ganz ruhig, die Ernennung ist schon der Preis. Und außer, dass man sich gegenseitig freundlich erwähnt und auf diversen anderen Blogs herumliest passiert gar nichts. Ein Booster für kleine, neue Blogs. Ich würde gern ein paar kleine neue Blogs boosten, allein, ich kenne keine. Ich habe jetzt hier und da herumgelesen und gesucht, aber das ist es alles nicht. Ich ernenne für den Liebster Award also Blogs, die ich schon kenne und lese und denen ich etwas mehr Sichtbarkeit wünsche. Die hoffnungsvollen Schreiberinnen von Sssonderbar würde ich gern boosten, damit vor allem Vi mal wieder etwas über Bosnien schreibt, aber vermutlich sind die Mädels gerade mitten im Abitur. Toni würde ich gerne boosten, damit sein zukünftiges Buch zukünftige Leser findet und er zunächst den Dreh findet, daran weiterzuschreiben. Und Laure in Frankfurt, die sich gerade mit dem Wort Eichhörnchen abmüht, booste ich auch. Schön, wenn eine Französin gern in meiner „Heimatstadt“ lebt und Deutsch lernt. Und Herrn Diehl natürlich, dessen südfranzösischen Geschichten ich auch ein paar zusätzliche regelmäßige Leser wünsche. Voilà, das sind meine Vorschläge für den Liebster Award, dessen Regeln ich hier noch einmal aufschreibe:

Was ist der „Liebster Award“ ?

Das ist eine tolle Aktion von Bloggern untereinander, die auf Blogs die ihnen besonders gut gefallen, aufmerksam machen.

Was ist zutun?

  • Die Person verlinken, die dich nominiert hat
  • 5-11 andere Blogger nominieren mit weniger als 200 Followern
  • stelle 11 Fragen deiner Wahl an die Nominierten
  • du kannst die Person nicht nominieren, die dich nominiert hat
  • die Nominierten müssen informiert werden
  • stelle den Nominierten einen Link zu deinem Post bereit für mehr Informationen
  • du musst alle Fragen beantworten, die dir gestellt werden

Abgesehen davon ist mein absoluter Lieblingsblog gerade der von Fräulein Read on, von der ich aber annehme, dass sie schon genug LeserInnen hat und für diesen Liebster Award außerdem zu erhaben ist. Was die elf Fragen angeht, die man den Liebster-Anwärtern stellt, da habe ich lange gesucht, man will ja nicht ganz banal sein. Sehr schöne Fragen fand ich bei Croco, die ich btw. auch gerne lese, und der ich eine Frage klaue.

Ich stelle also elf Fragen, die sind zunächst für die Liebster Award-Empfänger gedacht, sie können aber auch gern von anderen Menschen beantwortet werden, falls Sie mögen, dann etwa auf Ihrem Blog, oder wenn Sie keinen haben und trotzdem wollen, gern hier in den Kommentaren.

1. Wann sind Sie das letzte Mal auf einen Baum geklettert? 2. Mein Lieblingsversteckspiel meiner Kindheit heißt „Doppel-E“. Kennen Sie das? Welches war Ihr Kinder-Lieblingsspiel draußen? 3. Ihre letzte mutige Tat? 4. Wenn Sie in die Zukunft schauen könnten, würden Sie es tun? 5. Wo möchten Sie leben? 6. Ihr Lieblingsort in Ihrer Stadt (Dorf/Gegend)? 7. Welche schlechte Eigenschaft würden Sie gern loswerden? 8. Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnten Sie sich den Lebensunterhalt verdienen? 9. Welches Lebensmittel mögen Sie nicht? 10. Gibt es etwas, was Sie tun, obwohl es ökologisch nicht korrekt ist? 11. Gibt es ein Lied, das Sie automatisch froh stimmt, wenn Sie es hören? Wenn ja, welches?

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Liebster Award Teil 1

Liebster Award

Zum ersten Mal in meinem Blogleben wurde ich nominiert, nein, nicht zur Bloggerin des Jahres, aber für den Liebster-Award! Jawoll! Und zwar von Ute, die selbst einen Südfrankreich-Blog schreibt. Vielen Dank dafür! Ich freue mich wirklich. Der Liebster Award ist eine Art Wanderpokal, eine Auszeichnung für kleine Blogs, denen man wünscht, dass sie bekannter werden. Um mich herum sind schon alle irgendwann mal damit bedacht worden und es gab schon Momente, wo ich dachte, hey und was ist mir mir? Vielleicht dachten alle, mein Blog sei schon ein alter Hut, *gähn*, und außerdem bekannt genug, keine Ahnung. Jetzt aber, wo ich tatsächlich denke, jo, so langsam habe ich anständige Besucherzahlen, jetzt wird mein kleiner Blog noch einmal herausgehoben aus der Blogosphäre: guckt hin! Hier bin ich! So, ich dreh mich mal, sehen Sie mich alle? Gut.

Wenn man nominiert wird, bekommt man elf Fragen gestellt, die man bitte beantwortet und man soll dann seinerseits elf weitere Blogs nominieren und den zugehörigen Bloggern erneut elf Fragen stellen. Hm. Erinnert so ein bisschen an Kettenbriefe und 11 mal ist schon ein bisschen viel, finde ich. Ich lese nämlich gar nicht so viele Blogs regelmäßig, schon gar keine kleinen, glaube ich; die meisten Blogs, die ich lese, sind, wie mir scheint, große Blogs mit einem gewissen Standing, die sind vermutlich vor hundertzehn Jahren schon mal geliebtsert worden oder sie hatten das nie nötig, was weiß ich. Ich krieg ja vieles nicht so mit, ich bin ja immer so halb drin, halb draußen aus der Blogosphäre als Deutsche in Frankreich. Ich zermartere mir also, seit ich weiß, dass ich geliebstert wurde, den Kopf, wen ich nominieren könnte und sehe, dass Ute schon den Landlebenblog nominiert hat, Le nachbar, Grain de Sel, Frau Novemberregen und die kleine Französin, die in Köln gelandet ist. Das sind fünf der Blogs, auf die ich auch regelmäßig klicke, die sind also schon vergeben. Dann lese ich hier und da rein und stoße auf Beiträge, dass ihn schon gar niemand mehr will, den Liebster Award, so inflationär wurde er herumgereicht. Ja, ich kanns verstehen. Welchen Impact hat er eigentlich noch, dieser Award?, frage ich mich. Und elf neue kleine Blogs suchen kostet Zeit, und elf Fragen, die noch niemand gestellt hat, wollen mir auch gerade nicht einfallen.

Um Zeit zu gewinnen beantworte ich also erstmal Utes 11 Fragen:

1.Wann hast du das Bloggen für dich entdeckt?

Im Winter 2008/2009, Ha! sogar ein Jahr früher, 2007/2008 wars! Ich lebte in einem französischen Bergdorf und wollte unbedingt von diesem (für mich) ungewöhnlichen Leben erzählen. Die Zeitschrift Brigitte hatte damals auf ihrer Internetseite eine Serie „Frauen bloggen aus dem Ausland“ eingerichtet. Aus Südfrankreich und vom Berg-/Landleben hatte bis dahin noch niemand geschrieben. Ich bewarb mich und so entstand mein Blog „French Connection“.

2. Kannst du dir einen Tag ohne FB , Twitter und Co. vorstellen?

Allerdings. Internet-Detox mache ich immer mal wieder (Auszeit in den Bergen, im Kloster)

3.Was fällt dir zu dem Begriff „Nachhaltigkeit“ ein?

Gegenteil von Wegwerfgesellschaft, oder? Ich denke, es geht um bewussten Umgang mit der Natur, den Ressourcen, der Erde allgemein, damit dieser Planet noch ein Weilchen hält für die nachfolgenden Generationen.

4.Welche Sprache würdest du gerne sprechen?

Ich wäre gern wirklich bilingue – wünschte mir, dass mein Französisch genauso gut wäre wie mein Deutsch und außerdem akzentfrei.

5. Du schliesst die Augen und denkst ans Essen. Was ist es?

In der Regel Schokolade.

6. Welches Zitat gefällt dir ?

Le cœur a ses raisons que la raison ne connaît point. Blaise Pascal.

7. Kannst du deine Ferien ohne Handy verbringen?

Kann ich: http://aufildesmots.biz/2014/06/deutschland-fussball-und-kein-handy/

8. Warst du schon einmal in Grasse ?

Aber ja, mehr als einmal!

9. Welchen Buchtipp gibst du mir?

Lange überlegt, entscheide mich für Alexandra Horowitz: Von der Kunst die Welt mit anderen Augen zu sehen.

10. Kaffee oder Tee ?

Kaffee.

11. Was können wir von den Franzosen lernen?

Spontaneität, Unkompliziertheit und Laissez-faire. Und die Wertschätzung von gutem Essen.

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Die Blogs, die ich nominieren möchte und meine 11 Fragen folgen in einem zweiten Teil.

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Ah l’amour …

Heute mal etwas völlig anderes – l’amour et la bouffe … iesch liebe Fronkraisch …

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Zwischenruf – kleiner Gag

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Zwischenruf: Es geht los … plus Nachtrag

Warum habe ich das angefangen? Nichts anderes geht mehr, wenn ich halbwegs zeitnah berichten will. Politik, Politik, Politik. Ich fürchte, Sie wollen das alles gar nicht so genau wissen. Aber heute, 34 Tage vor dem ersten Wahldurchgang, ist Le grand Débat, die erste große Debatte: Von 21 Uhr bis Mitternacht werden fünf der elf Präsidentschaftskandidaten ihren ersten großen Fernsehauftritt haben, auf Fragen antworten, ihr Programm vorstellen und verschen, sich einfach gut verkaufen. Fünf von Elf? Elf? Ja, tatsächlich. Neun Männer und zwei Frauen. Tatsächlich habe ich Ihnen manche Kandidaten bislang nicht vorgestellt, einfach, weil ich sie selbst nicht wahrgenommen habe. Philippe Poutou zum Beispiel, Kandidat der extremen Linken, der bis vor vier Tagen noch nicht wusste, ob er tatsächlich 500 „Patenschaften“ unterstützender Bürgermeister  zusammenbekommen würde (In der heutigen Zeitung Nice Matin kann man sehen, wer in unserem Departement welchen Kandidaten unterstützt hat: mehr als hundert Unterstützer hat Francois Fillon bekommen, darunter auch die Bürgermeister von Nizza und Cannes, wen wunderts. Hier und da gibt es einen Unterstützer für einen der anderen Kandidaten: Links, Rechts, Mitte, aber immerhin keine Unterstützung für Marine Le Pen) Poutou und die anderen „kleinen“, weniger aussichtsreichen Kandidaten werden in den Folgedebatten (drei gibt es insgesamt) dran sein. Wir hören und sehen heute nur die fünf „großen“ Kandidaten: Francois Fillon, Benoît Hamon, Jean-Luc Mélenchon, Emmanuel Macron und Marine Le Pen. Ein Prozedere, das erstmals so stattfindet und was nicht nur von den nicht anwesenden Kandidaten kritisiert wurde, sondern auch von denen, die sich heute präsentieren dürfen.

Ich fürchte, drei Stunden werde ich nicht dabei sein. Ich bin schon jetzt ziemlich müde, mich strengt dieses Zuhören politischer Reden wahnsinnig an, weil mich dabei zusätzlich auch die Attitüde der Politiker zusätzlich beeindruckt. Mir hilft der Live-Stream von LCI (La Chaine Info), die es freundlicherweise auf den Punkt bringt, wenn ich beispielsweise verpasst habe, warum Macron sich erneut von Le Pen angegriffen fühlt oder erstaunlicherweise Mélenchon mit Macron einer Meinung sind, oder Mélenchon mit Le Pen, oder wenn, wie oft, alle durcheinander reden. 23.05 Uhr. Ich gebs auf, zu müde. Ein erster Eindruck von deutscher Seite.

Was bleibt von der großen Debatte?, fragte heute morgen Nice Matin, im Sinne von was bleibt hängen in den Köpfen der Zuschauer. Sehr spannend, denn tatsächlich fragte ich mich das auch. Ich war gestern wirklich guten Willens, aufmerksam zuzuhören, um mich zu informieren, was die einzelnen Kandidaten zu den Fragen „Arbeitslosigkeit“, Sicherheit“, „Laizität“, „Erziehung“, „Rente“ undsoweiter zu sagen haben. Es gelang mir nicht. Die Kandidaten hatten jeweils nur eine Minute dreißig Zeit, sich vorzustellen oder sich zu den Fragen zu äußern; man wollte verhindern, dass sie sich ellenlang in irgendwelchen Worthülsen verlören, aber es hatte zur Folge, dass einer nach dem anderen zack zack in einem Schnellsprechmodus antwortete, und, falls einer zu lange sprach, er unterbrochen und zurechtgewiesen wurde. Auf jedem Pult, hinter dem alle fünf Kandidaten standen, war eine tickende Uhr mit ihrer gesamten Redezeit sichtbar. Das alles war ein bisschen albern und erinnerte an eine Spielshow, ich erwartete fast, dass irgendeiner auf den roten Buzzer drückt mööööp: Ich weiß es! Die Antwort lautet: Burkini. Leider falsche Antwort.

Die Informationen kamen so schnell und so überbordend, dass ich kaum folgen konnte. Nicht nur ich, wie ich heute erleichtert feststellte, denn die Zeitungen druckten überall eine Zusammenfassung, wer was gesagt hat. Wer sich mit wem worüber gestritten hat (vor allem Le Pen mit Macron) undsoweiter. Glücklicherweise waren nicht alle elf Kandidaten anwesend, es wäre katastrophal geworden.

Ob die Wähler, die bislang noch unsicher sind, wen sie wählen sollen, nach diesem Spektakel schlauer und informierter sind, ist fraglich. Man sah nur, wie professionnel sich der eine oder die andere vor der Kamera bewegt. Mélenchon hat da ziemlich viele Pluspunkte zu verbuchen, er hatte auch Schlagworte parat wie „Ich bin für den Frieden!“ So etwas bleibt hängen, wenn auch auf Twitter sofort gespottet wurde, da könne man auch Miss France wählen, die sei auch für den Frieden.

Amüsant war zu sehen, dass Mélenchon (extrem links) sich in dem einen oder anderen Punkt mit Marine Le Pen (extrem rechts) einig war. Leider weiß ich nicht mehr, um was es ging, den Austritt aus Europa und die Deutschfeindlichkeit vermutlich.

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Zwischenruf … etwas müde

Verzeihen Sie, aber ich hatte tatsächlich ein paar Tage abgeschaltet und ließ die Nachrichten nur noch wie durch einen Nebel zu mir durchdringen – ich bin es nämlich wirklich müde, immer noch mehr unfassbar blödes Zeug über Fillon zu erfahren. Also nicht nur, dass er angeklagt ist, das ist er jetzt endlich, immerhin, aber natürlich ist er weiterhin von seiner Unschuld überzeugt, und er ist ganz sicher, dass er die Richter ebenso davon überzeugen wird, n’est-ce pas. Nein, es kommt noch schlimmer, oder zumindest noch peinlicher, und der Gag des satirischen Magazins Gorafi, dass man schon ein paar Minuten lang keinen neuen Skandal Fillons aufgedeckt habe, hat sich schon wieder erledigt. Le canard enchainé ist wieder nur voll mit Fillon. Lassen wir mal unter den Tisch fallen, dass er seinen Kindern, die er für gewisse Tätigkeiten ja hoch entlohnt hatte, einen Teil des Geldes wieder abgenommen hat, nein, die Rede ist vom Klamottenskandal: Ein unbekannter Gönner hat Fillon Maßanzüge im Wert von 80.000 Euro geschenkt. Wie nett. Lehnt man nicht ab so etwas, oder? Nein, natürlich nicht, und so viele sind es auch gar nicht, machen Sie sich keine Sorgen, man muss im Schloss keine neuen Ankleidezimmer einbauen. So ein Maßanzug kostet schon so knapp zehntausend Euro. Im Prinzip hat Fillon wirklich nur für jeden Wochentag was Ordentliches zum Anziehen bekommen, sowas braucht man ja in seiner Position, und der Anzug für den sonntäglichen Kirchgang ist eben ein bisschen aufwändiger. Oder auch für den Gang zum Untersuchungsrichter. Kann ja nie schaden, dort gut angezogen zu sein, n’est-ce pas?

Ich habe Ihnen bislang Nicolas Dupont-Aignan vorenthalten. Ein weiterer konservativer Präsidentschaftskandidat, der irgendwo rechts von Fillon aber links von Marine Le Pen steht. Den haben wir die letzten Tage verstärkt zu sehen bekommen, denn er klagte ein, dass er bislang nur 9 Stunden Medienpräsenz bekommen habe, während Fillon schon in über 150 Stunden aufgetreten sei. Er ist Gaullist, das heißt, er sieht sich moralisch in der Tradition von de Gaulle, aber das tut ja auch Fillon nicht wahr; der gute Herr de Gaulle, der wirklich noch bis dahin ging, private Briefmarken zu kaufen, um sie auf seine private Post zu kleben, um nur ja nicht Staatsangelegenheiten mit Privatem zu vermischen, dreht sich vermutlich im Grab herum, bei all denen, die sich in seiner Nachfolge sehen. Dupont-Aignan ist auch Souverainiste, vereinfacht gesagt ist er gegen Europa und für ein eigenständiges, souveränes Frankeich, dessen Grenzen er wieder schließen will. Seine Ideen sind weniger abgegrenzt, die Übergänge zu denen Marine Le Pen’s sind fließend.  Débout la France! heißt sein Slogan. „Frankreich steh‘ auf!“, könnte man das übersetzen. Bei der letzten Präsidentschaftswahl hat er im ersten Wahldurchgang knapp zwei Prozent der Wählerstimmen erhalten. Sehr viel mehr wird ihm auch dieses Mal nicht vorausgesagt. Seine Wähler werden vermutlich im 2. Wahldurchgang zu Marine Le Pen wechseln.

Macron, der im Augenblick gerade mit Angela spricht, und den die taz in schöner Regelmäßigkeit kritisiert, hier giftig als Messias, hat sich, das ist jetzt schon ein paar Tage her, in den Banlieues sehen lassen, wo ihn zumindest die Kinder schon begeistert mit „Bonjour Monsieur le Président“ begrüßt haben (Vorfeiern bringt Unglück, sage ich nur!), was die FAZ bewegt, sich ebenfalls zu einem Bibelzitat hinreißen zu lassen: Lasset die Kindlein zu ihm kommen. Der Text ist leider kostenpflichtig, es gäbe eine französische Alternative. Die Jugendlichen der Banlieues hingegen haben nur abgewunken. „Glaub‘ bloß nicht, dass wir für dich wählen, wir wählen gar niemanden mehr, uns haben schon viel zu viele verarscht“, sagte der eine oder andere unverblümt in die Kamera.

Genau das ist das Problem. Nicht nur die Jugendlichen der Banlieues wählen nicht mehr, auch sehr, sehr viele junge Menschen sagen offen, dass sie sich enthalten wollen, denn unter den Kandidaten ist keiner, der sie überzeugt. Sie haben keine Lust „taktisch“ und „sinnvoll“ (utile) „gegen“ irgendjemanden zu wählen und sie wollen auch nicht das „kleinste Übel“ wählen. Nicht mal „Blanc“ wählen wollen sie (in einem früheren Beitrag erklärt), nein, sie gehen diesmal gar nicht zur Wahl. Sie haben plus rien à foutre avec la politique. Sie haben nichts mehr am Hut mit der Politik und diesen Politikern. Ich kann diese Entscheidung zwar verstehen, bei allem, was uns geboten wird, aber damit könnte die Wahl zugunsten von Le Pen ausgehen. Deren Wähler gehen nämlich zur Wahl, da können Sie sicher sein. Und wie viele andere von der Rechts-Links-Politik frustrierte Menschen sie ebenso wählen werden, steht noch nicht fest. „Le Pen ist die einzige, die wir noch nicht ausprobiert haben“, sagen sie. Das sagen auch viele ehemalige linke Stammwähler, die „Arbeiterklasse“, die sich abgehängt fühlt und von der linken Politik verraten, von der rechten sowieso. Ich lese dazu gerade Retour à Reims von Didier Eribon und kann Frl. Read On beruhigen, sie ist nicht die Letzte, die es liest, die Letzte bin vermutlich ich. Das liegt natürlich daran, dass das Buch Eribons in Frankreich schon 2009 erschienen ist, das interessiert hier schon keinen mehr. (2009 hat es jedoch mich noch nicht interessiert.) Eribon geht unter anderem der Frage nach, warum seine Mutter, eine Frau der „Arbeiterklasse“, heute FN wählt. Ob es darauf nun einen Antwort gibt oder nicht (bin noch nicht durch), gelernt hat man in Frankreich, so will es mir scheinen, nichts daraus. Ich weiß nicht, ob es nun in Deutschland etwas bewirken kann?!

Etwas bewirken, in Frankreich diesmal, möchte auch Manfred Flügge mit seinem „Brief an einen französischen Freund“. Der Titel ist eine Anspielung auf Albert Camus „Lettre à un ami allemand“, den Camus während des Zweiten Weltkriegs geschrieben hatte: eine Kritik an Deutschland und gleichzeitig die Hoffnung auf ein anderes Europa nach Beendigung des Krieges. Manfred Flügge kritisiert in seinem „Brief“ nun Frankreich, seine zweite Heimat (der Autor ist bilingue und lebt in Paris und Berlin), und ganz konkret den französischen Freund aus Jugendtagen, der sich zu einem FN-Wähler entwickelt hat. Flügge beschwört den Freund (und gleichzeitig Frankreich) sich nicht gegen die europäischen Werte zu stellen, nicht all das zu verwerfen, was sie als erste Generation nach dem Krieg gemeinsam aufgebaut haben: die deutsch-französische Freundschaft und den Anfang von Europa. Noch rechtzeitig zur Wahl kommt das Büchlein auch in französischer Sprache heraus, und der Autor begibt sich damit hoffnungsvoll auf Lesereise.  Wir zumindest werden dazu in Marseille sein, aber uns muss man weder von der deutsch-französischen Freundschaft noch von Europa überzeugen. Vielmehr sollten die Anhänger von Marine Le Pen ihn hören oder auch lesen, aber ich bin nicht sicher, ob man die mit dem Buch und/oder der Veranstaltung wirklich erreichen kann.

 

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Bestseller !!!

Wir sind so stolz, Christine und ich :D Danke Ihnen allen!!!

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Saisonauftakt

Nur die Füße im Wasser. Aber immerhin.

Füße im Wasser

Fundsachen: Blau

Blau

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12/12 im März 2017

Pepita, die den Unterschied zwischen Sonntag und Werktag nicht so ganz verinnerlicht hat, weckt mich um kurz vor sechs. „He!“, maunzt sie, „wo bleibst du denn? Futter! Streicheln!“

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Dann komme ich vor lauter Katzen-Futterquengelei und anschließendem Streichelbedürfnis kaum dazu, meinen Kaffee zu machen, geschweige denn die Zubereitung zu fotografieren,

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insofern hier ein Foto der vergangenen Woche. Das hätte ich Ihnen zwar auch so unterjubeln können, nicht aber Eva, die mir so liebe Eichhörnchen-Kaffee-Post gemacht hat. Vielen Dank, das gehört zu den „Was schön war-Erlebnissen“!

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Die Katze will gestreichelt werden. JETZT! SOFORT! STREICHLE MICH!

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Nur mit Mühe kann ich sie davon abhalten, dass sie sich heute nicht ständig auf die Tastatur legt.  Wir lesen gemeinsam ein bisschen im Internet herum. Bei der Kaltmamsell finde ich einen Text über das Sterben, und es tröstet mich, dort zu lesen, dass so viele Todkranke letzten Endes ersticken, weil man ihnen nicht mehr den ganzen Rotz absaugen kann. Ich habe mich jahrelang schuldig gefühlt, weil Patrick nämlich genau so neben mir erstickt ist und ich nichts dagegen machen konnte, und obwohl ich wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis er stirbt, habe ich trotzdem immer gedacht, ich habe ihn neben mir sterben lassen und im Krankenhaus hätte man noch etwas für ihn tun können.

Beim erneuten Lesen nachgetragen: Also natürlich ist es nicht tröstlich, dass Menschen an ihrem Lebensende ersticken, aber die Tatsache, dass es quasi „normal“ ist, hat mich getröstet, und dass ein hektischer Aufbruch ins Krankenhaus, der in unserem Fall gar nicht möglich gewesen wäre, nichts an der Tatsache ändert.

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Monsieur drängt mich zum sonntagmorgendlichen Radfahren, kleine Seniorenrunde. Hier das Foto des Rad-Klassikers, mit dem er mich trotzdem locker abhängt. Das Foto wurde auch schon an anderer Stelle zu einem ähnlichen Thema gepostet.

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Nein, Monsieur ist nicht der Herr in der gelben Weste und auch nicht der im windschnittigen Design, Monsieur ist schon nicht mehr sichtbar und bleibt es für den Rest der Tour, nur weil ich zwei Sekunden lang anhalte, um dieses Foto zu machen.

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Wir finden uns später wieder (weil er an einer Wegbiegung tatsächlich auf mich wartet!) und auf der Rückfahrt gibt es einen Grand Crème und ein Croissant an einem gerade so geöffneten Kiosk, noch nicht mal alle Stühle waren aufgestellt.

IMG_2017-03-12_11_30_28Danach ausgiebige Körperpflege, ein bisschen Entspannen. Dann pragmatisches Essenzubereiten. Es gibt Radieschen und ein paar der Apéro-Thymiankekse vom letzten Sonntag als Entrée. Bavette (dazu auch hier etwas), gedünsteten Chicorée (hier sagt man endives dazu) und Bandnudeln als Hauptgang. Den Rest vom gestrigen Milchreis als Nachtisch. Vergesse ich zu fotografieren. Hier nur das Danach-Foto.

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Zur Sieste komme ich nicht, weil ich schon wieder einen Anfall eines allergischen Schnupfens bekomme. Seit acht Tagen plagen mich verklebte Augen (keine Konatktlinsen möglich, sehr nervig), Schnupfen bis hin zu belegten Bronchien. Das ist neu und ich komme dem auch mit Antihistamintabletten nicht bei. Ist das Heuschnupfen? Ich mache eine erste Nasenspülung mit Salzwasser. Davon kein Foto. Sieht eklig aus.

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Damit und mit der Schnieferei bin ich beschäftigt, und um auf andere Gedanken zu kommen, gehe ich spontan ins Kino. Bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen Sonntagsnachmittags ins Kino gehen. Das wäre für mich früher nie drin gewesen, zwei Stunden des hellichten Tags im dunklen Kino zu verplempern. Kino ist wie Fernsehen, das macht man abends. Ich bekomme den vorletzten Platz in Lion, ein Adoptivdrama, das mich nicht nur berührt, sondern bei mir auch allerhand anderes auslöst. Da es ein australischer Film ist, zeigt der Film immerhin ansatzweise auch schwierige Momente des Themas Adoption, aber natürlich braucht es dafür einen zweiten Adoptivsohn, der sich trotz aller Liebe der Adoptiveltern nicht so wunderbar entwickelt („Ihr adoptiert auch immer unsere Vergangenheit“ versucht der „gut geratene“ Sohn seiner Adoptivmutter zu erklären, der sich bemüht seiner Mutter umsomehr Freude zu machen, weil der andere Sohn der Adoptivmutter „Leid zufügt“. Ach je.) Ich sehe den Film in französisch synchronisierter Fassung, es stört mich an der einen oder anderen Stelle. Deutsch synchronisierte Filme kann ich gar nicht mehr ertragen. Und deutsche Filme, die französisch synchronisiert sind (passiert manchmal auf arte) bleiben mir total fremd. Da kann ich der Handlung oft nicht folgen, weil mich diese „falschen“ Stimmen und Satzmelodien so irritieren.

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Zuhause gibts Reste von gestern und heute zum Abendessen. Dann telefoniere ich mit einer Freundin, deren Mann noch immer im Krankenhaus liegt. Auch nach acht Tagen, weiß man nicht richtig, was er eigentlich hat. In der Nacht aber hatte er Todesangst und rief zweimal die Nachtschwester, die ihn zweimal zurechtwies und sagte „Sie haben nichts“ und „Das kann bis morgen warten“. Daraufhin rief er über sein Handy den Notarzt an, der wiederum glaubte, der Patient wolle sich über ihn lustig machen „Sie sind schon im Krankenhaus, was wollen Sie denn noch“.

Heute Abend im Fernsehen die Qual der Wahl. Wir sehen Liberace. Hm. Mir fehlt da ein bisschen Spannung, aber wahrscheinlich ist es schon großartig, dass es einen US-amerikanischen Schwulenfilm gibt, in dem Michael Douglas die Hauptrolle spielt.

IMG_2017-03-12_21_07_45Dann stelle ich noch schnell die Fotos für 12 von 12 im März rein und das war mein Tag. Schon wieder mehr als 200 andere 12/12er bei Frau Kännchen.

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Frühjahrsschnitt

Es geht losHeute bekam unsere Palme ihren Frühjahrsschnitt verpasst. Die Nachbarn hatten sich schon mehrfach beschwert, dass die Palmwedel gegen ihre Fenster schlugen und nachdem wir die Palmzweige in den letzten Jahren immer, mühsam auf der Leiter balancierend, selbst abgesägt haben, haben wir dieses Mal einen Gärtner beauftragt. Was für ein Unterschied! C’est un métier! sagt man hier, wenn man ausdrücken will, dass man manches eben besser in die Hände von Professionnellen gibt. Der Gärtner war eine gute Wahl. Innerhalb kürzester Zeit hatte er nicht nur die Palme beschnitten, sondern auch den fetten Stamm in Form gefräst.

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K800_DSC01997Das üppige Kleinbiotop mit Farn, das in den abgesägten Palmschuppen wuchs, und uns eigentlich ganz gut gefiel, wird auch wieder ausschlagen, da der Gärtner die Palme nicht bis auf den Stamm gereinigt hat.

K800_DSC02014Der Gärtner hat auch ein leeres Nest des Charencon rouge, des Käfers, der hier die Palmen kahlfrisst, gefunden. Aber keine anderen Spuren und bislang hält sich die Palme, die sich vor etwa 50 Jahren hier selbst angesiedelt hat, tapfer gegen die Attacken der gefräßigen Eindringlinge.

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K800_DSC02005Nebenbei bekam auch die lang nach oben schießende Mimose einen Schnitt ab und zwei von unseren drei Orangenbäumen, die diesen Winter endgültig abgestorben sind, wurden auch entfernt. Zack. Fertig. Und alles sauber. Genial.

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Himmel 1-3

Himmel abstrakt 1

Himmel abstrakt 2

Himmel abstrakt 3

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Zwischenröcheln

Ich werd‘ noch heiser vom Zwischenrufen, wenn das so weiter geht. Seit über dreißig Tagen reden wir nur über Fillon und das „Penelopegate“ und wir werden auch noch weitere 50 Tage nur darüber reden, so wie es aussieht. Im Gorafi, einem satirischen Onlinemagazin, wird schon gewitzelt, dass Benoît Hamon selbst kompromittierende Unterlagen über sich an den Canard Enchainé gesendet hätte, damit endlich auch mal von ihm geredet würde. So siehts aus.

Dass Fillon am Sonntag auf einem Platz, der 50.000 Personen aufnehmen kann, angeblich 200.000 Anhänger versammelt hat, haben Sie mitbekommen, n’est-ce pas? Ob es nun 50 oder 80 Tausend waren, es hat ihm gereicht, um selbstgefällig „seht ihr wohl!“ zu sagen, und natürlich bleibt er Kandidat. Auch wenn die Rechte um ihn herum abbröckelte und Juppé drang, sich für einen „Plan B“ aufstellen zu lassen. Doch Juppé hat gestern „ein für allemal“ erklärt, er stehe nicht für einen „Plan B“ zur Verfügung. Dieser sogenannte Plan B hätte sowieso nur zustande kommen können, wenn Fillon einverstanden gewesen wäre, zugunsten Juppés zurückzutreten. Es gibt nämlich kein Gesetz, einen in der „Primaire“ gewählten Kandidaten abzusetzen, selbst wenn der krank oder verrückt werden würde, wie neulich ein Politiker durchaus mit Bedauern sagte. Also, kein Plan B, auch kein Plan C, Fillon bleibt uns erhalten. Quelle honte!

Wir haben einen Kandidaten, der ein Strafverfahren gegen sich laufen hat. Und eine Kandidatin mit einem ähnlich gelagerten Problem; auch sie wettert, dass man sie mit dieser Anklage, die „ausgerechnet jetzt“ käme, politisch schwächen wolle. Sie will nicht mal zur Vorladung gehen, behauptet sie. Eine angeklagte Kandidatin, die die Justiz missachtet. Auch schön.

Wen haben wir noch? Ach, ja Macron. Der habe jetzt einen „Boulevard“ vor sich, heißt es, eine breite Straße, auf der er bis zur Wahl schlendern könnte, wenn er nicht nochmal einen Fauxpas begehe wie diesen Satz über die Kolonisation Algeriens, die ein Verbrechen gegen die Menschheit/(lichkeit) gewesen sei. So etwas sagt doch kein Staatsmann, wird gemurrt. Und das haben ihm viele nicht verziehen. Er sei zu jung, zu unreif sagen die Kritiker, man wisse nicht, wen man wirklich vor sich habe, und sie fragen auch, wer eigentlich seinen Wahlkampf finanziere.

Mélenchon, die Écolos und Benoit Hamon haben keinen Kompromiss finden können, und treten jeder einzeln an, nur die Écolos, die Grünen, haben sich hinter Benoît Hamon gestellt.

Bisschen Tratsch gefällig? Kurz vor dem Beginn des Wahlkampfes haben sich alle Kandidaten von einer beliebten Moderatorin interviewen lassen: Karine Le Marchand moderiert seit Jahren erfolgreich die Serie „L’amour est dans le pré“ und bringt dort auch den stoffeligsten Landwirt dazu, über seine Sehnsüchte und Träume zu reden. Sie empfing in der Sendung „Ambition intime nacheinander einzeln jeden Kandidaten auf ihrem Sofa und scherzte, plauderte, fragte und hörte zu, was die Politiker ihr anvertrauen wollten. Und alle haben der Einladung Karine Le Marchands Folge geleistet, selbst Marine Le Pen und Fillon plauderten aus dem Privatleben. Die Sendung, Trash hin oder her, hat den Politikern sehr viel Sympathien eingebracht. Allen? Nein. Nicht allen. Benoît Hamon hatte kurzfristig abgesagt. Er wollte nicht über seine Lebensgefährtin Gabrielle Guallar sprechen, die in verantwortlicher Stellung für den Luxuskonzern LVMH arbeitet. Schlecht für das Bild eines radikalen Linken. Aber, immerhin, und anders als manch andere Politikergattin, arbeitet sie wirklich.

Ach, allerletzte Neuigkeit: Rama Yade, ehemalige Staatssekretärin unter Sarkozy und Fillon, hat sich gerade entschieden, auch als Kandidatin anzutreten. La France qui ose, (in etwa „Frankreich wagt es“), heißt ihre Bewegung, die sich irgendwo in der Mitte, aber rechts von Macron bewegt. Sie hat aber erst 113 Bürgermeister, die sie unterstützen wollen, hinter sich. 500 braucht sie, um sich präsentieren zu können.

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WMDEDGT März 2017

Heute ist, wie immer am 5., Tagebuchbloggen bei Frau Brüllen.

Schon wieder ein Sonntag.

6 Uhr: wach geworden, um Viertel nach Sechs aufgestanden, mache mir einen Kaffee (überwiegend entcoffeiniert), esse ein paar Kekse, streichle die ungestüme und liebebedürftige Pepita und lese im Internet herum. Und sagte ich es nicht, wenn die etwas jüngere Bloggerinnengeneration in die Jahre kommt, kann man auch darüber schreiben (Achtung der Text hinter dem Klick könnte sensible LeserInnen verstören).

7 Uhr: es ist hell!

7.02 Uhr Ich suche noch einmal das Rezept für die Pintade / das Perlhuhn und ein anderes für Orangensauce. Heute haben wir Gäste, Freunde von Monsieur kommen und ich habe zusätzlich eine Freundin aus den Bergen eingeladen, deren Mann vorgestern in Cannes ins Krankenhaus eingeliefert worden ist.

8 Uhr Monsieur ist wieder wach (er ist zu einem Etappenschläfer geworden und hat schon mitten in der Nacht Geschirr gespült) – jetzt kann ich auch lauter herumwurschteln und den Tisch decken. Da liegt aber noch Pepita, die alles vom Tisch auf den Boden geworfen hat, weil ich mich nicht genug um sie kümmere. Daher gehe ich zuerst ins Bad.

ab 9 Uhr etwa stehe ich in der Küche. Kümmere mich zunächst um die Pintade, die trotz einer Nacht im Vorratsschrank noch etwas gefroren ist. Die Pintade stammt von einem kleinen Producteur aus den Bergen und ich mache sie sie à l’orange. Da improvisiere ich ein bisschen mit verschiedenen Rezepten, ich reibe gern auch ein bisschen weiche Butter, die ich mit den Zesten der Orangen vermengt habe, unter die Haut der Pintade und mache eine Orangensauce (und werfe etwas von meiner verunglückten Orangenmarmelade dazu)

Ich habe gestern auf dem Markt Bintje-Kartoffeln gefunden, die gibt es hier nicht so oft. Früher habe ich mir wenige Gedanken um Kartoffelsorten gemacht. Es gibt da aber durchaus Unterschiede. Ich werde also ein schönes Kartoffelpüree machen. Hätte gerne ein Gratin gemacht, aber der Ofen wird ja schon von der Pintade besetzt. Das hin und herjonglieren mit zwei Gerichten im Ofen ist mir zu nervig. Als Vorspeise gibt es frischen (dampfgegarten) Lauch, den ich gestern bei einem rundlichen und vergnügten Producteur auf dem Markt gekauft habe, genau der, der auch die schönen Kartoffeln hatte.  Zum Lauch gibts nur eine Vinaigrette. Das ist lecker und geht hier auch als Vorspeise durch. Nachtisch muss ich nicht machen, der wird mitgebracht. Das ist in Frankreich häufig der Fall. Das alles habe ich vorbereitet, den Tisch habe ich auch gedeckt und um Viertel vor Zwölf schiebe ich die Pintade in den Ofen. Dann renne ich nochmal ins Bad, föhne die Haare und werfe etwas Make-up ins Gesicht. Zum Umziehen komme ich nicht mehr, denn, erstaunlich pünktlich für Franzosen, klingelt es schon.

12 Uhr: die Gäste sind da. Wir plaudern und es gibt Apéro. Dafür habe ich gestern Abend schon Thymian Shortbread gemacht. Es gibt auch noch Oliven und frische Radieschen. Und Orangengenwein, alkoholfreien Bitter und Pastis für die Herren. Ich renne immer mal wieder in die Küche um die Pintade zu begießen und jage nebenbei Pepita vom gedeckten Tisch.

12.45 Wir essen. Vorspeise: dampfgegarten Lauch mit Vinaigrette. Hauptspeise: Pintade à l’orange, Orangensauce und Kartoffelpürree. Käse: Tome de Brébis (Schafskäse) aus Sardinien und frischen (weichen und halbfesten) Schafskäse. Dazu ein paar Blättchen Feldsalat. Die mitgebrachte Apfeltarte. Kaffee. Dazu noch ein paar Datteln und kandierter Ingwer.

Stop Corruption15 Uhr: Ich unterbreche und schlage, zum Amüsement der Gäste, auf dem Balkon etwas auf einen Topf und lasse mich für die Aktion #StopCorruption #CasserolesPartout fotografieren. Ich bin aber vermutlich die einzige, die in Cannes auf einen Topf geschlagen hat. Wir fangen an, über Politik zu reden und schalten den Fernseher ein: es sind doch erstaunlich viele Menschen zur Unterstützung Fillons gekommen. Sehr viele. Und das trotz Regen. Zweihunderttausend wie die Veranstalter sagen, sind es vielleicht nicht, aber doch mehrere Zehntausend und genau so viele Blau-weiß-rote Fähnchen wedeln im Wind. Später auch Regenschirme. Fillon spricht: Ils pensent que je suis seul. Ils veulent que je sois seul. Est-ce que je suis seul? (Sie denken, dass ich alleine bin. Sie wollen, dass ich alleine bin. Bin ich alleine?) Nooooon! ruft die Menge. Voilà, er wird weitermachen. Ich suche vergeblich etwas zur Gegendemonstration auf der Place de la République. Später sehe ich, dass dort nur ein paar Hundert Menschen zusammengekommen sind.

16.25 Uhr gehen die Gäste. Monsieur macht eine Sieste. Ich bleibe müde vor dem Fernseher hängen und schreibe hier.

18.45 Uhr Jetzt entschlossen den Fernseher ausgemacht. Kuschele mich mit einer Wärmflasche aufs Sofa und lese etwas. Viel mehr passiert heute nicht mehr.

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Zwischenruf: casseroles partout

casseroles partout

Für morgen 15 Uhr sind zahlreiche Gegendemonstrationen zur „Versammlung“ Fillons geplant. In Paris auf der Place de la République, aber auch überall im Land, soll ein lautes Konzert mit Kochtöpfen (casseroles) angestimmt werden. Für drei Minuten soll man, egal wo man sich befindet, am Fenster, auf dem Balkon, im Garten, mit Löffeln auf Kochtöpfe schlagen. Mit dieser Art Konzert wurde Fillon in den letzten Tagen auf dem Weg zu seinen Wahlkampfreden schon an der einen oder anderen Stelle begrüßt.

Nun, gedacht ist, dass man davon zusätzlich ein Foto macht und es dann auf allen Social Media Platformen hochlädt: #StopCorruption, #CasserolesPartout

Morgen mittag haben wir Gäste, gegen 15 Uhr sind wir vielleicht gerade beim Nachtisch angelangt, da könnte man durchaus ein Päuschen einlegen und ein bisschen Krach machen. We keep you informed!

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